{"id":485,"date":"2019-02-13T16:34:03","date_gmt":"2019-02-13T15:34:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=485"},"modified":"2019-02-13T16:34:09","modified_gmt":"2019-02-13T15:34:09","slug":"haydn-trio-es-dur-hob-xv30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydn-trio-es-dur-hob-xv30\/","title":{"rendered":"Haydn: Trio Es-Dur Hob.XV:30"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Es-Dur Hob.XV:30<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, beendet vor dem 9. November 1796<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Artaria, Wien, Oktober 1797<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Schon am 16. April 1796 k\u00fcndigt Haydn seinem Verleger Christoph  Gottlob Breitkopf &#8211; &#8220;nur noch ein wenig geduld, Sie werden Geld und  Music erhalten&#8221; &#8211; die \u00dcbersendung dieses Werkes an, das er aber dann  doch erst am 9. November 1796 abschicken kann. Die &#8220;versprochene  Claviersonate&#8221; ist Haydns letztes Klaviertrio und ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df  f\u00fcr diese in der Geschichte unseres Genres einzigartige Werkreihe; sie  ist dar\u00fcber hinaus auch Haydns letzte Komposition f\u00fcr Klavier &#8211; alle  weiteren Pl\u00e4ne sind \u00fcber das Entwurfstadium nicht hinausgediehen. An  Weite der Anlage und harmonischem Reichtum \u00fcbertrifft dieses Trio fast  alle seine Vorg\u00e4nger, unter denen es allerdings einige gibt, die formal  und idiomatisch noch weiter in bis dahin unerforschtes Neuland  vordringen. <br> <br> Der erste Satz (Allegro moderato) entfaltet einen sogar f\u00fcr Haydn  ungew\u00f6hnlichen Ideenreichtum. Man hat in etlichen Details ebenso wie in  der Gesamtanlage dieses pr\u00e4chtigen Satzes den Nachklang mozartischer  Modelle zu h\u00f6ren gemeint; mir scheint aber eher, da\u00df Haydn hier in  gr\u00f6\u00dfter Abrundung und Vollendung die Quintessenz seiner ureigensten  Errungenschaften und Erfahrungen vorlegt &#8211; und nur in dieser Brechung  ist nat\u00fcrlich auch der Schatten Mozarts gegenw\u00e4rtig. Die Exposition  quillt f\u00f6rmlich \u00fcber von thematischem Material, das auf subtilste Weise  miteinander verkn\u00fcpft wird. Eben diese Verkn\u00fcpfung ist es, in der Haydn  seine ganze Meisterschaft erweist. Ein unscheinbares Motiv, das im  ersten Takt als Begleitung versteckt auftritt, dient in den  verschiedensten Metamorphosen als Klammer zwischen den einzelnen  Formteilen. Zwei voll entwickelte Hauptthemen werden vor uns  ausgebreitet, bevor uns eine Variation des ersten gleichsam durch einen  Nebeneingang zum Seitensatz f\u00fchrt. Bei dieser Gelegenheit tritt ein  zweites, in der Tat ganz mozartisch anmutendes Klammermotiv (eine  Achtelkette von &#8220;Sospiri&#8221;) auf, das sich zuvor an unscheinbarer Stelle  im zweiten Hauptthema verborgen hatte und erst nun seine  Wandlungsf\u00e4higkeit erweisen kann. Bemerkenswert und au\u00dfergew\u00f6hnlich ist  die Wahl der Molldominante als Tonart f\u00fcr das zweite Seitenthema &#8211; einer  Tonart, die im Idiom der Wiener Klassik meist ein Vorbote  au\u00dfergew\u00f6hnlicher Komplikationen ist, zumal wenn sie an so prominenter  Stelle auftritt. Hier k\u00fcndigt sie aber nur die erstaunliche Erweiterung  des harmonischen Horizontes an, die uns in der Durchf\u00fchrung erwartet.  Dabei erweist sich wieder einmal, da\u00df auch entfernteste Tonarten nicht  willk\u00fcrlich, einer Genielaune folgend, sondern nur in Erf\u00fcllung einer  inneren organischen Notwendigkeit aufgesucht werden. So erstaunt es uns  nicht, gleich am Eingang der Durchf\u00fchrung nacheinander jene  Trabantentonarten von Es-Dur zu finden, die uns schon aus anderem  Zusammenhang vertraut sind (vgl. Hob.XV:29 und Hob.XV:31): Das erste  Hauptthema erscheint in Ces(H)-Dur, w\u00e4hrend uns das zweite unmittelbar  darauf in einer es-moll-Verkleidung entgegentritt. Von hier aus f\u00fchrt  uns Haydn gleichsam auf einem Saumpfad \u00fcber Des-Dur, es-moll, f-moll und  c-moll zur\u00fcck zur Tonika, von der die nach all diesen Abenteuern  unerwartet regelm\u00e4\u00dfige Reprise ihren Ausgang nimmt. <br> <br> Auch der zweite Satz (Andante con moto, C-Dur) verr\u00e4t in jedem Takt den  reifen Meister. Der f\u00fcr einen langsamen Satz eher ungebr\u00e4uchliche  Dreiachteltakt (von Haydn in keinem seiner anderen Trios in dieser  Funktion verwendet) sorgt f\u00fcr einen leichten Flu\u00df, der uns scheinbar  schwerelos \u00fcber das chromatisch bl\u00fchende Terrain tr\u00e4gt. Der rastlosen  Modulatorik der Ecks\u00e4tze steht hier eine unersch\u00fctterliche Stabilit\u00e4t  gegen\u00fcber &#8211; die Grundtonart C-Dur herrscht uneingeschr\u00e4nkt \u00fcber den  ganzen Satz. Allerdings ist diese Tonart selbst (Variante der  Mollparallele) schon eine kleine Kostbarkeit: Haydn scheint eine  besondere Vorliebe f\u00fcr diese nicht sehr naheliegende Verwandtschaft  besessen zu haben &#8211; in seinen sp\u00e4ten Trios kommt sie gleich viermal vor  (Hob.XV:20, Hob XV:25, Hob.XV:27, Hob.XV:30) -, und Beethoven hat diese  Neigung vielleicht von seinem Lehrmeister geerbt, wie sich etwa aus  seinen aus eben dieser Zeit stammenden Werken op.1\/Nr.2 (Klaviertrio  G-Dur) und op.7 (Klaviersonate Es-Dur) schlie\u00dfen lie\u00dfe. (\u00dcbrigens werden  wir Beethoven noch ein gutes Jahrzehnt sp\u00e4ter diesem Erbe treu finden &#8211;  und zwar wieder in einem in Es-Dur stehenden Schl\u00fcsselwerk der  Klaviertrioliteratur: op.70\/Nr.2). &#8211; Die Form des Satzes ist die  &#8220;gew\u00f6hnliche&#8221; dreiteilige Liedform &#8211; aber mit welchem Raffinement und  welcher Freiheit gehandhabt! Durch dezent eingesetzte Asymmetrie  versteht Haydn es, dem ganzen Satz einen Anschein improvisatorischer  Freiheit zu geben. Vor allem aber gelingt ihm das seltene Kunstst\u00fcck,  die Wiederholung des Hauptteils durch Angleichung der Textur und  Vertauschen einzelner Abschnitte so innig mit dem Mittelteil zu  verschmelzen, da\u00df das (\u00fcblicherweise in langsamen S\u00e4tzen durchaus  erw\u00fcnschte) statische Element dieser Bauart v\u00f6llig aufgehoben erscheint.  <br> <br> Nicht einmal f\u00fcr die \u00dcberleitung zum attacca anschlie\u00dfenden Presto wird  die Grundtonart des zweiten Satzes verlassen. Direkt von der Dominante  G-Dur aus werden wir in den ungeb\u00e4ndigten \u00dcbermut dieses entfesselten  &#8220;Deutschen Tanzes&#8221; entlassen. Hier erkl\u00e4rt sich auch r\u00fcckblickend, warum  dem Komponisten so sehr an der Aufrechterhaltung des Flusses und der  Dynamisierung der Form im Andante gelegen war. Er hat n\u00e4mlich auch f\u00fcr  diesen Schlu\u00dfsatz die dreiteilige Form gew\u00e4hlt, wobei der Tanzcharakter  eine &#8220;genaue&#8221;, unverschleierte Reprise w\u00fcnschenswert erscheinen lie\u00df.  Durch die so grunds\u00e4tzlich andere Handhabung des gleichen Formschemas im  vorhergehenden Satz vermeidet er auch den leisesten Anflug von  Stereotypie. Im Mittelteil finden wir wieder unsere alten Bekannten  es-moll und H-Dur in fulminanter Aktion &#8211; diesmal in kroatischer  Bauerntracht. Eine geistreiche und brillante Coda setzt einen lapidaren  Schlu\u00dfpunkt unter Haydns letztes Klaviertrio. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. Mai 1809 Trio Es-Dur Hob.XV:30 Komponiert: Wien, beendet vor dem 9. November 1796 Urauff\u00fchrung: nicht dokumentiert Erstausgabe: Artaria, Wien, Oktober 1797 Schon am 16. 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