{"id":545,"date":"2019-02-13T17:27:57","date_gmt":"2019-02-13T16:27:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=545"},"modified":"2019-02-13T17:28:04","modified_gmt":"2019-02-13T16:28:04","slug":"reger-trio-fuer-klavier-violine-und-violoncello-e-moll-op-102","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/reger-trio-fuer-klavier-violine-und-violoncello-e-moll-op-102\/","title":{"rendered":"Reger: Trio f\u00fcr Klavier, Violine und Violoncello, e-moll, op.102"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Max Reger<\/h3>\n\n\n\n<p>* 19. M\u00e4rz 1873<br>\u2020 11. Mai 1916<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio f\u00fcr Klavier, Violine und Violoncello, e-moll, op.102<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Leipzig (Felixstra\u00dfe 4), Dezember 1907 &#8211; 5. M\u00e4rz 1908<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Dr. Reinhold Ansch\u00fctz<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Leipzig, Kleiner Gewandhaussaal, 21. M\u00e4rz 1908 <br>\nMax Reger, Klavier <br>\nEdgar Wollgandt (1881-1949), Violine <br>\nJulius Klengel (1859-1933), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Lauterbach &amp; Kuhn, Leipzig, 1908<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Max Reger ist, jenseits der Beachtung, die ihm in allen Sammlungen  musikalischer Anekdoten gewi\u00df bleibt, kein Thema: Schon 1973 scheiterte  eine geplante &#8220;diskographische W\u00fcrdigung&#8221; anl\u00e4\u00dflich seines hundertsten  Geburtstages daran, da\u00df sich f\u00fcr die meisten Werke keine kompetenten  Interpreten fanden. Bis heute bleibt Regers Pr\u00e4senz in unseren  Konzerts\u00e4len d\u00fcrftig. W\u00e4hrend das den gleichen Zeitraum umspannende  Gesamtwerk Alexander Skrjabins einen festen Platz in unserer Vorstellung  von der Entstehung der Musiksprache des Zwanzigsten Jahrhunderts hat,  gilt Reger vielen heutigen H\u00f6rern nur mehr als eine anachronistische  Kuriosit\u00e4t. Regers Zeitgenossen waren, wenigstens was die Wahrnehmung  seiner Bedeutung und seines kompositorischen Ranges anlangt, gerechter  als die Nachwelt &#8211; ein eher seltener Fall in der Musikgeschichte. <br> <br> Zur Zeit der Komposition schieden sich an Regers &#8220;Sp\u00e4twerk&#8221; ( &#8211; man  sollte sich vergegenw\u00e4rtigen, da\u00df die Werke, die man unter diesem  Begriff subsumieren k\u00f6nnte, etwa ab Regers drei\u00dfigstem Lebensjahr  entstanden sind &#8211; ) die Geister: Es war zwar unbestritten, da\u00df hier eine  neue Sprache im Entstehen war &#8211; die Frage war, ob man sie auch erlernen  wollte. F\u00fcr die einen war Reger ein unerschrockener Neuerer und k\u00fchner  Entdecker, f\u00fcr die anderen ein die Tradition sch\u00e4ndender Wirrkopf. Je  nach Standpunkt galten seine Werke dann als mutig und verwegen oder als  abstrus und gesucht. Kein Wunder, da\u00df Reger-Urauff\u00fchrungen sich meist  als skandaltr\u00e4chtig erwiesen. Der mit charakteristischer Derbheit  gef\u00fchrte Kampf des Komponisten gegen seine geh\u00e4ssigen Kritiker geh\u00f6rt in  das schon eingangs erw\u00e4hnte Reich der Anekdote, in dem der monomanische  Meister, der sich nie ein Blatt vor den Mund (manchmal aber  demonstrativ anderswohin) nahm, eine gesicherte Position besetzt h\u00e4lt.  Doch es waren nicht nur mi\u00dfg\u00fcnstige Neider, die an Regers  kompositorischer Entwicklung Ansto\u00df nahmen. Sogar sein einstiger Lehrer  Hugo Riemann entr\u00fcstet sich (in der siebenten Auflage seines  einflu\u00dfreichen &#8220;Musiklexikons&#8221;, 1909) \u00fcber Regers &#8220;modulatorische  Willk\u00fcrlichkeiten&#8221; und empfindet das &#8220;absichtliche Verneinen der  schlichten Nat\u00fcrlichkeit&#8221; schlicht als &#8220;absto\u00dfend&#8221; &#8211; eine Kritik aus dem  Munde des verehrten Mentors, die Reger tief verletzte. Andererseits  aber machte die musikalische Avantgarde der Jahrhundertwende, vor allem  die \u00f6sterreichische und die russische, Reger zu einem ihrer Heroen. Der  St. Petersburger Verein f\u00fcr moderne Musik lud den Komponisten im  Dezember 1906 zu einem Regerfest ein, das im Bewu\u00dftsein der dortigen  jungen Komponistengeneration tiefe Eindr\u00fccke hinterlie\u00df; und auch in  Sch\u00f6nbergs &#8220;Verein f\u00fcr musikalische Privatauff\u00fchrungen&#8221; sollten Regers  Werke sp\u00e4ter zum festen Repertoire geh\u00f6ren. Ferruccio Busoni nannte  Reger (1905) gar den &#8220;gr\u00f6\u00dften lebenden Komponisten&#8221;. <br> <br> Die heutige Vernachl\u00e4ssigung Regers hat wohl mit der Entwicklung eines  noch weit &#8220;radikaleren&#8221; neuen musikalischen Idioms durch seine  Bewunderer zu tun. Vor dieser neuen Sprache konnte die Regers pl\u00f6tzlich  als &#8220;sp\u00e4tromantisch&#8221; und &#8220;anachronistisch&#8221; erscheinen. W\u00e4hrend die  Verfechter der Moderne sich dem jeweils Neuesten zuwandten, zog die  Mehrzahl der &#8220;konservativen&#8221; H\u00f6rer und Interpreten bei Johannes Brahms  eine imagin\u00e4re Demarkationslinie und lie\u00df Max Reger neben diesem  &#8220;Schmied&#8221; h\u00f6chstens noch als &#8220;Schmiedl&#8221; gelten. W\u00e4hrend man in diesem  Lager die frei assoziative Harmonik des Meisters als willk\u00fcrlich und  unnat\u00fcrlich kritisierte, stie\u00df man sich in jenem an den als stereotyp  empfundenen Regerschen Formschemata. Vielleicht ist jetzt, am Ausgang  dieses kontroversenreichen Jahrhunderts, doch endlich die Zeit gekommen,  dieses beeindruckende Werk unbeeinflu\u00dft von \u00e4sthetischen und  ideologischen Grabenk\u00e4mpfen neu zu entdecken und zu w\u00fcrdigen. <br> <br> Die Komposition von Regers einzigem vollendeten Klaviertrio (von einem  Jugendwerk dieser Gattung, der 1890\/91 in Sondershausen und Wiesbaden  geschriebenen Fantaisie caract\u00e9ristique, ist nur ein Satz erhalten  geblieben) f\u00e4llt in jene Periode, in der sich das Genie des Meisters auf  allen Gebieten &#8211; als Komponist, Interpret, Lehrer und Organisator &#8211; am  beeindruckendsten entfaltete. Wenige Tage nach seinem vierunddrei\u00dfigsten  Geburtstag war Max Reger am 23. M\u00e4rz 1907 mit seiner Frau von M\u00fcnchen,  wo er seit 1901 trotz heftigster Anfeindungen durch die &#8220;Neudeutsche  Schule&#8221; (Ludwig Thuille, Max von Schillings u.a.) ausgeharrt hatte, nach  Leipzig, seiner neuen Wirkungsst\u00e4tte, aufgebrochen. Dorthin hatte man  ihn auf Betreiben seiner Leipziger Freunde Karl Straube, dem Leiter, und  Reinhold Ansch\u00fctz, dem Vorsitzenden des Leipziger Bach-Vereins, als  Universit\u00e4tsmusikdirektor und Kompositionslehrer berufen &#8211; auch das, wie  sich bald herausstellen sollte, f\u00fcr den uners\u00e4ttlichen Arbeitshunger  Regers noch immer kein ersch\u00f6pfendes Wirkungsfeld. Da er die  Wintermonate 1906\/07 nahezu ununterbrochen auf Konzertreisen zugebracht  hatte und nur wenig zum Komponieren gekommen war, hatte sich eine Reihe  von gr\u00f6\u00dferen Entw\u00fcrfen und Pl\u00e4nen angesammelt, die er sofort nach seiner  Ankunft in Leipzig in Arbeit nehmen wollte; es handelte sich dabei um  die Hiller-Variationen (op.100), das Violinkonzert (op.101) und unser  Klaviertrio (op.102). Reger war im Zenit seiner Kraft und seines Ruhmes,  und allein die Ank\u00fcndigung der neuen Werke l\u00f6ste ein wahres Wettrennen  um die Ehre der Urauff\u00fchrung aus &#8211; unter den &#8220;Pr\u00e4tendenten&#8221; auf das  Violinkonzert waren Carl Flesch, Arnold Ros\u00e9 und Henri Marteau, welch  letzterem das Werk schlie\u00dflich gewidmet wurde. \u00c4hnlich lagen die Dinge  bei den Hiller-Variationen, so da\u00df sich Reger, wieder einmal, in arger  Bedr\u00e4ngnis fand, die Werke zu den vorgesehenen Auff\u00fchrungsterminen  fertigzustellen. All das verz\u00f6gerte die Arbeit am Trio, die er dann  schlie\u00dflich im Dezember 1907, parallel zur Schlu\u00dfphase der Komposition  des Violinkonzertes, in Angriff nahm. <br> <br> Regers Konzertverpflichtungen sorgen auch bei diesem Werk daf\u00fcr, da\u00df er  wieder in geh\u00f6rige Zeitnot ger\u00e4t. Eine triumphale Auff\u00fchrung der  Hiller-Variationen in Hamburg, nach der ihm die Firma Steinway einen  Konzertfl\u00fcgel schenkt, zieht am 11. Februar eine feierliche  &#8220;Fl\u00fcgelweihe&#8221; in Regers Leipziger Wohnung nach sich; zu diesem Zeitpunkt  hat Reger gerade den ersten Satz des Trios beendet. Wenige Tage sp\u00e4ter  mu\u00df sich seine schwerkranke Frau Elsa in Spitalsbehandlung begeben. Die  drei noch fehlenden S\u00e4tze des Trios entstehen w\u00e4hrend der folgenden drei  Wochen, meist in fieberhafter Nachtarbeit, in der verwaisten Wohnung;  eine Wiener Gesangsstudentin, die mit dem Meister eng befreundete Martha  Ruben, f\u00fchrt in dieser Zeit den Haushalt. <br> <br> Der erste Satz (Allegro moderato) z\u00e4hlt sicher zu den komplexesten und  eindrucksvollsten Architekturen des Meisters. Der Satz bezieht seine  Energie aus der schroffen Gegen\u00fcberstellung eines elegischen Achttakters  im Pianissimo und dem unvermittelt hereinbrechenden Aufruhr eines  gerafften Fortissimo-Motivs. Trotz gr\u00f6\u00dfter Klarheit der formalen  Grundgestalt stellt dieser Satz wegen seiner vielf\u00e4ltigen motivischen  Ver\u00e4stelungen und vor allem seiner komplizierten, immer funktional  fundierten Harmonik, gr\u00f6\u00dfte Anforderungen an Zuh\u00f6rer und Interpreten.  Genugtuung \u00fcber das Vollbrachte und das f\u00fcr Reger so typische  &#8220;tierische&#8221; Vergn\u00fcgen an der Arbeit klingt durch, wenn er schreibt: <br> <br> &#8220;&#8230;Trio, erster Satz, ist fix und fertig; ich arbeite schon feste am  zweiten Satz, einem ganz verr\u00fcckten \u00bbMarcia\u00ab im ppp, ein sehr ulkiges  Ding; aber der \u00bbAugustin\u00ab kommt diesmal nicht darin vor!&#8221; <br> <br> (an Adolf Wach, 16. Februar 1908)<br> <br> Mit dem grotesk-burlesken Ton dieses Scherzos (Allegretto, c-moll)  kontrastiert der &#8220;empfindsame&#8221; Kanon der Streichinstrumente im  Mittelteil (Andante, E-Dur) &#8211; die Beschreibung dieser Stelle als &#8220;kurze,  aparte Cantilene&#8221; durch einen Berliner Kritiker rei\u00dft Reger zu der  Tirade hin: <br> <br> &#8220;&#8230;Da hat also dieses Urrindvieh nicht mal gemerkt, da\u00df es ein h\u00f6chst  simpler Kanon im Einklang zwischen Cello und Violine ist! Herrgott, ist  das ein Schaf!&#8221; <br> <br> (an Karl Straube, 11.Oktober 1908)<br> <br> Der dritte Satz (Largo, As-Dur) ist in mancher Hinsicht das Herzst\u00fcck  des Werkes: ein modal harmonisiertes Choralthema von unnahbarer Ruhe  wird in mehreren Wellen von verhaltenen bis ungest\u00fcmen Klagen best\u00fcrmt,  die jedoch alle unerh\u00f6rt an der ewigen Ferne dieses Chorals verebben &#8211;  ein St\u00fcck, dessen hoffnungslose Skepsis bei aller Verschiedenheit der  Mittel sehr an den sp\u00e4ten Brahms erinnert. <br> <br> Im vierten Satz (Allegro con moto), mit dessen Vollendung Reger am 5.  M\u00e4rz 1908 (nur etwas mehr als zwei Wochen vor der Urauff\u00fchrung) die  Komposition des Trios beendete, l\u00f6sen sich alle Widerspr\u00fcche und Zweifel  der vorangegangenen S\u00e4tze in befreiend launiger und \u00fcberm\u00fctiger Weise;  da\u00df \u00dcbermut bei Reger nicht ohne das obligate Fugato denkbar ist,  versteht sich von selbst: es ist hier unerh\u00f6rt kurz (23 Takte) und gibt  sich alle erdenkliche und vergebliche M\u00fche, ernst zu wirken. Der Sieg  geh\u00f6rt, ganz unbestritten, dem derben, bajuwarischen Humor des  &#8220;Akkordarbeiters&#8221; Max Reger.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max Reger * 19. M\u00e4rz 1873\u2020 11. Mai 1916 Trio f\u00fcr Klavier, Violine und Violoncello, e-moll, op.102 Komponiert: Leipzig (Felixstra\u00dfe 4), Dezember 1907 &#8211; 5. 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