{"id":597,"date":"2019-02-13T17:51:56","date_gmt":"2019-02-13T16:51:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=597"},"modified":"2019-02-13T17:52:01","modified_gmt":"2019-02-13T16:52:01","slug":"weiland-trio-in-one-movement-for-piano-violin-and-violoncello-opus-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/weiland-trio-in-one-movement-for-piano-violin-and-violoncello-opus-22\/","title":{"rendered":"Weiland: Trio in one movement for piano, violin, and violoncello. Opus 22"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Douglas Weiland<\/h3>\n\n\n\n<p>* 16. April 1954<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio in one movement for piano, violin, and violoncello. Opus 22.<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Old Buckenham, Norfolk, November 1995 \u2013 16. April 1996<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Benjamin Colin Gordon Weiland (*29. Dezember 1995)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>15. Juni 1996 Ouray, Colorado (Ouray Chamber Music Festival)<br>\nRaphael Trio<br>\nDaniel Epstein, Klavier<br>\nCharles Castleman, Violine<br>\nSusan Salm, Violoncello<br>\nerste Auff\u00fchrung au\u00dferhalb der USA:<br>\nOxford, Jacqueline Du Pr\u00e9 Music Hall, 29. J\u00e4nner 1999<br>\nAltenberg Trio Wien<br>\nClaus-Christian Schuster, Klavier<br>\nAmiram Ganz, Violine<br>\nMartin Hornstein, Violoncello<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Manuskript<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Douglas Weiland wurde am Londoner Trinity College of Music in der  Klasse von Leonard Smith als Geiger ausgebildet. Mit einem Stipendium  des Royal Philharmonic Orchestra erg\u00e4nzte er seine Studien am Institut  de Hautes \u00c9tudes Musicales in Montreux. Daneben und danach war er als  Solist und Kammermusiker t\u00e4tig, sammelte aber auch Orchestererfahrung  als Mitglied des Wiener Kammerorchesters (1975) und der Academy of St.  Martin-in-the-Fields (ab 1978). 1985 \u00fcbersiedelte er nach Adelaide, wo  er noch im selben Jahr das Australian Quartet gr\u00fcndete. F\u00fcnf Jahre lang  konzertierte er weltweit mit diesem Ensemble, f\u00fcr das er auch sein  erstes Streichquartett (op.5) schrieb. W\u00e4hrend dieser Jahre versch\u00e4rfte  sich der Interessenskonflikt zwischen dem Geiger und dem Komponisten  Weiland zunehmend: 1990 siegte endg\u00fcltig der letztere \u2013 Douglas Weiland  verlie\u00df das Quartett, kehrte nach England zur\u00fcck und lebt seitdem als  freischaffender Komponist.<br> Sir Neville Marriner, der Weilands Begabung schon fr\u00fch erkannt und seine  Streicherserenade op.12 angeregt hatte, beauftragte Weiland 1992 mit  der Komposition eines Streicherdivertimentos (op.14), das von der  Academy of St. Martin-in-the-Fields im Folgejahr uraufgef\u00fchrt wurde.  Seitdem erfreut sich Weiland, der als Komponist Autodidakt ist, stetig  wachsender Anerkennung. Seit 1992 lebt er mit seiner Familie in der  l\u00e4ndlichen Abgeschiedenheit von Norfolk.<br> W\u00e4hrend im Fr\u00fchwerk Weilands die geistliche Chormusik eine zentrale  Stelle einnimmt, widmet sich der Komponist in den letzten Jahren mit  besonderer Vorliebe der Kammermusik (Klavierquartett, drei  Violinsonaten). Sein Interesse an der symphonischen Musik belegen in  j\u00fcngster Zeit der Hymnus \u201eGaudete\u201c (op.27, f\u00fcr Frauenchor und Orchester)  sowie ein eben entstehendes Klarinettenkonzert.<br> Gloria und Rudolf Bretschneider, die seit Weilands Wien-Intermezzo  (1975) zu seinem engsten Freundeskreis z\u00e4hlen, erteilten ihm 1995 den  Auftrag f\u00fcr die Komposition eines Klaviertrios, dessen erste  Auff\u00fchrungen das Raphael Trio New York und das Altenberg Trio Wien  bestreiten sollten.<br> Obwohl das 1995\/96 entstandene Werk keineswegs als \u201eProgrammusik\u201c zu  bezeichnen ist, verdankt es einige seiner Z\u00fcge einer literarischen  Anregung, auf die der Komponist selbst hingewiesen hat. Der 1932 in  Trinidad geborene indische Dichter Vidiadhar (seit 1990: Sir Vidia)  Surajprasad Naipaul kam als Achtzehnj\u00e4hriger nach England. \u00dcber seine  ersten englischen Jahre in einem Dorf in Wiltshire, in der N\u00e4he von  Salisbury, schrieb er 1986 unter dem Titel The Enigma of Arrival ein  h\u00f6chst bemerkenswertes Buch, das Douglas Weiland sehr beeindruckte und  das in der Komposition des Klaviertrios Spuren hinterlassen hat. Wie um  das Spiel der Beziehungen und Querverbindungen noch mehr zu verwirren,  bezieht sich der Titel von Naipauls Buch auf ein bekanntes Gem\u00e4lde des  italienischen Surrealisten Giorgio de Chirico (1888-1978) \u2013 w\u00e4hrend er  aus der Sicht des Vater werdenden Komponisten ebenso gut auch auf die  Ankunft eines neuen Erdenb\u00fcrgers verweisen k\u00f6nnte.<br> Weiland geht es hier ebenso wie Naipaul um die Interpretation der  Ph\u00e4nomene der Wahrnehmung mit ihren unterschiedlichen Graden von  Intensit\u00e4t und Konkretheit \u2013 um die verschiedenen Arten, auf die wir  unsere Umwelt entdecken, bemerken, erkennen, beobachten. Der Wechsel  zwischen diesen verschiedenen Fokusierungen lenkt unsere Aufmerksamkeit  darauf, wie sehr der Eindruck, den eine Wahrnehmung in uns hervorruft  und hinterl\u00e4\u00dft, von unserer Perspektive abh\u00e4ngt. Diese elementare  Erfahrung pr\u00e4gt ja auch den fr\u00fchkindlichen Erlebnishorizont, und  insofern ist der gedachte Adressat des Trios \u2013 der neugeborene Sohn des  Komponisten \u2013 gewisserma\u00dfen auch Protagonist des Werkes.<br> So wie die meisten Leser und Rezensenten von Naipauls Buch \u00fcber die von  jeder handlungsdiktierten Eile befreite Bed\u00e4chtigkeit dieses Textes  staunen, so wird der H\u00f6rer von Weilands Trio wohl zuallererst den fast  absichtslos wirkenden Ductus dieser Musik bemerken. Die musikalischen  Gebilde und Gedanken scheinen unmittelbar vor unserem Ohr zu entstehen,  sie artikulieren sich in kindlicher Unbefangenheit, scheinbar unber\u00fchrt  von der Last des Regelkanons \u2013 ihr Auftreten ist dabei weder anarchisch  noch provokant, sondern auf entwaffnende Weise zutraulich und  unschuldig. \u201eSchicksallos wie der schlafende S\u00e4ugling\u201c verweigern sich  die thematischen Gestalten den traditionellen, \u201eerwachsenen\u201c Verfahren  von Durchf\u00fchrung und Verarbeitung, an deren Stelle der zwanglose, oft  \u00fcberraschende, aber niemals erschreckende Perspektivenwechsel tritt.<br> <br> Den Verlauf des eins\u00e4tzigen Werkes, das aus sechs zusammenh\u00e4ngenden  Abschnitten besteht, kommentierte der Komponist in einem f\u00fcr die  europ\u00e4ische Erstauff\u00fchrung des Werkes (Altenberg Trio, Oxford 1998)  verfa\u00dften Einleitungstext so:<br> Identifying the start and close of each section may not in every case be  easily apparent on a first hearing; but it will inevitably be a more  satisfying listening experience once these sections are recognized. I  hope the following notes will be helpful.<br> Section I is the shortest, which I mention only because the arrival of  section II (un poco Adagio) is likely to come across as the most  diguised. It is however best recognized by a darker change of mood and  more dissonance. (Certainly in contrast to the work\u2019s opening bars,  almost criminal in their absence of atonal influence). What takes place  here is a gradual and subtle \u2018moving on\u2019 to a more horizontally  sustained train of thought. One outcome of this is being made aware of  the fragmentary nature of what had gone before. And in this regard  section III (Allegro molto) sees an even further \u2018moving on\u2019, where  already formed ideas are now found integrated into or developed from the  influence of those anew. Section IV (Moderato) begins after a short  pause &#8211; violin and cello unaccompanied. In both sections IV &amp; V  (beginning Adagio leading to Allegro maestoso) music of earlier stages  takes on a new awareness. The arrival of a short theme (piano solo)  marks the beginning of the final section VI, which is in the form of a  theme with variations and incorporates a reflective cadenza for violin  and cello.<br> <br> Sogar dieser erkl\u00e4rende Text bleibt der unpr\u00e4tenti\u00f6s-naiven Haltung des  Werkes treu: der Komponist spricht zwar vom Entstehen der Ideen und  Eindr\u00fccke, aber er scheint keinerlei Ehrgeiz zu haben, den Zuh\u00f6rer mit  den konkreten Beziehungen zwischen den einzelnen Abschnitten zu  belasten. Da ich meine, da\u00df diese Entscheidung ebenso respektiert werden  sollte wie die kompositorischen des Notentextes, werde ich mich h\u00fcten,  die Entdeckerfreude, die der Interpret dieses Werkes an jeder  musikalischen Wegbiegung erleben kann, zu einer schulmeisterlichen  Analyse gerinnen zu lassen; aber einige zus\u00e4tzliche Anmerkungen kann ich  doch nicht unterdr\u00fccken.<br> Tonalit\u00e4t ist bei Weiland allgegenw\u00e4rtig, doch die tonalen Zentren  gewinnen kaum je bestimmtere Konsistenz als etwa ein Wolkenbild \u2013 ganz  unabh\u00e4ngig von der Dauer ihrer Herrschaft. So k\u00f6nnte man zum Beispiel  den ganzen ersten Abschnitt (Allegro pianissimo) auf jenen  D-Dur-Dreiklang beziehen, der an seinem Ende nicht weniger als neun mal  formelhaft wiederholt wird; aber der Text scheint nichts davon zu  wissen.<br> Das vom Komponisten angesprochene Problem der Abgrenzung der einzelnden  \u201eKapitel\u201c des Werkes, ist nicht konstruktiv, sondern rein klangsinnlich  gel\u00f6st: So operiert der zweite Teil (Adagio) mit aufgerauhten,  zerkl\u00fcfteten Splitterfl\u00e4chen, zwischen denen das Sekunden-Ostinato des  ersten Abschnitts, das an der Nahtstelle als Br\u00fccke dient, verengt und  beschleunigt durchblinkt.<br> Das folgende Allegro molto bewahrt un\u00fcberh\u00f6rbare Reste eines  Scherzo-Archetyps. In den eilig dahinstolpernden Bewegungsflu\u00df mengen  sich die naiv-sp\u00f6ttischen Wendungen eines Kinderausz\u00e4hlreims und, als  Trioteil, die unerwartete (und dissonant gesch\u00e4rfte) R\u00fcckkehr eines  Themas aus dem vorigen Abschnitt.<br> Eine elegische Wendung, die schon am Beginn des Werkes fl\u00fcchtig anklang,  wird im Abschnitt IV (Moderato \u2013 Allegro moderato) zu einem Kanon der  Streichinstrumente ausgesponnen, der alsbald in r\u00fchrender Ratlosigkeit  versiegt. Diesen Passus h\u00e4tte Nestroy wohl \u201ezwecklose Tr\u00e4umereien,  ab&#8217;brennte Versuche und wertlose Triumphe\u201c \u00fcberschrieben \u2013 die kurzen,  energischen Aufschw\u00fcnge und spielerischen Ausfl\u00fcchte stranden immer  wieder an einem vert\u00e4umt-verlegenen Melodiefragment, das einem  Kinderlied entnommen zu sein scheint. \u201eFast zu ernst\u201c wendet sich diese  Reminiszenz schlie\u00dflich nach Es-moll, wo sie mit dem Eintritt des  folgenden Abschnitts (V, Adagio) im Gewand eines feierlichen Chorals  erscheint, der aber gleich lichteren Regionen zustrebt und in einer  ungest\u00fcmen Modulation die Reprise von Abschnitt I (Allegro maestoso)  erzwingt. Erst hinter dem freudigen \u00dcberschwang dieses Wiederfindens  \u00f6ffnet sich der Blick auf das Fernziel des Werkes: Der aus dem  Kinderreim geborene Choral tritt uns zuletzt (Abschnitt VI, Poco adagio \u2013  Cavatina con variazioni) als inniges Lied entgegen, dessen Variationen  das Trio mit einer fast immateriellen Kadenz ins Nichts entschweben  lassen.<br> Es ist nicht anzunehmen, da\u00df ein profunder Quartettist wie Weiland die  Satzbezeichnung \u201eCavatina\u201c ohne einen gewissen ehrf\u00fcrchtigen Schauder  verwendet. Aber niemand, der den unschuldigen Zauber dieses schlichten  Themas und seiner ungek\u00fcnstelten Ver\u00e4nderungen auf sich wirken l\u00e4\u00dft,  wird daran zweifeln, da\u00df wir es hier weder mit einer Anma\u00dfung noch mit  einer Blasphemie zu tun haben, sondern mit einer aus reinstem Herzen  kommenden Zueignung von zeitloser Aufrichtigkeit.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Douglas Weiland * 16. April 1954 Trio in one movement for piano, violin, and violoncello. Opus 22. Komponiert: Old Buckenham, Norfolk, November 1995 \u2013 16. April 1996 Widmung: Benjamin Colin Gordon Weiland (*29. Dezember 1995) Urauff\u00fchrung: 15. 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