{"id":571,"date":"2019-02-13T17:41:16","date_gmt":"2019-02-13T16:41:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=571"},"modified":"2019-02-13T17:41:22","modified_gmt":"2019-02-13T16:41:22","slug":"schumann-trio-nr-1-d-moll-op-63","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/schumann-trio-nr-1-d-moll-op-63\/","title":{"rendered":"Schumann: Trio Nr.1, d-moll, op.63"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Robert Schumann<\/h3>\n\n\n\n<p>* 08. Juni 1810<br>\u2020 29. Juli 1856<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Nr.1, d-moll, op.63<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Dresden, Juni 1847<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>privat: Dresden, 13. September 1847 <br>\nClara Schumann, Klavier <br>\nFranz Schubert (1808-1878), Violine <br>\nFriedrich August Kummer (1797-1879), Violoncello <br>\n\u00f6ffentlich: Leipzig, 13. November 1848 <br>\nHeinrich Enke (1811-1859), Klavier <br>\nWilhelm Joseph von Wasielewski (1822-1896), Violine <br>\nJohann Andreas Grabau (1803-1884), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Leipzig, Juli 1848<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Robert Schumann hatte sich schon 1842 einmal der Form des  Klaviertrios zugewandt, als er die Phantasiest\u00fccke schrieb, die er aber  erst einige Jahre sp\u00e4ter als op.88 ver\u00f6ffentlichen lie\u00df. Zu seinem 37.  Geburtstag nimmt er nun, im Juni 1847 in Dresden, ein neues, ganz anders  geartetes Werk dieser Gattung in Angriff. Von Anfang an schwebte ihm  wohl die Schaffung eines Trio-Diptychons vor, vielleicht nach dem  Vorbild des Beethovenschen op.70: <br> <br> &#8220;Robert ist jetzt sehr flei\u00dfig, er schreibt an einem Klaviertrio, das  ein Opus mit dem ersten werden soll; ich freue mich, da\u00df er auch einmal  wieder an das Klavier denkt. Er scheint selbst sehr zufrieden mit seiner  Komposition.&#8221; <br> <br> (Clara Schumann, Tagebuch, 13. Juni 1847)<br> <br> Mit &#8220;dem ersten&#8221; sind nat\u00fcrlich die Phantasiest\u00fccke gemeint, zu dem das  neue Trio also urspr\u00fcnglich ein Gegenst\u00fcck werden h\u00e4tte sollen. Claras  besondere Freude \u00fcber eine neue Klavierkomposition hat ihren Grund  darin, da\u00df Schumann in diesen Monaten vornehmlich mit musikdramatischen  Arbeiten und Pl\u00e4nen besch\u00e4ftigt war &#8211; mit seiner Oper Genoveva (op.81)  und Scenen aus Goethes Faust (WoO 3). Dieser Umstand hat \u00fcbrigens in den  beiden Triowerken des Jahres 1847 un\u00fcberh\u00f6rbare Spuren hinterlassen. <br> <br> Schon am 16. Juni sind die Skizzen beendet. Schumanns Aufzeichnungen aus  diesen Tagen enthalten immer wieder dieses eine Wort: &#8220;Triofreuden&#8221;.  Die eruptive Dynamik dieses Schaffensrausches lie\u00df ein Werk entstehen,  das den von den Phantasiest\u00fccken vorgegebenen Rahmen sprengte. Daher  machte sich Schumann bald nach seiner R\u00fcckkunft aus Zwickau, wo in der  ersten Julih\u00e4lfte ein veritables &#8220;Schumannfest&#8221; stattgefunden hatte, an  die Komposition eines neuen Trios (op.80, F-Dur), das in Tonfall und  Gewicht ein ideales Gegenst\u00fcck zu dem eben vollendeten wurde. Der innere  Bezug dieser beiden Werke manifestiert sich auf vielerlei Weise. Unter  anderem f\u00e4llt ein thematischer Archetyp folgender Kontur auf: ein  steigendes Skalenmotiv, das sich aus chromatischem Beginn in  synkopiertem oder punktiertem Rhythmus zu diatonischer Gestalt streckt,  um mit der abschlie\u00dfenden Geste eines Sext- (op.63) oder Septimenfalls  (op.80) wieder an seinen Ausgangspunkt zur\u00fcckzukehren. Dieses  &#8220;Leitmotiv&#8221;, das die zweiten S\u00e4tze unseres Triopaares dominiert, findet  sich einige Jahre sp\u00e4ter in Schumanns letztem Triowerk (op.110) als  erstes Trio des dritten Satzes noch einmal, wo es dann als Episode des  Finales wiederkehrt und das St\u00fcck &#8211; und somit Schumanns ganzes  Trioschaffen &#8211; in einer sieghaften Coda beschlie\u00dft. <br> <br> Wenn Clara sich ein Jahr zuvor selbst mit der Vollendung ihres eigenen  Trios (g-moll, op.17) beschenkt hatte, so wurde diesmal am Ende eines  gl\u00fccklichen und schaffensreichen Sommers Claras 28.Geburtstag am  13.September mit der Urauff\u00fchrung des d-moll-Trios begangen. Und welch  ein Geschenk war nun erst dieses! <br> <br> &#8220;Es klingt wie von einem, von dem noch vieles zu erwarten steht, so  jugendfrisch und kr\u00e4ftig, dabei doch in der Ausf\u00fchrung so  meisterhaft&#8230;. Der erste Satz ist f\u00fcr mich einer der sch\u00f6nsten, die ich  kenne.&#8221; <br> <br> (Clara Schumann, Tagebuch, 13.(?) September 1847)<br> <br> (Was Clara sonst noch zu dem Werk zu bemerken hatte, ist zusammen mit  ihren Tageb\u00fcchern, die wahrscheinlich von ihrer \u00e4lteste Tochter Marie  vernichtet wurden, verschollen.) <br> <br> Als reifste Frucht einer Schaffensphase, deren Energien ganz dem Ringen  um das ertr\u00e4umte Musikdrama zu geh\u00f6ren schienen und in der Schumanns  Denken best\u00e4ndig um das dramatische Werk Hebbels (der Schumann am 27.  Juli in Dresden besuchte), Goethes und Grillparzers kreist, tr\u00e4gt sein  d-moll-Trio in jedem Takt Spuren dieser dramatischen \u00dcberh\u00f6hung des  Lebens. Das Werk quillt f\u00f6rmlich \u00fcber von Bildern, deren szenische  Eindringlichkeit wohl niemals auf einer Opernb\u00fchne erreicht wurde.  Vielleicht ist das ungl\u00fcckliche Schicksal von Schumanns Genoveva und das  umso gl\u00e4nzendere Schicksal des d-moll-Trios ( &#8211; das Werk ist eines der  meistgespielten der gesamten Trioliteratur &#8211; ) auch damit zu erkl\u00e4ren,  da\u00df, wie Mendelssohn einmal sagte, die in der Musik ausgesprochenen  Gedanken zu bestimmt sind, um sie in Worte zu fassen? <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Schumann * 08. Juni 1810\u2020 29. Juli 1856 Trio Nr.1, d-moll, op.63 Komponiert: Dresden, Juni 1847 Urauff\u00fchrung: privat: Dresden, 13. September 1847 Clara Schumann, Klavier Franz Schubert (1808-1878), Violine Friedrich August Kummer (1797-1879), Violoncello \u00f6ffentlich: Leipzig, 13. 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