{"id":491,"date":"2019-02-13T16:36:35","date_gmt":"2019-02-13T15:36:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=491"},"modified":"2019-02-13T16:36:40","modified_gmt":"2019-02-13T15:36:40","slug":"haydn-sonate-f-dur-op-45-nr-1-hob-xv6-1784","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydn-sonate-f-dur-op-45-nr-1-hob-xv6-1784\/","title":{"rendered":"Haydn: Sonate F-Dur, op. 45 Nr. 1\/Hob. XV:6 (1784)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sonate F-Dur, op. 45 Nr. 1\/Hob. XV:6 (1784)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Eszterh\u00e1za, 1784 <\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>M\u00e1ria Anna Viczay de H\u00e9d\u00e9rvar et Loos (Nagyl\u00f3zs), geborene Grassalkovics de Gyarak (1760-1815)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Artaria, Wien, April 1786<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Als die Wiener Zeitung am 26. April 1786 endlich das Erscheinen von  drei neuen Haydnschen Klaviertrios anzeigen konnte, hatte dieses Opus,  das die endg\u00fcltige R\u00fcckkehr Haydns auf dieses von ihm so lange  vernachl\u00e4ssigte Gebiet besiegelt, schon einiges \u00fcber sich ergehen lassen  m\u00fcssen. Der Komposition der drei Werke waren \u00fcber mehrere Jahre hinweg  immer erneuerte Anfragen und Ersuchen vorausgegangen, die den Meister  auf das in seinen Jugendjahren so liebevoll und originell bedachte  Terrain zur\u00fccklocken sollten. Ein wenig unwillig hatte Haydn im Herbst  1784 dann endlich eine Dreiergruppe von Trios f\u00fcr den besonders  beharrlichen Londoner Verleger William Forster sen.  (1739-1808) \u201efertig  gemacht\u201c, genauer gesagt: er hatte sein zu diesem Zweck komponiertes  G-Dur-Trio (Hob. XV:5) zusammen mit zwei Werken seines begabten Sch\u00fclers  Ignaz Pleyel (1757-1831) am 25. Oktober 1784 aus Eszterh\u00e1za an Forster  nach London geschickt. Die Weiterungen, die dieser (in jener Zeit  allerdings fast allt\u00e4gliche) \u201eEtiquettenschwindel\u201c nach sich zog,  einschlie\u00dflich des sich daran anschlie\u00dfenden Gerichtsprozesses, der  Haydn noch bei seinem zweiten Londoner Aufenthalt 1794 besch\u00e4ftigen  sollte, sind in der Haydn-Literatur besonders breit und akribisch  beschrieben worden, und wir k\u00f6nnen uns daher weitere Er\u00f6rterungen dieser  ein wenig peinlichen Angelegenheit ersparen. <br> Man k\u00f6nnte freilich den Eindruck gewinnen, die Verwendung fremden  Eigentums zur Befriedigung der immer dringender werdenden Nachfrage nach  den modischen Klaviertrios dr\u00fccke vor allem Haydns Desinteresse an der  Sache aus. Wenn es wahrscheinlich auch einen Zeitpunkt gegeben hat, f\u00fcr  den das wirklich zutrifft, so folgt doch aus Haydns Verhalten in den  folgenden Monaten, da\u00df die eher unfreiwillige Widerbegegnung mit seiner  kammermusikalischen \u201eJugendliebe\u201c in ihm \u2013 vielleicht sogar  f\u00fcr ihn  selbst recht \u00fcberraschend \u2013 ein neues Feuer entfacht hatte. Denn im Zuge  der Vorarbeiten zu seiner gro\u00dfangelegten (und bei seinem Tod  unvollendet gebliebenen) Haydn-Biographie konnte Carl Ferdinand Pohl am  16. April 1868 im Esterh\u00e1zyschen Archiv ein mit 1784 datiertes  fragmentarisches Autograph eines zus\u00e4tzlichen, nicht an Forster  gesandten (und wahrscheinlich nach dem 25. Oktober 1784 komponierten)  Klaviertrios, eben unseres F-Dur-Trios Hob. XV:6 einsehen \u2013 diese auf  acht Partiturseiteneiten die ersten 100 Takte des Kopfsatzes unseres  Werkes umfassende kostbare Quelle ist seither spurlos verschwunden.<br> Das Autograph des zweiten f\u00fcr Artaria komponierten Trios der neuen  Serie, Hob. XV:7, D-Dur, ist eines der ganz wenigen Klaviertrios, deren  Autograph vollst\u00e4ndig erhalten ist \u2013 es befindet sich in Londoner  Privatbesitz und ist (wie das ebenfalls komplett eigenschriftlich  \u00fcberlieferte A-Dur Trio aus der zweiten Forster-Gruppe) mit 1785  datiert. Die beiden anderen Werke, mit denen Haydn unser F-Dur-Werk zu  einer Triade f\u00fcr den Wiener Verleger Artaria vervollst\u00e4ndigte (dem  D-Dur-Trio folgte als Abschlu\u00df der Serie ein Trio in B-Dur, Hob. XV:8,  von dessen Autograph sich keine Spur erhalten hat), waren also allem  Anschein nach noch deutlich vor der n\u00e4chsten, am 28. Oktober 1785 an  William Forster \u00fcbersandten Werkgruppe fertig. (Diese sollte dann die  zwei Originalwerke Hob. XV:9, A-Dur, und Hob. XV:10, Es-Dur, beinhalten,  zwischen die Haydn die Bearbeitung eines wesentlich fr\u00fcher entstandenen  Werkes f\u00fcr Cembalo, Baryton und zwei Geigen, Hob. XV:2, F-Dur,  stellte.) <br> Haydn mu\u00df die Stichvorlagen zu der Werkserie Hob. XV:6-8 sp\u00e4testens im  Fr\u00fchherbst an Artaria \u00fcbergeben haben. Im Unterschied zu den beiden f\u00fcr  London bestimmten Opera hatte Haydn diesmal \u2013 und auch das spricht  daf\u00fcr, da\u00df man hier den Beginn einer neuen Etappe in Haydns Trioschaffen  sehen darf \u2013 eine Widmungstr\u00e4gerin bestimmt: Die drei neuen Trios waren  der 25j\u00e4hrigen Enkelin von F\u00fcrst Nikolaus Esterh\u00e1zy, M\u00e1ria Anna  Grassalkovics, zugedacht, die schon 1776 am Vorabend ihres 16.  Geburtstages in Eisenstadt an Graf Mih\u00e1ly Viczay de H\u00e9derv\u00e1r et Loos  verheiratet worden war. <br> Da\u00df Haydn dieser Widmung besondere Bedeutung beima\u00df, l\u00e4\u00dft sich zwischen  den Zeilen des folgenden Briefes an seinen Wiener Verleger Francesco  Artaria (1744-1808) lesen, mit dem er am 26. November 1785 aus  Eszterh\u00e1za die Fertigstellung des Stiches urgiert:<br> <br> Liebster Freund!<br> Bitte sehr h\u00f6fflich, mich mit Montagigen f\u00fcrstlichen Husaren zu  berichten, ob meine Sonaten schon gestochen, und wan Sie dieselbe der  gr\u00e4fin Witzey \u00fcbergeben werden; die ursach, warum ich es gerne wissen  m\u00f6cht, ist, weil ich noch vor unserer abrei\u00df, welche l\u00e4ngstens in 14  tagen geschehen wird, der gr\u00e4fin auf Ihr. Gut eine Visit machen m\u00f6chte;  ich wartete immer auf den Ersten abdruck deren Sonaten um sie zu  Cor[ri]giren, weil ein fehler ist, der verbessert werden mus.<br> <br> Haydns Formulierung \u201eich wartete immer\u201c l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die  \u201eSonaten\u201c, eben unsere drei neuen Klaviertrios, sich schon geraume Zeit  im Besitz Artarias befunden haben m\u00fcssen. Was der \u201ef\u00fcrstliche Husar\u201c  zwei Tage sp\u00e4ter zu berichten hatte, wissen wir nicht, aber immerhin  hatte Haydns Schreiben zur Folge, da\u00df der Komponist zwei Wochen sp\u00e4ter,  am 8. Dezember 1785, endlich den Korrekturabzug in Empfang nehmen  konnte. Das Entsetzen, das ihn beim Anblick dieser Probefahnen erfa\u00dfte,  verschlug ihm zun\u00e4chst die Rede, aber am 10. Dezember machte er, nachdem  er sich einen ersten \u00dcberblick \u00fcber das Ausma\u00df der Katastrophe  verschafft hatte, seinem \u00c4rger Luft:<br> <br> Mon tres cher Amj!<br> <br> Ich erhielte vorgestern die Clavier Sonaten mit gr\u00f6ster Verwunderung des  schlechten stiches wegen, und denen so vielen \u00e4rgerlichen fehlern,  welche in allen stimen besonders in der Clavier stim ansehen muste, ich  ware anfangs So toll, da\u00df ich Ihnen das geld zur\u00fcck senden, und die  Partitur deren Sonaten augenblicklich nach berlin den Herrn Hummel  zusenden wollte, weil ich mir wegen denen hier, und da, unlesbahren,  \u00fcbel, aus-, und eingetheilten Stellen wenig Ehre, und Sie hiedurch wenig  Nutzen verschaffen werden. Jeder, der Sie kaufft, wird bey Abspiellung  \u00fcber den Stecher fluchen, und zu spielen aufh\u00f6ren. [&#8230;] ich wollte  lieber aus mein. eigenen Sack noch 2 blatten gezahlt haben, als solche  Verw\u00fcrrung ansehen. Jeder Meister hat zu studiren, bis er diese Stelle  auseinander setzt, was wird erst der Dilettante machen. [&#8230;]  Versetzte  Notten, ausgelassene Notten giebt es gewaltig Viel; [&#8230;]  ich hab  gestern den ganzen und heut den halben tag mit Cor[ri]giren zugebracht,  und da hab ich es nur obenhin \u00fcberschaut.<br> bester Freund, machen Sie demnach, da\u00df alles verbessert wird, sonst  haben w\u00fcr beede wenig Ehre \u2013 \u00fcbrigens hoffe ich Sie selbst bald zu  sehen, und bin mit aller Hochachtung\/Dero<br> ganz gehorsamer diener<br> Joseph Haydn mppria<br> <br> Ob Haydn den geplanten Besuch bei der jungen Widmungstr\u00e4gerin der Trios  auf ihrem Gut in Nagyl\u00f3zs \u2013 etwa 14 km s\u00fcdwestlich von Eszterh\u00e1za \u2013  trotz der h\u00f6chst unbefriedigenden \u00e4u\u00dferen Form seines Geschenks wirklich  gemacht hat oder nicht, ist nicht \u00fcberliefert. Hingegen l\u00e4\u00dft sich aus  den Quellen schlie\u00dfen, da\u00df Francesco Artaria sich schlie\u00dflich keinen  anderen Ausweg aus der verfahrenene Situation wu\u00dfte, als seinen Mainzer  Konkurrenten Bernhard Schott (1748-1809) um Hilfe zu bitten, denn dieser  berichtet in einem Schreiben an Johann Georg Batton (1740-1828), den  Canonicus und Bibliothekar des Frankfurter Bartholom\u00e4usstiftes, vom 3.  J\u00e4nner 1786 ganz nebenbei:<br> <br> \u201eArtaria hat mich gebeten die verdorbenen Klaviertrios f\u00fcr die Gr\u00e4fin  Witzay zu reparieren. Ich werde sie also schleunigst stechen.\u201c<br> <br> Die kollegiale Hilfe wurde freilich nicht an die gro\u00dfe Glocke geh\u00e4ngt \u2013  denn au\u00dfer diesem recht versteckten Indiz, das nur dem unbestechlichen  Kriminalistenblick des leidenschaftlichen Haydnforschers Anthony van  Hoboken nicht entgehen konnte, finden sich keine weiteren Belege daf\u00fcr,  da\u00df (wie anzunehmen ist) das Ende April endlich dem Publikum vorgelegte  Druckwerk in Mainz und nicht in Wien gestochen wurde; eine, wie man es  auch wendet, blamable Schlappe f\u00fcr das Wiener Verlagshaus, das \u00fcbrigens  selbst von einem in Mainz gegr\u00fcndeten Unternehmen (Giovanni Artaria  &amp; Co., 1765) abstammt.<br> Immerhin scheint das Ergebnis der Rettungsaktion so erfreulich gewesen  zu sein, da\u00df Friedrich Rellstab (1759-1813), der Vater des sp\u00e4ter von  Schubert im \u201eSchwanengesang\u201c verewigten Dichters und Gr\u00fcnder der ersten  Berliner Musikalienhandlung, bei der Ank\u00fcndigung des Erscheinens der  neuen Trioreihe in den \u201eK\u00f6niglich privilegierten Berlinischen  Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen\u201c (vulgo der \u201eSpenerschen  Zeitung\u201c) am 3. Juni 1786 unwidersprochen \u201evom Wiener pr\u00e4chtigen  Originalstich\u201c schreiben konnte \u2013 und somit war Wiens Ehre als  Musikstadt wieder einmal gerettet. <br> <br> Die Sonaten selbst haben aber freilich zum Ruhm Wiens noch weit mehr  beigetragen als der nicht ganz lupenreine \u201epr\u00e4chtige Originalstich\u201c; und  da\u00df die drei Trios im Konzertleben nicht \u00f6fter zu h\u00f6ren sind, mag zwar  mit der F\u00fclle der im folgenden Jahrzehnten entstandenen j\u00fcngeren  Schwesterwerke zu erkl\u00e4ren sein, bedauerlich bleibt es allemal. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. Mai 1809 Sonate F-Dur, op. 45 Nr. 1\/Hob. XV:6 (1784) Komponiert: Eszterh\u00e1za, 1784 Widmung: M\u00e1ria Anna Viczay de H\u00e9d\u00e9rvar et Loos (Nagyl\u00f3zs), geborene Grassalkovics de Gyarak (1760-1815) Urauff\u00fchrung: nicht dokumentiert Erstausgabe: Artaria, Wien, April 1786 Als die Wiener Zeitung am 26. 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