{"id":555,"date":"2019-02-13T17:32:59","date_gmt":"2019-02-13T16:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=555"},"modified":"2019-02-13T17:33:05","modified_gmt":"2019-02-13T16:33:05","slug":"schiske-sonatine-op-34-1952","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/schiske-sonatine-op-34-1952\/","title":{"rendered":"Schiske: Sonatine op.34 (1952)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Karl Schiske<\/h3>\n\n\n\n<p>* 12. Februar 1916<br>\u2020 16. Juni 1969<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sonatine op.34 (1952)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, (Skizze), St. Johann\/Pongau, Salzburg, Mai 1951, August &#8211; 17. September 1952<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Ilse Leeb<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Wien, Musikverein, Brahms-Saal, 19. M\u00e4rz 1953 <br>\nRoubicek-Trio [II]<br>\nErich Roubicek, Klavier <br>\nMario Beyer, Violine <br>\nErnst Knava, Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Doblinger, Wien, 1956<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Karl Schiske, dessen 25. Todestages wir heuer gedenken, ist  unstreitig einer der Gro\u00dfen der \u00f6sterreichischen Musik des XX.  Jahrhunderts &#8211; doch auch unbestrittene Gr\u00f6\u00dfe sch\u00fctzt nicht vor  Vernachl\u00e4ssigung, wenn keine einflu\u00dfreiche und m\u00e4chtige Lobby die  Werkpflege betreibt. So kommt es, da\u00df Schiskes Werk &#8211; 5 gro\u00dfangelegte  Symphonien, das ergreifende Oratorium &#8220;Vom Tode&#8221; (1946), ein Violin- und  ein Klavierkonzert, hervorragende Klavier- und Kammermusik &#8211; im  Musikbetrieb bei weitem nicht so pr\u00e4sent ist, wie es sein Rang und  Gewicht erwarten lie\u00dfen. Trotzdem ist Schiskes Verm\u00e4chtnis auch ein  Vierteljahrhundert nach seinem Tode im \u00f6sterreichischen Musikleben auf  dezente Weise omnipr\u00e4sent &#8211; n\u00e4mlich im Werk seiner zahlreichen Sch\u00fcler,  einer ganzen Plejade namhafter \u00f6sterreichischer Komponisten: Er\u00f6d,  Gr\u00fcnauer, Kaufmann, Kahowez, Neuwirth, Schwertsik, Urbanner, Zykan&#8230; <br> <br> Schiske hatte schon unmittelbar nach Kriegsende die Arbeit an einem  Klaviertrio begonnen; eine Skizze in der Musiksammlung der  \u00f6sterreichischen Nationalbibliothek zeigt, da\u00df aus diesem Trioentwurf  schlie\u00dflich das Oratorium &#8220;Vom Tode&#8221; hervorwuchs &#8211; \u00fcbrigens ein weiterer  Hinweis auf das Fortwirken der Tradition, dem Klaviertrio Totenklage  anzuvertrauen (Smetana, Dvorak, Tschaikovskij, Rachmaninov,  Schosta-kowitsch etc.). Als der Komponist aber einige Jahre sp\u00e4ter sich  wieder dem Genre zuwandte, verfolgte er ganz andere Ziele. Er schreibt  dazu: <br> <br> &#8220;Die Sonatine f\u00fcr Violine, Violoncello und Klavier op.34 ist in den  Jahren 1951\/52 gleichzeitig mit dem Violinkonzert entstanden. Neben  diesem Konzert und nach meiner klanglich und formal gro\u00df angelegten  III.Symphonie hatte ich das Bed\u00fcrfnis, mit sparsamen Mitteln wieder eine  richtige Kammermusik zu schreiben, die auch formal knapp und  \u00fcbersichtlich sein sollte. Au\u00dferdem trug ich mich schon lange mit dem  Plan, nach der Komposition von zwei Streichquartetten, einem  Bl\u00e4serquintett, einem Sextett, einem Trio f\u00fcr Klarinette, Trompete und  Bratsche und verschiedenen Duos auch einmal die M\u00f6glichkeit des  Klaviertrios zu n\u00fctzen &#8211; und zwar unter m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfiger  Ausn\u00fctzung aller drei Instrumente, ohne klangliche Vorherrschaft des  Klaviers durch Vollgriffigkeit des Satzes und ohne Degradierung des  Cellos zum Ba\u00df-Instrument. <br> Aus diesen Prinzipien resultiert die diesem Werk eigene Verschmelzung  von polyphonen Formen mit der Sonatenform; sie wird von allen drei  S\u00e4tzen gemeinsam gebildet: <br> Der 1. Satz (Andante), eine Invention, bildet die Sonaten-Exposition. <br> Der 2. Satz (Allegro), ein Scherzo, ist die Sonaten-Durchf\u00fchrung. <br> Und der 3. Satz (Adagio), eine neuartige &#8220;Variationenfuge&#8221; &#8211; in der das  Thema immer gleich in allen seinen vier Gestalten (Thema, Krebs,  Umkehrung, Krebs-Umkehrung) durchgef\u00fchrt wird und die vom H\u00f6hepunkt in  der Mitte an pyramidenf\u00f6rmig im Spiegel zu ihrem Ausgangspunkt  zur\u00fcckkehrt &#8211; erf\u00fcllt die Funktion der Sonaten-Reprise. <br> Aber die ganze Konstruktion ist nicht Selbstzweck, sondern dem Musiker  eine ordnende formale Basis f\u00fcr sein Musizieren und dem H\u00f6rer ein Bogen,  der die Vielfalt der Details zu einer h\u00f6heren Einheit binden soll.&#8221; <br> <br> Die kristalline Klarheit dieser Architektur h\u00e4tte bei einem Geringeren  vielleicht ein musikalisch an\u00e4misches und rein spekulatives Gebilde  ergeben &#8211; doch bei Schiske ist jeder Takt so sehr von lebendigem  Klangsinn und musikantischer Vitalit\u00e4t erf\u00fcllt, da\u00df sogar die gleichsam  verborgenen &#8220;Sinnspiele&#8221; zwingend und nat\u00fcrlich erscheinen. So ist etwa  der Bau des letzten Satzes durch Zahlensymbolik mitbestimmt, indem seine  81 Takte in der durch Takt 41 verlaufenden Spiegelachse ihren H\u00f6hepunkt  erreichen (81 steht hiebei gem\u00e4\u00df einem schon im Barock angewendeten  Verschl\u00fcsselungssystem f\u00fcr &#8220;K.SCHISKE&#8221;: 10+18+3+8+9+18+10+5=81, 41 f\u00fcr  &#8220;I.S.BACH&#8221;: 9+18+2+1+3+9=41). Die konsequente Ableitung des gesamten  Materials aus dem dreitaktigen Inventionsthema des ersten Satzes mit  seinen charakteristischen Septimen und Quarten erschlie\u00dft sich dem H\u00f6rer  in ihrem ganzen konstruktiven Raffinement zwar erst beim genauen  Studium, vermittelt aber schon beim ersten Anh\u00f6ren das bestimmte Gef\u00fchl  zwingender Logik. \u00c4hnlich wie Luigi Dallapiccola mit seinem (im selben  Jahr enstandenen) &#8220;Quaderno musicale per Annalibera&#8221; hat Schiske in  seiner Sonatine in zeitlos g\u00fcltiger Form dargelegt, da\u00df Kalk\u00fcl und  Inspiration in solchen Gl\u00fccksf\u00e4llen einander zu steigern verm\u00f6gen. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Schiske * 12. Februar 1916\u2020 16. Juni 1969 Sonatine op.34 (1952) Komponiert: Wien, (Skizze), St. Johann\/Pongau, Salzburg, Mai 1951, August &#8211; 17. September 1952 Widmung: Ilse Leeb Urauff\u00fchrung: Wien, Musikverein, Brahms-Saal, 19. M\u00e4rz 1953 Roubicek-Trio [II] Erich Roubicek, Klavier Mario Beyer, Violine Ernst Knava, Violoncello Erstausgabe: Doblinger, Wien, 1956 Karl Schiske, dessen 25. Todestages [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-555","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=555"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":556,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555\/revisions\/556"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}