{"id":475,"date":"2019-02-13T16:30:10","date_gmt":"2019-02-13T15:30:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=475"},"modified":"2019-02-13T16:30:18","modified_gmt":"2019-02-13T15:30:18","slug":"haydn-trio-c-dur-hob-xv21-op-71-nr-1-pastoral-trio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydn-trio-c-dur-hob-xv21-op-71-nr-1-pastoral-trio\/","title":{"rendered":"Haydn: Trio C-Dur Hob.XV:21 (op.71 Nr.1, &#8220;Pastoral-Trio&#8221;)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio C-Dur Hob.XV:21 (op.71 Nr.1, &#8220;Pastoral-Trio&#8221;)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>London, 1794\/95<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Marie Hermenegildis Esterh\u00e1zy, geb. F\u00fcrstin Liechtenstein<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Preston, London, Mai 1795<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth05_600x746.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-2aLAU55J\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth05_200x249.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dieses\n Trio, das mit den beiden Haydn-Werken unseres vorigen Konzertes eine \nTrias bildet, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Seine \nBesonderheit manifestiert sich gleich auf den ersten Blick in zwei \n\u00e4u\u00dferlichen Details: Es ist unter allen Haydnschen Klaviertrios das \neinzige, das die &#8211; bei Haydn sonst eher der Symphonik vorbehaltene &#8211; \nTechnik der langsamen Einleitung verwendet; und es besitzt als einziges \nder ganzen Werkgruppe einen Mittelsatz in der Dominant-Tonart. <br>\nDie kurze langsame Einleitung des ersten Satzes ist mit Adagio pastorale\n \u00fcberschrieben &#8211; eine Bezeichnung, deren tieferer Sinn sich uns erst im \nweiteren Verlauf des Satzes erschlie\u00dfen wird. Zun\u00e4chst sind diese \npr\u00e4ludierenden Takte nichts anderes als eine Vorahnung des ausgelassenen\n Hauptthemas, das uns &#8211; Vivace assai &#8211; von einer Fermate auf der \nDominante abholt und davontr\u00e4gt (- man k\u00f6nnte hier wirklich an eine \nFermata denken, von der aus wir eine Fahrt antreten). Wenige Takte \nsp\u00e4ter bietet sich uns dasselbe Thema gleich noch einmal als Seitenthema\n an. Dieser &#8220;Kniff&#8221; ist uns schon aus etlichen anderen Haydn-Trios \nwohlvertraut, aber selten tritt der tiefere Sinn dieser scheinbaren \n\u00d6konomie so klar zutage wie hier: Die Verwendung gleichlautender Themen \nin unterschiedlicher Funktion gibt dem Komponisten n\u00e4mlich die \nM\u00f6glichkeit, das Variationsprinzip zwanglos in die Architektur eines \nSonatenhauptsatzes zu integrieren. Die sich daran anschlie\u00dfenden \nSchlu\u00dfgruppen der Exposition spinnen dieses variative Element noch \nweiter fort. Aus dem zweiten Thementakt wird auf diese Weise ein \nderb-b\u00e4urischer Tanz &#8211; man h\u00f6rt f\u00f6rmlich das Schnarren des Dudelsackes \nund das wilde Stampfen der \u00fcberm\u00fctigen T\u00e4nzer; das pastorale des Beginns\n hat uns also, unter Mithilfe einiger Gl\u00e4ser klaren Whiskeys, in die \nschottischen Highlands entf\u00fchrt. Der Nachhall des Festl\u00e4rms ist noch in \nder Durchf\u00fchrung zu h\u00f6ren und beschlie\u00dft dann auch die durch eine \nMoll-Abweichung bereicherte und erweiterte Reprise. <br>\n<br>\nDas folgende Molto andante (G-Dur) l\u00e4\u00dft in seiner schlichten \nLiedhaftigkeit schon Schubertische T\u00f6ne vorausahnen, ist aber trotzdem \nein ganz besonders liebenswertes Kind des XVIII. Jahrhunderts &#8211; die von \nHaydn ausgeschriebenen Variationen der einfachen Melodie k\u00f6nnten \ngeradezu als Anleitung f\u00fcr jene Art geschmackvoller Auszierung gelten, \nwie sie die Komponisten dieser Zeit von ihren Interpreten erwarteten. \nFormal lie\u00dfe sich der Satz recht bequem als dreiteilige Liedform \nbeschreiben, wobei der Mittelteil eine das Liedthema durchf\u00fchrend \nweiterspinnende Mollepisode ist. Doch bei etwas n\u00e4herer Betrachtung \nzeichnet sich ab, da\u00df das zugrundeliegende Modell weit eher ein \nveritables Rondo ist &#8211; allerdings, und das ist ein Kunstst\u00fcck, das eben \neines Haydn bedarf, ein monothematisches: Die drei Episoden sind durch \nihre Mollf\u00e4rbung (g-moll &#8211; e-moll &#8211; g-moll) vom thematisch identischen \nDur-Ritornell abgehoben, das bezeichnenderweise nur vor der \nMittelepisode und ganz am Schlu\u00df (und auch da erst nach einer \ntrugschl\u00fcssigen Verz\u00f6gerung) auf der Tonika einrastet. Trotz der \nunkomplizierten und fl\u00e4chig-stabilen Harmonik wird der Satz so in einem \nz\u00e4rtlich-schwerelosen Schwebezustand gehalten. Auf diese Weise erscheint\n auch die Verwendung der (wie gesagt sonst bei den Klaviertrios in \ndieser Funktion nicht zu findenden) Dominante als Grundtonart f\u00fcr diesen\n Satz &#8220;gemildert&#8221;. <br>\n<br>\nDas Finale des Werkes (Presto) ist ein Kontretanz des selben Typs, den \nHaydn in seinen Londoner Symphonien mehrmals verwendet (etwa in der \nG-Dur-Symphonie Hob.I:94 und in der C-Dur-Symphonie Hob.I:97). An dieser\n Stelle und in R\u00fcckblick auf das Epitheton &#8220;pastorale&#8221; des ersten Satzes\n darf man daran erinnern, da\u00df der Kontretanz trotz seiner irref\u00fchrend \nfranz\u00f6sisierenden Orthographie ein urenglisches Landprodukt, n\u00e4mlich ein\n simpler Countrydance ist (und in Wien zun\u00e4chst, am Anfang des XVIII. \nJahrhunderts, auch als Anglaise heimisch wurde). Wie im analogen Satz \nder Symphonie Hob.I:97 wird die Exposition durch Wiederholungen \nkleinr\u00e4umig zweigeteilt, ein Detail, das im Zuh\u00f6rer die Erwartung eines \nRondos weckt. Wie oft in solchen S\u00e4tzen &#8211; und ganz in \u00dcbereinstimmung \nmit der landl\u00e4ufigen Vorstellung vom englischen country life &#8211; sind bald\n auch Jagdkl\u00e4nge zu vernehmen. Ist schon dadurch der gedankliche Bogen \nzur l\u00e4ndlichen Szenerie des ersten Satzes geschlagen, so wirkt sich \ndiese Analogie bis in Einzelheiten des dramaturgischen Ablaufs, etwa in \nder harmonischen Anlage der Durchf\u00fchrung, aus. Alles in allem hat Haydn \nin diesem Trio, vielleicht auch durch Verzicht auf harmonische \nExtravaganzen und formale Eigenwilligkeit, eine kaum mehr zu \n\u00fcberbietende Klarheit und Einheit erreicht, die diesem &#8211; in mancher \nHinsicht atypischen &#8211; Werk einen Ehrenplatz unter seinen Klaviertrios \nsichern<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. Mai 1809 Trio C-Dur Hob.XV:21 (op.71 Nr.1, &#8220;Pastoral-Trio&#8221;) Komponiert: London, 1794\/95 Widmung: Marie Hermenegildis Esterh\u00e1zy, geb. F\u00fcrstin Liechtenstein Urauff\u00fchrung: nicht dokumentiert Erstausgabe: Preston, London, Mai 1795 Dieses Trio, das mit den beiden Haydn-Werken unseres vorigen Konzertes eine Trias bildet, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. 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