{"id":525,"date":"2019-02-13T17:17:44","date_gmt":"2019-02-13T16:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=525"},"modified":"2019-02-13T17:17:52","modified_gmt":"2019-02-13T16:17:52","slug":"mozart-trio-terzett-b-dur-kv-502","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/mozart-trio-terzett-b-dur-kv-502\/","title":{"rendered":"Mozart: Trio (Terzett) B-Dur KV 502"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wolfgang Amadeus Mozart<\/h3>\n\n\n\n<p>* 27. J\u00e4nner 1756<br>\u2020 05. Dezember 1791<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio (Terzett) B-Dur KV 502<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien (Domgasse 5), 18. November 1786<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Artaria, Wien, November 1788<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Am 15.November 1786 starb Mozarts drittes Kind im Alter von wenigen  Wochen. Am Tag nach dem Begr\u00e4bnis (das Kind wurde, so wie sp\u00e4ter auch  sein Vater, auf dem Friedhof der Vorstadt St.Marx begraben), dem  18.November, beendet Mozart das vielleicht sonnigste seiner  Klaviertrios. Das &#8220;Terzett f\u00fcr Klavier, Violin und Violoncell&#8221;, wie er  es in seinem eigenh\u00e4ndigen Werkverzeichnis nennt, ist vom ersten Takt an  in das milde Licht der uns aus dem B-Dur Klavierkonzert KV 450  wohlvertrauten, &#8220;empfindsam&#8221; chromatisierten Terzg\u00e4nge getaucht. Diese  Stimmung gibt den Grundton f\u00fcr das ganze Werk. Nicht, da\u00df es an  wehm\u00fctigen Tr\u00fcbungen und ersch\u00fctternden Ahnungen fehlte &#8211; welches  Mozartsche Werk entbehrte dieser Z\u00fcge ? &#8211; aber, mehr noch als sonst,  bleiben diese Momente ohne Folgen, die Wolken zerflie\u00dfen spurlos, und  der Himmel beh\u00e4lt seine reine, herbstlich-kr\u00e4ftige Farbe. Es bleibt ein  gleicherma\u00dfen geheimnisvolles wie begl\u00fcckendes Ph\u00e4nomen, da\u00df die Tragik  von Mozarts &#8220;wirklichem&#8221; Leben, die sich mehr noch als im Tod des Kindes  im unaufhaltsamen Niedergang seiner b\u00fcrgerlichen Existenz manifestiert (  &#8211; in jenen Wochen denkt Mozart ernstlich an eine \u00dcbersiedlung nach  England, von der er sich eine L\u00f6sung seiner immer bedrohlicher werdenden  wirtschaftlichen Schwierigkeiten erhofft, und knapp ein halbes Jahr  sp\u00e4ter, nach der Zerschlagung dieser Pl\u00e4ne, mu\u00df er &#8211; \u00e4u\u00dferes Zeichen  seines Abstiegs &#8211; die repr\u00e4sentative Stadtwohnung gegen ein bescheidenes  Vorstadtquartier tauschen &#8211; ), da\u00df diese &#8220;prosaische&#8221; Tragik so  unbegreiflich fern jener Welt lag, in die Mozart sich anscheinend so  m\u00fchelos erheben konnte und in der er mit jedem neuen Werk immer  heimischer wurde. <br> <br> Der erste Satz (Allegro) ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel  jener &#8220;klassischen&#8221; Klarheit und \u00d6konomie, die den Mozartschen Stil der  Wiener Jahre pr\u00e4gen. Ganz ohne \u00dcbertreibung oder Spitzfindigkeit k\u00f6nnte  man sagen, da\u00df das gesamte Material des Satzes schon in den ersten  beiden Takten enthalten ist. So phantasievoll wird das Hauptthema den  wechselnden dramaturgischen Erfordernissen des Satzablaufes angepa\u00dft und  so raffiniert wird der Schwung des unscheinbaren Geigenmotivs des  zweiten Taktes ausgen\u00fctzt, da\u00df man das &#8220;Fehlen&#8221; eines kontrastierenden  Seitenthemas erst bemerkt, wenn es &#8211; versp\u00e4tet und damit gleichsam von  der Last architektonischer Funktion befreit &#8211; am Anfang der Durchf\u00fchrung  doch noch eintritt. (Dieser Gestaltungsform werden wir in Mozarts Werk  ab hier h\u00e4ufiger begegnen, so etwa gleich einige Monate sp\u00e4ter im  Kopfsatz der vierh\u00e4ndigen Klaviersonate C-Dur, KV 521.) Solche  unerwarteten Geschenke machen sinnf\u00e4llig, da\u00df \u00d6konomie von Form und  Material, wie sie die h\u00f6chsten Kulturleistungen aller Zeiten  auszeichnen, nichts mit jener spartanischen Strenge zu tun hat, die uns  Dogmatiker und Diktatoren immer wieder als &#8220;klassisch&#8221; anpreisen. <br> <br> Besonders subtil und organisch ist die Anbindung des folgenden  Larghettos (Es-Dur) an den Kopfsatz: Aus der Codagestalt des Kopfmotivs,  die die Schlu\u00dftakte des ersten Satzes beherrscht, erw\u00e4chst der  charakteristische Auftakt zum Hauptthema des folgenden Satzes. Die schon  oben erw\u00e4hnte N\u00e4he des Werkes zum B-Dur-Klavierkonzert KV 450 zeigt  sich hier nicht weniger als im vorigen Satz; auch hier entsprechen  Tonart, Charakter und formale Einzelz\u00fcge dem jeweiligen konzertanten  Gegenst\u00fcck. Der au\u00dfergew\u00f6hnlich weitr\u00e4umige Satz hat jedoch eine sehr  eigenwillige Form, in der Elemente eines Rondos mit solchen eines  Variationssatzes zu einer v\u00f6llig homogenen Einheit verschmelzen, die &#8211;  gleichsam auf Fernwirkung berechnet &#8211; den Eindruck einer dreiteiligen  Liedform vermittelt. Ein Blick ins Autograph (das seit dem Ende des 2.  Weltkrieges in Krakau aufbewahrt wird) zeigt uns, da\u00df eine solche  nat\u00fcrlich gewachsene Einheit auch bei Mozart durchaus das Resultat  suchender Auswahl (und nicht nur &#8220;g\u00f6ttlicher Eingebung&#8221;) ist: Die  zentrale As-Dur-Episode, die f\u00fcr die Physiognomie dieses Satzes so  entscheidend ist, wird an einer Stelle eingef\u00fcgt, an der Mozart zun\u00e4chst  einen ganz anderen (den Variationencharakter verst\u00e4rkenden und  wesentlich &#8220;gew\u00f6hnlicheren&#8221;) Verlauf konzipiert hatte. <br> <br> Wie sehr solche Entscheidungen, die zun\u00e4chst nur den konkreten Ablauf  eines Satzes zu betreffen scheinen, die Gesamtarchitektur eines ganzen  Werkes mitbestimmen k\u00f6nnen, erweist sich exemplarisch am abschlie\u00dfenden  Rondosatz (Allegretto). Die Einf\u00fcgung und besondere Hervorhebung der  Mittelepisode hatte im Larghetto das formale Gewicht so sehr zugunsten  des Rondotyps verschoben, da\u00df sich eine Wiederholung dieses Typs (den  etwa auch der Schlu\u00dfsatz von KV 450 repr\u00e4sentiert) nicht anbot. Daher  verzichtet Mozart in diesem Rondo auf alles, was der Mittelepisode  eigenst\u00e4ndiges thematisches Relief oder harmonische Stabilit\u00e4t geben  k\u00f6nnte und ersetzt sie durch einen Durchf\u00fchrungsteil (was dem Satz  wiederum Z\u00fcge eines Sonatensatzes verleiht); folgerichtig wird aber die  (im Larghetto &#8220;unterentwickelte&#8221;) erste Episode hier besonders betont  und liefert auch das motivische Material f\u00fcr den &#8220;Schlu\u00dfstein&#8221; des  Werkes. Auf diese Weise schafft Mozart einen komplement\u00e4ren Bezug  zwischen Larghetto und Allegretto, der durch die Identit\u00e4t der  melodischen Anfangsgeste beider S\u00e4tze noch dezent hervorgehoben wird.  Zusammen mit dem assoziativen Raffinement, das den ersten Satz an das  Larghetto bindet, ist hiemit ein kaum mehr zu \u00fcberbietendes Ma\u00df an  organischer Koh\u00e4renz des Werkganzen erreicht, ohne da\u00df die  Individualit\u00e4t und inhaltliche Geschlossenheit der Einzels\u00e4tze in  irgendeiner Weise beschnitten erschiene &#8211; eine Meisterleistung, wie wir  sie bei Mozart nur allzugern als &#8220;einfach gegeben&#8221; hinnehmen. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Amadeus Mozart * 27. J\u00e4nner 1756\u2020 05. Dezember 1791 Trio (Terzett) B-Dur KV 502 Komponiert: Wien (Domgasse 5), 18. November 1786 Urauff\u00fchrung: nicht dokumentiert Erstausgabe: Artaria, Wien, November 1788 Am 15.November 1786 starb Mozarts drittes Kind im Alter von wenigen Wochen. 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