{"id":531,"date":"2019-02-13T17:19:57","date_gmt":"2019-02-13T16:19:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=531"},"modified":"2019-02-13T17:20:09","modified_gmt":"2019-02-13T16:20:09","slug":"mozart-trio-terzett-g-dur-kv-564","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/mozart-trio-terzett-g-dur-kv-564\/","title":{"rendered":"Mozart: Trio (Terzett) G-Dur KV 564"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wolfgang Amadeus Mozart<\/h3>\n\n\n\n<p>* 27. J\u00e4nner 1756<br>\u2020 05. Dezember 1791<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio (Terzett) G-Dur KV 564<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien (W\u00e4hringer Stra\u00dfe 26, Gartenhaus), beendet am 27. Oktober 1788<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Artaria, Wien, Oktober 1790<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>&#8220;&#8230;Wenn Sie vielleicht so bald nicht eine Solche Summa entbehren  k\u00f6nnten, so bitte ich sie mir wenigstens bis Morgen ein paar hundert  gulden zu lehnen, weil mein Hausherr auf der Landstrasse so indiscret  war, da\u00df ich ihn gleich auf der stelle ( um ungelegenheit zu vermeiden )  auszahlen musste, welches mich sehr in unordnung gebracht hat! &#8211; wir  schlafen heute da\u00df erstemal in unserem neuen quartier, alwo wir Sommer  und winter bleiben; &#8211; ich finde es im grunde einerley wo nicht besser;  ich habe ohnehin nicht viel in der stadt zu thun, und kann, da ich den  vielen besuchen nicht ausgesezt bin, mit mehrerer Musse arbeiten; &#8211; und  mu\u00df ich gesch\u00e4fte halber in die stadt, welches ohnehin selten genug  geschehen wird, so f\u00fchrt mich Jeder fiacre um 10 x: hinein, um das ist  auch das logis wohlfeiler, und wegen fr\u00fchJahr, Sommer, und Herbst,  angenehmer &#8211; da ich auch einen garten habe. &#8211; Das Logis ist in der  waringergasse, bey den 3 Sternen N:o 135.&#8221; <br> <br> Die \u00dcbersiedlung, die Mozart seinem Logenbruder Michael Puchberg am  Mitte Juni 1788 mit diesem Brief anzeigt, ist \u00e4u\u00dferes Zeichen der  kontinuierlichen Verschlechterung seiner Lage: schon im April hatte er  den herrschaftlichen Haushalt im &#8220;Figaro-Haus&#8221; aufgeben m\u00fcssen. Wenige  Wochen zuvor hatte Joseph II. als Verb\u00fcndeter Ru\u00dflands dem Osmanischen  Reich den Krieg erkl\u00e4rt, ein in jeder Hinsicht ungl\u00fccklicher Schritt,  dessen absehbares Scheitern auch die allgemeine Wirtschaftslage deutlich  verschlechterte. Die dadurch heraufbeschworene Krise zwang sogar den  Adel zu Sparma\u00dfnahmen, und darunter litt naturgem\u00e4\u00df das Wiener  Musikleben. Der in krassem Gegensatz zu dem Prager Triumph des Vorjahres  stehende Mi\u00dferfolg der Wiener Erstauff\u00fchrung des &#8220;Don Giovanni&#8221; (7. Mai  1788) ist so besehen nicht ausschlie\u00dflich auf den schlechten Geschmack  der Wiener zur\u00fcckzuf\u00fchren. Was Mozarts pers\u00f6nliche finanzielle Probleme  anlangt, so waren, neben einer in manchem wahrscheinlich allzu  aufwendigen und luxuri\u00f6sen Haushaltsf\u00fchrung, vor allem Constanzes  Krankheit und die dadurch notwendigen Kuren eine zus\u00e4tzliche Belastung.  Immer wieder und in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden mu\u00df Mozart sich mit der  Bitte um finanzielle Unterst\u00fctzung an Puchberg wenden, der ihn fast nie  entt\u00e4uscht. Zu der materiellen Misere kommt pers\u00f6nliches Leid: knapp  zwei Wochen nach der \u00dcbersiedlung auf den Alsergrund stirbt Mozarts  gerade sechsmonatige Tochter Theresia. <br> <br> Mozarts Hoffnung, &#8220;mit mehrerer Musse arbeiten&#8221; zu k\u00f6nnen, hat sich aber  all diesen tragischen und widrigen Umst\u00e4nden zum Trotz in wunderbarer  Weise best\u00e4tigt: schon in den ersten zwei Monaten entstand im neuen  Quartier die Triade der letzten Symphonien &#8211; ein Leistung, deren  konzentrierte Dichte in der Musikgeschichte vielleicht nur noch in der  Entstehung von Schuberts letzten drei Klaviersonaten erreicht wird;  gleichzeitig komponiert Mozart auch die Klaviersonate C-Dur KV 545, die  letzte Violinsonate (F-Dur, KV 547) und die beiden Klaviertrios E-Dur  (KV 542) und C-Dur (KV 548). Als Epilog zu dieser \u00fcberreichen  Sommerernte sind die beiden nach einer kurzen Pause im Herbst  komponierten Trios zu betrachten: das sechss\u00e4tzige Streichtrio Es-Dur  (KV 563) und das letzte Klaviertrio (G-Dur, KV 564). Waren schon im  Sommer die Kammermusikwerke zwischen den monumentalen Symphonien  gleichsam in Momenten der Entspannung entstanden, so darf man in KV 564  in \u00fcbergreifenderem Sinne ein Postskriptum zu dem \u00fcberreichen Gesamtwerk  dieser kritischen Monate sehen. Wie schon in der C-Dur-Klaviersonate  (&#8220;eine kleine klavier Sonate f\u00fcr anf\u00e4nger&#8221;) und der F-Dur Violinsonate  (&#8220;eine kleine klavier Sonate &#8211; f\u00fcr Anf\u00e4nger mit einer Violin&#8221;) sind die  technischen Anspr\u00fcche in Hinblick auf h\u00e4usliches Musizieren ( &#8211; etwa mit  Michael Puchberg &#8211; ) niedrig gehalten, wenn auch das Klaviertrio in  seinem ersten Satz einen deutlich konzertanteren Ton aufweist als die  beiden Sonaten. Das Autograph legt die Vermutung nahe, da\u00df das Werk  urspr\u00fcnglich als Klaviersonate konzipiert war und erst nachtr\u00e4glich zum  Klaviertrio umgearbeitet wurde. <br> <br> Das Allegro spielt in gel\u00f6stester und gl\u00fccklichster Manier mit dem Motiv  einer fallenden Terz &#8211; wie ein quasi monothematischer Satz unter  Aussparung dramatischer Komplikationen so abwechslungsreich und fesselnd  sein kann, ist ein begl\u00fcckendes R\u00e4tsel. <br> <br> Das Andante (C-Dur) unterzieht ein volksliedhaftes Thema sechs ganz  schlichten Variationen, von denen die ersten drei sich auf einfache  figurale Umspielung beschr\u00e4nken, w\u00e4hrend die folgenden beiden die schon  im Thema manifesten imitatorischen M\u00f6glichkeiten nacheinander in Dur und  Moll skizzenhaft umrei\u00dfen. Mit dem Minore ist auch die dramaturgische  Mitte des ganzen Werkes und der einzige Moment drohender Vereinsamung  erreicht; schon die folgende Schlu\u00dfvariation zerst\u00e4ubt diese Gefahr in  einen schwerelos beschwingten Tanz. Auf diese Weise finden sich der  dunkelste und der hellste Ton des Werkes in unmittelbarer Nachbarschaft  und halten das Werk aus seiner Mitte heraus im Gleichgewicht. <br> <br> Das abschlie\u00dfende Allegretto ist eine Siciliana in Rondoform. Das  Ritornell ist auf naiv-raffinierte Weise phrasiert, in dem die Ba\u00dflinie  im Wechsel von abschlie\u00dfenden Viertel- und Achtelnoten zwischen  z\u00f6gernder Frage und t\u00e4nzerischem Schwung irisiert. Die beiden  Rondo-Episoden sind in subtiler Antithese aufeinander bezogen, indem die  erste, ein unmi\u00dfverst\u00e4ndlich &#8220;franz\u00f6sisches&#8221; Minore, der Siciliana  empfindsame T\u00f6ne entlockt, w\u00e4hrend die andere den eleganten metrischen  Duktus des Satzes ganz verl\u00e4\u00dft, um uns auf einer &#8220;teutschen&#8221; Tenne mit  b\u00e4urischer Ausgelassenheit tanzen zu lassen. Die Coda ist in ihrem  unpr\u00e4tentiosen Einfallsreichtum ein w\u00fcrdiger Schlu\u00dfpunkt f\u00fcr Mozarts  Klaviertriowerk. Wer sich erst einmal von der (in  repr\u00e4sentationshungrigen Zeiten gerne gen\u00e4hrten) Erwartung gel\u00f6st hat,  jede Werkgruppe im Schaffen eines Genies m\u00fcsse auf ein alles zuvor  Begonnene \u00fcberragendes Erf\u00fcllungswerk zustreben (also etwa einem Pendant  zu &#8220;Jupiter-Symphonie&#8221; oder Requiem), wird die innige und unbeschwerte  Einfachheit dieses Abschlu\u00dfwerkes nicht als Schw\u00e4che, sondern als  unverdiente Gnade erleben. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Amadeus Mozart * 27. J\u00e4nner 1756\u2020 05. Dezember 1791 Trio (Terzett) G-Dur KV 564 Komponiert: Wien (W\u00e4hringer Stra\u00dfe 26, Gartenhaus), beendet am 27. 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