{"id":599,"date":"2019-02-13T17:52:37","date_gmt":"2019-02-13T16:52:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=599"},"modified":"2019-02-13T17:52:43","modified_gmt":"2019-02-13T16:52:43","slug":"widmer-a-ultima-flor-op-60-1968","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/widmer-a-ultima-flor-op-60-1968\/","title":{"rendered":"Widmer: A ultima flor op.60 (1968)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ernst Widmer<\/h3>\n\n\n\n<p>* 25. April 1927<br>\u2020 03. J\u00e4nner 1990<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">A ultima flor op.60 (1968)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Salvador de Bah\u00eda, 1968<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Salvador de Bah\u00eda, 1969 <br>\nPierre Klose, Klavier <br>\nMoyse Mandel, Violine <br>\nPiero Bastianelli, Violoncello <br>\nFernando Cerqueira, Rezitation <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Manuskript<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Ernst Widmer wurde am 25. April 1927 in Aarau geboren. Schon w\u00e4hrend  seiner Schulzeit begann er zu komponieren; seine Musikstudien beendete  er am Z\u00fcricher Konservatorium, wo Willy Burkhard (Komposition), Walter  Frey (Klavier) und Paul M\u00fcller-Z\u00fcrich (Dirigieren) seine Lehrer waren.  Nach seiner Heirat mit einer in Brasilien geborenen S\u00e4ngerin wanderte er  1956 nach Salvador de Bahia aus. Dort entfaltete er bald eine  umfangreiche und vielseitige T\u00e4tigkeit als Lehrer und Organisator. 1966  gr\u00fcndete er den &#8220;Grupo de Bah\u00eda&#8221;, in dem sich eine Handvoll in Bah\u00eda  lebender Komponisten zusammenschlo\u00df, deren Schaffen in den folgenden  Jahren dem Musikleben Lateinamerikas entscheidende Impulse geben sollte.  Widmer hatte ein offenes Ohr f\u00fcr die Musik seiner Umgebung, die er auf  originelle Weise in sein kompositorisches Idiom zu integrieren verstand.  In seinen letzten Lebensjahren war er wieder \u00f6fter in seiner alten  Heimat zu Besuch, wo sein Schaffen, vor allem dank des Wirkens der  Schweizer Pianistin Emmy Henz-Di\u00e8mand, auf stetig zunehmendes Interesse  stie\u00df. Bei einem dieser Besuche starb er am 3. J\u00e4nner 1990 in seiner  Geburtsstadt Aarau. <br> <br> Widmers Oeuvre umfa\u00dft knapp 200 Werke nahezu aller Gattungen. &#8220;A ultima  flor&#8221; op. 60 f\u00fcr Klaviertrio, Sprechstimme und Ballett wurde 1968  komponiert und im Folgejahr in Bahia uraufgef\u00fchrt. Der Text des  amerikanischen Satirikers James Thurber (1894-1961), der als Kolumnist  und Zeichner des &#8220;New Yorker&#8221; internationale Bekanntheit erlangte, wurde  unter dem Titel &#8220;The Last Flower&#8221; 1939 ver\u00f6ffentlicht. Es handelt sich  um ein vom Autor selbst illustriertes Kinderbuch, in dem die Zerst\u00f6rung  der Kultur durch den Krieg, ihre Wiedergeburt aus der Kraft der Liebe  und die darauffolgende neuerliche Selbstzerst\u00f6rung der Menschheit in  einfachen und naiven Bildern beschworen wird. Dieser Text war f\u00fcr  Widmers musikalische Phantasie wie geschaffen: Die anspruchslose  Schlichtheit der Vorlage gestattete ihm eine unspekulative, fast  improvisatorisch wirkende musikalische Inszenierung, in der er sozusagen  zwanglos doch auch alle Register seiner kompositorischen Kunst ziehen  konnte. Widmer gliedert das Geschehen in sieben musikalische Bilder, die  von der Erz\u00e4hlung des Sprechers begleitet und verbunden werden: <br> <br> &#8211; die verw\u00fcstete Welt<br> &#8211; das neue Leben<br> &#8211; das Erwachen der Liebe (Pas de deux)<br> &#8211; die Wiederkehr des Liedes (Kanon)<br> &#8211; die R\u00fcckkehr der Soldaten (Marsch und Trio)<br> &#8211; die Koexistenz (Choral &amp; Marsch)<br> &#8211; der Krieg<br> <br> <br> Der zyklischen Logik dieses Geschehens entsprechend l\u00e4\u00dft Widmer seine  Musik in radikaler Gestaltlosigkeit beginnen und enden: Im er\u00f6ffnenden  und beschlie\u00dfenden Abschnitt gibt es so gut wie keine harmonischen,  melodischen oder rhythmischen &#8220;Vokabel&#8221;, sondern nur ostinate und  chaotische Klangereignisse. Parallel zum Bericht des Erz\u00e4hlers entfalten  sich nach und nach kleinste musikalische Keimzellen, verbinden sich zu  immer komplexeren Strukturen, bis im zentralen Kanon ein ideales  spielerisches Gleichgewicht erreicht scheint. Doch schon im Verlauf des  Kanons machen sich Tendenzen zur Simplifikation und Verrohung des  Materials bemerkbar, der Marsch der Soldaten tritt seinen Siegeszug an.  Die Krise tritt in dem Augenblick ein, in dem sich der Zwingli-Choral  &#8220;Herr, nun selb den Wagen halt&#8221; dem immer frenetischer werdenden Marsch  entgegenstellt; der Moment dieser \u00dcberlagerung ist durch kompromi\u00dflose  Birhythmik und Bitonalit\u00e4t gekennzeichnet. Immer m\u00e4chtigere Klangmassen  geraten in Bewegung, aus der verbissenen Koexistenz wird offener Krieg.  Die Musik kehrt zu ihrem amorphen Ausgangspunkt zur\u00fcck, aber bei den  Schlu\u00dfworten, in denen vom einzigen \u00fcberlebenden Menschenpaar und der  letzten Blume die Rede ist, erscheint, im Tremoli der Streicher und in  gro\u00dffl\u00e4chigen Klavierclustern, noch einmal das Motiv des keimenden  Lebens &#8211; schattenhaft, fern und fahl.<br> <br> Das Werk, das der Komponist zu seinen wichtigsten z\u00e4hlte und an dessen  Revision er noch kurz vor seinem Tod arbeitete, blieb in allen Jahren  seit den beiden Urauff\u00fchrungen (konzertant und szenisch) des Jahres 1969  unbeachtet und erlebte erst 1996 in einer Produktion des  Jugendmusikfestes Deutschlandsberg im Rahmen des steirischen herbstes  seine Wiederentdeckung.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst Widmer * 25. April 1927\u2020 03. 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