{"id":527,"date":"2019-02-13T17:18:29","date_gmt":"2019-02-13T16:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=527"},"modified":"2019-02-13T17:18:37","modified_gmt":"2019-02-13T16:18:37","slug":"mozart-trio-e-dur-kv-542","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/mozart-trio-e-dur-kv-542\/","title":{"rendered":"Mozart: Trio E-Dur KV 542"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wolfgang Amadeus Mozart<\/h3>\n\n\n\n<p>* 27. J\u00e4nner 1756<br>\u2020 05. Dezember 1791<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio E-Dur KV 542<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien (W\u00e4hringer Stra\u00dfe 26, Gartenhaus), beendet am 22. Juni 1788<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Michael Puchberg (1741-1822)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>privat wohl Ende Juni 1788 bei Michael Puchberg <br>\n(I., Hoher Markt) <br>\nerste dokumentierte (nicht gesicherte) \u00f6ffentliche Auff\u00fchrung: <br>\nDresden, Hotel de Pologne, 13. April 1789 <br>\nW. A. Mozart, Klavier <br>\n? Violine <br>\nAnton Kraft (1749-1820), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Artaria, Wien, 1788<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Der kompositorisch reichste Sommer in Mozarts Leben schenkte uns  neben der Triade der letzten Symphonien auch die beiden Klaviertrios,  die heute auf unserem Programm stehen. \u00dcber den schattenreichen  biographischen Hintergrund dieser Monate haben wir schon in Zusammenhang  mit Mozarts letztem Klaviertrio (G-Dur, KV 564) gesprochen, das als  letzte Nachsommerfrucht diese unfa\u00dfbar reiche Schaffensperiode  beschlie\u00dft. Geldn\u00f6te, Krankheit, ung\u00fcnstige politische und soziale  Konstellationen bilden einen dissonanzenreichen Kontrapunkt zum  Schaffensgl\u00fcck dieses Sommers und h\u00e4ngen wie dr\u00e4uende Gewitterwolken  \u00fcber einem Erntetag. <br> <br> Wie schon im vorangehenden Exkurs er\u00f6rtert, ist das Trio KV 542 Mozarts  einziges Werk in der Haupttonart E-Dur. Diese Tonart geh\u00f6rt in der  ungleichschwebenden Stimmung zu den besonders &#8220;expressiven&#8221;,  &#8220;gespannten&#8221;, was die Sparsamkeit ihrer Verwendung durch die Klassiker  erkl\u00e4rt. Immerhin f\u00e4llt auf, da\u00df in Haydns Werk E-Dur zwar auch zu den  selteneren Tonarten z\u00e4hlt, doch als Grundtonart mit einer ganzen Reihe  gewichtiger Werke vertreten ist (je drei Streichquartette, Streichtrios  und Klaviersonaten, je zwei Symphonien und Klaviertrios). Der  Opernfreund wird sich aber unschwer an einige sehr bezeichnende und  beziehungsreiche E-Dur-Momente auch in Mozarts Oeuvre erinnern: der  gravit\u00e4tisch-ehrfurchtsvollen (bzw. ehrfurchtgebietenden) Geste von  Leporellos &#8220;O statua gentilissima&#8221; und Sarastros &#8220;In diesen heil&#8217;gen  Hallen&#8221; steht die Naturpoesie zweier auch textlich verwandter Stellen in  &#8220;Cos\u00ed fan tutte&#8221; (&#8220;Soave sia il vento&#8221;) und &#8220;Idomeneo&#8221; (&#8220;Zeffiretti  lusinghieri&#8221;) gegen\u00fcber. <br> <br> Dieses letzte St\u00fcck (KV 366\/Nr.19 &#8211; Grazioso) f\u00fchrt uns recht nahe an  die Stimmungswelt des Kopfsatzes (Allegro) unseres Trios. Hier wie dort  wird die Atmosph\u00e4re von einem schwebenden Dreivierteltakt mit  ausdrucksvollen chromatischen Wendungen getragen. Der weitgespannte  Bogen des Hauptthemas, das in der Reprise noch eine sehr bemerkenswerte  harmonische Bereicherung erf\u00e4hrt; das fast zerbrechliche Seitenthema, an  dessen Ende das Cello eine verbl\u00fcffende R\u00fcckung ausl\u00f6st, die ihrerseits  wiederum zu einem kontrapunktischen Geniestreich f\u00fchrt; und endlich die  &#8220;empfindsam&#8221; dahinsterbende Schlu\u00dfgruppe, in der die alle Elemente  verbindende chromatische Keimzelle offen zutage tritt &#8211; all das l\u00e4\u00dft den  Satz in einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen, nicht allt\u00e4glichen Licht erscheinen. <br> <br> Bei aller Skepsis gegen\u00fcber der m\u00fc\u00dfigen Reminiszenzenjagd ist nicht zu  leugnen, da\u00df das folgende Andante grazioso (A-Dur) eine  Zwillingsschwester des As-Dur-Andante aus der benachbarten Symphonie  (Es-Dur, KV 543) ist: rhythmischer Duktus, melodische Gestik , bis hin  zu einzelnen Wendungen &#8211; alles ist aus dem gleichen Holz geschnitzt. Und  doch befinden wir uns hier in einer v\u00f6llig anderen Welt, die freilich  mit dem Gegensatz A-Dur\/As-Dur nur ganz oberfl\u00e4chlich angedeutet werden  kann. Vor Mozarts wirklich unersch\u00f6pflichem Erfindungsreichtum in der  Harmonisierung des schlichten Rondothemas kann man nur sprachlos  staunen. Die Rondoform ist \u00fcbrigens wieder sehr frei behandelt: Die  erste Episode ist nur ein reich ausgezierter Zwischensatz, das Minore  variiert das Thema fast in der Art einer Durchf\u00fchrung, und die  dazwischenliegenden Ritornelle sind miniaturhaft verk\u00fcrzt, wodurch noch  Raum f\u00fcr eine Coda gewonnen wird, in der Mozart sich selbst an  harmonischem Einfallsreichtum noch einmal \u00fcbertrifft. <br> <br> Auch f\u00fcr den Finalsatz (Allegro), der erst im zweiten Anlauf seine uns  bekannte Gestalt erhielt ( &#8211; im Autograph steht zwischen Andante und  Finale ein 65 Takte langes Fragment des urspr\u00fcnglichen Schlu\u00dfsatzes im  Sechsachteltakt &#8211; ), bedient sich Mozart der Rondoform, und wieder  finden wir best\u00e4tigt, was wir bez\u00fcglich der formalen Verh\u00e4ltnisse  zwischen dem 2. und 3. Satz des Trios B-Dur KV 502 schon feststellen  konnten. Die Aufeinanderfolge zweier S\u00e4tze, denen das gleiche formale  Grundschema zugrunde liegt, bedingt die Verwendung m\u00f6glichst weit  auseinanderliegender Varianten dieses Schemas. Folgerichtig finden wir  in diesem herrlichen Schlu\u00dfrondo die erste Episode betont konzertant  ausgepr\u00e4gt und das Minore mit besonders gro\u00dfer Selbst\u00e4ndigkeit  behandelt. Dem Formumri\u00df ABACA-Coda des Andante ist hier die Gestalt  ABACBA-Coda gegen\u00fcbergestellt, worin sich noch \u00fcber all diese  Gewichtsverschiebungen hinaus die formale Eigenst\u00e4ndigkeit der beiden  S\u00e4tze manifestiert. In die R\u00fcckf\u00fchrung zum 2. Ritornell hat Mozart  \u00fcbrigens einen ganz k\u00f6stlich &#8220;schr\u00e4gen&#8221; Querstand eingebaut (ich glaube  fast, im Autograph das spitzb\u00fcbische Vergn\u00fcgen an diesem Streich  graphisch ausgedr\u00fcckt zu sehen!) &#8211; leider haben fast alle Ausgaben diese  &#8220;Ungeb\u00fchrlichkeit&#8221; des Meisters schamhaft wegretouchiert. <br> <br> Aus dem Postscriptum des Briefes, mit dem Mozart seinem Logenbruder und  M\u00e4zen Michael Puchberg Mitte Juni 1788 seine \u00dcbersiedlung anzeigt: &#8220;Wann  werden wir denn wieder bey ihnen eine kleine Musique machen?&#8211; Ich habe  ein Neues Trio geschrieben!&#8221; klingt schon die Vorfreude auf das  Vergn\u00fcgen, das Mozart sich und seinen Freunden mit diesem Werk zu  bereiten gedenkt. Da\u00df er dabei in besonderer Weise an Michael Puchberg  gedacht hat, geht aus mehreren Briefstellen hervor, in denen das Werk  als f\u00fcr Puchberg geschrieben bezeichnet wird. Wenige Wochen sp\u00e4ter  bittet er seine Schwester, Michael Haydn zu sich nach St. Gilgen  einzuladen und ihm seine &#8211; Mozarts &#8211; &#8220;Neuen sachen&#8221; vorzuspielen:  &#8220;&#8230;das Trio [KV 542], und quartett [KV 493] wird ihm nicht misfallen.&#8221;  Auf der Reise, die Mozart im darauffolgenden Fr\u00fchling mit F\u00fcrst Carl  Lichnowsky nach Prag, Dresden und Berlin f\u00fchrte, kam es in Dresden am  13. April 1789, am Vorabend von Mozarts Auftreten am Hof des Kurf\u00fcrsten  Friedrich August III. Von Sachsen, zur ersten datierbaren Auff\u00fchrung des  Werkes. Mozart wu\u00dfte ganz offensichtlich, da\u00df ihm mit diesem Werk ein  auch in seinem Oeuvre nicht allt\u00e4glicher Wurf gelungen war. Nicht nur  die meisten Mozartbiographen sehen in diesem Werk die Kr\u00f6nung von  Mozarts Klaviertrioschaffen. Chopin sch\u00e4tzte das E-Dur-Trio ganz  besonders und f\u00fchrte es etliche Male \u00f6ffentlich auf. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Amadeus Mozart * 27. J\u00e4nner 1756\u2020 05. Dezember 1791 Trio E-Dur KV 542 Komponiert: Wien (W\u00e4hringer Stra\u00dfe 26, Gartenhaus), beendet am 22. Juni 1788 Widmung: Michael Puchberg (1741-1822) Urauff\u00fchrung: privat wohl Ende Juni 1788 bei Michael Puchberg (I., Hoher Markt) erste dokumentierte (nicht gesicherte) \u00f6ffentliche Auff\u00fchrung: Dresden, Hotel de Pologne, 13. April 1789 W. 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