{"id":479,"date":"2019-02-13T16:31:50","date_gmt":"2019-02-13T15:31:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=479"},"modified":"2019-02-13T16:31:57","modified_gmt":"2019-02-13T15:31:57","slug":"haydn-trio-d-moll-hob-xv23-op-71-nr-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydn-trio-d-moll-hob-xv23-op-71-nr-3\/","title":{"rendered":"Haydn: Trio d-moll Hob.XV:23 (op.71 Nr.3)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio d-moll Hob.XV:23 (op.71 Nr.3)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>London, 1794\/95<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Marie Hermenegildis Esterh\u00e1zy, geb. F\u00fcrstin Liechtenstein<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Preston, London, Mai 1795<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth05_600x746.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-QivPAboi\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth05_200x249.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Das  Trio in d-moll (Hob.XV:23) schlie\u00dft den zweiten der beiden den  F\u00fcrstinnen Esterh\u00e1zy gewidmeten Zyklen ab. Die Parallelen zu dem  Molltrio der ersten Serie (Hob.XV:19) sind frappant. Hier wie dort folgt  einem er\u00f6ffnenden Zwei-Viertel-Andante in der Form von  Doppelvariationen ein Adagio im Dreivierteltakt, und beide Male w\u00e4hlt  Haydn als Tonart f\u00fcr diesen Mittelsatz die Submediante (Es-Dur f\u00fcr das  g-moll-Trio der ersten Reihe, B-Dur bei unserem d-moll-Trio). Bei so  viel \u00dcbereinstimmung darf man nach dem oben Angek\u00fcndigten auch  wesentliche Unterschiede erwarten: Im Kopfsatz des d-moll-Trios (Molto  Andante) sind beide Thementeile wesentlich knapper gefa\u00dft, wodurch Raum  f\u00fcr eine zus\u00e4tzliche Variation gewonnen wird. So pr\u00e4sentiert sich denn  dieser Satz als ein &#8220;echter&#8221; Variationssatz und kann also auch auf die  formale Artistik einer nachgestellten Sonaten-Variation (wie sie das  Presto des g-moll-Trios bietet) verzichten, die hier durch eine  schlichte Coda ersetzt wird. Auch die Gewichtung zwischen Minore und  Maggiore kehrt die Verh\u00e4ltnisse des Schwesternwerks um: dem (nur durch  das &#8220;\u00fcberz\u00e4hlige&#8221; Presto ausgeglichenen) Mollschwerpunkt des  g-moll-Trios entspricht hier ein \u00dcbergewicht des Durelements. (Und weil  solche Entscheidungen bei unseren gro\u00dfen Meistern ja nie ohne Folgen  bleiben, werden wir bei der Gegen\u00fcberstellung der beiden Finals\u00e4tze eine  analoge Entdeckung machen.) <br> Auch der in Charakter und Allure mit seinem Pendant eng verwandte  Mittelsatz (Adagio ma non troppo, B-Dur), mit dem der Punkt der  innigsten \u00dcbereinstimmung zwischen den beiden Werken erreicht ist,  variiert sein Vorbild auf subtile Weise. Was dort ebenm\u00e4\u00dfiger Flu\u00df und  unbeirrbare Ruhe war, wird hier unversehens zu einem harmonischen  Abenteuer, das uns bis an die fernsten K\u00fcsten der Hochromantik  verschl\u00e4gt. Kein Wunder, da\u00df Haydn angesichts der unerh\u00f6rten Kl\u00e4nge, die  sich ihm dabei erschlie\u00dfen, nicht z\u00f6gert, auch die formale Contenance  \u00fcber Bord zu werfen: In der Reprise ist die Sehnsucht nach diesen  fremden Harmonien so stark geworden, da\u00df nicht einmal die thematische  Eingangsperiode zu Ende gef\u00fchrt werden kann. Darf man in solchen  Momenten noch von &#8220;klassischer&#8221; Musik sprechen? Der vergleichende Blick  auf die beiden verwandten S\u00e4tze gibt uns die Antwort: Der Klassiker  Haydn hat dem ruhigen, &#8220;unspektakul\u00e4ren&#8221; Es-Dur-Satz aus Hob.XV:19 eine  offene, ins Freie (technisch gesprochen: auf die Dominante) f\u00fchrende  Periode zum Thema gegeben, w\u00e4hrend er die K\u00fchnheit unseres B-Dur-Adagios  mit einer regelm\u00e4\u00dfigen, in die Tonika heimkehrenden Periode mildert. In  diesem (nicht notwendigerweise bewu\u00dften) Abw\u00e4gen der konstituierenden  Kr\u00e4fte gegeneinander, in dieser heiligen Scheu vor dem ungehemmten  Zuviel in der einen oder anderen Richtung, liegt wohl das tiefste  Geheimnis der Klassik &#8211; viel eher als in der idiomatischen Eigenart des  verwendeten Materials. <br> <br> Das Finale (Vivace, D-Dur) ist ein w\u00fcrdiger Schlu\u00dfstein f\u00fcr den  Gesamtkomplex der beiden Esterh\u00e1zy-Zyklen. An Esprit und souver\u00e4nem  \u00dcbermut steht dieser Satz dem Schlu\u00dfst\u00fcck der Erd\u00f6dy-Quartette (dem  Allegro spirituoso aus Hob.III:80, op.76 Nr.6, Es-Dur) um nichts nach.  Die konzise, monothematische Sonatenform, die Haydn verwendet, bietet  nicht viel mehr als das Spielfeld f\u00fcr die brillanten Einf\u00e4lle des  Komponisten. Das Verwirrspiel mit unterschiedlich langen Auftakten und  wechselnden Akzenten wird an mehreren Stellen bis zur v\u00f6lligen  Metamorphose des Metrums getrieben. Das Menuett als ferner Ausgangspunkt  solcher Finals\u00e4tze im Dreivierteltakt ist schon lang unter dem Horizont  verschwunden, und wir befinden uns allein mit dem Genie des Komponisten  auf hoher See. Ihm stehen alle Wege offen, und wir d\u00fcrfen uns darauf  verlassen, &#8220;da\u00df er&#8230; verstehe die Freiheit, aufzubrechen, wohin er  will.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. Mai 1809 Trio d-moll Hob.XV:23 (op.71 Nr.3) Komponiert: London, 1794\/95 Widmung: Marie Hermenegildis Esterh\u00e1zy, geb. F\u00fcrstin Liechtenstein Urauff\u00fchrung: nicht dokumentiert Erstausgabe: Preston, London, Mai 1795 Das Trio in d-moll (Hob.XV:23) schlie\u00dft den zweiten der beiden den F\u00fcrstinnen Esterh\u00e1zy gewidmeten Zyklen ab. 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