{"id":499,"date":"2019-02-13T16:40:02","date_gmt":"2019-02-13T15:40:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=499"},"modified":"2019-02-13T16:40:12","modified_gmt":"2019-02-13T15:40:12","slug":"juon-trio-caprice-nach-selma-lagerloefs-goesta-berling-h-moll-op-39-trio-no-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/juon-trio-caprice-nach-selma-lagerloefs-goesta-berling-h-moll-op-39-trio-no-2\/","title":{"rendered":"Juon: Trio-Caprice nach Selma Lagerl\u00f6fs &#8220;G\u00f6sta Berling&#8221;, h-moll, op.39 [Trio No.2]"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Paul Juon<\/h3>\n\n\n\n<p>* 23. Februar 1872<br>\u2020 21. August 1940<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio-Caprice nach Selma Lagerl\u00f6fs &#8220;G\u00f6sta Berling&#8221;, h-moll, op.39 [Trio No.2]<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Berlin, 1907\/08<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Russisches Trio (Russkoe Trio)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>M\u00fcnchen, ADMV, 5. Juni 1908<br>\nRussisches Trio (Russkoe Trio)<br>\nVera Maurina (1876-1969), Klavier<br>\nIosif Issakovic (Joseph) Press (1871-1938), Violine<br>\nMoisej Issakovic (Michael) Press (1881-1924), Violoncello<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Schlesinger, Berlin, 1908<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Juons zweites Klaviertrio erschien im Jahre 1908 mit einer Widmung an  jenes Ensemble, das sich \u00fcber die ganze Zeit seines Bestehens am  nachhaltigsten und erfolgreichsten f\u00fcr das Werk des Komponisten  eingesetzt hat und das auch dieses Opus urauff\u00fchrte: das Russische Trio.  Juons Studienkollege Josef Press (1881-1924), der als einer der besten  Repr\u00e4sentanten der Moskauer Geigenschule galt, hatte dieses Ensemble  1906 zusammen mit seiner Frau Vera Maurina (Klavier) und seinem Bruder  Michael Press (Violoncello) gegr\u00fcndet. In den Vorkriegsjahren residierte  das Trio in Berlin und geh\u00f6rte zu Juons engerem Freundeskreis. Auch  Selma Lagerl\u00f6f (1858-1940), die sich schon mit ihrem Erstlingswerk  &#8220;G\u00f6sta Berlings Saga&#8221; (1891) Weltruhm erworben hatte, hatte Juon in  Berlin kennengelernt. Seine Bewunderung f\u00fcr die Eigenart der gro\u00dfen  Dichterin dr\u00fcckte er in zwei gro\u00dfangelegten Kammermusikkompositionen  aus: der Rhapsodie op.37 f\u00fcr Klavierquartett (1907) und unserer im  darauffolgenden Jahr beendeten Trio-Caprice. <br> <br> Zum Verh\u00e4ltnis zwischen literarischer Vorlage und ihrer musikalischen  Ausdeutung bemerkte der Komponist anl\u00e4\u00dflich der Urauff\u00fchrung des Werkes:  &#8220;Dieses Werk ist durch Selma Lagerl\u00f6fs \u00bbG\u00f6sta Berling\u00ab angeregt worden,  doch soll es keine Programmusik im \u00fcblichen Sinne sein, denn es will  weder bestimmte Vorg\u00e4nge oder Situationen noch gewisse Personen  musikalisch charakterisieren. Vielmehr hat der eigenartige Stil des  Lagerl\u00f6fschen Buches &#8211; das Launenhafte, Kaprizi\u00f6se, das Rhapsodische und  Episodische desselben, also gewisserma\u00dfen die Stimmung des Buches im  ganzen &#8211; die Komposition der Trio-Caprice beeinflu\u00dft.&#8221; <br> <br> Der erste Satz (Moderato non troppo, h-moll) entwickelt auf rhapsodische  Weise zwei Grundgedanken, die nur mehr sehr bedingt als &#8220;Haupt-&#8221; und  &#8220;Seitenthema&#8221; eines Sonatensatzes gedeutet werden k\u00f6nnen. In allen  Teilen der Gro\u00dfform ABABA wird das Material assoziativ verarbeitet und  verkn\u00fcpft, wobei der dritte Abschnitt am deutlichsten  durchf\u00fchrungsartige Z\u00fcge aufweist, w\u00e4hrend die Eckteile einander  spiegelbildlich entsprechen und als Exposition und (invertierte) Reprise  fungieren. <br> <br> Auch in den als unzertrennliche Einheit konzipierten Mittels\u00e4tzen  (Andante, G-Dur, und Scherzo. Vivace, d-moll) ist die formale  Dramaturgie des traditionellen viers\u00e4tzigen Zyklus erkennbar, aber auf  sehr pers\u00f6nliche und charakteristische Weise umgedeutet und  neugestaltet: Im Andante wird ein weitr\u00e4umiges, zwischen Dur und Moll  irisierendes Thema nicht etwa &#8220;variiert&#8221;, sondern von seinem  harmonischen Fundament abgel\u00f6st, auf dem sich dann ein v\u00f6llig  andersgeartetes Nachfolgethema breitmacht. Am Spiel zwischen diesen  beiden &#8220;Verkleidungen&#8221; desselben Ger\u00fcstes l\u00e4\u00dft sich die f\u00fcr die Musik  des Jugendstils so typische Spannung zwischen archaisch-volksliedm\u00e4\u00dfigen  und urban-salonhaften Elementen wieder besonders gut nachvollziehen.  Juon n\u00fctzt die sich aus der Verschiedenartigkeit dieser Elemente  ergebenden M\u00f6glichkeiten mit sicherer Hand aus und versteht es auch, im  nachfolgenden Scherzo einen saltarelloartigen Hauptteil mit einem  marschm\u00e4\u00dfigen Trio (in das er noch Zitate der vorangehenden beiden S\u00e4tze  einflicht) so m\u00fchelos zu verbinden, da\u00df sich aus all diesen heterogenen  Schichten doch noch eine zwingende Einheit ergibt. Das am Schlu\u00df des  Scherzos wiederholte Incipit des Andante ist daher nicht eine  leitmotivische Pflicht\u00fcbung, sondern folgerichtiger Ausdruck organischer  Koh\u00e4renz. <br> <br> In analoger Weise m\u00fcndet das eigenwillige Finale (Risoluto, h-moll), in  dem der schwedische Landpastor G\u00f6sta Berling uns etliche Male in  akzentfreiem (und recht ungeb\u00e4rdigem) Russisch anzuspechen scheint, in  eine hymnische Beschw\u00f6rung der beiden Leitthemen des ersten Satzes,  bevor die Schlu\u00dfwendung des Andante-Themas, die jetzt alle fragende  Nachdenklichkeit abgeworfen hat, dem Satz ein grimmiges Ende bereitet.  Angesichts der F\u00fclle dieser R\u00fcckgriffe und Querverbindungen ist es  besonders bemerkenswert, da\u00df Juon es verstand, diesem Satz eine lapidare  zweiteilige Form zu geben, deren dramaturgisch begr\u00fcndete  Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten dadurch kompensiert werden, da\u00df der Beginn des  zweiten Teiles mit mathematischer Pr\u00e4zision in die Satzmitte f\u00e4llt &#8211; ein  weiterer Beleg daf\u00fcr, da\u00df rhapsodische Impulsivit\u00e4t und formales Kalk\u00fcl  einander nicht ausschlie\u00dfen m\u00fcssen. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Juon * 23. Februar 1872\u2020 21. August 1940 Trio-Caprice nach Selma Lagerl\u00f6fs &#8220;G\u00f6sta Berling&#8221;, h-moll, op.39 [Trio No.2] Komponiert: Berlin, 1907\/08 Widmung: Russisches Trio (Russkoe Trio) Urauff\u00fchrung: M\u00fcnchen, ADMV, 5. 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