{"id":639,"date":"2019-02-13T19:08:25","date_gmt":"2019-02-13T18:08:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=639"},"modified":"2019-02-13T19:08:39","modified_gmt":"2019-02-13T18:08:39","slug":"haydn-quintett-fuer-klavier-zwei-hoerner-violine-und-violoncello-es-dur-hob-xiv1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydn-quintett-fuer-klavier-zwei-hoerner-violine-und-violoncello-es-dur-hob-xiv1\/","title":{"rendered":"Haydn: Quintett f\u00fcr Klavier, zwei H\u00f6rner, Violine und Violoncello, Es-Dur Hob.XIV:1"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quintett f\u00fcr Klavier, zwei H\u00f6rner, Violine und Violoncello, Es-Dur Hob.XIV:1<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Eisenstadt, um 1765 (oder Doln\u00ed Lukavice, B\u00f6hmen, um 1760?)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Hummel, Amsterdam, 1767<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Bei der Datierung dieses Werkes sind wir auf Vermutungen angewiesen.  Seit 1763 verf\u00fcgte Haydn in der Esterh\u00e1zyschen Kapelle \u00fcber nicht  weniger als vier Hornisten, und er sch\u00f6pfte die sich dadurch bietenden  M\u00f6glichkeiten in der Instrumentation zweier Symphonien in D-Dur  (Hob.I:13 und Hob.I:72) auch sofort aus. 1765 werden zwei der Hornisten  durch j\u00fcngere und f\u00e4higere Kr\u00e4fte ersetzt. Die in diesem Jahr  komponierte D-Dur-Symphonie (Hob. I:31, bekannt unter den Beinamen \u201eMit  dem Hornsignal\u201c oder \u201eAuf dem Anstand\u201c) zeigt eindeutig, da\u00df dem  Komponisten nun eine erstklassige Horngruppe zu Gebote stand. Kein  Wunder also, da\u00df sich Haydns Vorliebe f\u00fcr dieses Instrument ( \u2013 schon  1762 hatte er ein Hornkonzert geschrieben \u2013 ) noch steigerte: In den  folgenden Jahren schrieb er nicht weniger als zehn Divertimenti, in  denen zwei H\u00f6rner mit einem Baryton, dem Lieblingsinstrument des F\u00fcrsten  Nikolaus, und anderen Streichinstrumenten konzertieren. Von all diesen  Werken \u2013 einem Quartett, zwei Quintetten und sieben Oktetten \u2013 sind  leider nur zwei vollst\u00e4ndig \u00fcberliefert; in den meisten F\u00e4llen ist die  Baryton-Stimme verschollen, was einen b\u00f6swilligen Kommentator auf den  Gedanken bringen k\u00f6nne, der f\u00fcrstliche Dilettant sei mit seinen Noten  nicht sehr sorgsam umgegangen.<br> Die erste Erw\u00e4hnung unseres Werkes findet sich in einem Verlagskatalog  der Leipziger Firma Breitkopf aus dem Jahre 1766. Ein Jahr sp\u00e4ter gab  der deutsch-niederl\u00e4ndische Verleger Johann Julius Hummel das Werk in  Amsterdam heraus. Sein Interesse gerade an diesem St\u00fcck k\u00f6nnte damit zu  tun haben, da\u00df er selbst, ebenso wie sein Bruder und Gesch\u00e4ftspartner,  ausgebildeter Hornist war. Dennoch scheinen die Br\u00fcder gewu\u00dft zu haben,  da\u00df gute Hornisten nicht \u00fcberall verf\u00fcgbar waren, und so gute wie in der  Esterh\u00e1zyschen Kapelle vielleicht \u00fcberhaupt nirgendwo sonst; daher  gaben sie ihrer \u2013 \u00fcbrigens von Haydn nicht autorisierten \u2013 Ausgabe zwei  alternative Bratschenstimmen bei. An der Zusammenstellung der Werke  dieser Erstausgabe kann man auch ersehen, da\u00df unser St\u00fcck schon von den  Zeitgenossen als eine erweiterte Variante des Genres Klaviertrio  betrachtet wurde: J. J. Hummel stellte unserem Quintett \u2013 immer unter  der selben apokryphen Opusnummer IV \u2013 f\u00fcnf Klaviertrios des Meisters  voran (Hob. XV:37, Hob. XV:C1, Hob.XIV:6, Hob. XV:39 und Hob.XV:1), von  denen freilich zwei recht willk\u00fcrliche, anonyme Bearbeitungen Haydnscher  Klaviersonaten sind.<br> Gerade diese N\u00e4he zu den Klaviertrios ist es aber, die unsere sich nach  all dem bisher Gesagten aufdr\u00e4ngende Vermutung, das Werk sei um 1765 in  Eisenstadt komponiert worden, wieder ins Wanken bringt. Auf jeden Fall  ist es merkw\u00fcrdig, da\u00df es sich hier um die einzige uns bekannte  Komposition Haydns handelt, in der die H\u00f6rner der f\u00fcrstlichen Kapelle  mit dem Cembalo anstelle des vom F\u00fcrsten bevorzugten Baryton kombiniert  werden. K\u00f6nnte unser Quintett nicht vielleicht doch \u2013 wie H. C. Robbins  Landon in seiner fundamentalen (und unerkl\u00e4rlicherweise noch immer nicht  ins Deutsche \u00fcbersetzten) Haydn-Biographie mutma\u00dft \u2013 an einem anderen  Hof entstanden sein, n\u00e4mlich dem des Grafen Morzin, in dessen Dienst  Haydn ab 1759 stand? Dann n\u00e4mlich best\u00fcnde f\u00fcr die Verwendung des  Cembalos ein sehr nachvollziehbarer Grund: das Spiel der Gr\u00e4fin Morzin,  einer Musikliebhaberin, die den jungen Komponisten sehr beeindruckte,  wie wir aus einer uns von Georg August von Griesinger in seinen 1810  erschienenen \u201eBiographischen Notizen \u00fcber Joseph Haydn\u201c \u00fcberlieferten  Anekdote wissen. Haydn selbst soll die Geschichte gerne und oft erz\u00e4hlt  haben \u2013 also d\u00fcrfen wir uns erlauben, sie hier einzuf\u00fcgen: Bei einer  gemeinsamen Probe habe die Gr\u00e4fin (wohl Wilhelmine, geborene Freiin von  Reisky) sich \u00fcber die Noten gebeugt, wobei ihr Busentuch  auseinanderfiel. \u201eEs war das erste Mal, da\u00df mir solch ein Anblick ward;  er verwirrte mich, mein Spiel stockte und die Finger blieben auf den  Tasten ruhn. \u00bbWas ist das, Haydn!\u00ab rief die Gr\u00e4fin. \u00bbWas treibt Er da?\u00ab \u2013  \u00bbAber, gr\u00e4fliche Gnaden!\u00ab versetzte ich. \u00bbWer sollte auch hier nicht  aus der Fassung kommen?\u00ab\u201c<br> <br> Als Indiz f\u00fcr eine Entstehung des Werkes bei Graf Morzin in Doln\u00ed  Lukavice k\u00f6nnte man vielleicht auch gelten lassen, da\u00df in der Bibliothek  des s\u00fcdm\u00e4hrischen Kremsier (Kromeriz) eine sehr fr\u00fche Abschrift des  Werkes aufgefunden wurde. Wann und f\u00fcr wen auch immer unser Quintett  aber geschrieben wurde, es ist jedenfalls schon bester Haydn: die drei  kurzen S\u00e4tze \u2013 Moderato, Menuet und  Allegro, alle in Es-Dur \u2013 quellen  vor Ideen nur so \u00fcber. Esprit und Noblesse kennzeichnen die Themen und  ihre durchwegs originelle Verarbeitung, in der sich \u00fcbrigens schon  vieles von Haydns unersch\u00f6pflicher Variationskunst vorausahnen l\u00e4\u00dft.  Einzig das harmonische und formale Ger\u00fcst mutet ein wenig bieder an,  wenn man die sp\u00e4teren Errungenschaften des Komponisten auf diesen  Gebieten im Ohr hat. \u00dcber allem aber steht die vitale Urspr\u00fcnglichkeit,  der diese Musik ihre nie verblassende Frische verdankt.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. 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