{"id":535,"date":"2019-02-13T17:21:44","date_gmt":"2019-02-13T16:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=535"},"modified":"2019-02-13T17:21:48","modified_gmt":"2019-02-13T16:21:48","slug":"pfitzner-trio-fuer-pianoforte-violine-und-violoncell-f-dur-op-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/pfitzner-trio-fuer-pianoforte-violine-und-violoncell-f-dur-op-8\/","title":{"rendered":"Pfitzner: Trio f\u00fcr Pianoforte, Violine und Violoncell, F-Dur, op.8"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hans Pfitzner<\/h3>\n\n\n\n<p>* 05. Mai 1869<br>\u2020 22. Mai 1949<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio f\u00fcr Pianoforte, Violine und Violoncell, F-Dur, op.8<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Mainz und Frankfurt\/Main, 1895-1896<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Alexander Friedrich Landgraf von Hessen<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Frankfurt\/Main, 14. Dezember 1896 <br>\nJames Kwast (1852-1927), Klavier <br>\nAlfred He\u00df (1868-1927), Violine <br>\nFriedrich He\u00df (1863-?), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Simrock, Berlin 1898<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Unmittelbar nachdem Pfitzner sein programmatisches Opus 1 der \n\u00d6ffentlichkeit seiner Heimatstadt pr\u00e4sentiert hatte, wandte er sich \njenem Gebiete zu, um das sein ganzes k\u00fcnftiges Schaffen kreisen sollte: \ndem Musiktheater.<br>\nIm Jahr der Entstehung der Cellosonate war die aus K\u00f6nigsberg stammende \nFamilie Grun, die viele Jahre in England gelebt hatte, nach Frankfurt \ngekommen: die vier Kinder, damals zwischen 14 und 24 Jahre alt, geh\u00f6rten\n bald zu Pfitzners allerengstem Freundeskreis. Der \u00e4lteste, James, wurde\n der Librettist der ersten beiden Pfitznerschen Opern (Der arme Heinrich\n und Die Rose vom Liebesgarten). Von 1891 und bis 1893 arbeitete der \njunge Komponist mit leidenschaftlicher Hingabe an seinem Opernerstling. \nIn dieser Arbeit durchlebte und durchlitt er in bisher nicht gekannter \nHeftigkeit auch den schmerzlichen Zwiespalt zwischen seiner \nsch\u00f6pferischen Berufung, der er bis in die v\u00f6llige Vereinsamung treu zu \nbleiben bereit war, und einer ebenso elementaren wie unabweislichen \nSehnsucht nach erf\u00fcllter Liebe:<br>\n<br>\nIch habe Todesangst, da\u00df ich den letzten Akt \u00fcberhaupt fertig kriege. \nEng mit allem diesem zusammen h\u00e4ngt wohl Deine Bemerkung, da\u00df meine \nLiebe bisher einen ungeheuren Mangel hatte; bitte schreibe mir, was Du \ndamit meinst. Ich kann mir nur denken, da\u00df Du die K\u00fcnstlerliebe \n\u00fcberhaupt meinst, diese ist allerdings unrein &amp; braucht die Person \nnur als Mittel zum Zweck; aber das ist ja eine alte Geschichte[,] und \nwir haben sie x mal besprochen, und solange ich K\u00fcnstler bin, mu\u00df ich \nbei dieser Sorte Liebe bleiben. [&#8230;]&#8230;aber nur eins wei\u00df ich: entweder\n ich komponiere, und das schlie\u00dft Mimie eben so mit ein, &#8211; oder ich \nliebe Mimie rein &#8211; &amp; das schlie\u00dft das Komponieren aus.<br>\n(an Paul Nikolaus Cossmann, Sommer 1893)<br>\n<br>\nMimie &#8211; das ist die damals eben vierzehnj\u00e4hrige Tochter seines \nKlavierlehrers James Kwast, eine Enkelin Ferdinand Hillers, die 1899 \nunter abenteuerlichen Umst\u00e4nden schlie\u00dflich Pfitzners Frau werden sollte\n und mit deren Tod (1926) &#8211; nach seinen eigenen Worten &#8211; sein \n\u201eeigentliches Leben\u201c endete.<br>\n<br>\nMit der fertigen Oper macht sich der junge Meister auf eine qualvolle \nund dem\u00fctigende Odyssee quer durch Deutschland: In M\u00fcnchen l\u00e4\u00dft sich \nHermann Levi (assistiert von seinem Proteg\u00e9 Gerhard Schjelderup) gn\u00e4dig \nherab, das Werk anzuh\u00f6ren, aber nur um es &#8211; sekundiert von Schjelderup &#8211;\n in Grund und Boden zu kritisieren. Immerhin empfiehlt er Pfitzner an \nseinen Freund Karl Muck in Berlin. Der erkennt zwar die au\u00dfergew\u00f6hnliche\n Qualit\u00e4t des Armen Heinrich sofort, scheitert aber am Veto seines \nIntendanten, des Grafen von Hochberg. Bei Felix Mottl in Karlsruhe kommt\n es nicht einmal zu einem Vorspiel &#8211; und auch die Opernh\u00e4user in \nStuttgart, Dessau und Prag lehnen Pfitzners Schmerzenskind rundweg ab. \nEinziges greifbares Resultat all dieser Bem\u00fchungen ist das selbstlose \nAngebot des K\u00f6lner Heldentenors Bruno Heydrich, der erkl\u00e4rt, er werde \nsich f\u00fcr die Titelpartie unentgeltlich zur Verf\u00fcgung stellen, sobald \neine B\u00fchne f\u00fcr die Auff\u00fchrung gefunden sei.<br>\n<br>\nDer Zustand, in den Pfitzner versinkt, ist be\u00e4ngstigend:<br>\n<br>\n\u201e&#8230;entsetzlich ist das Gef\u00fchl, wenn ich Noten sehe, die mich fr\u00fcher \nentz\u00fcckten, oder einen Accord anschlage, und mich fragen mu\u00df: warum \ninteressiert mich das? Oder vielmehr: wie kann das jemand interessieren?\n Die Musik ist jetzt f\u00fcr mich so interessant wie Maschinenbau. Das \nComponieren eine versunkene Welt; ich sitze vor einem Notenblatt, worauf\n ich den Anfang eines Satzes geschrieben habe, es ist unm\u00f6glich. [&#8230;] \nDa mir die Bedingungen des Componierens genommen sind, ist mir auch der \nWert des Lebens genommen. Es bleibt mir also nichts andres \u00fcbrig, als:<br>\n1.)  mich totzuschie\u00dfen<br>\n2.) ein gew\u00f6hnlicher Mensch zu werden<br>\n3.) eine andere Welt zu werden.<br>\nDa\u00df das dritte unm\u00f6glich ist, und die beiden andren eines schlimmer als das andre ist, wird Dir einleuchten&#8230;\u201c<br>\n(an Paul Nikolaus Cossmann, 7. Juli 1894)<br>\n<br>\nAls Pfitzners Studienkollege Bernhard Sekles im September 1894 als 3. \nKapellmeister an das Mainzer Stadttheater engagiert wird, beschlie\u00dft der\n verzweifelte Komponist, seinem Freund als \u201eKorrepetitionsvolont\u00e4r\u201c zu \nfolgen. Die unbezahlte Stelle, die der eines (meist nur zur Leistung von\n subalternen Hilfsdiensten verwendeten) unbezahlten 4. Kapellmeisters \nentspricht, ist f\u00fcr einen verletzlichen und sensiblen Menschen wie \nPfitzner denkbar ungeeignet, aber er ist bereit, f\u00fcr das Leben seines \nWerkes alle Qualen auf sich zu nehmen.<br>\nEinen Lichtblick bringt ein Brief aus Wiesbaden &#8211; dorthin, an Regers \nLehrer Hugo Riemann hat Pfitzner seinen Armen Heinrich zur Begutachtung \ngeschickt, und dieser antwortet in seiner bed\u00e4chtig-enthusiastischen \nWeise:<br>\n<br>\n\u201eIhre Freiheit und K\u00fchnheit der Harmoniebehandlung ist erstaunlich, aber\n erweckt keine Spur von Mi\u00dfbehagen, da sie von einem starken Gef\u00fchl \nstrenger Logik getragen wird, so da\u00df ich die \u00dcberzeugung hege, da\u00df Sie \neiner der berufensten Nachfolger Richard Wagners sind.\u201c<br>\n<br>\nPfitzner hat sich inzwischen in der Mainzer Altstadt in einem der \n\u201eDombauh\u00e4user\u201c (Am Leichhof 34) bei einer alten Dame als Untermieter \neinquartiert und versucht, zwischen seinen l\u00e4stigen Pflichten und den \nimmer wieder entt\u00e4uschten Hoffnungen zu seinem eigentlichen Beruf \nzur\u00fcckzufinden:<br>\n<br>\nEs handelt sich bei mir nur darum, da\u00df ich den seelischen Zustand, die \nStimmung wiederfinde, um das, was immer in mir liegt, loswerden zu \nk\u00f6nnen; sonst k\u00f6nnte ja jeder hochstehende und empfindende Mensch \nK\u00fcnstler sein, wenn das nicht den K\u00fcnstler ausmachte, da\u00df bei ihm sich \ndie Zauberstunde einstellt, in der sich sein Inneres von ihm losl\u00f6st.<br>\n(an Lulu Cossmann, 1894\/95)<br>\n<br>\nAls er die Hoffnung auf eine Auff\u00fchrung seiner Oper schon fast \naufgegeben hat &#8211; am 19. Februar 1895 hat er sich in aller Stille um eine\n Stelle am Stadttheater in Dessau beworben &#8211; bringt Frances Grun mit \neinem verwegenen Schachzug die Dinge ins Rollen: sie erreicht, da\u00df \nAlexander Friedrich von Hessen sein Interesse an einer Auff\u00fchrung \nbekundet, und damit sind pl\u00f6tzlich alle Hindernisse aus dem Weg ger\u00e4umt.\n Die Urauff\u00fchrung des Armen Heinrich  (am 2. April 1895, Wiederholung am\n 15. April) ist zwar kein weithin wirkendes Ereignis, aber doch ein \nwichtiger Impuls f\u00fcr den jungen Komponisten, der zu dieser Zeit schon an\n seinem Klaviertrio zu schreiben begonnen hat.<br>\n<br>\nNachdem das hei\u00dfumk\u00e4mpfte und herbeigesehnte Ziel erreicht ist, dauert \nes aber nicht lange, bis Pfitzner wieder in Depressionen verf\u00e4llt. Am 7.\n Juni 1895 wird sein Stellengesuch vom Stadttheater Dessau abschl\u00e4gig \nbeschieden. In einem an eben diesem Tag an Cossmann adressierten Brief \nfindet sich ein f\u00fcr diese Zeit sehr charakteristischer Pfitzner-Akkord: <br>\n<br>\n\u00dcber die Widmungen habe [ich] leider schon verf\u00fcgt; sie h\u00e4tten wohl mehr\n Zweck nach meinem Tode, der hoffentlich bald eintreten wird; uns w\u00e4re \nbeiden geholfen, wenn Du dies etwas beschleunigen k\u00f6nntest.\u201c<br>\n<br>\nEinen Teil des Sommers verbringt er im Frankfurter Elternhaus, aber auch\n hier kommt die immer wieder stockende Arbeit am Trio nicht voran. Da \nBernhard Sekles mit Beginn der neuen Saison Mainz verl\u00e4\u00dft, kann Pfitzner\n aber nun in die bezahlte Stelle des 3. Kapellmeisters nachr\u00fccken; das \nnicht eben f\u00fcrstliche Sal\u00e4r von 120 Mark ist Grund genug, noch ein Jahr \nin Mainz zu bleiben. Er gelingt ihm auch, seine B\u00fchnenmusik zu Ibsens \n\u201eFest auf Solhaug\u201c auff\u00fchren zu lassen (28. November 1895); das \nTelegramm, das die Freunde von der Premierenfeier an den verehrten \nDramatiker schicken, bleibt unbeantwortet. <br>\nPfitzners Stellung in Mainz ist inzwischen so gefestigt, da\u00df sich unter \nMitwirkung des Landgrafen und des Oberb\u00fcrgermeisters ein \n\u201eHans-Pfitzner-Comit\u00e9\u201c konstituiert &#8211; die allererste der zahlreichen \nVereinsgr\u00fcndungen, die Pfitzner heraufbeschworen hat.<br>\n<br>\n1895 ist nicht nur das Jahr von Pfitzners erster Begegnung mit dem \nLeitbild Palestrina (das ihm die Musikgeschichte von A. W. Ambros \nnahebringt), es ist auch ein Jahr intensiven Schopenhauer-Studiums. \u201eDie\n Welt als Wille und Vorstellung\u201c wird von nun an Pfitzners Religion sein\n &#8211; und das bleibt nicht ohne tiefe Auswirkungen auf das eben entstehende\n Trio. Nicht, da\u00df es philosophische Programmusik oder sonst in \nirgendeiner entschl\u00fcsselbaren Weise illustrative Musik w\u00e4re \u2013 doch das \nWerk atmet ein Lebensgef\u00fchl, dessen schopenhauersche Wurzeln \nun\u00fcberh\u00f6rbar sind. Noch im Alter spricht Pfitzner von Schopenhauers \nHauptwerk als dem lehrreichsten Buch der Welt, das ihm unverlierbarer \nBesitz geworden sei. <br>\n<br>\nNur langsam, f\u00fcr Pfitzner qu\u00e4lend langsam, nimmt das Werk Gestalt an. \nSelbstzweifel und selbstzerst\u00f6rerische Visionen l\u00e4hmen den Komponisten \nimmer von neuem. Stellen wie diese finden sich oft in der Korrespondenz \ndieser Monate:<br>\n<br>\nich bitte folgendes nicht als \u00fcbereilte \u00c4u\u00dferung zu nehmen: da\u00df ich nun \nglaube, da\u00df ich &amp; alles um mich herum in tr\u00fcmmer st\u00fcrzt &#8211; ich nie \nmehr K\u00fcnstler sein kann.<br>\n(an Paul Nikolaus Cossmann, 4. M\u00e4rz 1896)<br>\n<br>\nDas Fr\u00fchjahr 1896 bringt eine Wiederaufnahme des Armen Heinrich, f\u00fcr den\n sich jetzt auch andere B\u00fchnen zu interessieren beginnen. Pfitzners \nVerh\u00e4ltnis zu Alexander Friedrich von Hessen (1863-1945) gestaltet sich \nzunehmend freundschaftlich. Der blinde Landgraf, der als Komponist \nUnterricht von Herzogenberg, Draeseke und sogar Faur\u00e9 erh\u00e4lt und \ngediegen-eklektische Werke schreibt, erkennt das Genie Pfitzners. Als \ndieser die Urauff\u00fchrung von Alexander Fiedrichs Klaviertrio op.3 (f\u00fcr \nKlavier, Klarinette und Horn) besucht, l\u00e4dt ihn der Landgraf ein, ihn im\n Sommer nach Bayreuth zu begleiten. Mit Abschlu\u00df der Saison 1895\/96 \nendet Pfitzners Mainzer T\u00e4tigkeit. Mitte Juli reist er dann, wie \nverabredet, mit Alexander Friedrich von Hessen nach Bayreuth, wo er den \nganzen \u201eRing\u201c unter der Leitung von Hans Richter h\u00f6rt. Es wird f\u00fcr ihn \neine wichtige, wenn auch durchaus nicht begl\u00fcckende Erfahrung:<br>\n<br>\n&#8230;die Leute verstehen eben nur das am Genie, nur das nicht-genial ist. \nsonst w\u00e4re es ja leicht, und h\u00e4tten wirs ja, wo doch schon ziemlich \nviele Genies gelebt haben, so \u201eherrlich weit gebracht\u201c [.] wenn man die \nLeute dort h\u00f6rt, von denen jeder einzelne sich ein kleiner Wagner d\u00fcnkt,\n wo Schumann &amp; Brahms Dilettanten sind, von denen zu sprechen sich \nder M\u00fche nicht verlohnt &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<br>\nMan kriegt in Bayreuth furchtbare Sehnsucht nach &#8211; Wagner.<br>\nwas mu\u00df der Arme gelitten haben!<br>\n(an Paul Marsop, 27. Juli 1896)<br>\n<br>\nIch habe vorwiegend Ekel, Mutlosigkeit und Verachtung von dort \nmitgenommen. \u00dcber Wagner habe ich k\u00fcnstlerisch nat\u00fcrlich kein Jota neuer\n Meinung profitiert; nur herzliches Mitleid mit dem Armen, der in \nsolcher Gesellschaft leben mu\u00dfte. Andrerseits doch auch die betr\u00fcbende \nEntdeckung, da\u00df doch ein kleiner Teil seiner Natur in diesen Leuten \nrepr\u00e4sentiert wird. Das ist eben die Erdenschwere, ohne die er nie \ndurchgekommen w\u00e4re, und die bei seiner unerh\u00f6rten Gr\u00f6\u00dfe \nselbstverst\u00e4ndlich ist.<br>\n(an Lulu Cossmann, 28. Juli 1896)<br>\n<br>\nUnter die Activa dieser Reise ist jedenfalls die Bekanntschaft mit dem \nKomponisten  Max von Schillings (1868-1933) zu rechnen, die zu einer \nLebensfreundschaft werden sollte.<br>\nNach Frankfurt zur\u00fcckgekehrt, unternimmt Pfitzner einen neuerlichen Anlauf, das Finale des Trios zu Ende zu bringen:<br>\n<br>\nWas mich anbetrifft, so komme ich wohl in diesem Leben aus dem \nunerquicklichsten Zustand nicht heraus, der den Charakter des \nProvisorischen tr\u00e4gt; ich kriege den letzten Satz eines Trios seit einem\n halben Jahr nicht fertig; h\u00e4tte ich den fertig, so w\u00fcrde ich irgend \neine Initiative ergreifen f\u00fcr mein ferneres Leben. <br>\nweiter w\u00fcnsche ich mir nichts.<br>\n(an Frances Grun, 23. September 1896)<br>\n<br>\nIm Oktober entschlie\u00dft er sich endlich, die elterliche Wohnung zu \nverlassen, und zieht in die Eschersheimer Landstra\u00dfe 63, nur wenige \nSchritte von dem sechs Jahre zuvor verlassenen Konservatorium entfernt. \nDie Losl\u00f6sung von den Eltern bringt nun auch eine sich schon seit \nmehreren Jahren anbahnende Entwicklung in Flu\u00df: <br>\n<br>\n&#8230;das Trio ist immer noch nicht fertig; hoffentlich wird es jetzt, denn\n bevor das nicht beendigt ist, kann ich keinerlei Initiative ergreifen, \nund das ist jetzt f\u00fcr mich das notwendigste. [&#8230;]<br>\nAls Mitteilung, die Dich jedenfalls doppelt interessieren wird, die ich \nDich aber bitte, aufs Strengste geheim zu halten, [&#8230;] sei Dir gesagt, \nda\u00df sich jetzt Mimi mir ganz zugewendet hat; wir correspondieren. [&#8230;]<br>\nM. wird scheint\u00b4s dort wie eine schwere Verbrecherin gehalten &amp; \nbewacht; das war die Mutter! Schreibe ihr nur nicht, da es nicht sicher \nist, ob die Briefe nicht abgefangen werden;<br>\n(an Paul Nikolaus Cossmann, 22. Oktober 1896)<br>\n<br>\nWenige Wochen sp\u00e4ter ist das Werk endlich beendet &#8211; allein die Arbeit am\n Finale hat mehr als zehn Monate in Anspruch genommen. Aber Pfitzner ist\n auch das gl\u00fccklich-dankbare Aufatmen nach getaner Arbeit, das \u201eLaus \nDeo\u201c Haydns,  das \u201eBohu d\u00edky\u201c Dvor\u00e1ks, versagt: <br>\n<br>\nLieber Paul!<br>\nDas Trio ist fertig. Das ist die wichtigste Mitteilung, die ich Dir \njetzt machen kann; ich glaube, da\u00df es f\u00fcr mich ein Moment ist. \nAugenblicklich bin ich der festen \u00dcberzeugung, da\u00df es mein letztes Werk \nist; was ich zun\u00e4chst vorhabe ist: es genau fertig aufzuschreiben, meine\n andre Compositionen in Ordnung zu bringen [&#8230;] und dann &#8211; die \nAussichten dann sind sehr schlimm; mein Privatwunsch ist &#8211; sterben; ich \nhabe nicht die moralische Kraft, das was ich ahne, zu verwirklichen.\u201c<br>\n(an Paul Nikolaus Cossmann, Ende November 1896)<br>\n<br>\nTats\u00e4chlich l\u00e4\u00dft die Eile, mit der Pfitzner jetzt die Urauff\u00fchrung des \neben beendeten Werkes arrangiert, den Schlu\u00df zu, die unheilk\u00fcndenden \nWendungen dieses Schreibens seien mehr gewesen als depressive Rhetorik. \nDie Urauff\u00fchrung im Hoch\u00b4schen Conservatorium unseligen Angedenkens \n\u00fcbernehmen Pfitzners ehemaliger Klavierlehrer und (noch ahnungsloser) \nzuk\u00fcnftiger Schwiegervater James Kwast und das Br\u00fcderpaar Alfred und \nFriedrich He\u00df, Pfitzners \u201eMitz\u00f6glinge\u201c in seiner Konservatoriumszeit.<br>\n<br>\nRezension der Urauff\u00fchrung<br>\n(Frankfurt\/Main, 14. Dezember 1896)<br>\n<br>\nDie Herren Prof. James Kwast, Concertmeister Alfred He\u00df und Friedrich \nHe\u00df f\u00fchrten in ihrem gestrigen zweiten Kammermusik-Abend ein neues \nKlaviertrio von Hans Pfitzner in die \u00d6ffentlichkeit ein. Mehr als bei \nirgendeinem der fr\u00fcher geh\u00f6rten Werke des jugendlichen Tonsetzers hat \nsich uns bei Anh\u00f6ren dieses Trios die \u00dcberzeugung von der bedeutenden \nkompositorischen Begabung Pfitzners aufgedrungen, wenn auch der Hang, \nins Ungemessene zu schweifen, sei es in der h\u00e4ufigen Anwendung k\u00fchnster \nModulationen oder in dem Gefallen an gr\u00fcbelnden Reflexionen, wie es sich\n namentich in dem Schlu\u00dfsatze \u00e4u\u00dfert, erkennen l\u00e4\u00dft, da\u00df der Komponist \nseine Sturm- und Drangperiode noch nicht hinter sich hat. Wenn irgend \neine Musik sich nicht beschreiben l\u00e4\u00dft, sondern geh\u00f6rt sein will, so ist\n es die Pfitzner\u00b4sche, und wenn wir die symphonische Bedeutung der \nMotive des ersten Satzes und die ganz au\u00dferordentliche Kunst, mit \nwelcher diese verarbeitet sind, die etwas an \u201eTristan\u201c und \u201eParsifal\u201c \nerinnernde Einleitung und die Sch\u00f6nheit des zweiten Abschnittes des \nlangsamen Satzes, die Liebensw\u00fcrdigkeit und Eigenart des Scherzos \nr\u00fchmen, so ist damit die Reihe der Vorz\u00fcge noch nicht ersch\u00f6pft, wie \nanderseits harmonische und modulatorische H\u00e4rten, merkw\u00fcrdige, auf die \nSpitze getriebene dramatische Pointen und andere Absonderlichkeiten \nnicht gerade vereinzelt vorkommen. Viel Kraft, Mut und K\u00f6nnen steckt in \nder Pfitznerschen Musik[,] und das ist die Hauptsache. Die Novit\u00e4t fand \ngute Ausf\u00fchrung und einen starken \u00e4u\u00dferen Efolg.<br>\n(S[chaum] in der Frankfurter Zeitung vom 15. Dezember 1896)<br>\n<br>\n<br>\nSchon am Tag nach der Urauff\u00fchrung scheint Pfitzners Blick wieder in die\n Zukunft gerichtet &#8211; wenn auch nur in lakonischer Sachlichkeit: \u201eEs war \nsehr gut, da\u00df ich das St\u00fcck erst einmal geh\u00f6rt habe, da stellt sich so \nmanches heraus.\u201c, schreibt der Komponist an seinen treuen Pianisten \nJedliczka nach Berlin. <br>\nAm darauffolgenden Tag, dem 16. Dezember 1896, wird das Trio f\u00fcr eine \nGruppe von Freunden (Emil Steinbach, Otto Neitzel u.a.), die die \nUrauff\u00fchrung vers\u00e4umt hatten, in einem Hauskonzert wiederholt. \nSteinbachs Begeisterung h\u00e4lt sich in Grenzen &#8211; er schnaubt: \u201eWas ist ein\n Trio! Sie sind ein dramatischer Komponist, Sie m\u00fcssen wieder eine Oper \nschreiben.\u201c <br>\nDas will und wird Pfitzner auch, vorher m\u00f6chte er aber noch einmal sein \nGl\u00fcck in Berlin versuchen &#8211; das Experiment von vor vier Jahren war ja so\n entmutigend nicht gewesen. Seine Berliner Freunde stehen bereit: Zu dem\n altbew\u00e4hrten Jedliczka haben sich diesmal Carl Halir (1859-1909) und \nHugo Dechert (1860-1923) gesellt, und auch der niederl\u00e4ndische \nStockhausen-Sch\u00fcler Anton Sistermans (1865-1926), der eben erst in Wien \ndie Urauff\u00fchrung von Brahms\u00b4 \u201eVier ernsten Ges\u00e4ngen\u201c bestritten hat, \nsteht zur Verf\u00fcgung. Am 3. M\u00e4rz 1897 tritt dieses Freundesquartett \nzusammen mit dem Komponisten, der die Begleitung der Lieder \u00fcbernimmt, \nim Saal der Singakademie vor das Berliner Publikum.<br>\nDer Zufall bew\u00e4hrt sich dabei wieder einmal als \u00fcberaus einfallsreicher \nRegisseur. Der eifrige Musikfreund kann n\u00e4mlich, bevor er sich zu \nPfitzners Konzert in die Singakademie begibt, Karl Straube an der Orgel \nder Dreifaltigkeitskirche h\u00f6ren, wie er \u201ef\u00fcr einen jungen Tonsetzer Max \nReger\u201c eintritt, indem er dessen Suite e-moll op.16 an den Beginn seines\n Programms stellt. Dieses \u201eDen Manen Johann Sebastian Bachs\u201c gewidmete \nWerk hatte Reger nicht lange davor an Brahms geschickt, den die \u201eallzu \nk\u00fchne Widmung\u201c zwar irritierte, der aber dem jungen Kollegen doch mit \neinem freundlichen und ermutigenden Brief antwortete. (Pfitzner war es \neinige Jahre fr\u00fcher mit seinem Opus 1 ja viel schlechter ergangen). Das \nZusammentreffen der Novit\u00e4ten von Reger und Pfitzner scheint jedenfalls \neinige der Kritiker bei weitem zu \u00fcberfordern&#8230; <br>\n  <br>\nRezensionen der Berliner Erstauff\u00fchrung<br>\n(3. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nIm Begriff, \u00fcber das Trio von Hans Pfitzner zu berichten, das am \nMittwoch in der Singakademie von den Herren Dr. Ernest Jedliczka, Prof. \nKarl Halir und Hugo Dechert vortrefflich gespielt wurde, mu\u00df ich leider \nbesch\u00e4mt gestehen, da\u00df ich nichts zu berichten wei\u00df: ich habe das St\u00fcck \neinfach nicht verstanden. Da ich den Komponisten nicht kr\u00e4nken m\u00f6chte &#8211; \ndenn aus jedem der vier langen S\u00e4tze konnte man erkennen, wie bitter \nernst es ihm mit seiner Kunst ist -, so will ich lieber die Eindr\u00fccke, \ndie ich von seinem Werk empfangen habe, nicht wiedergeben, sondern \nwarten, bis ein Studium der Partitur oder ein erneutes H\u00f6ren meinem \noffenbar schwachen Geist den Schl\u00fcssel zu diesem Tiefsinn in die Hand \ngegeben hat.<br>\n(Carl Krebs in der Vossischen Zeitung vom 4. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nPfitzners Trio f\u00fcr Klavier, Violine und Violoncell ist eine ganz \nmerkw\u00fcrdige Komposition. Bez\u00fcglich der Dauer \u00fcbertrifft es noch die \nSuite von Reger [das am selben Tag von Karl Straube aufgef\u00fchrte Opus \n16], sein Inhalt ist aber so zerfahren, schw\u00fclstig, \u00f6de und \nabgeschmackt, da\u00df man dar\u00fcber streiten k\u00f6nnte, welches von beiden Werken\n den trostloseren Eindruck hinterlassen habe. Ohne jede Phantasie ist \nPfitzner nicht, im langsamen Satz des Trios bringen Violoncell zuerst, \ndann Violine eine warm empfundene Melodie; der dritte Satz, das Scherzo,\n ist belebt und in seinem Hauptthema, wenn auch nicht neu, so doch \ngl\u00fccklich erfunden &#8211; aber was will dieses wenige gegen die \nUngeheuerlichkeiten der Verarbeitung sagen oder bedeuten! Herr Pfitzner \nw\u00fchlt und w\u00fcrgt sich durch eine Chromatik der Harmonien, die einem den \nAtem benimmt, und bleibt trotzdem monoton. Dann tut er wieder recht \nmystisch und nimmt Ausfl\u00fcge ins transzendentale Gebiet, aber &#8211; die Sache\n bleibt stets dunkel. Endlich aber &#8211; und dies ist das Schlimmste &#8211; \njammert er so viel in seiner Musik, da\u00df dieselbe schlie\u00dflich hysterisch \nklingt. Eine eingehende Besprechung der einzelnen S\u00e4tze verlohnt sich \nnicht.<br>\n(G-s im Berliner Lokal-Anzeiger vom 4. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\n&#8230; Ebenso schlimm sah es leider in der Singakademie aus. Dort gab Hans \nPfitzner, der durch seine Oper \u201eDer arme Heinrich\u201c bekannt wurde, ein \nKonzert mit eigenen Kompositionen. K\u00fcnstler von Rang und Namen liehen \nihm ihre Unterst\u00fctzung: Herr Anton Sistermans sang Lieder, die Herren \nDr. Jedliczka (Klavier), Karl Halir (Violine) und Hugo Dechert (Cello) \nspielten ein Trio in F.<br>\nIrgendwelche Diskussion hat in diesem Fall keinen Zweck. F\u00fcr das gr\u00f6\u00dfere\n Publikum haben Kompositionen, die so viel ehrliches Streben und so \nwenig Phantasie in sich schlie\u00dfen, kein Interesse. Der Komponist selbst \naber wird die Kritik, die ihm sagt, da\u00df er entweder falsche Wege geht \noder \u00fcberhaupt des schaffenden Verm\u00f6gens ermangelt, f\u00fcr nicht kompetent \nerkl\u00e4ren. Er wird \u00fcber die Kurzsichtigkeit und Beschr\u00e4nktheit derer sich\n beklagen, die \u00fcber ihn zu urteilen berufen sind; er wird sich durch das\n Zureden der Freunde in seinem Wahn best\u00e4rken lassen, er wird \nweitergehen auf dem betretenen Pfade und &#8211; nichts erreichen. Ein \nunerquickliches Bild! Dieser letzte Konzertabend war de peinlichste der \nganzen Saison. Nichts trauriger, deprimierender als ernstes, \nhochfliegendes Streben, das in un\u00fcberwindliche Hindernisse verstrickt \nist.<br>\n(P. M. in den Berliner Neusten Nachrichten vom 4. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nEin interessantes Konzert hatte man Herrn Hans Pfitzner zu verdanken, \nder am gestrigen Abend in der Sing-Akademie eigene Kompositionen zur \nAuff\u00fchrung bringen lie\u00df. Den Abend er\u00f6ffnete ein Trio f\u00fcr Klavier, \nVioline und Violoncello, in welchem einige h\u00fcbsch erfundene Themen in \nvier S\u00e4tzen nicht ohne Geist behandelt, aber oft zu lang ausgesponnen \nwerden und dadurch mindestens einen Theil ihres Reizes einb\u00fc\u00dfen. Am \ngef\u00e4lligsten erschien uns und &#8211; dem Anschein nach &#8211; der Mehrzahl der \nH\u00f6rer der dritte Satz, den der Komponist als \u201efrei und launig\u201c \nbezeichnet, und welcher in der That einen frohsinnigen Stimmungsgehalt \nbesitzt. Die Ausf\u00fchrung des Trios [&#8230;] lie\u00df kaum etwas zu w\u00fcnschen \n\u00fcbrig.<br>\n(Deutscher Reichsanzeiger vom 4. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nHerr Hans Pfitzner, der schon vor Jahren hier, und seither besonders in \nseiner rheinischen Heomath als Componist nennenswerthe Erfolge errungen \nhat, gab gestern Abend in der Singakademie ein Concert, um ein \nKlaviertrio und elf Lieder seiner Composition vorzuf\u00fchren. Der junge \nAutor scheint hier nicht ohne Freunde seiner Kunst zu sein, denn der \nSaal war ganz gef\u00fcllt[,] und der Beifall ungew\u00f6hnlich warm und laut. \nDemgegen\u00fcber gab es einzelne urtheilende H\u00f6rer, die an den vorgetragenen\n Sachen auch nicht ein gutes Haar entdecken konnten. Ich m\u00f6chte mich \ndiesmal f\u00fcr die goldene Mitte entscheiden; ich fand den gespendeten \nBeifall \u00fcbertrieben und das absprechende Urtheil unberechtigt. Vor allen\n Dingen hat Herr Pfitzner in seinem Trio eine starke Talentprobe \ngegeben. Es sind in ihm gut erfundene Motive und Themen, stark wirkende \nContraste und Steigerungen, und endlich ungemein stimmungsvoll \ndurchgef\u00fchrte Abschnitte. Das Bedeutsamste in dieser Hinsicht d\u00fcrfte der\n bald nach Beginn des Finales eintretende langsame, imitatorisch \ngef\u00fchrte Satz sein, der durch seine zarte, traurige Klangfarbe und durch\n seine allm\u00e4hlich sich entwickelnde Harmonik das Interesse in hohem \nGrade weckt. Auch der Contrast mit dem etwas wilden Allegro wirkt \nvortrefflich; leider ist aber der ganze Satz viel zu lang, und die \nmehrfache Wiederholung desselben Gegensatzes schw\u00e4cht die Theilnahme \nbedeutend ab. Auch der dritte Satz, eine Art Scherzo, ist sehr h\u00fcbsch \nund von gutem Humor dazu. Aber das ganze Werk ist zu gedehnt (es dauert \neine Stunde) und vor allen Dingen zu wild, zu wenig abgekl\u00e4rt, um einen \nvollkommenen Eindruck zu machen. Der Componist scheint noch zu sehr zu \nschreiben, was ihm eben einf\u00e4llt; das ist vielfach etwas sehr \nBemerkenswerthes, aber er beherrscht seine Fantasie noch nicht \nvollkommen. Immerhin darf das Trio im Allgemeinen als interessant f\u00fcr \nDenjenigen gelten, der ihm folgen will.  [&#8230;] In Summa: Herr Pfitzner \nist ein zweifelloses Talent, aber er giebt noch nicht, was man von ihm \nerwarten kann. Die Ausf\u00fchrung des Trios durch die Herren Dr. Jedliczka, \nProf. Halir und Dechert war trefflich.<br>\n(O. E. im Berliner B\u00f6rsen-Courier vom 4. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nMir scheint Her Pfitzner keinen Schritt vorw\u00e4rts, sondern stark \nr\u00fcckw\u00e4rts in seiner k\u00fcnstlerischen Entwicklung gegangen zu sein, indem \ner in v\u00f6llig schrankenlosen Subjektivismus verfallen ist. Das Trio \ndauert l\u00e4mnger als eine Stunde, ergeht sich mit unberechenbarer Breite \nderartig in Gr\u00fcbeleien, verschm\u00e4ht dabei jede feste Gliederung im \nPeriodenbau, entbehrt der plastischen Ausarbeitung pr\u00e4gnanter Motive, \nda\u00df der H\u00f6rer, jedes Anhaltspunktes beraubt, sich der Willk\u00fcr \npreisgegeben f\u00fchlt. Wenn der Satz aufh\u00f6rt &#8211; und jeder Satz mu\u00df doch \neinmal aufh\u00f6ren &#8211; ist man v\u00f6llig ersch\u00f6pft durch die redselige Breite \nkraftloser Klagen, durch die Vorliebe f\u00fcr h\u00e4\u00dfliche Harmoniefolgen, die \ngeradezu raffiniert ausgesonnen sind, um das Ohr zu peinigen. Nehmen wir\n allein das Scherzo aus, das eine lebhaftere Bewegung anhebt und ein \npaar Momente freundlicheren Charakters bringt, so bleibt f\u00fcr die \u00fcbrige \nZeitdauer des Werkes nur die Qual \u00fcbrig, d\u00fcstere Interjektionen, \nendloses Lamentieren, krampfhaftes, aber vergebliches Versuchen, sich \naus der Misere zu erheben, eine wahrhaft h\u00e4mische Freude an h\u00e4\u00dflichen \nKl\u00e4ngen \u00fcber sich ergehen lassen zu m\u00fcssen. Mir scheint dieses Trio \ngeradezu eine Ausgeburt des Gr\u00f6\u00dfenwahns zu sein. [&#8230;] Es brachte dieses\n Concert die unerquicklichste Musik, die Referent seit langer Zeit hat \nmitanh\u00f6ren m\u00fcssen.<br>\n(E[rnst] E[duard] T[aubert] in der Post vom 5. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nHerr Hans Pfitzner brachte am Mittwoch, den 3. M\u00e4rz, in der Singakademie\n ein Trio in F und eine Anzahl Lieder seiner Komposition zur Auff\u00fchrung.\n Der junge Komponist, der die Mitte der zwanziger Jahre kaum \n\u00fcberschritten haben kann, ist bereits vor vier Jahren hier aufgetreten \nund hat Anerkennung gefunden. Auch diesmal k\u00f6nnen wir best\u00e4tigen, da\u00df \nihm Phantasie, also eigentliche sch\u00f6pferische Begabung zu Theil geworden\n ist. Man h\u00f6rt, da\u00df er sich mit Liebe in das Lebne der T\u00f6ne versenkt \nhat, da\u00df sie ihn locken und umspielen, da\u00df er in ihnen schw\u00e4rmt und \ntr\u00e4umt. Daher ist sein Trio reich an Sch\u00f6nheiten melodischer und \nharmonischer Erfindung, die nicht m\u00fchevoller Kombination oder Reflexion,\n sondern nat\u00fcrlichem Empfinden entspringen. Aber es fehlt ihm an der \nanderen Seite der k\u00fcnstlerischen Begabung. Sein Schaffen wird ihm nicht \nobjektiv, und das ist die Voraussetzung der Darstellung f\u00fcr Andere. Er \nbleibt im Schw\u00e4rmen befangen, er erwacht nicht aus seinem Traum, um mit \nklarem Kopf und fester Hand die schwankenden Gestalten festzuhalten, zu \nverdichten. Uns ist er so eine liebere und seltenere Erscheinung, als \nder Dutzendkomponist, der \u00fcberhaupt nicht schw\u00e4rmt, sondern nur \narbeitet. Aber die F\u00e4higkeit sich mitzutheilen leidet darunter. Man kann\n sich wohl vorstellen, was er empfindet, wenn er in langsamem Tempo \nviermal dieselbe lange Note angiebt; aber dieses Empfinden ist zu \nsubjektiv, es geht nicht ins Objekt \u00fcber und bleibt daher dem H\u00f6rer \nunverstanden und erm\u00fcdend. So m\u00fcssen sich auch die S\u00e4tze \u00fcbr ihre innere\n Bedeutung hinaus dehnen und nicht zu Ende kommen. Das Trio dauert eine \ngute Stunde. In der liebevollen und vortrefflichen Ausf\u00fchrung durch die \nHerren Ernst Jedliczka, Carl Halir und Hugo Dechert erkannte indessen \ndas Publikum das ungew\u00f6hnliche Talent des Komponisten und rief ihn nach \ndem Trio zweimal hervor.<br>\n(L[udwig] B[u\u00dfler] in der National-Zeitung vom 5. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nIn der Singakademie gab der Komponist Hans Pfitzner zur selben Zeit ein \nKonzert mit eigenen Kompositionen, einem Klaviertrio und elf Liedern. Er\n ist durch sein Musikdrama \u201eDer arme Heinrich\u201c bekannt geworden, und hat\n auch hier schon in einem eigenen Konzerte Proben eines starken Talentes\n abgelegt, das freilich noch weiterer Kl\u00e4rung bedurfte. Wir hofften \nalso, f\u00fcr die uns durch Hrn. Reger zugef\u00fcgten Unbilden einigerma\u00dfen \nentsch\u00e4digt zu werden, kamen aber aus dem Regen in die Traufe, und in \nwas f\u00fcr eine! Pfitzner ist anscheinend in b\u00f6se H\u00e4nde oder Einfl\u00fcsse \ngerathen, vielleicht ist ihm auch die \u00fcbertriebene Ber\u00e4ucherung durch \n\u201egute\u201c Freunde zu Kopfe gestiegen, denn was er uns in diesem Trio \nbietet, \u00fcbersteigt alles Greuliche, was in der Musik jemals dagewesen \nist. Ein solcher j\u00e4her Niedergang eines bedeutenden Talentes k\u00f6nnte \nTrauer erwecken, wenn nicht doch die Heiterkeit \u00fcber diesen \n\u201emusikalischen\u201c Unsinn schlie\u00dflich \u00fcberw\u00f6ge, das Werk ist beim besten \nWillen nicht ernst zu nehmen. Angeblich steht es in F-dur, aber schon \nder erste Satz geht fast durchweg in einer Anzahl bisher unbekannter \nTonarten, der zweite steht in cis-moll, der dritte in es-moll, der \nvierte in f-moll, d.h. in den ersten und letzten Takten, dazwischen geht\n es wieder rundum. Aus dem w\u00fcsten (meist chromatischen) Durcheinander \nder drei Stimmen, das durch den fortw\u00e4hrenden Taktwechsel noch \nanmuthender wird, treten einzelne klare, melodische Stellen angenehm \nhervor, sie werden aber durch die stets wiederkehrenden Nachahmungen, \nSequenzen u.s.w. so entsetzlich in die L\u00e4nge gezogen, da\u00df man froh ist, \nwenn der w\u00fcste Spektakel wieder losgeht, weil man hofft, er werde die \nSache endlich zu Ende bringen. Diese Hoffnung bleibt freilich lange \nunerf\u00fcllt, das Werk dauert fast eine Stunde; f\u00fcr 10 Minuten w\u00fcrde sein \nGedankeninhalt allenfalls ausreichen, namentlich wenn man die \nfreundlichen Anleihen bei anderen Komponisten abzieht, die sich ziemlich\n zahlreich finden. Die Herren Jedliczka, Halir und Dechert vedienen f\u00fcr \nden Heldenmuth, womit sie das ungenie\u00dfbare Werk einstudirt hatten, \nr\u00fcckhaltlose Bewunderung; wie namentlich Herr Jedliczka es fertig \ngebracht hat, den ma\u00dflos schwierigen Klaviersatz \u00fcberhaupt zu lesen, \nbleibt uns ein R\u00e4thsel.<br>\n(Anonymus in der Neuen Preu\u00dfischen Zeitung vom 5. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nEin viers\u00e4tziges Trio f\u00fcr Klavier, Geige und Violoncello in F-dur, von \nden Herren Dr. Jedliczka, Prof. Halir und Hugo Dechert mit \nr\u00fchmenswerther Hingabe gespielt, lie\u00df in seiner molluskenartigen \nVerschwommenheit, in der g\u00e4nzlich charakterlosen Verwendung der \neinzelnen Instrumente und in der tiefsinnig sein sollenden Schreibweise \neinen befremdenden Eindruck. In die weltschmerzlichen Falten des Denkers\n und Philosophen legt der Komponist seine jugendliche Stirn. Nur ganz \nvor\u00fcbergehend, wie in dem langsamen Cis-moll-Satz, gl\u00fcckt es ihm \neinigerma\u00dfen[,] eine Stimmung festzuhalten, und in dem dritten Satze \ngleitet nur einmal ein leises L\u00e4cheln \u00fcber die ernsten Z\u00fcge. Dabei ist \ndas Werk von einer Ausdehnung &#8211; es dauert eine Stunde &#8211; gegen die der \ng\u00f6ttliche Schubert im Lapidarstil schreibt.<br>\n(Wilhelm Blanck in der T\u00e4glichen Rundschau vom 5. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\n&#8230;Von dem Konzerte der Genannten begaben wir uns in das des Herrn Hans \nPfitzner, welcher nur eigene Kompositionen auff\u00fchrte. Von einem Trio f\u00fcr\n Klavier, Violine und Violoncello h\u00f6rten wir noch die Musik der letzten \nzehn Minuten; eine ganze Stunde hatte es aber bereits gedauert. Dies \nEndst\u00fcck machte auf uns den Eindruck musikalischer Leere, und wir \nerfuhren denn auch, da\u00df das die Signatur des ganzen Werkes sei: nirgends\n eine Zeichnung, nirgends ein fester Umri\u00df, alles Stimmungsausdruck, der\n sich nicht selten in unangenehmen Klangkombinationen ge\u00e4u\u00dfert habe&#8230;<br>\n(Anonymus in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung vom 6. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\nDas musikalische Ereignis des Mittwochs war das Konzert, das der junge \nKomponist Hans Pf\u00f6tzner [sic] mit eigenen Kompositionen in der \nSingakademie veranstaltete. Hervorragende Kr\u00e4fte waren daran beteiligt, \ndie Herren Dr. Jedliczka, Professor Halir und Dechert bildeten ein \nstattliches Trio, und Herr Sistermans \u00fcbernahm die Liedervortr\u00e4ge. Hans \nPf\u00f6tzner [sic] hatsich mit seiner Oper \u201eDer arme Heinrich\u201c als ein \ngedankenreicher, vielversprechender Vertreter neuerer deutscher \nKunstrichtung erwiesen[,] und so sah man seinem Konzert mit Spannung \nentgegen. Leider brachte es in seiner ersten H\u00e4lfte eine arge \nEntt\u00e4uschung. Sein rund eine Stunde ausf\u00fcllendes Trio ist[,] gerade \nherausgesagt[,] eine Mi\u00dfgeburt. Die einzelnen Sch\u00f6nheiten gehen in \nausgedehnten \u00f6den und leeren Strecken unter, so da\u00df das Ganze einfach \nungenie\u00dfbar ist.<br>\n\t(Sp. in der Deutschen Tageszeitung Berlin vom 8. M\u00e4rz 1897)<br>\n<br>\n&#8230;Sein Klavier-Trio ist ein wirres Produkt einer im Dunkeln tastenden ,\n krankhaften Phantasie. Weder in den Themen, noch in deren Verarbeitung \nverr\u00e4th sich der g\u00f6ttliche Funke. Es kommt nicht einmal etwas vor, was \nzum Widerspruch herausfordert, vielmehr herrscht in dem langen, f\u00fcnf \nViertelstunden w\u00e4hrenden Opus \u00f6de Eint\u00f6nigkeit, g\u00e4hnende Langeweile. \nAuch die Lieder entbehren jener gesunden, frischen Melodik, die das \nMerkmal des wahren Talentes ist. Die Ausf\u00fchrenden, Herr Sistermann \n<\/p>\n\n\n<p>[sic]<\/p>\n\n\n\n<p>, Dr. Jedliczka, Prof. Haler [sic] und Dechert, gaben sich redliche  M\u00fche, um die ihnen anvertrauten Kompositionen vom Schiffbruch zu  retten; aber vergebens.<br> (Eugenio von Pirani in der Charlottenburger Zeitung vom 8. M\u00e4rz 1897)<br><br> So komponiert man nicht f\u00fcr vern\u00fcnftige Menschen, sondern f\u00fcr Idioten.<br> (Anonymus in der Allgemeinen musikalischen Rundschau vom 7. M\u00e4rz 1897)<br><br> Leider f\u00fchlen sich auch wieder Komponisten bewogen, eigene Konzerte zu  geben, zun\u00e4chst am Mittwoch Hans Pfitzner in der Singakademie. Der noch  sehr junge Mann erregte, als er vor mehreren Jahren zum erstenmal  hierher kam, allgemeine Aufmerksamkeit, man setzte gro\u00dfe Hoffnungen auf  ihn. Er bereitete den Freunden seiner Kunst jetzt eine herbe  Entt\u00e4uschung. Ein Hang zur Gr\u00fcbelei trat schon in seinen fr\u00fcheren  Kompositionen zutage, aber doch nicht in dem Ma\u00dfe, da\u00df man nicht auf  gr\u00f6\u00dfere Frische f\u00fcr die Zukunft h\u00e4tte rechnen d\u00fcrfen. Die Entwicklung  Pfitzners ist aber in einer ung\u00fcnstigen Richtung fortgeschritten; etwas  Gr\u00e4mlicheres, ich m\u00f6chte sagen, etwas \u201eErdachteres\u201c als sein Trio kann  man sich kaum vorstellen. Nur der dritte Satz, der mit \u201eFrei und launig\u201c  bezeichnet ist, machte einigen Eindruck. Die Motive sind im allgemeinen  kurzatmig und werden zu h\u00e4ufig wiederholt, sie dr\u00e4ngen sich zu sehr  auf, der melodische Gehalt ist gleich Null. Das Trio hinterl\u00e4\u00dft nur den  Eindruck der \u00d6de und L\u00e4nge, die erm\u00fcdet.<br> (Anonymus im Berliner Tagblatt vom 9. M\u00e4rz 1897)<br><br> Hans Pfitzner hat sich neuerdings mit seinem in Mainz und Frankfurt sehr  beif\u00e4llig aufgenommenen \u201eArmen Heinrich\u201c einen Namen als Opernkomponist  gemacht, einzelne begeisterte Verehrer des jungen Tondichters wollten  sogar etwas wie den \u201ekommenden Mann\u201c in ihm erblicken. Das scheint nun  allerdings, nach den Kindern seiner Muse zu urteilen, [&#8230;] einigerma\u00dfen  \u00fcber das Ziel geschossen zu sein, denn weder seinem Klaviertrio [&#8230;]  noch den [&#8230;] Liedern [&#8230;] ist viel Gutes nachzusagen. [&#8230;] Herr  Pfitzner mu\u00dfte sich dementsprechend mit einem bescheidenen  Achtungserfolge begn\u00fcgen; zwei, dem Komponisten zum Schlu\u00df \u00fcberreichte  gewaltige Lorbeerkr\u00e4nze konnten daran nichts mehr \u00e4ndern.<br> (Anonymus in der Volks-Zeitung vom 9. M\u00e4rz 1897)<br><br> Was uns in den letzten Tagen an musikalischen Gen\u00fcssen geboten wurde,  war nicht besonders probehaltig. Da hat sich ein junger Komponist Hans  Pfitzner f\u00fcr einen Abend in der Singakademie niedergelassen  mit einem  Trio f\u00fcr Klavier, Violine und Violoncello und elf Liedern. Ja, war denn  das noch Musik, was dort gemacht wurde? Wenn ich das wirklich sch\u00f6ne,  nat\u00fcrlich flie\u00dfende und kurze Scherzo ausnehme, war das Trio in seiner  Formlosigkeit, mit seinen abgerissenen, selten zu einander passenden  Scenen, seinem Mangel an melodischer Substanz und seiner erfindungsarmen  Weitschweifigkeit ein trostloser W\u00fcstenmarsch in T\u00f6nen. Dir Herren Dr.  Jodliczka [sic], Halir und Dechert sind tapfer durch den Sand gewatet &#8211;  ohne Erfolg. Etwas weniger zerfahren, gleichwohl der Geschlossenheit  entbehrend, waren die Lieder. Von W\u00e4rme der Empfindung zeugen einige;  die Grundstimmung fast aller ist aber eine tr\u00fcbe Weinerlichkeit. Sind  das die zuk\u00fcnftigen Klassiker?<br> (Anonymus in der Berliner Zeitung vom 10. M\u00e4rz 1897)<br><br> Durch ein abendf\u00fcllendes Komponisten-Konzert brachte sich Hans Pfitzner  in Erinnerung. [&#8230;] ich zweifle nicht, wir d\u00fcrfen Gro\u00dfes erwarten von  Hans Pfitzner, wenn auch das Programm seines Konzertes meine Hoffnungen  nicht gen\u00fcgend unterst\u00fctzt haben sollte. [&#8230;] das sehr schwere Trio  spielten die Herren Dr. Jedliczka, Professor Halir und Kammermusiker  Dechert mit einer seltenen Hingabe und ausgezeichnetem Gelingen. Ich  konnte der Ausf\u00fchrung des breit und tief angelegten, etwas r\u00fccksichtslos  durchgef\u00fchrten Werkes mit dem autographen Manuskript in der Hand folgen  und war erstaunt \u00fcber die geniale Gr\u00f6\u00dfe der Konzeption und die K\u00fchnheit  der Faktur; eine gewisse herbe Konsequenz, nur hie und das unterbrochen  durch fl\u00fcchtige Sonnenblicke, erschwert das Verst\u00e4ndni\u00df[,] und ich kann  mir denken, da\u00df auch der gutwilligste Zuh\u00f6rer nach und nach die  Empf\u00e4nglichkeit eingeb\u00fc\u00dft, die Geduld verloren hat. Es geht dem  Komponisten wie jenem S\u00e4emann im Evangelium: unter die Dornen viel  manches edle Samenkorn. Im Gestr\u00fcpp einer ziemlich melancholisch  angehauchten Reflexion gelangten viele sch\u00f6ne Keime nicht zur rechten  Entwicklung, sondern vegetirten nur, als fehle ihnen Licht und W\u00e4rme.  Und doch sage ich: in dem Trio steckt eine bedeutende Schaffenskraft, es  waltet darin ein so m\u00e4chtiger \u201eWille zum Leben\u201c, da\u00df ich den  hochgespanntesten Erwartungen mich hingebe. [&#8230;] Pfitzner befindet sich  noch in einem \u00dcbergangsstadium, jenes alte gefl\u00fcgelet Wort vom  g\u00e4hrenden Most trifft auch bei ihm zu. Das gute Weinjahr kommt sicher!  In der n\u00e4chsten Zeit gilt sein Trachten und das Dichten eines bew\u00e4hrten  Poeten der neuen Oper, welche Beide, fern vom Gew\u00fchl der Gro\u00dfstadt, in  Angriff nehmen wollen. Recht so! Nur muthig weiter streben und schaffen!<br> (Anonymus [Wilhelm Tappert] im Kleinen Journal vom 11. M\u00e4rz 1897)<br><br> Monstr\u00f6s in Bezug auf Ausdehnung&#8230; So monstr\u00f6s geringf\u00fcgig und gequ\u00e4lt  sein Inhalt  kein organischer Bau&#8230;  stellenweis widerw\u00e4rtige  Kakophonie&#8230;   W\u00fc\u00dfte ich nicht, da\u00df Herr Pfitzner ein ernster K\u00fcnstler  mit redlichem Streben ist, ich m\u00fc\u00dfte auf den Gedanken kommen, er habe in  einem Anfall von Galgenhumor versuchen wollen, was alles einem  sympathisch gestimmten Publikum dargeboten werden darf.<br> (Otto Le\u00dfmann in der Allgemeinen Musikzeitung 1897\/Nr.11)<br><br> Nachdem Pfitzner diese bunte Garbe an Kritiken eingesammelt hat, reist  er mit James Grun nach Oostende, wo sie gemeinsam am Libretto zu  Pfitzners n\u00e4chster Oper, Die Rose vom Liebesgarten, arbeiten. Nach  seiner Heimkehr schreibt der so vielstimmig geschm\u00e4hte Komponist an  einen seiner treuesten (und kompetentesten) Bewunderer:<br><br> Wie mein Concert in Berlin von der Kritik aufgenommen worden ist, werden  Sie wohl vielleicht geh\u00f6rt haben; mit Ausnahme von Tappert &amp; Bu\u00dfler  haben sie mich alle f\u00fcrchterlich verm\u00f6belt; einer meinte, es sei  \u00fcberhaupt das Scheu\u00dflichste, was \u00fcberhaupt noch in der Musik da war, ein  anderer brandmarkte mich sogar als den F\u00fchrer der Socialdemokratie in  der Musik; dagegen hatte ich beim Publikum gro\u00dfen Erfolg.<br> (an Engelbert Humperdinck, 10. Juni 1897)<br><br> Schon gleich nach der Urauff\u00fchrung hatte Eug\u00e8ne d\u00b4Albert in seiner  Eigenschaft als beratendes Mitglied des Direktoriums des ADMV um die  \u00dcbersendung eines Werkes von Pfitzner gebeten; das ihm von Jedliczka  \u00fcberbrachte Opus 8 faszinierte ihn so, da\u00df er seinen Einflu\u00df f\u00fcr die  Herausgabe des Trios geltend machte. In dem Brief, den der Komponist  \u00fcber diese Wendung an seinen Freund schreibt, f\u00e4llt es nicht leicht,  Freude und Sarkasmus auseinander zu halten:<br><br> Das Trio wird gedruckt bei Simrock. Auf d\u00b4Alberts begeisterte  Empfehlung. Ich bekomme kein Honorar, nie etwas vom Verkauf. Wie froh  bin ich, da\u00df Simrock es nimmt! Ich brauche noch nicht einmal die  Druckkosten zu bezahlen.<br> (an Paul Nikolaus Cossmann, 20. Februar 1898)<br><br> Am 24. November 1899 erlebte das Werk seine Wiener Erstauff\u00fchrung: Hier  geh\u00f6rten Gustav und Alma Mahler, die Bruno Walter auf Pfitzner  aufmerksam gemacht hatte,  zu den Bewunderern dieses in jeder Hinsicht  au\u00dfergew\u00f6hnlichen Trios. <br><br> Der erste Satz (Kr\u00e4ftig und feurig, nicht zu schnell, F\u2013Dur) liefert  gleich eines der markantesten Beispiele daf\u00fcr, was Pfitzner unter einem  musikalischen \u201eEinfall\u201c versteht: das Hauptmotiv des Satzes, ein knappes  Motto von unerh\u00f6rter rhythmischer Pr\u00e4gnanz, \u00fcberf\u00e4llt den H\u00f6rer  f\u00f6rmlich und durchpulst mit seiner nie v\u00f6llig versiegenden Energie noch  die fernsten Ver\u00e4stelungen des musikalischen Gewebes. Als wollte der  Komponist deutlich machen, da\u00df mit diesem \u201eEinfall\u201c eigentlich schon  alles gesagt sei, l\u00e4\u00dft er \u2013 ein v\u00f6llig unerh\u00f6rter Vorgang \u2013 den  musikalischen Diskurs unmittelbar nach der Vorstellung dieses  Hauptthemas mit einer Reihe hingedonnerter Schlu\u00dfakkorde abbrechen. Da\u00df  das St\u00fcck dennoch weitergeht, scheint auf den ersten Blick nur ein  Zugest\u00e4ndnis an die Konvention zu sein \u2013 jedenfalls d\u00fcrfte es schwer  sein, irgendwo in der Musikliteratur eine \u00e4hnlich tollk\u00fchne  Demonstration der Bruchstelle zwischen \u201eEinfall\u201c und \u201eVerarbeitung\u201c zu  finden: schon allein dieser \u2013 mit Schopenhauer zu reden \u2013 \u201eKniff\u201c macht  den Satz unverge\u00dflich. (Knapp drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter hat T. S. Eliot in  der Schlu\u00dfpassage von \u201eThe Hollow Men\u201c \u00e4hnliches mit den Mitteln der  Sprache versucht.)<br> Mit dem zweiten Satz (Sehr langsam, cis-moll) betreten wir den innersten  Bezirk des Werkes: der Satz beginnt in mehreren Anl\u00e4ufen mit warnenden  und abwehrenden Gesten; es ist, als m\u00fc\u00dfte wie im M\u00e4rchen erst ein  Bannkreis der Erstarrung durchschritten werden, um schlie\u00dflich in das  ersehnte Zauberland zu gelangen. Das Thema, mit dem wir dort empfangen  werden, geh\u00f6rt zu den ergreifendsten Eingebungen Pfitzners. Bei der  Wiederholung des Geschehens hat der Bannkreis die Gestalt einer fast  un\u00fcberwindlichen Felswand angenommen \u2013 die Geste der Warnung ist zur  Drohgeb\u00e4rde gesteigert, und die dabei in Bewegung gesetzten Klangmassen  haben wirklich nichts \u201eKammermusikalisches\u201c mehr an sich. Und wenn nach  der Reprise des Hauptthemas schlie\u00dflich alles in wehmutvolle Ruhe zu  versinken scheint, erscheint pl\u00f6tzlich das Abwehrmotiv des Anfangs, zu  einem dissonanten Aufschrei verzerrt und in grellster Beleuchtung, und  l\u00e4\u00dft den Satz hoffnungslos ersticken. Es sind diese dramaturgischen  Ungeheuerlichkeiten \u2013 wann hatte man je der Ermordung eines langsamen  Satzes beigewohnt? \u2013 die auch durchaus wohlmeinende Kritiker am Ende des  XIX. Jahrhunderts \u00fcberfordert haben m\u00fcssen.<br> Der dritte Satz (M\u00e4\u00dfig schnell, etwas frei im Vortrag, es-moll) ist,  trotz mancher bizarren Einzelheit, der \u201enormalste\u201c des Werkes (und genau  deshalb der von der Kritik am ehesten akzeptierte); an kaum einer  anderen Stelle seines Oeuvres ist Pfitzner dem Jugendwerk Richard  Strauss&#8217; (etwa der \u201eImprovisation\u201c aus der Violinsonate op.18 von 1888)  n\u00e4her. Obwohl es auch hier durchaus nicht an wilden Eruptionen und  zerst\u00f6rerischen Br\u00fcchen fehlt, ist der Gesamteindruck fast abgerundet \u2013  ja, Pfitzner \u00fcberwindet sich sogar zu einem \u201ekonventionellen\u201c, fast  humoristischen Schlu\u00df.<br> Diese tr\u00fcgerische Vers\u00f6hnlichkeit l\u00e4\u00dft die Radikalit\u00e4t des vierten  Satzes (Rasch und wild. \u2013 Langsam. \u2013 Sehr schnell, f-moll) nur umso  verheerender \u00fcber uns hereinbrechen. Ein nicht enden wollender Kampf  widersteitender Gef\u00fchlswelten spiegelt sich in einer formalen  Zerrissenheit, die nur durch die frappante Kraft des motivischen  Materials zusammengehalten werden. Auch hier wird ein Gegenbild zur  Tradition des \u201ekr\u00f6nenden Abschlusses\u201c geschaffen \u2013 die Konflikte der  vorangegangenen S\u00e4tze werden nicht vers\u00f6hnt, sondern versch\u00e4rft. Es ist  klar, da\u00df Musik, die (nicht aus einer spielerischen Lust am Widerspruch,  sondern aus schicksalhafter Notwendigkeit) solche Wege einschl\u00e4gt, sich  nicht die Gunst des Publikums erk\u00e4mpfen kann. Nicht kollektiver Genu\u00df  ist der Gewinn, den sie verspricht, sondern die herbe Lust des  Mitleidens. Es ist nicht weiter verwunderlich, da\u00df ein Musikmarkt, der  Kunstwerke nach Konsumierbarkeit und Unterhaltungswert zu klassifizieren  gewohnt ist, einem Werk, dessen Radikalit\u00e4t und Modernit\u00e4t nicht im  Material, sondern in der Aussage liegen, nichts abzugewinnen wei\u00df. Aber  da\u00df Musik, die mit solcher Intensit\u00e4t empfangen und mit solcher inneren  Konsequenz  geb\u00e4ndigt wurde, nicht mehr spielende Verteidiger findet,  ist doch irritierend. An solcher Stelle ist meist ein missionarisches  \u201eSeine Zeit wird noch kommen&#8230;\u201c f\u00e4llig \u2013 aber ich glaube, Pfitzner  bedarf ihrer nicht: er braucht, ganz einfach, nur einen Zuh\u00f6rer.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Pfitzner * 05. Mai 1869\u2020 22. Mai 1949 Trio f\u00fcr Pianoforte, Violine und Violoncell, F-Dur, op.8 Komponiert: Mainz und Frankfurt\/Main, 1895-1896 Widmung: Alexander Friedrich Landgraf von Hessen Urauff\u00fchrung: Frankfurt\/Main, 14. Dezember 1896 James Kwast (1852-1927), Klavier Alfred He\u00df (1868-1927), Violine Friedrich He\u00df (1863-?), Violoncello Erstausgabe: Simrock, Berlin 1898 Unmittelbar nachdem Pfitzner sein programmatisches Opus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-535","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=535"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":536,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/535\/revisions\/536"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}