{"id":625,"date":"2019-02-13T18:06:15","date_gmt":"2019-02-13T17:06:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=625"},"modified":"2019-02-13T18:06:23","modified_gmt":"2019-02-13T17:06:23","slug":"strauss-klavierquartett-es-dur-op-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/strauss-klavierquartett-es-dur-op-13\/","title":{"rendered":"Strauss: Klavierquartett Es-Dur op.13"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Richard Strauss<\/h3>\n\n\n\n<p>* 01. Juni 1864<br>\u2020 08. September 1949<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klavierquartett Es-Dur op.13<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>M\u00fcnchen, Anfang Oktober 1884 &#8211; 1. J\u00e4nner 1885<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Weimar, 8. Dezember 1885<br>\nRichard Strauss, Klavier<br>\nKarel (Carl) Halir (1859-1909), Violine<br>\nN. M\u00fcller, Viola<br>\nHugo Dechert (1860-1923), Violoncello<br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Joseph Aibl, M\u00fcnchen, M\u00e4rz 1886<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Am 3. Oktober 1884 schrieb der Berliner Tonk\u00fcnstlerverein einen  Kompositionswettbewerb aus; der Preis war mit 300 Mark dotiert und  sollte f\u00fcr ein Klavierquartett vergeben werden. Die Jury bestand aus  Heinrich Dorn (Berlin), Joseph Rheinberger (M\u00fcnchen) und Franz W\u00fcllner  (K\u00f6ln). Es ist nicht uninteressant, die Beurteilungen des von Strauss  unter dem Losungswort <em>&#8220;Die Tonkunst, die viel beredte&#8221;<\/em>  eingesandte Werk durch die verschiedenen Juroren zu vergleichen: der  Nestor der Jury, der achtzigj\u00e4hrige Dorn, reihte es an die 8. Stelle;  der beharrliche Anti-Wagnerianer Rheinberger, damals ein Mittvierziger,  setzte es auf den 2. Platz, und nur der etwas \u00e4ltere Brahms-Intimus  W\u00fcllner erkannte dem Werk den 1. Preis zu. Offensichtlich war aber die  Meinung der Jury \u00fcber die anderen eingesandten Werke noch  uneinheitlicher, so da\u00df Strauss schlie\u00dflich doch den Sieg davontrug. Der  Urauff\u00fchrung in Weimar mit Mitgliedern des Halir-Quartetts folgten in  kurzen Abst\u00e4nden Auff\u00fchrungen in Meiningen und K\u00f6ln, wo sich W\u00fcllner  nachhaltig f\u00fcr das Werk einsetzte.<br> <br> Richard Strauss, der sich im Alter gern als der Vollender und  unwiderruflich Letzte einer Jahrhunderte umspannenden Epoche der  Musikgeschichte stilisierte ( &#8211; in den &#8220;Metamorphosen&#8221; findet diese  Selbsteinsch\u00e4tzung ihren wohl beredtesten und \u00fcberzeugendsten Ausdruck &#8211;  ), hat sich mit dem Klavierquartett op.13 schon als Zwanzigj\u00e4hriger  ganz bewu\u00dft in eine gro\u00dfe Traditionsreihe eingeordnet. Die  Beethoven-Tonart c-moll ist nicht zuf\u00e4llig auch die von Brahms&#8217; letztem  Klavierquartett; und wenn Brahms r\u00fcckblickend in seinem C-moll-Quartett  &#8220;eine Illustration zum letzten Kapitel vom Mann im blauen Frack mit  gelber Weste&#8221; (Brief an Theodor Billroth, 23. Oktober 1874), so hatte  der junge Strauss zwar nicht gerade ein Werther-Erlebnis hinter sich,  aber doch eine recht aufw\u00fchlende, in den Briefen scherzhaft camouflierte  Beziehung zu der verharmlosend als &#8220;Pflegemama&#8221; titulierten Grethe  Begas. Diese reizende junge Dame war die Frau des wesentlich \u00e4lteren  Bildhauers Reinhold Begas. Strauss hatte sie in Berlin kennengelernt, wo  er den Winter 1883\/84 verbracht hatte. Verk\u00fcrzend k\u00f6nnte man wohl  sagen, da\u00df sich die beiden c-moll-Klavierquartette von Brahms und  Strauss ziemlich genauso zueinander verhalten, wie Brahms&#8217;  Clara-Erlebnis zum Berlin-Abenteuer des neunzehnj\u00e4hrigen Strauss: dort  tiefstes, das Innerste ber\u00fchrendes Erschauern, hier jungenhafte  Faszination ganz allgemeiner Art: von der Gro\u00dfstadt, der Eleganz der  Gesellschaft, dem Liebreiz der Frau.<br> <br> Das nach der R\u00fcckkehr aus Berlin komponierte Klavierquartett wurde und  wird dennoch fast immer als ein &#8220;brahmsisches&#8221; Werk empfunden und  beschrieben; die Parallelen ersch\u00f6pfen sich aber in Wirklichkeit in  einigen Eigenheiten von Faktur und formalem Verfahren. Strauss&#8217;  Brahms-Verehrung war widerstrebend und nur von kurzer Dauer: nachdem er  unmittelbar nach der ersten Begegnung mit der (erst wenige Wochen zuvor  in Wien uraufgef\u00fchrten) III. Symphonie mit burschikoser Sicherheit  festh\u00e4lt, das Werk sei &#8220;miserabel und unklar instrumentiert&#8221;, das  &#8220;Adagio&#8221; (womit wohl das Andante gemeint ist) gar \u201e\u00f6de und gedankenarm&#8221;  (Brief an den Freund Ludwig Thuille, 6.1.1884), \u00e4ndert er nach  mehrmaligem Anh\u00f6ren und gr\u00fcndlichem Studium seine Meinung ganz radikal:  jetzt ist die Symphonie &#8220;klar in Form und Aufbau, famos gearbeitet&#8230;  hat einen Zug und Schwung, der was Beethoven&#8217;sches hat&#8230; ganz herrlich  in der Erfindung&#8221; (Brief an den Vater, Ende J\u00e4nner 1884), und ist  schlie\u00dflich nicht nur Brahms&#8217; &#8220;sch\u00f6nste Sinfonie, sondern wohl die  bedeutendste, die jetzt geschrieben worden ist&#8221; (an Ludwig Thuille,  8.3.1884). Als Strauss aber dann im Oktober des Folgejahres in Meiningen  Alexander Ritter kennenlernt und ganz in den Bannkreis dieses  militantesten Wagnerianers ger\u00e4t, ist es mit seiner Brahms-Begeisterung  bald zu Ende. Bis ins hohe Alter waren Brahms&#8217; Symphonien f\u00fcr Strauss  fortan nur noch &#8220;schlecht instrumentierte Klaviersonaten&#8221;.<br> Somit f\u00e4llt die Komposition des Klavierquartetts in eine ganz kurze  Phase des &#8220;Brahminentums&#8221; im Leben des Komponisten; und nat\u00fcrlich kann  man das dem Werk, bei aller grundlegenden Verschiedenheit der  k\u00fcnstlerischen Intention und der kompositorischen Meisterschaft, sehr  wohl anh\u00f6ren und ansehen. <br> <br> Der erste Satz (<em>Allegro<\/em>, c-moll) lehnt sich in seinem Incipit  \u00e4u\u00dferlich an den Beginn von Brahms&#8217; Klavierquartett g-moll op.25 an.  Auch die raffinierte Technik der Entwicklung des Seitengedankens aus dem  Nachsatz des Hauptthemas ist Brahms abgeschaut; aber schon die  emphatische Schlu\u00dfgruppe ist ureigenster und unverwechselbarer Strauss:  die jubelnden Nonenspr\u00fcnge \u00fcber den rauschenden C-Dur-Kaskaden nehmen  schon die Welt der symphonischen Dichtungen vorweg. Die knappe  eigentliche Durchf\u00fchrung kreist um die weit entfernte Tonart fis-moll.  Auf eine sehr originell eingeleitete und erweiterte Reprise folgt eine  ungew\u00f6hnlich ausgedehnte Coda, in der die Hauptmotive noch einmal  kontrapunktisch zerst\u00e4ubt werden. Mit einer trotzig-stolzen Geste  schlie\u00dft der Satz in C-Dur.<br> <br> Das <em>Scherzo<\/em>(Presto, Es-Dur) ist ein humoriges &#8220;Kabinettst\u00fcck&#8221;,  das auf recht bajuwarische Weise derben Witz und zarte L\u00e4ndlert\u00f6ne (im  H-Dur-Trio) vereint. Die sichere Hand, mit der hier die Effekte verteilt  sind, verr\u00e4t den k\u00fcnftigen Musikdramatiker.<br> <br> Im folgenden <em>Andante<\/em> (f-moll\/F-Dur) ist der Einflu\u00df der langsamen  S\u00e4tze aus den Brahmsschen Klavierquartetten ganz deutlich sp\u00fcrbar,  obwohl der Ton um einiges s\u00fc\u00df(lich)er ist als bei Brahms. Ganz  un\u00fcberh\u00f6rbar sind die &#8220;Rosenkavalier&#8221;-Vorauskl\u00e4nge am Schlu\u00df der Reprise  (der Satz hat die auch von Schubert h\u00e4ufig verwendete zweiteilige Form  ohne Durchf\u00fchrung oder Mittelteil).<br> <br> Das <em>Finale<\/em> (Vivace, c-moll) l\u00e4\u00dft einen gleich zu Beginn an  Schumann denken: der synkopierte Einsatz auf der neapolitanischen Sext,  der markige und unbeugsame Rhythmus &#8211; all das ist ganz den Schumannschen  Archetypen nachempfunden. Formal ist der Satz eine recht eigenwillige  Fortsetzung der seit Schubert beliebten Mischformen zwischen Rondo und  Sonatenhauptsatz. Auch hier ist die Treffsicherheit, mit der Form, Farbe  und Charakter behandelt werden, ganz erstaunlich: das Feld f\u00fcr die  symphonischen Dichtungen ist schon bestellt.<br> <br> Der M\u00fcnchner Verleger Eugen Spitzweg, der Neffe des Malers und  tatkr\u00e4ftige F\u00f6rderer des jungen Meisters, verlegte das Werk 1886; die  Widmung an Herzog Georg II., kurz bevor Strauss die Meininger Hofkapelle  verlie\u00df, um nach M\u00fcnchen zur\u00fcckzukehren, sollte wohl das trotz des  Abschieds ungetr\u00fcbte Verh\u00e4ltnis zwischen dem Komponisten und seinem  f\u00fcrstlichen M\u00e4zen dokumentieren.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard Strauss * 01. Juni 1864\u2020 08. September 1949 Klavierquartett Es-Dur op.13 Komponiert: M\u00fcnchen, Anfang Oktober 1884 &#8211; 1. J\u00e4nner 1885 Widmung: Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen Urauff\u00fchrung: Weimar, 8. 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