{"id":615,"date":"2019-02-13T18:01:15","date_gmt":"2019-02-13T17:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=615"},"modified":"2019-02-13T18:01:19","modified_gmt":"2019-02-13T17:01:19","slug":"herzogenberg-quartett-fuer-klavier-violine-viola-und-violoncello-nr-1-e-moll-op-75","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/herzogenberg-quartett-fuer-klavier-violine-viola-und-violoncello-nr-1-e-moll-op-75\/","title":{"rendered":"Herzogenberg: Quartett f\u00fcr Klavier, Violine, Viola und Violoncello Nr.1, e-moll, op.75"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Heinrich von Herzogenberg<\/h3>\n\n\n\n<p>* 10. Juni 1843<br>\u2020 09. Oktober 1900<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quartett f\u00fcr Klavier, Violine, Viola und Violoncello Nr.1, e-moll, op.75<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>San Remo und Florenz, Ende 1891\/Anfang 1892<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Elisabeth von Herzogenberg, geb. Stockhausen (1847-1892)<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Rieter-Biedermann, Leipzig, 1897<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Heinrich von Herzogenberg schrieb sein erstes Klavierquartett am  Krankenlager seiner geliebten Frau Elisabeth, die er in letzter und  verzweifelter Hoffnung auf Heilung an die Riviera begleitet hatte. Am  29. Dezember 1891 starb Elisabeths Mutter, Clotilde Annette von  Stockhausen, in Florenz; schon wenige Tage sp\u00e4ter, am 7. J\u00e4nner 1892,  erlag Elisabeth in San Remo ihrem unheilbaren Leiden. Adolf von  Hildebrand stellte die Verstorbene, deren beeindruckendes Wesen auch  Brahms in seinen Bann geschlagen hatte, auf ihrem Grab in San Remo als  Santa Cecilia dar &#8211; und ganz \u00e4hnlich hat auch ihr Mann sie musikalisch  portr\u00e4tiert. <br> <br> Am 3. Februar schreibt Heinrich von Herzogenberg an die Brahms-Freunde Theodor und Emma Engelmann in Utrecht:<br> <br> \u201e&#8230;.Werden die Hymnen, die mein ganzes Innere erf\u00fcllen und durchhallen,  jetzt auch noch durch schmerzlichstes Mitleiden getr\u00fcbt, so werden sie  doch die Herrschaft in mir bewahren. Nicht, da\u00df ich ohne Lisl leben mu\u00df,  sondern da\u00df sie litt und starb, ist der w\u00fctende Jammer, der mich noch  erfa\u00dft; la\u00dft die g\u00fctige Zeit diese Bilder, bei denen mir das Herz  blutet, leise in die Ferne r\u00fccken, dann sollt Ihr sehen, da\u00df ich nicht  Schiffbruch gelitten habe &#8211; was w\u00e4re denn an einem so grenzenlosen  Gl\u00fcck, wie ich es genossen, wenn es nicht abf\u00e4rbte, wenn es durch Tod  und Trauer zu vernichten w\u00e4re &#8211; &#8230; Doch genug, genug! Ich mi\u00dfbrauche  Eure Freundschaft allzu sehr und halte Monologe. Viel besser, ich  schicke Euch ein Quartolog, ein St\u00fcck, was ich sonst niemandem zeigen  m\u00f6chte. Ihr seht an den Datums, wann es entstanden; geheimni\u00dft aber  nicht zu viel hinein und heraus: das Trio des Scherzos z.B. ist  entstanden, als mir die Glieder vor Aufregung und Entsetzen  schlotterten: an dem Tage verlor sie auf f\u00fcnf Stunden das liebe wonnige  Augenlicht! Vielleicht versteht Ihr das Finale am ehesten &#8211; doch nein,  Ihr saht sie ja nicht wie eine Braut unter Rosen lang ausgestreckt  liegen, sch\u00f6n jung und lieblich &#8211; eine Verlobung f\u00fcr die Ewigkeit!&#8230;\u201c<br> <br> In diesem \u201eQuartolog\u201c finden sich alle Vorz\u00fcge, die die noch immer  weithin verkannte Kammermusik Herzogenbergs pr\u00e4gen: Noblesse der  Erfindung, Gediegenheit der Ausarbeitung und eine unmittelbar ber\u00fchrende  schlichte Innigkeit.<br> <br> <br> Der erste Satz (Allegro ma non troppo) bezieht seine Energie aus der  Dialektik zwischen herbem Ernst und hoffnungsvollem Vertrauen, die sich  in den beiden beherrschenden Themenkomplexen ausdr\u00fccken. F\u00fcr die  Dramaturgie des Satzes ist entscheidend, da\u00df sich beide Themen aus einem  einzigen Grundmotiv (der spiegelbildlichen Gegen\u00fcberstellung von  steigender und fallender Sekund) herleiten. Die so erm\u00f6glichte Stringenz  des musikalischen Ablaufes l\u00e4\u00dft formales Raffinement leicht entbehren &#8211;  trotz der \u201eRegelm\u00e4\u00dfigkeit\u201c der zugrundeliegenden Sonatenhauptsatzform  tr\u00e4gt der Satz durchaus nicht das Stigma \u201eakademischer\u201c Gl\u00e4tte.<br> Besonders charakteristisch f\u00fcr Herzogenberg ist das folgende Andante  quasi Allegretto (H-Dur), ein \u201eLied ohne Worte\u201c, dessen Reiz in der  verschleierten Periodik des Themas liegt: die F\u00fcnftakter des  Bratschenthemas werden durch die Pizzicato-Repliken der anderen  Streicher zu Sechstaktern gedehnt; einen nicht un\u00e4hnlichen Thementyp hat  der Komponist auch in seinem gleichzeitig entstandenen vierh\u00e4ndigen  Zyklus \u201eDainu Balsai &#8211; Litauische Volkslieder\u201c aufgegriffen (op.76 Nr.  3: \u201eOj, Dieve! \/ Oh, mein Herrgott!\u201c).<br> Auf Brahms\u00b4 Spuren wandelt der dritte Satz, Vivace (e-moll), auf dessen  ausgelassen kaprizi\u00f6ses Trio Herzogenberg in seinem oben zitierten Brief  hinweist. Auch hier l\u00e4\u00dft das Spiel verschiedener Metren \u00fcber einem  gleichbleibenden Puls an dieselben osteurop\u00e4ischen Volksmusikquellen  denken, aus denen auch Brahms gerne gesch\u00f6pft hat; die pointierte  Synkopierung des Triothemas betont diese folkloristische Note noch.<br> Ganz abseits der dramaturgischen Norm steht aber dann der Finalsatz  (Moderato, E-Dur). Wenn man auch aus Herzogenbergs Brief einigen  Aufschlu\u00df \u00fcber den gedanklichen Hintergrund dieses Satzes erh\u00e4lt, so mu\u00df  dennoch vieles an dieser Musik r\u00e4tselhaft bleiben. Der feierliche  Choral, der an die Stelle des erwarteten Schlu\u00dfsatzes tritt, wird von  Episoden v\u00f6llig anderer musikalischer Provenienz unterbrochen, hinter  denen sich wohl f\u00fcr den Au\u00dfenstehenden nicht zu entr\u00e4tselnde Chiffren  verbergen. Wahrscheinlich sind Herzogenbergs Worte vom \u201eSt\u00fcck, was ich  sonst niemandem zeigen m\u00f6chte\u201c auf die Intimit\u00e4t dieser Stellen gem\u00fcnzt.  Doch die Empfindung, aus der diese Musik geboren wurde, ist so echt und  unmittelbar, da\u00df sie uns auch \u00fcber diese Barriere hinweg erreicht. Und  wenn Herzogenberg in den letzten Takten des Werkes auf die Kadenzwendung  des langsamen Satzes zur\u00fcckgreift, hat er in der Schlichtheit dieser  Geste mehr und Tieferes \u00fcber sich und die hier musikalisch verewigte  Geliebte gesagt, als es Worte je verm\u00f6chten.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinrich von Herzogenberg * 10. Juni 1843\u2020 09. Oktober 1900 Quartett f\u00fcr Klavier, Violine, Viola und Violoncello Nr.1, e-moll, op.75 Komponiert: San Remo und Florenz, Ende 1891\/Anfang 1892 Widmung: Elisabeth von Herzogenberg, geb. 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