{"id":507,"date":"2019-02-13T16:43:06","date_gmt":"2019-02-13T15:43:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=507"},"modified":"2019-02-13T16:43:12","modified_gmt":"2019-02-13T15:43:12","slug":"juon-suite-c-dur-op-89","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/juon-suite-c-dur-op-89\/","title":{"rendered":"Juon: Suite C-Dur op.89"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Paul Juon<\/h3>\n\n\n\n<p>* 23. Februar 1872<br>\u2020 21. August 1940<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Suite C-Dur op.89<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Berlin, 1932<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Bronislaw von Pozniak (1887-1953)<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Challier, Berlin, 1932<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Auf die \u00e4u\u00dferste Konzentration von Juons beiden gro\u00dfen  Trio-Tondichtungen (Litaniae, op.70, und Legende, op.80) mu\u00dfte  zwangsl\u00e4ufig eine spielerische Entspannung folgen. Und so hat Juon 1932,  zwei Jahre nach der Legende und kurz vor seiner &#8220;Heimkehr&#8221; in die  Schweiz, noch ein letztes Werk f\u00fcr Klaviertrio geschrieben, das der  gro\u00dfr\u00e4umigen und dichten Form der vorangegangenen Werke eine lockere  Folge pointiert formulierter und mit leichter Hand skizzierter  Miniaturen gegen\u00fcberstellt. Juon hat den Zyklus dem aus Lemberg  stammenden Pianisten Bronislaw von Pozniak (1887-1953) und seinem Trio  gewidmet. Man k\u00f6nnte in dieser Suite auch eine Huldigung an den  kosmopolitischen Geist der Metropole sehen, die dem Komponisten \u00fcber  fast die ganze Dauer seines sch\u00f6pferischen Lebensweges Heimat war. So  findet sich in diesen f\u00fcnf St\u00fccken, neben vielen anderen Reminiszenzen,  die dem Kulissenfonds eines Variet\u00e9theaters entnommen scheinen, auch  etwas von dem russischen und skandinavischen Kolorit, das Berlin bis zum  Zusammenbruch der Weimarer Republik bewahrte, und zu dem letztlich ja  auch die Figur Paul Juons selbst geh\u00f6rte. Und damit wir auch nicht  vergessen, da\u00df dies auch die Stadt von George Grosz war, mischt sich  immer wieder der schrille und fiebrige Klang einer Jazzband in die  vielstimmige Gro\u00dfstadtmusik.<br> In Juons eigenh\u00e4ndigem Werkverzeichnis tragen die f\u00fcnf S\u00e4tze der Suite  illustrative Titel, die im Druck fehlen &#8211; auch das wohl ein Indiz f\u00fcr  Juons Zwiespalt im Umgang mit &#8220;programmatischen&#8221; Etiketten. Das erste  St\u00fcck (<em>Allegretto<\/em>, C-Dur), eine diatonisch-impressionistische Miniatur hei\u00dft dort schlicht &#8220;Melodia&#8221;, w\u00e4hrend das folgende (<em>Giocoso<\/em>, C-Dur) sehr treffend mit &#8220;Marionette&#8221; betitelt ist. Der Mittelsatz, (<em>Andantino<\/em>,  d-moll, im Werkverzeichnis &#8220;Intermezzo&#8221;) evoziert den Ton eines  wehm\u00fctigen russischen Liedes, dem ein vertr\u00e4umt t\u00e4nzerisches Trio  gegen\u00fcbergestellt wird. Der vierte Satz (<em>Allegretto<\/em>, h-moll) ist  der l\u00e4ngste und kunstvollste der Suite. Er war urspr\u00fcnglich mit  &#8220;Odaliske&#8221; \u00fcberschrieben: Da\u00df es sich dabei um eine maurische Szene  handelt, wird mit pointiert hispanisierenden Wendungen klargestellt &#8211;  und da\u00df sich der languid-laszive Grundton des St\u00fcckes zwischendurch zu  ekstatischer Frenetik steigert, l\u00e4\u00dft die Unterdr\u00fcckung des Titels schon  aus Jugendschutzgr\u00fcnden als berechtigt erscheinen. Dagegen w\u00e4re die  vorgesehene Bezeichnung des Schlu\u00dfst\u00fcckes (<em>Allegro giusto<\/em>, C-Dur)  als &#8220;Barbarentanz&#8221; ganz einfach eine Tautologie gewesen: Hier verbindet  sich der Nachhall jener heidnischen, &#8220;skythischen&#8221; Wildheit, die im  Ru\u00dfland der Jahrhundertwende mit solcher Vorliebe beschworen wurde, mit  der eine Generation sp\u00e4ter modischen &#8220;Gro\u00dfstadtbarbarei&#8221; der &#8220;roaring  twenties&#8221; zu einem effektvoll-ironischen Schlu\u00dfpunkt unter das ebenso  widerspr\u00fcchliche wie vielschichtige Klaviertrioschaffen Paul Juons. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Juon * 23. Februar 1872\u2020 21. 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