{"id":651,"date":"2019-02-13T19:13:18","date_gmt":"2019-02-13T18:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=651"},"modified":"2019-02-13T19:13:24","modified_gmt":"2019-02-13T18:13:24","slug":"pfitzner-sonate-fuer-pianoforte-und-violoncell-fis-moll-op-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/pfitzner-sonate-fuer-pianoforte-und-violoncell-fis-moll-op-1\/","title":{"rendered":"Pfitzner: Sonate f\u00fcr Pianoforte und Violoncell, fis-moll, op.1"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hans Pfitzner<\/h3>\n\n\n\n<p>* 05. Mai 1869<br>\u2020 22. Mai 1949<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sonate f\u00fcr Pianoforte und Violoncell, fis-moll, op.1<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Frankfurt am Main, 1890<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Heinrich Kiefer (1867-1922)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Frankfurt\/Main, Saal der Loge Carl, 21. J\u00e4nner 1891<br>\nHeinrich Kiefer, Violoncello<br>\nHans Pfitzner, Klavier<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Pfitzners Studien am Frankfurter \u201eHoch\u00b4schen Conservatorium\u201c, wo er \nvon 1886 bis 1890 einen Freiplatz hatte, endeten ganz ohne Glanz und \nGloria:<br>\n<br>\n\u201eDer administrative Direktor der Anstalt, der aus dem selben Holz wie \nScholz geschnitzt war, lie\u00df mich eines Tages zu sich kommen und sprach \nin der Oberlehrerweis\u00b4 also zu mir: \u201eHerr Pfitzner, Ihre Freistelle ist \nin dem kommenden Monat abgelaufen; haben Sie schon einmal dar\u00fcber \nnachgedacht?\u201c Nein, dar\u00fcber hatte ich noch nicht nachgedacht. Ich \npflegte \u00fcber andere Dinge nachzudenken. Aber ich wollte fort.<br>\nUnd ich ging auch.\u201c<br>\n<br>\nObwohl Pfitzner &#8211; wie auch dieser Passus aus den zwischen 1946 und 1949 \nniedergeschriebenen \u201eEindr\u00fccken und Bildern meines Lebens\u201c erkennen l\u00e4\u00dft\n &#8211; die Studienzeit unter dem tyrannischen und erzkonservativen Direktor \nBernhard Scholz (dessen eigene Sturm- und Drangzeit an der Seite von \nSchumann und Brahms wohl schon allzu weit zur\u00fcck lag) zeitlebens in \ndenkbar schlechter Erinnerung behielt, waren diese Jahre f\u00fcr ihn doch in\n vieler Hinsicht sehr fruchtbar. Die damals noch sehr junge Anstalt \n(gegr\u00fcndet 1878) hatte ambitionierte und unverbrauchte Lehrer: Pfitzners\n Kompositionslehrer, Iwan Knorr (1853-1916), den Brahms seinem Freund \nScholz empfohlen hatte, in Pfitzners Worten \u201eein Anh\u00e4nger der \n\u00bbM\u00e4\u00dfigkeitsschule\u00ab\u201c, lie\u00df den ebenso jungen wie ungest\u00fcmen und \naufr\u00fchrerischen Komponisten mit am\u00fcsierter Gelassenheit gew\u00e4hren &#8211; was \nf\u00fcr eine Pers\u00f6nlichkeit wie die Pfitzners wohl das beste war, was ihm \nwiderfahren konnte. Im Hause seines Klavierlehrers James Kwast \n(1852-1927), der mit der schauspielerisch begabten Tochter Ferdinand \nHillers verheiratet war, erhielt er vielf\u00e4ltige Anregungen;  da\u00df die bei\n Pfitzners Studienbeginn eben siebenj\u00e4hrige Tochter des Hauses 1899 \nseine Frau werden sollte, konnten damals freilich weder Sch\u00fcler noch \nLehrer ahnen. <br>\nDoch weit wichtiger als die Lehrer waren die Freunde. Schon 1878, beim \nEintritt in die Sexta der Frankfurter Klingerschule, hatte er seinen \n\u201eUrfreund\u201c gefunden: Paul Nikolaus Cossmann (1869-1942), Sohn des \nber\u00fchmten Cellisten Bernhard Cossmann (1822-1910), der unter den fr\u00fchen \nInterpreten des Schumannschen Cellokonzertes wohl der wichtigste und \nkompetenteste gewesen war und den die Gr\u00fcndung des \u201eHoch\u00b4schen \nConservatoriums\u201c nach Frankfurt gef\u00fchrt hatte, wo er als gesuchter \nLehrer bald einer der Hauptanziehungspunkte dieser Anstalt wurde. Die \nbeiden schienen f\u00fcreinander vorherbestimmt: Beide waren in Moskau \ngeboren, wo schon ihre V\u00e4ter einander kennengelernt hatten (Bernhard \nCossmann als Lehrer am Konservatorium, Karl Robert Pfitzner, der in \nseiner Jugend der sechste Sch\u00fcler des von Mendelssohn gegr\u00fcndeten \nLeipziger Konservatoriums gewesen war, als Geiger des Opernorchesters). \nDie Intensit\u00e4t dieser Freundschaft, die ihren Niederschlag in einem \nfaszinierend inhaltsreichen und nahezu un\u00fcberschaubaren Briefwechsel \nfindet, hebt sie \u00fcber alle anderen vergleichbaren Beziehungen Pfitzners \nhinaus. Dann war da der Klarinettist Carl Dienstbach, in dessen \nmalerisch im Taunus gelegenen Heimatst\u00e4dtchen Usingen die \nPfitzner-Freunde mit Carls f\u00fcnf Geschwistern viele vergn\u00fcgte Stunden \nverbrachten. Und eines Tages tauchte am Hoch\u00b4schen Conservatorium ein \nneuer Z\u00f6gling auf, der sofort die Aufmerksamkeit des Komponisten \nerweckte: \u201eGro\u00df, schlank, blond, mit viel zu engen schwarzen Hosen, und \neinem Schlapphut mit Riesenrand, nach allen Seiten h\u00f6flich gr\u00fc\u00dfend\u201c \nbetrat Heinrich Kiefer die B\u00fchne von Pfitzners Leben.<br>\n<br>\n\u201eWir zwei schlossen sehr bald Freundschaft; wann und bei welchem Anla\u00df \ndie erste Ann\u00e4herung stattfand, wei\u00df ich nicht mehr. Wir mu\u00dften wohl \ngegenseitig von unserer Begabung und unserem Streben mehr gehalten haben\n als zum Beispiel unser Direktor Bernhard Scholz, der eine \nun\u00fcberwindliche Abneigung gegen alles Talentvolle hatte. So waren wir \nbeide an dieser Stelle nicht sehr gut angeschrieben und dadurch \nSympathiegef\u00e4hrten; als Freisch\u00fcler au\u00dferdem zur Bescheidenheit \nangehalten.\u201c<br>\n(Hans Pfitzner, Zum Ged\u00e4chtnis Heinrich Kiefers, 1926)<br>\n<br>\nDas Schicksal hatte da zwei ungleiche Freunde zusammengef\u00fchrt &#8211; schon \nrein \u00e4u\u00dferlich war ein gr\u00f6\u00dferer Gegensatz zu dem schm\u00e4chtigen, fast \nkindlich wirkenden Pfitzner mit seinen 1,64 m kaum denkbar:<br>\n<br>\nEin blondlockiger K\u00fcnstler, ein echter Bayer von herkulischer Kraft, der\n w\u00e4hrend seines ausdauernden, stundenlangen \u00dcbens eher das Essen als das\n Trinken verga\u00df. Wie oft habe ich ihn schon am fr\u00fchen Vormittag, nur \nnotd\u00fcrftig bekleidet mit Hemd und Hose, im Schwei\u00dfe seines Angesichts \nbeim Studium \u00fcberrascht, umgeben von seinen Bierflaschen und eingeh\u00fcllt \nin schneidenden, atemberaubenden Tabakdunst.<br>\n(Hermann Hock, Ein Leben mit der Geige, Frankfurt\/Main, 1950)<br>\n<br>\n\u201eDer Neue\u201c wurde der brillanteste Sch\u00fcler Bernhard Cossmanns. Seine \nmanuelle Virtuosit\u00e4t und sein fast zwanghafter \u00dcbungsflei\u00df waren bald \nsprichw\u00f6rtlich, und so scheint es nur nat\u00fcrlich, da\u00df die erste Frucht \ndieser K\u00fcnstlerfreundschaft ein ausgesucht schwieriges Cellokonzert \n(a-moll, 1888) war, das Pfitzner f\u00fcr Heinrich Kiefer schrieb: <br>\n<br>\n\u201eDas Werk, von meinem Lehrer Iwan Knorr f\u00fcr ein Pr\u00fcfungskonzert \nempfohlen, erregte die Begeisterung Kiefers und das wohlwollende \nInteresse seines Meisters, des ber\u00fchmten Cellisten und Nestors der \nKonservatoriumsprofessoren Bernhard Cossmann. Kiefer machte sich die \nschwierige Cellopartie erstaunlich schnell zu eigen. Das Konzert mu\u00dfte \ndie Zensur der Ohren des Herrn Direktors passieren. Mit vollendeter \nVirtuosit\u00e4t wurde es in Gegenwart Professor Cossmanns, unter meiner \nBegleitung, dem Gewaltigen vorgef\u00fchrt. Schon dieser Vortrag h\u00e4tte \nverdient, da\u00df das Werk auf dem Pr\u00fcfungskonzert erklungen w\u00e4re; es w\u00e4re \nein H\u00f6hepunkt der Vorf\u00fchrungen gewesen, und den jungen, strebenden \nK\u00fcnstlern ein Ansporn und eine Wonne. Statt dessen war ein Wutausbruch \nScholzens die Wirkung. Da, wie ich f\u00fcrchte, einige \u00fcberm\u00e4\u00dfige Drwikl\u00e4nge\n darin vorkamen, fand er es \u201everwagnert\u201c(die schlimmste Ketzerei f\u00fcr \nihn); aber am meisten erregte seinen Zorn die skandal\u00f6se Tatsache der \nAnwendung von drei Posaunen. \u201eDrei Posaunen in einem Cellokonzert!!\u201c Mit\n diesem Entr\u00fcstungsruf verlie\u00df er, fernabdonnernd, das Lokal. Das \nKonzert, als Sch\u00fclerkomposition eine starke Talentprobe, wurde nie \naufgef\u00fchrt; zwei junge Menschen waren um eine Bitternis reicher[,] und \neine Ungerechtigkeit mehr war in der Welt.\u201c<br>\n(ibidem)<br>\n<br>\nNun m\u00f6gen, wie Peter Cahn in seiner detailreichen Geschichte des \n\u201eHoch\u00b4schen Conservatoriums\u201c (Frankfurt\/Main 1978) nahelegt, durchaus \nauch andere Gr\u00fcnde f\u00fcr die br\u00fcske Reaktion des gestrengen Direktors in \nBetracht kommen &#8211; Pfitzner und Kiefer hatten mit dem Geiger Heinrich \nDiehl erst kurz zuvor das Klaviertrio op.26 von Bernhard Scholz \naufgef\u00fchrt; war das etwa nur eine plumpe captatio benevolentiae gewesen?\n -, jedenfalls konnte und wollte Pfitzner nicht zulassen, da\u00df diese \nNiederlage den Endpunkt seiner Zusammenarbeit mit Kiefer bilden sollte. \nUnd so finden wir ihn 1890, zur selben Zeit, als sein \n\u201eFreisch\u00fcler\u201c-Dasein endet, an der Komposition eines neuen Werkes f\u00fcr \nden Freund: der \u201eSonate f\u00fcr Pianoforte und Violoncell\u201c, die sein Opus 1 \nwerden sollte.<br>\n<br>\nDer Zufall wollte es, da\u00df in Wiesbaden,  also in Pfitzners unmittelbarer\n Nachbarschaft, der um vier Jahre j\u00fcngere Max Reger gerade zur selben \nZeit auch an seinem programmatischen Opus 1 arbeitete, einer \u201eSonate f\u00fcr\n Pianoforte und Violine\u201c in d-moll. (Reger war zu dieser Zeit Sch\u00fcler \nHugo Riemanns, bei dem auch Pfitzner sp\u00e4ter kurze Zeit Unterricht nahm.)\n Die fundamental unterschiedliche Produktionsweise der beiden \njugendlichen Meister l\u00e4\u00dft sich schon am Werkkatalog ablesen: Reger, der \nsich gewisserma\u00dfen \u201evegetativ\u201c in seine Werke hineinschrieb, lie\u00df dieser\n ersten Violinsonate schon einige Monate sp\u00e4ter eine zweite folgen &#8211; \ninsgesamt brachte er es in seinen dreiundvierzig Lebensjahren auf neun \nViolin- und vier Cellosonaten (und ein Gesamtwerk von 146 Opusnummern); \nPfitzner, dem sich jedes Werk als innere Schau gestaltet haben mu\u00dfte, \nbevor er es zu Papier bringen konnte, hat (wenn man die unvollendeten \nund verlorenen Studienarbeiten beiseite l\u00e4\u00dft) in einem achtzigj\u00e4hrigen \nLeben nur je eine Violin- und Cellosonate geschrieben. (Zu den 57 \nOpusnummern des Pfitznerschen Werkes mu\u00df man freilich die ohne Opuszahl \nerschienenen gro\u00dfen musikdramatischen Werke hinzuz\u00e4hlen, die in Regers \n\u0152uvre ganz fehlen.)<br>\n<br>\nAls Motto stellte Pfitzner seinem Werk den Heine-Vers \u201eDas Lied soll \nschauern und beben\u201c voran &#8211; sicherlich eine Reverenz an den Dichter und \nseinen Komponisten (Schumann, Dichterliebe, op.48 Nr.5), viel mehr aber \nnoch eine Chiffre f\u00fcr Pfitzners musikalische Poetik. Die Tonart des \nWerkes ist \u00fcbrigens nicht die des Schumannschen Liedes &#8211; aber da\u00df das \ngew\u00e4hlte Fis-moll doch auch ein Schumann-Echo sei, darf man ruhig \nannehmen: Es ist die Tonart von Schumanns, Clara Wieck gewidmeter, \nerster Klaviersonate (op.11).<br>\nEin derartig mit programmatischen Ankl\u00e4ngen befrachtetes Debutwerk w\u00e4re \neigentlich pr\u00e4destiniert daf\u00fcr, im Epigonalen befangen zu bleiben, oder \nzumindest von der Entwicklung des Komponisten alsbald \u00fcberholt zu \nwerden: Beides ist durchaus nicht der Fall. Noch viele Jahre nach der \nEntstehung der Sonate w\u00e4hlte Pfitzner ihr Incipit als musikalisches \nMotto seines von Willy Preetorius gezeichneten Exlibris; und wie seine \nKonzertprogramme belegen, ist er seinem Jugendwerk auch als Interpret \ntreu geblieben<br>\n<br>\nDie beiden Auff\u00fchrungen, deren kritische Resonanz hier zusammengetragen \nist, sind wichtige, aber nicht im praktischen Sinne entscheidende \nStationen auf Pfitzners lamgem und beschwerlichem Weg zu seinem \nPublikum. Die Frankfurter Urauff\u00fchrung, die das Freundspaar \nPfitzner-Kiefer bestritt (21. J\u00e4nner 1891) war ein Versuch des sang- und\n klanglos vom Konservatorium abgegangenen Studenten, sich in seiner \nVaterstadt einen Namen zu machen. Die Wahl des Saales &#8211; der Saal der \nLoge Carl wurde immer wieder f\u00fcr Veranstaltungen des Hoch\u00b4schen \nConservatoriums ben\u00fctzt &#8211; zeigt, da\u00df es Pfitzner auch darum ging, sich \nvor dem Institut, das ihn verkannt hatte, zu behaupten.<br>\n<br>\nRezensionen der Urauff\u00fchrung <br>\n(Frankfurt\/Main, 21. J\u00e4nner 1890)<br>\n<br>\nBei Gelegenheit unserer Besprechung der letzten Pr\u00fcfungs-Concerte des \nDr.Hoch\u00b4schen Conservatoriums machten wir schon auf das hervortretende \nTalent des Herrn Pfitzner aufmerksam. Herr Pfitzner hat seit Kurzem \nZwang und Fessel der Schule abgesch\u00fcttelt und ist zum ersten Mal vor das\n Forum der gro\u00dfen \u00d6ffentlichkeit getreten. Der kleine nerv\u00f6se, etwas \nhastige Musiker ist ganz ungew\u00f6hnlich, besonders f\u00fcr die Composition, \nbegabt. Sowohl die Cello-Klaviersonate wie die zwei S\u00e4tze des \nStreichquartettslegten hinreichend Zeugni\u00df f\u00fcr ausgesprochene Bef\u00e4higung\n ab. Aber Herr Pfitzner mu\u00df noch viel Notenpapier beschreiben, bis sich \nsein Talent gesetzt, gefestigt und gekl\u00e4rt haben wird. In der \nmusikalischen Ausdrucksweise fehlt ihm noch das Zielbewu\u00dfte in der Form,\n noch die Harmonie und n\u00f6tige Knappheit, im Charakter die \nSelbst\u00e4ndigkeit und das Einheitliche. Daf\u00fcr bietet der junge Componist \nschon jetzt originelle Gedanken und Einf\u00e4lle bei betr\u00e4chtlicher \ntechnisch-compositorischer Beherrschung. In seinem musikalischen Innern \nsummt, schwirrt und saust es kr\u00e4ftig, das ist die Hauptsache. Bei \neiniger Ruhe und Concentration kann man Herrn Pfitzner eine sch\u00f6ne \nntwicklung seines Talents in Aussicht stellen. Als Interpret seiner \neigenen St\u00fccke zeigte sich der Concertgeber auch als feinf\u00fchlender, \nsattelfester Pianist. &#8211; Herr Heinrich Kiefer, der Herrn Pfitzner bei der\n Cellosonate bestens unterst\u00fctzte, dokumentierte [&#8230;] bedeutende Anlage\n zur Virtuosit\u00e4t. [&#8230;] Die Betheiligung seitens des Publikums war sehr \nlebhaft, der Beifall nach allen Vortr\u00e4gen \u00fcberaus herzlich.<br>\n(-h im Generalanzeiger vom 23. J\u00e4nner 1891))<br>\n<br>\nHans Pfitzner, der als Z\u00f6gling des Dr. Hoch\u00b4schen Conservatoriums bei \nGelegenheit der Schlu\u00dfpr\u00fcfungen durch seine Compositionsbegabung und \nsein Klavierspiel sich r\u00fchmend hervorthat, hat sich jetzt auf eigene \nF\u00fc\u00dfe gestellt und ist gestern zum ersten Male vor eine gr\u00f6\u00dferer \n\u00d6ffentlichkeit getreten. In einer Cello-Klaviersonate und zwei S\u00e4tzen zu\n einem Streichquartett dokumentirte Herr Pfitzner wieder entschiedenes \nnicht gew\u00f6hnliches Talent f\u00fcr musikalische Produktion. Bei der gro\u00dfen \nJugend des Concertgebers ist es nat\u00fcrlich, da\u00df es jetzt in seiner \nStrurm- und Drangperiode noch t\u00fcchtig g\u00e4rt. Nach dieser Periode wird \ngewi\u00df die n\u00f6thige Kl\u00e4rung und Verfeinerung nicht ausbleiben[,] und eine \nsich jetzt schon bemerkbar machende Individualit\u00e4t wird sich sicher noch\n mehr befestigen. In der Cellosonate, die eigentlich mehr den Charakter \neiner Klaviersonate tr\u00e4gt, machen der erste und dritte Satz durch \noriginelle Erfindung und geschickte Arbeit einen recht g\u00fcnstigen \nEindruck, der zweite und besonders aber der vierte Satz verwischen \ndieser wieder durch Zerfahrenheit, Unklarheit, die durch aller Art \ngesuchter Modulationen hervorgerufen werden. &#8211; Erwies sich der \nConcertgeber bei seinen St\u00fccken wieder als technisch entwickelter, sehr \nmusikalischer Pianist, so behauptete sich Herr Heinrich Kiefer wieder \nals gediegener und virtuoser Cellosoieler. [&#8230;] Das zahlreich \nerschienene Publikum nahm alle Leistungen mit lebhaftem Beifall auf.<br>\n(R. P. in der Kleinen Presse vom 23. J\u00e4nner 1891)<br>\n<br>\n&#8230;Das rege Interesse, welches an hiesigem Orte dem talentvollen \naufstrebenden Mitb\u00fcrger entgegen gebracht wird, bekundete sich \naugenscheinlich in dem au\u00dferordentlich starken Besuch des Concertes. \n[&#8230;] Das Schlu\u00dfst\u00fcck des Concerts, die Sonate in Fis-moll f\u00fcr Klavier \nund Violoncello [&#8230;]  war die pi\u00e8ce de r\u00e9sistance. Ernstes Streben nach\n hohen Idealen tritt in jedem Satz des Werkes, in welchem nirgends \nAllzugew\u00f6hnliches oder gar Triviales, daf\u00fcr aber manches Eigenartige und\n Stimmungsvolle emporsprie\u00dft, deutlich zu Tage. Gleichwohl k\u00f6nnen wir \ndie Sonate als Ganzes kein wohlgelungenes Kunstwerk nennen. Alle S\u00e4tze, \nmit Ausnahme des Scherzo, das ein ebenso frisches, als in seiner \nKnappheit wohlabgerundetes Tonst\u00fcck ist, leiden darunter, da\u00df die rege \nPhantasie ihres Autors nicht von ausgereifter Kraft des Gestaltens \nunterst\u00fctzt wird. Die bezeichneten S\u00e4tze sind nicht wie aus einem Gu\u00df; \ndie F\u00e4den, welche das Gewebe zusammenhalten, sind zu lose angezogen, die\n Modulationen sind oft zu weitschweifig und regellos, die Themen sind \nzum Teil nicht mit der n\u00f6tigen Klarheit zur Anschauung gebracht. Das \nFinale, welchem es ohnehin an der charakteristischen Lebhaftigkeit und \nLeichtigkeit gebricht, leidet unter den angef\u00fchrten M\u00e4ngeln am meisten. \nAlle S\u00e4tze fanden lebhaften Beifall, doch den meisten fand mit vollem \nRecht das Scherzo.<br>\n(A. G. im Frankfurter Journal vom 23.(?) J\u00e4nner 1891)<br>\n<br>\n&#8230; Nicht ganz einheitlich wollte uns die Cello-Sonate erscheinen. Der \nerste Satz gef\u00e4llt sich in einer d\u00fcsteren Stimmung, die nicht immer \nanmuthen will, auch die Abweichung von der hergebrachten Form, ohne \ndurch etwas Besseres Ersatz zu bieten, m\u00f6chten wir nicht guthei\u00dfen. \nHingegen ist der h\u00fcbsch melodische, langsame Satz und das \ncharakteristische Scherzo von guter Wirkung; in dem letzten Satz \nverdient die gewandte Arbeit volle Anerkennung.<br>\n(Anonymus im Intelligenzblatt vom J\u00e4nner 1891)<br>\n<br>\nBald nach dieser Urauff\u00fchrung beginnt Pfitzner die Arbeit an seiner \nersten Oper, Der arme Heinrich, die ihn \u00fcber zwei Jahre besch\u00e4ftigt. \nIwan Knorr, der von der Cellosonate sehr angetan ist, vermittelt die \nDrucklegung des Werkes &#8211; selbstverst\u00e4ndlich gibt es f\u00fcr den Komponisten \nweder Honorar noch Tantiemen. Bei einem Hauskonzert, wo Pfitzner mit \nKiefer wieder einmal die Sonate spielt, h\u00f6rt ihn der Direktor des \nKoblenzer Konservatoriums, Konrad Heubner, der ihn sofort als Klavier- \nund Theorielehrer an sein Institut einl\u00e4dt. Die Stelle ist nicht \nattraktiv, aber Pfitzner nimmt sie an &#8211; teils, um Ruhe f\u00fcr die Arbeit an\n seiner Oper zu haben, teils,  um dem Elternhaus zu entkommen. Auch in \nKoblenz (1892\/93) pr\u00e4sentiert er seine Cellosonate (mit Ludwig Ebert). \nSeine Freunde, die besorgt sind, seine Laufbahn werde in provinzieller \nEnge versanden, planen ein Husarenst\u00fcck: F\u00fcr ein Konzert in der Berliner\n Singakademie (4. Mai 1893) mieten sie die Berliner Philharmoniker. \nPfitzner, der noch nie dirigiert hat, bringt sich selbst rasch vor dem \nSpiegel das N\u00f6tigste bei und besteht die Feuertaufe hervorragend. Im \nkammermusikalischen Teil des Abends spielt Kiefer zusammen mit dem aus \nRu\u00dfland stammenden Ern(e)st Jedliczka (1855-1904), der bald zu den \neifrigsten Propagandisten Pfitzners geh\u00f6ren sollte, das Opus 1.<br>\n<br>\nRezensionen der Berliner Erstauff\u00fchrung <br>\n(Singakademie, 4. Mai 1893)<br>\n<br>\nDie Saison ist zu Ende. Wir sind mit dem Abschlu\u00df zufrieden, denn in \nletzter Stunde hat sich noch ein gro\u00dfes, produktives Talent vorgestellt,\n auf dessen weitere Entwicklung wir gespannt sein d\u00fcrfen. [&#8230;] Das \nPublikum erkannte mit wunderbarem Instinkt die Bedeutung des \nGebotenen[,] und immer lauter wurde der Beifall; selbst die letzten \nbeiden S\u00e4tze der Fis-moll-Sonate f\u00fcr Klavier und Cello, ein Opus 1, f\u00fcr \ndas wir nicht unbedingt eintreten wollen, k\u00fchlte die Temperatur nicht \nmerklich ab. [&#8230;] [Pfitzner] darf von dem gestrigen Abende den Beginn \neiner neuen Aera datiren, nach den tr\u00fcben Jahren des Ringens und \nK\u00e4mpfens, nach dem Hangen und Bangen in schwebender Pein beginnen &#8211; so \nw\u00fcnschen und hoffen wir &#8211; nunmehr f\u00fcr ihn die sonnigen Tage!<br>\n(Wilhelm Tappert im Kleinen Journal vom 5. Mai 1893)<br>\n<br>\nHerr Hans Pfitzner, ein junger Componist aus Frankfurt a. M., erschien \ngestern mit einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl eigener Compositionen zum ersten Mal \nvor dem hiesigen Publikum. Der begabte K\u00fcnstler l\u00e4\u00dft ernstes Streben, \ngro\u00dfe Selbst\u00e4ndigkeit der Erfindung und eine gediegene musikalische \nAusbildung erkennen, befindet sich jedoch zur Zeit noch in seiner Sturm-\n und Drangperiode [&#8230;]. Die Vorliebe f\u00fcr Molltonarten zeigte sich auch \nin der Sonate f\u00fcr Klavier und Cello, deren besondere Sch\u00f6nheiten sich in\n dem Andante und im Scherzosatz befinden und die von Herrn Dr. Jedliczka\n und Herrn Kiefer (aus Erfurt) ganz vortrefflich vorgetragen wurde.<br>\n(Anonymus im Reichs-Anzeiger vom 5. Mai 1893)<br>\n<br>\n&#8230;Voraussichtlich wird der Componistenname Pfitzner in Zukunft nun \n\u00f6fter ein Concertprogramm schm\u00fccken. Wenn die andern Kinder seines \nGeistes den gestrigen ebenb\u00fcrtig sind, werden er und sie stets \nwillkommen sein.<br>\n(O. E[ichberg] im B\u00f6rsen Courier vom 5. Mai 1893)<br>\n<br>\nEin junger Mann, Herr Hans Pfitzner, von dem bis dahin kein Mensch etwas\n geh\u00f6rt, kam pl\u00f6tzlich aus Frankfurt am Main und enth\u00fcllte uns in einer \nganzen Reihe verschiedenartiger Tondichtungen ein reiches sch\u00f6nes \nTalent. So etwas ist lange nicht dagewesen. [&#8230;] Die neudeutsche \nmusikalische Richtung freilich, die im Begr\u00fcbeln des D\u00fcsteren und im \nReflektiren auch in der Musik wie in andern Kunstgattungen sich \nbemerklich macht, ist auf Herrn Pfitzner nicht ohne Einflu\u00df geblieben. \nSymmetrie in der Form, logisch entwickelte Melodik werden immer mehr \nhintenangestellt[,] und es w\u00e4re sehr zu bedauern, wenn das reiche Talent\n dieses Komponisten auf solchem Wege beharrte, der am letzten Ende zur \nZerflossenheit und zum wirren Durcheinander f\u00fchren mu\u00df. [&#8230;] Eine \nSonate f\u00fcr Cello und Klavier (Fis-moll) tr\u00e4gt die Opuszahl 1. Das mag \nals mildernder Umsatnd gelten. Die originellen und h\u00fcbschen Themen sowie\n die vortreffliche Ausf\u00fchrung durch die Herren Jedliczka und Kiefer \nwaren hier nicht im Stande, bei der phantasieartigen Durcharbeitung ein \nBild der Zerfahrenheit zu verh\u00fcllen. <br>\n(-n in den Neuesten Nachrichten vom 5. Mai 1893)<br>\n<br>\nAls Sohn unserer Zeit hat sich Herr Pfitzner nat\u00fcrlich der modernen \nRichtung seiner Kunst angeschlossen. In der Sonate un den Liedern folgt \ner Schumann, Wagner in den \u00fcbrigen beiden Kompositionen. Mit seiner \nvollen Jugendlichkeit, mit seinem Tr\u00e4umen, Schmachten, Schw\u00e4rmen und \n\u00dcbersch\u00e4umen hat er uns f\u00fcr sich eingenommen. Sein rein musikalisches \nTalent zeigt sich am st\u00e4rksten in der Sonate, die zwar mehr Stimmungen \nals interessante Gedankenarbeit, aber doch viel Eigenart der Erfindung \nenth\u00e4lt. [&#8230;] Der erste Satz der Sonate h\u00e4lt sich einigerma\u00dfen noch an \ndie Form der Klassiker; eine engere F\u00fchlung mit diesen w\u00fcrde der \nweiteren Entwicklung des Komponisten sicherlich zum Vortheil gereichen. \n[&#8230;] Den meisten Beifall fand das phantastisch-heitere, sehr reizvolle \nScherzo [&#8230;].<br>\n(-n in der Vossischen Zeitung vom 5. Mai 1893)<br>\n<br>\nEin junger Componist, Hans Pfitzner aus Frankfurt a. M. , gab am \nDonnerstag [&#8230;] ein Concert, dessen Programm ausschlie\u00dflich aus eigenen\n Compositionen bestand. Wir lernten in ihm einen sehr talentvollen \nMusiker kennen, der etwas t\u00fcchtiges gelernt hat und versteht [&#8230;]. \nSchade, da\u00df dieses ausgesprochene reiche Talent sich bereits einer \nRichtung unterworfen hat, die wir entschieden verdammen. Die Ausl\u00e4ufe \nder sogenannten neudeutschen Schule, in welchen man sich immer mehr von \nder Form und Melodie, von dem rhythmisch und symmetrisch geordneten \nWesen der Musik emancipirt, f\u00fchren schlie\u00dflich zur Verwirrung und \nAufl\u00f6sung. Besonders zeigte die von den Herren Jedliczka (Klavier) und \nH. Kiefer (Cello) vortrefflich ausgef\u00fchrte Fis-moll-Sonate, Op.1, ein \n\u00fcberaus zerfahrenes und ergr\u00fcbeltes Phantasiegebilde, das, wenn es nicht\n einige h\u00fcbsche und originelle Themen enthielte, imstande w\u00e4re, einen \nzur Verzweiflung zu bringen. Der zweite Satz verlief in einen \ngeheimnisvollen, ganz h\u00fcbschen Schlu\u00df, der uns aber nicht \u00fcber die \nt\u00f6dliche Langeweile des ganzen hinweg zu setzen vermochte.<br>\n(Anonymus in der Staatsb\u00fcrger-Zeitung vom x. Mai 1893)<br>\n<br>\nHans Pfitzner, ein junger Komponist ais Frankfurt am Main, machte uns am\n 4. in der Singakademie mit einer Anzahl seiner Werke bekannt, die von \nbemerkenswerther Begabung Zeugni\u00df ablegten. [&#8230;] Eine Sonate f\u00fcr \nKlavier und Cello op.1, von den Herren Dr. Jedliczka und Heinrich Kiefer\n aus Erfurt abgerundet gespielt, ist gut gearbeitet, leidet jedoch durch\n L\u00e4ngen, am meisten sprach der dritte in Tarantellenform gehaltene Satz \nan.<br>\n(Ferdinand Gumbert in der T\u00e4glichen Rundschau vom 6. Mai 1893)<br>\n<br>\n&#8230;Der Konzertgeber bekundete ein starkes Talent, von dem man, \nentwickelt er sich stetig weiter, noch einmal etwas Namhaftes wird \nerwarten d\u00fcrfen. Er besitzt Sinn f\u00fcr musikalische Gestaltung und \ndramatisches Leben. Da\u00df er sich an Wagner anlehnt, ist ja nat\u00fcrlich, \naber er ist doch auch bestrebt, individuell zu bleiben.<br>\n(Anonymus in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung vom 6. Mai 1893)<br>\n<br>\nEin junger Komponist, Herr Hans Pfitzner aus Frankfurt a. M., f\u00fchrte am \nDonnerstag, den 4. Mai, in der Singakademie eine Anzahl seiner Werke \nauf. An der Hauptsache fehlt es ihm nicht. Das G\u00f6ttergeschenk der \nPhantasie ist ihm zu Theil geworden. Nur bewegt er sich auf zu \nbeschr\u00e4nktem Gebiet. Ein schmachtendes und schw\u00e4rmerisches Verlangen \nbeherrscht als Grundstimmung sein bisheriges Schaffen. Wenn die Bl\u00fcthe \nseines Talentes sich ganz erschlie\u00dfen soll, wird er sich aus dem engen \nKreis hinauswagen, weitere Umschau in der Welt der T\u00f6ne halten und Neues\n auf sich wirken lassen m\u00fcssen. Denn gerade sein Talent scheint zu denen\n zu geh\u00f6ren, die Gefahr laufen, sich in sich selbst zu verzehren. In der\n Sonate f\u00fcr Klavier und Cello in Fis-moll, op.1, tritt das Charakterbild\n des Komponisten sofort in Erscheinung. Von einem gr\u00fcblerischen \nHalbtonmotiv ausgehend entwickelt sich der erste Satz folgerichtig, ohne\n da\u00df inde\u00df dem H\u00f6rer das \u201eSehr bewegt\u201c der \u00dcberschrift f\u00fchlbar wird. Ein\n Fehler so vieler neuer Komponisten, welche glauben, der Taktstrich \ngen\u00fcge zur Fixirung des Tempos. Obgleich das Adagio infolge dessen an \nder Wirkung des Kontrastes verlieren mu\u00dfte, machte es doch im Ganzen den\n gr\u00f6\u00dften Eindruck, weil sich hier der Komponist auf seinem eigensten \nGebiet einer breiten Stimmungsmalerei selbst\u00e4ndig bewegt.. Das Scherzo \nist ein nebelschw\u00fcler Augenblick, ein hastiges Treten auf derselben \nStelle. Im Finale macht sich nicht vorherrschend, aber gelegentlich \naufmunternd polyphone Behandlung der Stimmen geltend. [&#8230;] Die Sonate \nwurde von den Herren Dr. Jedliczka und H. Kiefer mit liebevollem \nVerst\u00e4ndni\u00df vorgetragen.<br>\n(L[udwig] B[u\u00dfler] in der National-Zeitung vom 6. Mai 1893)<br>\n<br>\n&#8230; Zweifellos haben wir es hier mit einer vielverhei\u00dfenden Kraft zu \nthun, die sich weit hinaus \u00fcber den Rahmen des Allt\u00e4glichen erhebt. Wohl\n haftet seinen, den verschiedensten Gebieten angeh\u00f6renden Werken noch \netwas Unfertiges an. Der Einflu\u00df Wagner\u00b4s hat auch auf ihn mit \ndespotischer Gewalt gewirkt. [&#8230;] Die Herren Max [sic] Kiefer aus \nErfurt und Dr. Jedliczka trugen eine Cello-Sonate vor, deren dritter \nSatz mit seiner prickelnden, humorvollen Form am besten gefiel, \nwenngleich sich auch hier noch Schlacken zeigen. [&#8230;] Zweifellos wird \nHans Pfitzner noch von sich reden machen; seine Arbeiten zeugen von \nernster Auffassung, redlichem Streben und, was die Hauptsache, von \nhervorragender Begabung.<br>\n(-s- in der Berliner Zeitung vom 6. Mai 1893)<br>\n<br>\n&#8230; Von vorn herein sei betont, da\u00df Herr Pfitzner, trotz seiner Jugend, \ndas Technische [&#8230;] meisterhaft beherrscht. Seine musikalische \nBef\u00e4higung hat freilich einstweilen wenig Urspr\u00fcngliches aufzuweisen; \ndie Gabe der Assimilirung besitzt er dagegen im hohen Ma\u00dfe: Schumann, \nBrahms und Wagner sind ihm derartig in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen, \nda\u00df man oft sie selbst zu h\u00f6ren vermeint. Herr Pfitzner ist mit reicher \nPhantasie begabt, jedoch leiden seine Gedanken an einer gewissen \nKurzathmigkeit &#8211; man vermi\u00dft den gesunden, kr\u00e4ftigen Zug, was bei der \nJugen des Componisten doppelt verwunderlich ist. [&#8230;] Eines \nwohlverdienten Beifalls [erfreute sich] eine Sonate, Fis-moll, f\u00fcr \nClavier und Cello, ein Werk von edler Erfindung und knapper Form, die \nihren durchschlagenden Erfolg nicht am wenigsten der meisterhaften \nWiedergabe durch die Herren Dr. Ernst Jedliczka und Heinrich Kiefer \nverdankt.<br>\n(H. in der B\u00f6rsen-Zeitung vom 6. Mai 1893)<br>\n<br>\n&#8230; Seine Begabung f\u00fcr die musikalische Komposition ist unverkennbar \neine hochbedeutende, wie er ferner mit einer Sonate f\u00fcr Klavier und \nVioloncell bewies, deren kurzes, schnelles Scherzo ein wahres \nKabinettst\u00fcckchen genannt zu werden verdient&#8230;<br>\n(tz in der Volkszeitung vom 6. Mai 1893)<br>\n<br>\nIn ihrer Gesamtheit machten diese Kompositionen &#8211; um die Hauptsache \ngleich vorweg zu nehmen &#8211; einen recht vorteilhaften Eindruck. Man \ngewinnt die \u00dcberzeugung, da\u00df sie einem hochbegabten, ideenreichen Kopfe \nentsprungen sind. [&#8230;] Sein f\u00fcr Klangmischungen offenbar besonders \nstark entwickelter Sinn zeigt sich auch in der Cellosonate Op.1, die in \ndieser Hinsicht viele \u00fcberraschende Wendungen bringt, wogegen die \nBedeutsamkeit ihres thematischen Gehaltes ziemlich zur\u00fccktritt.<br>\n(E. L. in der Deutschen Warte vom 6. Mai 1893)<br>\n<br>\n&#8230; Endlich enthielt das Programm noch eine Probe von dem Talent des \njungen Komponisten f\u00fcr Kammermusik, eine Sonate f\u00fcr Klavier und Cello, \nfis-moll, op.1 [&#8230;]. Vor allem m\u00fcssen wir der wirkungsvollen Behandlung\n des Cello neben dem Pianoforte unsere besondere Anerkennung zollen. \nFreilich war die Handhabung dieses Instrumentes seitens des Spielers \nauch eine besonders vorz\u00fcgliche und ihm gegen\u00fcber die des Pianisten \nbez\u00fcglich des seinen eine sehr diskrete. Jeder einzelne der vier S\u00e4tze \ngewann sich sowohl durch die Beschaffenheit der Gedanken wie durch ihre \ntonsetzerische Verarbeitung ein berechtigtes, lebendiges Interesse. Wir \nk\u00f6nnen somit dem jungen Komponisten aufgrund seiner Darbietungen nur ein\n herzliches, ermutigendes \u201ePerge\u201c zurufen.<br>\n(G. W. im Reichsboten vom 7. Mai 1893)<br>\n<br>\nDer gestrige, voraussichtlich letzte gr\u00f6\u00dfere Concertabend vor der \nSommerruhe, war kein verlorener. Ein noch sehr jugendlicher, bisher hier\n g\u00e4nzlich unbekannter Componist, Herr Hans Pfitzner aus Frankfurt a. M.,\n veranstaltete in der Singakademie [&#8230;] eine Auff\u00fchrung eigener \nCompositionen, die von dem hervorragenden Talente des Concertgebers \nsicheres Zeugni\u00df gaben. Auf dem Programm standen das Vorspiel zum ersten\n und zum dritten Act des Ibsen\u00b4schen Dramas \u201eDas Fest auf Solhaug\u201c und \nein Scherzo f\u00fcr Orchester, sowie ein Klaviertrio [sic] in Fis-moll (als \nop.1 bezeichnet), als Proben reiner Instrumentalmusik; ferner \n\u201eDietrich\u00b4s Erz\u00e4hlung\u201c aus einem Musikdrama \u201eDer arme Heinrich\u201c und die \nBallade \u201eHerr Oluf\u201c aus dem Bereich der dramatischen Musik. Schon aus \ndieser Auswahl kann man mancherlei ersehen. Zun\u00e4chst, da\u00df Herr Pfitzner \nsich bereits auf den verschiedensten Gebieten der Composition versucht \nhat, dann auch, da\u00df er das Ernst, Bedeutsame, fantastisch Tragische \nbevorzugt. In der That scheint ihm der Humor nicht gleicherma\u00dfen zur \nVerf\u00fcgung zu stehen, denn das Finale des Trios [sic], das nach der \nSatz\u00fcberschrift \u201emit Humor\u201c gespielt werden soll, war wohl die wenigst \ngelungene Composition des ganzen Abends. [&#8230;] In der Cellosonate ist \nein meisterhaft gelungener Wurf: das Scherzo. Gegen\u00fcber seinem eben \nbesprochenen Artgenossen [dem Scherzo aus \u201eHerr Oluf\u201c] hat es eigentlich\n den \u00fcbrigens viel leichter zu ertragenden Fehler zu gro\u00dfer K\u00fcrze; aber \nder in ihm tollende Spuk ist so eigenartig, da\u00df die Wirkung des Satzs \nau\u00dferordentlich ist. Neben ihm mu\u00df mit besondern Ehren der erste Satz \ngenannt werden; der zweite (Adagio) schien dem Unterzeichneten zu \ngedehnt f\u00fcr seinen einfachen Inhalt[,] und vom letzten ist oben schon \ngesprochen. Dieser letzte Satz war der einzige, der ein tieferes \nInteresse nicht zu erregen vermochte. Das Cello ist in der Sonate sehr \nsch\u00f6n behandelt, das Klavier weniger gut, &#8211; wahrscheinlich ist der \nComponist selbst mehr Partiturenspieler, als Pianist.<br>\n(Anonymus im B\u00f6rsen-Courier vom 9. Mai 1893)<br>\n<br>\nPfitzners Freund und Librettist James Grun hatte die Courage, dem damals\n im Berliner \u201eKaiserhof\u201c residierenden Anton Rubinstein die Noten der \nSonate mit der dringenden Bitte um ein Urteil aufzudr\u00e4ngen. Ernst \nJedliczka, der als Landsmann und ehemaliger Sch\u00fcler Nikolaj Rubinsteins \nauch mit Anton in freundschaftlichem Verkehr stand, wu\u00dfte sp\u00e4ter zu \nberichten, Rubinstein habe die Sonate selbst auff\u00fchren wollen, sei aber \ndurch seinen schon schlechten Gesundheitszustand dazu nicht mehr in der \nLage gewesen. Rubinstein beendete das Gespr\u00e4ch \u00fcber die Sonate mit dem \nBibelwort \u201eJetzt kann ich ruhig sterben, denn ich wei\u00df, da\u00df der \nzuk\u00fcnftige Meister da ist.\u201c<br>\n<br>\nWeit weniger Gl\u00fcck hatte Pfitzner mit einem Komponisten, der an der Last\n so gro\u00dfer Worte lange genug getragen hatte. In den \u201eEindr\u00fccken und \nBildern meines Lebens\u201c erinnert er sich:<br>\nMeine Cello-Sonate op.1 hatte ich im Manuskript an Brahms gesandt &#8211; er \nhat sie nie angesehen, und ich war froh, da\u00df ich meine Noten &#8211; auf \nReklamation von [James] Kwast &#8211; \u00fcberhaupt zur\u00fcckerhielt.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Pfitzner * 05. Mai 1869\u2020 22. Mai 1949 Sonate f\u00fcr Pianoforte und Violoncell, fis-moll, op.1 Komponiert: Frankfurt am Main, 1890 Widmung: Heinrich Kiefer (1867-1922) Urauff\u00fchrung: Frankfurt\/Main, Saal der Loge Carl, 21. J\u00e4nner 1891 Heinrich Kiefer, Violoncello Hans Pfitzner, Klavier Pfitzners Studien am Frankfurter \u201eHoch\u00b4schen Conservatorium\u201c, wo er von 1886 bis 1890 einen Freiplatz hatte, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":{"0":"post-651","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-duos-klavier-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/651","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=651"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/651\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":652,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/651\/revisions\/652"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=651"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=651"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=651"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}