{"id":505,"date":"2019-02-13T16:42:24","date_gmt":"2019-02-13T15:42:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=505"},"modified":"2019-02-13T16:42:31","modified_gmt":"2019-02-13T15:42:31","slug":"juon-legende-trio-nr-5-d-moll-op-83","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/juon-legende-trio-nr-5-d-moll-op-83\/","title":{"rendered":"Juon: Legende [Trio Nr.5], d-moll, op.83"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Paul Juon<\/h3>\n\n\n\n<p>* 23. Februar 1872<br>\u2020 21. August 1940<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Legende [Trio Nr.5], d-moll, op.83<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Berlin, 1929<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Eug\u00e8ne Couvreu (1862-1945)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Berlin, Akademie der K\u00fcnste, 6. November 1929<br>\nGeorg Schumann (1866-1952), Klavier<br>\nWilly Hess (1859-1939), Violine<br>\nGeorg Wille (1869-1958), Violoncello<br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Birnbach, Berlin, 1930<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Die selben Qualit\u00e4ten, die uns in der 1918 konzipierten Tondichtung  Litaniae begegneten, zeichnen auch die im Jahr der Neufassung dieses  Werkes (1929) komponierte und Eug\u00e8ne Couvreu gewidmete Legende aus. Das  zwischen beiden Entw\u00fcrfen liegende Jahrzehnt hat aber das Idiom des  Komponisten noch um einen deutlichen Grad komplizierter werden lassen.  Unter den Klaviertrios Juons ist dieses Werk sicher das schwierigste und  anspruchsvollste, wenn man auch mit einigem Recht die vorangehende  Litaniae als das &#8220;gegl\u00fccktere&#8221; bezeichnen k\u00f6nnte. Aber das liegt wohl an  der Natur der Sache selbst: Wir sind hier aus der zeitlosen Welt des  Traumes in die gebrochene und verfremdete Zeitlichkeit der Legende  eingetreten. Die Szenen der Erz\u00e4hlung erinnern wirklich ein wenig an die  Phantastik mittelalterlicher Hagiographie, aber durchaus nicht im Stile  des Jacobus de Voragine, sondern etwa so, wie sie Vittore Carpaccio vom  gesicherten Boden der Renaissance aus wiederbelebte. Naive  Ritterlichkeit, Glaubenseinfalt, m\u00e4rchenhafter Spuk &#8211; alle diese  Elemente sind hier vereint, doch gewisserma\u00dfen nicht aus erster Hand,  sondern nacherlebt aus der Distanz eines komplizierten und  widerspr\u00fcchlichen modernen Geistes. Unwillk\u00fcrlich f\u00fchlt man sich an  einen Ausspruch Thomas Manns erinnert, der ja in seinem Roman &#8220;Der  Erw\u00e4hlte&#8221; zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter ein durchaus vergleichbares Experiment  unternommen hat und das kreative Dilemma seiner Generation in die Worte  fa\u00dfte: &#8220;Stilistisch gibt es f\u00fcr mich eigentlich nur noch die Parodie.&#8221;  Um kein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis aufkommen zu lassen: Es ist hier nicht von  &#8220;Parodie&#8221; im landl\u00e4ufigen Sinn als einer Verzerrung ins Komische die  Rede, sondern von &#8220;Parodie&#8221; in der urspr\u00fcnglichen antiken Bedeutung des  Wortes (die Thomas Mann genau so gel\u00e4ufig war wie jedem Kenner der  Renaissancemusik), n\u00e4mlich als die Kunst, zu etwas schon Bestehendem  einen &#8220;Gegengesang&#8221; zu erfinden. Es liegt auf der Hand, da\u00df  Ausdrucksformen dieser Art, deren Reiz in der F\u00fclle der durch sie  geweckten Erinnerungen liegt, charakteristisch f\u00fcr Zeiten der \u00dcberreife  und des Umbruchs sind. Indem Juon f\u00fcr sein letztes gro\u00dfes  Kammermusikwerk diese vielschichtige und komplexe Form w\u00e4hlt, fa\u00dft er  noch einmal die Summe seines musikalischen Erbes in beeindruckender und  ber\u00fchrender Weise zusammen. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Juon * 23. Februar 1872\u2020 21. August 1940 Legende [Trio Nr.5], d-moll, op.83 Komponiert: Berlin, 1929 Widmung: Eug\u00e8ne Couvreu (1862-1945) Urauff\u00fchrung: Berlin, Akademie der K\u00fcnste, 6. 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