{"id":569,"date":"2019-02-13T17:40:33","date_gmt":"2019-02-13T16:40:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=569"},"modified":"2019-02-13T17:40:40","modified_gmt":"2019-02-13T16:40:40","slug":"schumann-clara-trio-g-moll-op-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/schumann-clara-trio-g-moll-op-17\/","title":{"rendered":"Schumann Clara: Trio g-moll op.17"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Clara Schumann<\/h3>\n\n\n\n<p>* 13. September 1819<br>\u2020 20. Mai 1896<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio g-moll op.17<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Dresden, Maxen und Norderney, Mai bis 12. September 1846<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>privat: Leipzig, 18. November 1846<br>\nClara Schumann, Klavier<br>\n?, Violine<br>\n?, Violoncello<br>\n <\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Leipzig, September 1847<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Ende 1844 hatten die Schumanns Leipzig verlassen, das ihnen nach dem  Weggang Mendelssohns und nach Roberts vergeblicher Bewerbung um dessen  Nachfolge als Chefdirigent des Gewandhausorchesters (der D\u00e4ne Niels  Wilhelm Gade, ein enger Freund Schumanns, hatte die Stelle erhalten) von  Tag zu Tag unertr\u00e4glicher geworden war. Allerdings erwies sich die Wahl  Dresdens zum neuen Wohnort als nicht eben gl\u00fccklich. W\u00e4hrend n\u00e4mlich  Leipzig um die Mitte des XIX. Jahrhunderts in mancher Hinsicht als die  europ\u00e4ische Musikmetropole gelten durfte, hatte Dresden musikalisch  vergleichsweise wenig bis nichts zu bieten. Am zutiefst philistr\u00f6sen und  zopfigen Charakter des Dresdener Musiklebens vermochte auch ein  Hofkapellmeister Richard Wagner kaum etwas zu \u00e4ndern; zudem trug gerade  Wagners Gegenwart nicht eben zum Wohlbefinden der Schumanns bei, die  beide eine heftige Antipathie zumindest dem Menschen Wagner gegen\u00fcber  empfanden. Das st\u00e4ndig gespannte Verh\u00e4ltnis zu Claras in Dresden  lebendem Vater Friedrich Wieck und die daraus entstehenden andauernden  Reibereien taten ein \u00fcbriges, um dem jungen Ehepaar den Aufenthalt in  der s\u00e4chsischen Hauptstadt zu verleiden. Am meisten Sorgen bereitete  Clara allerdings Roberts unver\u00e4ndert schlechter Gesundheitszustand. Das  Nervenleiden, das sich in Schwindelanf\u00e4llen, \u00dcbelkeit und  Halluzinationen niederschlug, zwang ihn immer wieder zu qu\u00e4lenden  Arbeitsunterbrechungen. Schumanns Umgang mit seiner manisch-depressiven  Veranlagung konnte seiner jungen Frau auch keine Beruhigung sein: in den  erhaltenen Haushaltsb\u00fcchern der Schumanns finden sich immer \u00f6fter die  leitmotivisch wiederkehrenden Posten Cigarren, Kaffee, bairisch Bier,  Portwein, Champagner, Punschessenz. Zu all dem ist Clara selbst durch  die h\u00e4ufigen Schwangerschaften und die damit verbundene Behinderung  ihrer Arbeit &#8211; sie ist ja doch zuerst und vor allem anderen eine in ganz  Europa gefeierte und begehrte Pianistin &#8211; seelisch und k\u00f6rperlich  \u00fcberlastet. <br> <br> Im Februar 1846 liegt Clara wieder einmal im Wochenbett; es ist ihr  viertes in etwas mehr als f\u00fcnf Ehejahren. Am 8. Februar mittags gebiert  sie ihren ersten Sohn, Emil &#8211; nachdem sie den ganzen Vormittag noch  \u00fcbend am Klavier verbracht hat. Knapp zwei Wochen sp\u00e4ter erleidet  Robert, der gerade fieberhaft an seiner zweiten Symphonie arbeitet,  einen Zusammenbruch. Ein neuerlicher Anlauf zur Beendigung des Werkes  endet Mitte Mai noch katastrophaler. Zur Erholung zieht man mit den  beiden \u00e4lteren T\u00f6chtern am 25. Mai f\u00fcr einige Wochen nach Maxen. Mit  diesem knapp zwanzig Kilometer s\u00fcdlich von Dresden gelegenen Ort, dessen  Schlo\u00df dem mit den Schumanns befreundeten Major Anton Serre geh\u00f6rt,  verbinden sich f\u00fcr Clara und Robert viele sch\u00f6ne Erinnerungen an ihre  Brautzeit: das geschichtstr\u00e4chtige Herrenhaus mit der  sorglos-geschw\u00e4tzigen Majorin als Hausherrin, die lauschige  Buschenschenke am Ende des Schlottwitzer Grundes, die romantische Ruine  Weesenstein \u00fcber dem M\u00fcglitztal, und schlie\u00dflich die kleine Dorfkirche,  in der sie eigentlich heiraten hatten wollen. Und wirklich scheint von  dem Ort eine segensreiche Wirkung auszugehen: Robert scheint ruhiger,  die Kinder bl\u00fchen auf &#8211; bald l\u00e4\u00dft man auch die beiden J\u00fcngsten  nachkommen -, und Clara widmet sich mit neuer Kraft ihrem  kompositorischen Schaffen. Seit sie, von Roberts \u201eFugenpassion&#8221;  angesteckt, Anfang 1845 mit ernsthaften kontrapunktischen Studien  begonnen hat, die ab April unter Roberts Anleitung nach Luigi Cherubinis  \u201eTheorie des Contrapunctes und der Fuge&#8221; regelm\u00e4\u00dfig fortgesetzt wurden,  hatte sie einen ihre bisherige Kompositionen weit hinter sich lassenden  kompositorischen Ehrgeiz entwickelt: zu Roberts f\u00fcnfunddrei\u00dfigsten  Geburtstag hatte sie ihren Mann mit Drei Pr\u00e4ludien und Fugen op. 16  \u00fcberrascht, die als ein respektables Seitenst\u00fcck zu Roberts im selben  Jahr entstandenen Vier Fugen op.72 die Verbindung Bachscher Fugenkunst  mit den Erfordernissen des romantischen Charkterst\u00fcckes anstreben.  Jetzt, da sie sich dem Ende ihres selbst auferlegten Studiums n\u00e4herte,  will sie mit einer gro\u00dfangelegten Kammermusikkomposition gleichsam ihr  kompositorisches \u201eGesellenst\u00fcck&#8221; liefern. <br> <br> Da\u00df sie daf\u00fcr die Form des Klaviertrios w\u00e4hlt &#8211; es soll neben den sieben  Jahre sp\u00e4ter entstandenen Drei Romanzen f\u00fcr Pianoforte und Violine  op.22 Claras einzige Auseinandersetzung mit dem Genre der  Klavierkammermusik bleiben -, hat wohl viele Gr\u00fcnde: Einer davon mag die  Tatsache sein, da\u00df unter den f\u00fcr ein Werk dieser Bedeutung am ehesten  in Frage kommenden Gattungen (Klaviersonate, Symphonie, Streichquartett  und Klaviertrio) nur das \u201eklassische&#8221; Klaviertrio in Roberts Werkkatalog  noch nicht vertreten war (von der Sonderstellung der zu diesem  Zeitpunkt noch nicht in ihrer definitiven Form vorliegenden  Fantasiest\u00fccke op.88 war ja schon weiter oben die Rede). Andererseits  darf man in der Komposition gerade eines Klaviertrios durchaus auch die  selbstbewu\u00dfte Annahme einer Herausforderung sehen. Hatte nicht Robert in  seinen Rezensionen immer wieder die besonderen Schwierigkeiten der  Klaviertriokomposition betont? Da wird etwa \u201evon einem, der sich an ein  Trio heranmacht&#8221; zuallererst verlangt \u201eda\u00df er Stimmen f\u00fchren kann, da\u00df  er \u00fcberhaupt wei\u00df, wie herrliche Werke wir in dieser Gattung besitzen&#8221;.  \u201eVerwickelte Arbeit, Verbindung von Themen, Engf\u00fchrungen u. dgl.&#8221; m\u00fcssen  in einer Triokomposition ebenso beherrscht werden wie die  \u201eSelbst\u00e4ndigkeit und lebendige Fortbewegung der einzelnen Stimmen&#8221;, die  \u201ebedeutungsvollere Behandlung auch der \u00dcbergangsstellen&#8221; und die  F\u00e4higkeit, \u201efeinere Bez\u00fcge zwischen dem Hauptthema und der Verarbeitung  der anderen Motive&#8221; herzustellen. Allerdings r\u00e4umt Schumann angesichts  dieser geh\u00e4uften Schwierigkeiten und Erfordernisse gleichzeitig ein:  \u201eWer wird von einem jungen K\u00fcnstler verlangen, da\u00df er gleich  Beethovensche B-dur-Trios, Franz Schubertsche in Es schreibe [&#8230;],  glaube man nur, wir m\u00f6chten dazu beitragen, da\u00df unser Zeitalter nicht zu  sehr abst\u00e4che gegen das eben vergangene.&#8221; <br> <br> Durch solche und \u00e4hnliche \u00c4u\u00dferungen ihres Mannes vielleicht in ihrem  Ehrgeiz angespornt, hat Clara wahrscheinlich schon in den letzten Tagen  vor ihrer Abreise aus Dresden mit der Komposition des G-moll-Trios  begonnen. Jetzt, in der beschaulichen und erholsamen Ruhe der Maxener  Sommerfrische, w\u00e4chst das Werk mit jedem Tag. Doch schon bald wird das  Idyll \u00fcberschattet: Robert kann pl\u00f6tzlich den von den Fenstern ihrer  Sommerwohnung aus in der Ferne sich bietenden Anblick der Irrenanstalt  Sonnenstein nicht mehr ertragen. Von dunklen Vorahnungen gejagt, nehmen  die beiden schweren Herzens schon am 28. Juni \u201eAbschied von unseren  Lieblingspl\u00e4tzen&#8221;. W\u00e4hrend die Kinder mit der Amme direkt nach Dresden  zur\u00fcckkehren, brechen Clara und Robert am darauffolgenden Tag zu einer  dreit\u00e4gigen Wanderung durch das Bielatal auf den Schneeberg und von dort  in das Elbetal nach Tetschen (Decin), von wo aus man mit dem Schiff  \u00fcber Schandau heimreist. Als Entsch\u00e4digung f\u00fcr den vorzeitig beendeten  Urlaub beschlie\u00dft das Paar aber schon am 2. Juli, einen Tag nach der  Heimkehr, eine weitere Reise zu unternehmen. Kinder, Amme und  unausgepackte M\u00f6bel in Dresden zur\u00fccklassend, brechen sie am 6. Juli von  Dresden auf. In Hamburg, wo man Jenny Lind als Donna Anna bewundern  kann, h\u00e4lt man sich eine gute Woche in der nach dem gro\u00dfen Brand von  1842 pr\u00e4chtig wiederaufgebauten Stadt auf . (Vielleicht ist Robert und  Clara schon in diesen Tagen der dreizehnj\u00e4hrige Johannes, der die  Schumannbegeisterung seiner \u00e4lteren Freundin Louise Japha damals  allerdings \u00fcberhaupt noch nicht verstehen mochte, \u00fcber den Weg  gelaufen.) Am 15. Juli fahren die beiden mit dem Dampfschiff nach  Norderney weiter, wo sie eine helle Wohnung mit Blick auf das Watt  beziehen. Obwohl Robert sich hier ein wenig besser f\u00fchlt, ist er noch  immer unf\u00e4hig, die Arbeit an der unterbrochenen Symphonie fortzusetzen.  Auch Claras Werk ist ins Stocken geraten: Wenige Tage nach ihrer Ankunft  versetzt sie die Entdeckung, da\u00df sie schon wieder schwanger ist, in  Panik. Durch ausgiebiges Schwimmen im Meer und hei\u00dfe \u201emedizinische&#8221;  B\u00e4der gelingt es ihr, am 26. Juli eine Fehlgeburt herbeizuf\u00fchren; einen  Arzt will sie nicht konsultieren. Schon am n\u00e4chsten Tag tritt sie bei  einem Kurkonzert \u00f6ffentlich auf &#8211; der R\u00fcckfall l\u00e4\u00dft nicht auf sich  warten, und Clara mu\u00df den Gro\u00dfteil der noch verbleibenden Urlaubswochen  im Bett verbringen. Trotzdem setzt sie mit der ihr eigenen  Hartn\u00e4ckigkeit und Willenskraft das begonnene Werk fort, und als man am  21. August die Heimreise antritt, mu\u00df das Trio schon knapp vor der  Vollendung stehen. In Dresden, wo sie am Abend des 25. August ankommen,  finden sie die Kinder wohlauf &#8211; nur Emil ist nach wie vor schwach und  hat noch kein einziges Mal gel\u00e4chelt. Der einundzwanzigj\u00e4hrige  Jusstudent Eduard Hanslick, der am 28. August aus Prag zu Besuch kommt,  ist vor allem von der kleinen Julie entz\u00fcckt. \u201eIch gebe sie Ihnen zur  Braut&#8221;, scherzt Robert &#8211; auch in diesen unscheinbaren Durchgangsnoten  erscheint schon ein Brahmsischer Vorausschatten. <br> <br> Innerhalb weniger Tage schlie\u00dft Clara jetzt ihr Werk ab: der Schlu\u00df  tr\u00e4gt das Datum 12. September 1846 &#8211; ihr sechster Hochzeitstag und der  Vorabend ihres siebenundzwanzigsten Geburtstages. <br> <br> Wenige Tage sp\u00e4ter \u00fcbersiedelt die Familie Schumann aus dem  Interimsquartier in der Seegasse in die neue Wohnung, Gro\u00dfe  Reitbahngasse 20. Dort notiert Clara am 2. Oktober, unmittelbar nach der  ersten Durchspielprobe ihres Trios, in ihr Tagebuch: <br> <br> \u201eEs geht doch nichts \u00fcber das Vergn\u00fcgen, etwas selbst komponiert zu  haben und dann zu h\u00f6ren. Es sind einige h\u00fcbsche Stellen in dem Trio, und  wie ich glaube ist es auch in der Form ziemlich gelungen.&#8221; <br> <br> Bescheidener lassen sich die Vorz\u00fcge dieses Werkes wohl nicht  beschreiben. Wenn man die Geniewerke Robert Schumanns und Mendelssohns  einmal ausklammert, geh\u00f6rt Claras Trio sicher zum Gediegensten, was in  diesem Genre zwischen Schubert und Brahms gesagt worden ist. Daran  verm\u00f6gen auch die zunehmend selbstkritischen \u00c4u\u00dferungen Claras nichts zu  \u00e4ndern, die das Werk, vor allem nachdem Robert &#8211; durch ihr Werk  angeregt &#8211; sein Opus 63 komponiert hatte, nur noch mit der Elle ihres  Mannes messen wollte. Schon die oben zitierte Tagebucheintragung m\u00fcndet  in den resignierenden Nachsatz: <br> <br> \u201eNat\u00fcrlich bleibt es immer Frauenzimmerarbeit, bei denen es immer an der Kraft und hie und da an der Erfindung fehlt.&#8221; <br> <br> War ihr das eigene Werk schon bei der privaten Urauff\u00fchrung in der  Gegen\u00fcberstellung mit Roberts Klavierquartett op.47 \u201eje \u00f6fter ich es  spiele, je unschuldiger&#8221; erschienen, so urteilt sie im direkten  Vergleich mit dem D-moll-Trio vollends ern\u00fcchtert: \u201eMein Trio erhielt  ich heute auch fertig gedruckt; das wollte mir aber nicht sonderlich auf  des Roberts munden, es klang gar weibisch sentimental.&#8221; (Tagebuch,  September 1847) <br> <br> Die \u00f6ffentliche Kritik war da wesentlich besserer Meinung. Die Neue  Berliner Musikzeitung (1847, S. 384) stellt einleitend fest: \u201eAuf diesem  Gebiete begegnen wir selten einer Frau, und noch seltener haben wir so  gegr\u00fcndete Ursach, uns dessen zu freuen&#8221;, um dann die \u201eSauberkeit&#8221; der  Arbeit, die \u201evon so ruhiger Beherrschung der formellen Kunstmittel&#8221;  zeuge, zu r\u00fchmen. Der Rezensent empfindet das Werk dabei als \u201evon einer  wehm\u00fcthigen stillen Trauer umflossen&#8221;. Die Neue Zeitschrift f\u00fcr Musik  (1848, S. 254), von deren Redaktion sich Robert Schumann schon 1844  zur\u00fcckgezogen hat, befindet \u201edie innere Arbeit wie die \u00e4u\u00dfere Gestaltung  von geschickter und fester Hand, frei von Sucht nach Originalit\u00e4t, von  Effecthascherei, von allem \u00dcberfl\u00fcssigen&#8221;, w\u00e4hrend die ebenfalls in  Leipzig erscheinende Allgemeine Musikalische Zeitung (1848, Sp.232) sich  vor allem \u00fcber den \u201eFlu\u00df der Perioden&#8221;, der der \u201ebeste Probirstein des  gereiften Talentes&#8221; sei und \u201ejetzt, wo uns soviel Zusammengest\u00fcckeltes  vorkommt, doppelt wohlth\u00e4tig&#8221; wirke, freut. Dabei wehe \u201e\u00fcber allem&#8230;  ein zarter poetischer Duft, der das Ganze zum Kunstwerk weiht.&#8221; <br> <br> Am 23. November 1846 schreibt Robert Schumann an seinen Wiener Freund Joseph Fischhof (1804-1857): <br> <br> \u201eEine neue Symphonie bring&#8217; ich mit, meine Frau ein neues Trio; jene  tritt etwas geharnischt auf, dieses ist schon milder. Sie werden beides  verstehen.&#8221; <br> <br> Am n\u00e4chsten Tag brechen Robert und Clara nach Wien auf, wo sie am 28.  November eintreffen. Die vier \u00f6ffentlichen Konzerte, die Clara hier  zwischen dem 10. Dezember 1846 und dem 10. J\u00e4nner 1847 gibt, sind &#8211; vor  allem verglichen mit dem triumphalen Wien-Debut der Achtzehnj\u00e4hrigen &#8211;  k\u00fcnstlerisch eine herbe Entt\u00e4uschung und finanziell ein Mi\u00dferfolg.  Einzig das letzte Konzert, in dem die Freundin Jenny Lind mitwirkt,  findet wirkliche Beachtung. Bei der Abschiedsmatinee, die die Schumanns  am 15. J\u00e4nner 1847 in ihrer (f\u00fcr solche Zwecke eigentlich zu kleinen)  Wohnung im Gundelhof (Bauernmarkt) steht neben Liedern und dem  A-Dur-Streichquartett (op. 41 Nr.3) ihres Mannes auch Claras Trio auf  dem Programm. Joseph Hellmesberger d. \u00c4. und der aus Prag stammende  Cellist Egyd Borzaga sind die Partner der Komponistin bei dieser Wiener  Erstauff\u00fchrung, die durch die Gegenwart Eichendorffs und Grillparzers  besondere Weihe erh\u00e4lt. <br> <br> Hat vielleicht bei der Wahl der Tonart die Erinnerung an zwei \u00e4hnlich  ambitionierte \u201eGesellenst\u00fccke&#8221; Roberts, seine (unvollendet gebliebene)  G-moll-Symphonie (1832\/33) und die 1833 begonnene G-moll-Klaviersonate  op.22, mitgespielt? Jedenfalls sollten auch in dem \u00fcber Skizzen nicht  hinaus gediehenen Finale der Symphonie, deren Scheitern die  dreizehnj\u00e4hrige Clara miterlebt hatte, jene kontrapunktischen K\u00fcnste  demonstriert werden, \u00fcber die Robert damals noch nicht zur Gen\u00fcge  geboten hatte, und deren Beherrschung Clara nun demonstrieren wollte.  Schon zu ihrem ersten ehelichen Weihnachtsfest hatte Clara ihrem Mann  einen G-moll-Sonatensatz zugeeignet, den sie im J\u00e4nner 1842 zu einer  viers\u00e4tzigen Sonate erg\u00e4nzte (WoO 18). Es ist zumindest auffallend, da\u00df  der Kopfsatz dieser Sonate und die Ecks\u00e4tze unseres Trios, die alle drei  in g-moll stehen, die einzigen \u201eechten&#8221; Sonatens\u00e4tze im Gesamtwerk  Clara Schumanns geblieben sind. <br> <br> Schon im er\u00f6ffnenden Allegro moderato des Trios ist die oben zitierte  Forderungen Roberts nach den \u201efeineren Bez\u00fcgen zwischen dem Hauptthema  und der Verarbeitung der anderen Motive&#8221; musterg\u00fcltig erf\u00fcllt. In der  Tat sind die Kunstkniffe der Motivassoziation und der kontinuierlichen  Fortspinnung mit solcher Konsequenz angewandt, da\u00df der in der  Physiognomie eines Sonatenhauptsatzes \u00fcblicherweise dominierende  dialektische Aspekt ganz in den Hintergrund zu treten scheint.  Charakteristisch f\u00fcr diese Konzeption ist die Durchdringung aller  Formteile mit assoziativ-durchf\u00fchrungsartigen Elementen. <br> <br> Bescheidener geben sich die Mittels\u00e4tze. Vielleicht hat Clara Roberts  Rat beherzigt, den man in der (sehr wohlmeindenden) Rezension des  Klaviertrios op.2 von Jacob Rosenhain (1813-1894) nachlesen kann: <br> <br> \u201e&#8230;Im Andante ergeht er sich in der Weise, in der wir&#8217;s unsern  ber\u00fchmtesten Vorfahren, Mozart und den andern, nun einmal nicht gleich  thun k\u00f6nnen; es scheint dies eine abgeschlossene Art von Musik und man  wird auf neue Mittels\u00e4tze andern Charakters sinnen m\u00fcssen.&#8221; <br> <br> Clara hat f\u00fcr die Mittels\u00e4tze ihres Trios &#8211; Scherzo. Tempo di Menuetto  (B-Dur) und Andante (G-Dur) &#8211; zwar die in Beethovens op.97 kanonisierte  (und von der auch in der Mehrzahl der viers\u00e4tzigen Kammermusikwerke  aufgegriffenen symphonischen Tradition abweichende) Satzreihenfolge  verwendet, dabei aber durchaus ihre Grenzen erkannt. Das Scherzo, das  bei Beethoven ein besonderer Spielplatz subtiler Extravaganzen ist,  gestaltet Clara betont schlicht: Menuett und Trio sind von einfacher  Bauart und weisen je ein charakteristisches Detail auf &#8211; die  \u201eumgekehrte&#8221; (lombardische) Punktierung im Menuett und die fast  wienerisch-walzerselige Hemiole im Trio. Da\u00df diese Bescheidung das  Resultat sch\u00f6pferischen Suchens (und nicht etwa Ausdruck naiven  Biedersinns) ist, l\u00e4\u00dft sich an dem im Robert-Schumann-Haus in Zwickau  aufbewahrten Autograph nachweisen: dort finden sich deutliche Spuren des  schon im Planungsstadium fallengelassenen Versuches, die Form des  Satzes substantiell zu erweitern. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr das Andante, in dem  das Modell der dreiteiligen Liedform \u00fcberaus triogerecht als schlichtes  \u201eLied ohne Worte&#8221; behandelt wird, und die tiefsinnigen und weitr\u00e4umigen  Andanti der Beethovenschen und Schubertschen Trios nicht einmal von  ferne beschworen werden. <br> <br> Dagegen ist das abschlie\u00dfende Allegretto &#8211; Claras letzter Sonatensatz &#8211;  ein Komplikationen geradezu aufsuchendes und in diesem Sinne \u00fcberaus  selbstbewu\u00dftes St\u00fcck Musik. Dennoch zeigt auch hier das Autograph, da\u00df  die urspr\u00fcnglich vorgesehenen L\u00f6sungen noch \u201ek\u00fchner&#8221; waren.  Hervorstechendstes Detail sind die zwei aus dem Hauptthema abgeleiteten  Fugato-Abschnitte der Durchf\u00fchrung, die Mendelssohn zu besonderem Lob  hinrissen. \u00dcberhaupt ist in der melancholischen Noblesse und der  kontrapunktischen Disziplin dieses Satzes mancher Zug zu finden, der uns  noch \u00f6fter als die anderen Teile des Werkes an Mendelssohn denken l\u00e4\u00dft.  <br> <br> Die meisten Kenner von Clara Schumanns kompositorischem Werk, das erst  in den letzten beiden Jahrzehnten eine angemessenere W\u00fcrdigung erfahren  hat, stimmen darin \u00fcberein, da\u00df das Klaviertrio op.17 Claras Meisterwerk  sei. Clara selbst hat das Werk noch 1877 gespielt und damit  dokumentiert, da\u00df sie &#8211; trotz ihrer kritischen Einw\u00e4nde &#8211; zu Recht stolz  auf ihr Kind war. Am meisten hat sie aber vielleicht gefreut, da\u00df unter  den ersten Interpreten des Trios auch der Eine war, an dem vorbei sie  es im Sommer 1846 unter ihrem Herzen durch Hamburg getragen haben mu\u00df:  Johannes Brahms.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Clara Schumann * 13. September 1819\u2020 20. Mai 1896 Trio g-moll op.17 Komponiert: Dresden, Maxen und Norderney, Mai bis 12. September 1846 Urauff\u00fchrung: privat: Leipzig, 18. November 1846 Clara Schumann, Klavier ?, Violine ?, Violoncello Erstausgabe: Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Leipzig, September 1847 Ende 1844 hatten die Schumanns Leipzig verlassen, das ihnen nach dem Weggang Mendelssohns [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-569","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=569"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":570,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569\/revisions\/570"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}