{"id":547,"date":"2019-02-13T17:29:21","date_gmt":"2019-02-13T16:29:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=547"},"modified":"2019-02-13T17:29:31","modified_gmt":"2019-02-13T16:29:31","slug":"roger-trio-es-dur-op-77-1953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/roger-trio-es-dur-op-77-1953\/","title":{"rendered":"Roger: Trio Es-Dur op.77 (1953)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kurt Roger<\/h3>\n\n\n\n<p>* 03. Mai 1895<br>\u2020 04. August 1966<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Es-Dur op.77 (1953)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Washington, DC, 1953<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>1959 College Park, University of Maryland <br>\nGene Akkers, Klavier <br>\nDonald Portnoy, Violine <br>\nJohn Engberg, Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Manuskript<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Kurt Roger wuchs in Wien auf, wo er bei Arnold Sch\u00f6nberg, Karl Weigl  und Guido Adler studierte und 1918 als Musikwissenschaftler promovierte.  Von 1923 bis zu seiner Emigration 1938 unterrichtete Roger am Wiener  Konservatorium Musiktheorie und Komposition. In dieser Zeit fand Roger  als unabh\u00e4ngiger und origineller Geist, der sich von Sp\u00e4tromantik und  Dodekaphonik gleich weit entfernt hielt, einige Beachtung. So wurde etwa  sein Streichquintett op.7 (in der Schubert-Besetzung) vom Ros\u00e9-Quartett  (mit O. Stieglitz als zweitem Cellisten) uraufgef\u00fchrt. Da\u00df seine  \u00c4quidistanz zu den beiden bestimmenden Gruppierungen der Zeit nichts mit  Isolationismus zu tun hatte, zeigt schon ein Blick auf die Namen seiner  Lehrer. 1938 zur Emigration gezwungen, entkam er in die USA, wo er sich  1940 in New York niederlie\u00df. Diese Flucht geriet zum gro\u00dfen Trauma  seines Lebens. Obwohl ihm die USA zur zweiten Heimat wurden (1945  erhielt er die amerikanische Staatsb\u00fcrgerschaft), konnte er dort keinen  Ersatz f\u00fcr seinen Wiener Wirkungs- und Freundeskreis finden. Zwar  setzten sich auch weiterhin namhafte Interpreten f\u00fcr sein Werk ein  (Erich Leinsdorf, Rafael Kubelik, Sir Charles Groves u.a. dirigierten  Auff\u00fchrungen seiner Orchesterkompositionen mit der Chicago Symphony, der  National Symphony, dem BBC-Orchestra, den Wiener Symphonikern usw.),  doch blieb ihm letztlich weitere und allgemeinere Anerkennung versagt.  1953 \u00fcbersiedelte Roger nach Washington, wo er an der American  University und der George Washington University unterrichtete. Auch im  wiederbefreiten \u00d6sterreich begann man, sich seiner zu erinnern. 1958  wurde er als Dozent der Sommerkurse am Mozarteum nach Salzburg  eingeladen, und in der Folge wurden ihm auch jene \u00f6sterreichischen  Wiedergutmachungsehren (Verleihung des Professorentitels und des  Verdienstkreuzes Erster Klasse) zuteil, deren Haupteffekt wohl die  Gewissensberuhigung der Verleiher ist. In seinen letzten drei  Lebensjahren war Roger regelm\u00e4\u00dfig als Professor an der Queen&#8217;s  University in Belfast (Nordirland) t\u00e4tig. Er starb w\u00e4hrend eines  Wienbesuchs und wurde in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem  Zentralfriedhof beigesetzt. <br> <br> Rogers Werkkatalog umfa\u00dft 116 Opusnummern, unter denen man fast alle  Genres (mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der Kammermusik) vertreten  findet. Das kompositorische Credo Rogers, das auf seinem  unersch\u00fctterlichen Vertrauen auf die Lebens- und Erneuerungsf\u00e4higkeit  der Tonalit\u00e4t fu\u00dfte, machte ihn zeitlebens zu einem Au\u00dfenseiter. Erst  die stilistische Entwicklung der letzten Jahre hat deutlich gemacht, da\u00df  seine Suche nach freitonaler Linearit\u00e4t auch in einem gr\u00f6\u00dferen,  musikgeschichtlichen Kontext durchaus kein anachronistischer Irrweg war.  1989 erwarb die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien den musikalischen  Nachla\u00df von Kurt Roger. <br> <br> Das 1953, im Jahre von Rogers \u00dcbersiedlung nach Washington, geschriebene  Klaviertrio in Es ist eine knapp formulierte, dreis\u00e4tzige Komposition,  die sich in origineller Weise auf verschiedenste historische Muster  bezieht, jedoch nichts mit irgendeinem modischen &#8220;Neo-&#8220;Stil zu tun hat.  Kontrapunktischer Einfallsreichtum und eine erfrischende  Vorurteilslosigkeit in der Harmonik sind die allen S\u00e4tzen gemeinsamen  Z\u00fcge. <br> <br> Der erste Satz (Allegretto) bezieht seine Dynamik aus dem extremen  Kontrast zwischen einem federnd-optimistischen Es-Dur-Motto, das  kanonisch von allen Instrumenten exponiert wird, und dem tr\u00e4umerisch  wehm\u00fctigen Seitensatz, der seine Poesie nicht zuletzt einer zarten  phrygischen F\u00e4rbung verdankt. Das Streben nach Pr\u00e4gnanz zieht die  Verwendung einer extrem verk\u00fcrzten Abart der Sonatenform nach sich:  Durchf\u00fchrung und Reprise werden einander \u00fcberlagert, wobei der  Seitensatz mit seiner aparten Harmonik hier wesentlich breiteren Raum  als in der Exposition einnimmt, soda\u00df die &#8220;traditionelle&#8221; Stelle der  Reprise von einer kurzen, die Tonika sieghaft bekr\u00e4ftigenden Coda  eingenommen werden mu\u00df. <br> <br> Der zweite Satz (Adagio, As-Dur) basiert auf einem gro\u00dfr\u00e4umigen,  recitativischen Thema mit weitgespannten Intervallen. Es wird nach der  Art eines Kanons viermal exponiert, wobei schon der zweite Themeneinsatz  (Violoncello) die urspr\u00fcngliche Gestalt um eine Kadenz nach C-Dur  erweitert. In den jeweiligen Gegenstimmen widerspiegeln sich einzelne  charakteristische Details des Themas, soda\u00df sich das ganze Gewebe zu  einer schwerm\u00fctigen Klanglandschaft von meditativer Innigkeit f\u00fcgt. <br> <br> Im Finalsatz (Allegro) wird diese Besinnlichkeit \u00fcberm\u00fctig beiseite  gefegt. Ein f\u00fcrwitziges Fis versucht hartn\u00e4ckig die Herrschaft des  Es-Dur zu brechen und schleicht sich sogar mit frechem Spott in das  &#8220;Hauptthema&#8221;, das von einem ausgelassenen Kinderlied inspiriert scheint.  Die Auseinandersetzung zwischen der legitimen Tonika und dem  ungebetenen Pr\u00e4tendenten f\u00fchrt zu allerlei komischen Capriolen, doch  freilich darf sich zum Schlu\u00df das biedere Es behaupten &#8211; es tut das aber  nat\u00fcrlich nicht mit Triumphatorengeb\u00e4rde, sondern wie es sich f\u00fcr einen  kleinen Raufbold geziemt: mit herausgestreckter Zunge. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Roger * 03. Mai 1895\u2020 04. 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