{"id":579,"date":"2019-02-13T17:44:30","date_gmt":"2019-02-13T16:44:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=579"},"modified":"2019-02-13T17:44:40","modified_gmt":"2019-02-13T16:44:40","slug":"schumann-studien-6-stuecke-in-canonischer-form-op-56-arr-th-kirchner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/schumann-studien-6-stuecke-in-canonischer-form-op-56-arr-th-kirchner\/","title":{"rendered":"Schumann: Studien. 6 St\u00fccke in canonischer Form op.56 (arr. Th. Kirchner)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Robert Schumann<\/h3>\n\n\n\n<p>* 08. Juni 1810<br>\u2020 29. Juli 1856<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Studien. 6 St\u00fccke in canonischer Form op.56 (arr. Th. Kirchner)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Dresden, zwischen 27. April und 7. Juni 1845<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Johann Gottfried Kuntsch (1775-1855)<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Whistling, Leipzig, 1845<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Unter dem 23. J\u00e4nner 1845 vermerkt Clara in ihrem Tagebuch: <br> <br> \u201eHeute begannen wir kontrapunktische Studien, was mir trotz der M\u00fche  viel Freude macht, denn ich sah, was ich nie m\u00f6glich geglaubt, bald eine  selbstgemachte Fuge und sah bald mehrere, da wir die Studien regelm\u00e4\u00dfig  alle Tage fortsetzten. Ich kann Robert nicht genug danken f\u00fcr seine  Geduld mit mir und freue mich doppelt, wenn mir etwas gelingt, das er  dann doch als sein Werk ansehen mu\u00df. Er selbst geriet aber auch in eine  Fugenpassion, und bei ihm sprudelt es von sch\u00f6nen Themen, deren ich bis  jetzt noch nicht eines finden konnte.&#8221; <br> <br> Roberts \u201eFugenpassion&#8221; hielt das ganze Jahr hindurch an: den Carl  Reinecke gewidmeten Vier Fugen f\u00fcr das Piano-Forte op.72 folgten  zwischen Februar und November 1845 Sechs Fugen \u00fcber den Namen BACH f\u00fcr  Orgel oder Pianoforte mit Pedal op.60. \u201ePianoforte mit Pedal&#8221; meint  hierbei eine schon im XVIII. Jahrhundert ersonnene und zu Schumanns  Zeiten vervollkommnete Konstruktion, die die Ausf\u00fchrung von Orgelwerken  auf dem Klavier erm\u00f6glichte: ein Klavier mit einer zus\u00e4tzlichen  Pedalklaviatur. Meistens wurde diese Zusatzklaviatur einfach unter das  vorhandene Klavier geschoben und mit ihm gekoppelt. Im Zuge der  Komposition der Orgelfugen hatte Schumann sich ein solches Instrument  von Otto Kade gemietet. Clara schreibt dazu: <br> <br> \u201eAm 24. April erhielten wir ein Pedal unter den Fl\u00fcgel zur Miete, was  uns viel Vergn\u00fcgen schaffte. Der Zweck war uns haupts\u00e4chlich, f\u00fcr das  Orgelspiel zu \u00fcben. Robert fand aber bald ein h\u00f6heres Interesse f\u00fcr dies  Instrument und komponierte einige Skizzen und Studien f\u00fcr den  Pedalfl\u00fcgel, die gewi\u00df gro\u00dfen Anklang als etwas ganz Neues finden  werden.&#8221; <br> <br> W\u00e4hrend die zuerst entstandenen vier Skizzen (als op. 58 mit einer  Widmung an Pauline von Abegg erschienen) nur die erste Freude an der  erweiterten Bewegungsfreiheit auf dem Pedalfl\u00fcgel widerspieglen,  erkunden die sechs Studien spezifisch die kontrapunktischen  M\u00f6glichkeiten des Instruments und sind somit eine weitere Frucht von  Schumanns \u201eFugenpassion&#8221; &#8211; auch wenn der Komponist sich diesmal mit  \u201eCanons&#8221; begn\u00fcgt. Als Mendelssohn am 25. und 26. August 1845 auf der  Durchreise in Dresden Station machte, spielte Clara ihm aus Roberts  neuen Kompositionen vor: <br> <br> \u201eMan konnte ihm wohl deutlich ansehen, welch gro\u00dfe Befriedigung er  empfand, unter den Kanons gefiel ihm am meisten der so sehr grazi\u00f6se in  H-moll (Nr. 5), was ich mir vorher schon gedacht, denn dieser entspricht  am meisten seiner eigenen Individualit\u00e4t.&#8221; <br> <br> Dieses Mendelssohnsche Lieblingsst\u00fcck wurde in der Folge auch eine der bevorzugten Draufgaben Claras. <br> <br> Wie leicht und nat\u00fcrlich Schumann die canonische Form von der Hand ging,  l\u00e4\u00dft sich an den unz\u00e4hligen Belegstellen seines Werkes nachpr\u00fcfen. Da\u00df  die besonderen Juwelen, die ihm in diesen sechs Studien gelangen, keine  gr\u00f6\u00dfere Verbreitung gefunden haben, ist sicher nur auf das Schicksal des  verwendeten Instrumentes zur\u00fcckzuf\u00fchren. Denn obwohl etwa Philippe  \u00c9rard noch 1850 mit einem f\u00fcr den Konzertgebrauch bestimmten Pedalfl\u00fcgel  Erfolg hatte, war das Schicksal dieser Erfindung doch schon besiegelt:  in den Jahren nach der Jahrhundertmitte verschwand das Instrument v\u00f6llig  von der Bildfl\u00e4che. Um zu verhindern, da\u00df das Schumannsche Werk dieses  Schicksal teile, entstanden in der Folgezeit eine Reihe von  Bearbeitungen &#8211; allein f\u00fcr Klaviertrio gibt es mindestens drei  verschiedene Transkriptionen. Unter all diesen Versuchen ragt aber  Theodor Kirchners kongeniale \u00dcbertragung deutlich hervor: sie bringt  durch ihre meisterliche und phantasievolle Instrumentation den ganzen  kontrapunktischen Reichtum des Originals zur vollen Entfaltung, ohne  irgendetwas von dessen Intimit\u00e4t zu opfern. <br> <br> F\u00fcr Schumann selbst hat vielleicht in diesen geschlossenen und  bescheidenen, aber \u00fcberreichen St\u00fccken etwas Heimatliches  mitgeschwungen. \u201eZwickau in Wolken &#8211; Ankunft in d[er] Tanne &#8211;  heimathliche Gef\u00fchle&#8221; notiert er, als er am 6. August 1845 wieder einmal  in seine Geburtsstadt kommt. Und einige Seiten weiter finden wir unter  \u201eZwickauer Bekannte&#8221; an erster Stelle seinen alten Lehrer, Johann  Gottfried Kuntsch, dem der dankbare Sch\u00fcler die Studien zugeeignet hat<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Schumann * 08. 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