{"id":473,"date":"2019-02-13T16:29:31","date_gmt":"2019-02-13T15:29:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=473"},"modified":"2019-02-13T16:29:37","modified_gmt":"2019-02-13T15:29:37","slug":"haydn-trio-b-dur-hob-xv20-op-70-nr-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydn-trio-b-dur-hob-xv20-op-70-nr-3\/","title":{"rendered":"Haydn: Trio B-Dur Hob.XV:20 (op.70 Nr.3)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio B-Dur Hob.XV:20 (op.70 Nr.3)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>London, 1794<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Maria Anna Esterh\u00e1zy, geb. Gr\u00e4fin Hohenfeld<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Longman &amp; Broderip, London, November 1794<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Dieses Trio beschlie\u00dft den ersten der vier Londoner Zyklen, den Haydn  der eben jung verwitweten F\u00fcrstin Esterh\u00e1zy (und sp\u00e4teren F\u00fcrstin  Schwarzenberg) widmete und als Opus 70 drucken lie\u00df. Es ist ganz sicher  das brillanteste der drei Trios dieser Gruppe und \u00fcberhaupt eines von  Haydns originellsten und heitersten Werke. Da\u00df unser Meister sich seiner  Sache sicher war, und da\u00df er Freude an seiner Arbeit hatte, ist wohl  allen seinen Partituren anzuh\u00f6ren &#8211; aber auch im Oeuvre Haydns sind  St\u00fccke von solchem zuversichtlichen Esprit, von so lebenslustigem Humor  und einer so ansteckenden Gutgelauntheit nicht allt\u00e4glich. Einer der  Gr\u00fcnde f\u00fcr diese \u00fcberbordende Lebensfreude hat wohl mit dem Handwerker  Haydn zu tun: die klanglichen M\u00f6glichkeiten, die ihm die hervorragenden  englischen Klaviere er\u00f6ffneten, erh\u00f6hten seine Lust an der Arbeit  un\u00fcberh\u00f6rbar; man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich das gewisserma\u00dfen manuelle Wohlbehagen,  das ihm der Umgang mit diesem pr\u00e4chtigen Werkzeug verschaffte. <br> Gleich der Beginn des ersten Satzes (Allegro) \u00fcberrascht uns mit  pianistischen Formulierungen, deren Weitr\u00e4umigkeit an den sp\u00e4ten  Beethoven denken l\u00e4\u00dft. Die Freude an der Bewegung entl\u00e4dt sich in  ungew\u00f6hnlich weiten Tonspr\u00fcngen und virtuosen Skalen, mit denen Geige  und Klavier einander stolz \u00fcbertrumpfen zu wollen scheinen. Am meisten  Phantasie wendet Haydn aber an das geistreiche Spiel mit allen  erdenklichen Artikulationen. Um dieses Spiel recht zur Wirkung kommen zu  lassen, entlastet er das thematische Material von aller rhythmischen  und melodischen Verantwortung &#8211; das einzige Thema, das uns in unz\u00e4hligen  Metamorphosen durch den Satz geleitet, ist im Kerne nichts anderes als  eine simple, \u00fcber eine Oktave fallende Tonleiter. Um bei so konsequent  durchgehaltener Sparsamkeit und Homogenit\u00e4t des Ausgangsmaterials  trotzdem auch noch Tektonik und Struktur des formalen Ablaufes zur  Geltung zu bringen, wendet Haydn einen einfachen, aber sehr hilfreichen  Kniff an: jeder der Formteile der Exposition (Hauptsatz, \u00dcberleitung,  Seitensatz, Schlu\u00dfgruppe) beginnt mit relativ ruhigen Notenwerten, die  dann graduell beschleunigt und verdichtet werden. Auf diese Weise ist  jeder architektonisch relevante Einschnitt als Neubeginn einer  Bewegungslinie gekennzeichnet. So simpel dieses Verfahren auch aussehen  mag, so unanwendbar w\u00e4re es f\u00fcr unberufene H\u00e4nde &#8211; man m\u00fc\u00dfte schon \u00fcber  Haydns unersch\u00f6pfliche Variationskunst verf\u00fcgen, um dabei nicht  unfreiwillig komisch auszusehen. <br> <br> Ganz k\u00f6stlich ist, wie Haydn bei der R\u00fcckf\u00fchrung zur Reprise den  obligaten Gemeinplatz des Orgelpunktes auf der Dominante umgeht: auf  recht gewagten Modulationspfaden hat er vorher schon unseren  Orientierungssinn so sehr verwirrt, da\u00df er uns zuletzt mit der  unschuldigsten Unverfrorenheit hilflos auf dem Septakkord der  Subdominante (B7) stranden lassen kann. Und gerade, wenn wir uns in das  (wei\u00df Gott, mit welchen F\u00e4hrnissen verbundene!) Schicksal der nun  unvermeidlich erscheinenden subdominantischen Reprise f\u00fcgen wollen,  zeigt er uns mit gro\u00dfm\u00fctiger Bonhomie doch noch den verloren geglaubten  direkten Heimweg zur Tonika. Das Geschick, mit dem er dabei, sozusagen  noch auf den letzten Schritten zur Haust\u00fcre, den omin\u00f6sen Dominantton  vermeidet, erinnert an die Virtuosit\u00e4t mancher Kinder beim Tempelh\u00fcpfen &#8211;  und man darf sicher sein, da\u00df Haydn bei diesem Kunstst\u00fcck nicht weniger  Spa\u00df hatte. <br> <br> Die Reprise selbst ist dann mit spielerischen Variationen, Umstellungen,  Dehnungen und Verk\u00fcrzungen gew\u00fcrzt, soda\u00df man recht froh ist, das ganze  Verwirrspiel zum besseren Verst\u00e4ndnis noch einmal h\u00f6ren zu d\u00fcrfen.  (Ganz nebenbei bemerkt: Die traditionelle Unart, die in Autographen und  Erstausgaben der Klassiker oft geforderte &#8220;zweite&#8221; Wiederholung, n\u00e4mlich  die von Durchf\u00fchrung und Reprise, schlicht zu ignorieren, geh\u00f6rt zu  jenen Statussymbolen des &#8220;souver\u00e4nen&#8221; Umganges mit dem Text, auf die wir  gerne verzichten wollen. Welche gar nicht leicht zu entscheidende  Fragen uns aber auf dem Weg zu sinnerf\u00fcllter Texttreue mitunter zu Fall  bringen k\u00f6nnen, davon lie\u00dfe sich gerade anhand dieses Details noch  vieles sagen &#8211; eine Andeutung dazu findet sich in der Besprechung des  ersten Satzes von Hob.XV:24 weiter unten.) <br> <br> Das folgende Andante cantabile (G-Dur) kann wohl kein Triofreund unserer  Zeit h\u00f6ren, ohne an das legend\u00e4re Trio di Trieste zu denken, das uns  diesen Schatz als Zuwaage zu so mancher genu\u00dfreichen Stunde geschenkt  hat. Haydns Anweisung &#8220;the left hand alone&#8221; f\u00fcr das Klavierthema m\u00f6chte  unsere Aufmerksamkeit vielleicht auch auf die scheinbar absichtslose  Schlichtheit lenken, mit der sich Thema und Kontrapunkt zu einem  untrennbaren Ganzen f\u00fcgen. Auch in den drei sich daran anschlie\u00dfenden  Variationen steht die Sparsamkeit der verwendeten Mittel in einem im  urspr\u00fcnglichsten Wortsinn wunderbaren Widerspruch zum Reichtum der  erzielten Wirkungen. Die beschauliche Ruhe, die von diesem Satz ausgeht,  empfindet man nach den f\u00fcrwitzigen Eskapaden des vorangegangenen  Allegros als besonders wohltuend. <br> <br> Damit der Schlu\u00dfpunkt dieses Trios (und damit des ganzen stolzen Opus  70) auch als solcher wahrgenommen werde, l\u00e4\u00dft Haydn das Finale (Allegro)  &#8211; einen z\u00fcnftigen Deutschen Tanz &#8211; gleich mit einer typischen  Schlu\u00dffloskel beginnen; genau betrachtet besteht eigentlich der ganze  Hauptteil dieses Satzes, der von der aristokratischen Eleganz eines  Menuetts nichts wissen will, aus einer erstaunlichen Aneinanderreihung  von Schlu\u00dfwendungen, was nicht nur eine humorvolle Schrulle ist, sondern  im Zuh\u00f6rer auch von Takt zu Takt die Spannung wachsen l\u00e4\u00dft, wie Haydn  nun den Satz denn wirklich beenden will. Bevor es aber so weit ist, darf  die Geige noch einen Walzer in der extravaganten Tonart b-moll als Trio  aufs Parkett, oder vielmehr auf den Tanzboden legen. Die melismatisch  variierte Reprise m\u00fcndet schlie\u00dflich in einer Coda, die dem &#8220;regul\u00e4ren&#8221;  Schlu\u00df nicht weniger als zw\u00f6lf ihn burlesk und sempre pi\u00f9 forte  nach\u00e4ffende Wendungen folgen l\u00e4\u00dft, bis endlich &#8211; &#8220;jetzt schl\u00e4gt&#8217;s aber  Dreizehn!&#8221; &#8211; zwei herrische Akkorde dem \u00fcberm\u00fctigen Spuk ein Ende  bereiten. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. Mai 1809 Trio B-Dur Hob.XV:20 (op.70 Nr.3) Komponiert: London, 1794 Widmung: Maria Anna Esterh\u00e1zy, geb. Gr\u00e4fin Hohenfeld Urauff\u00fchrung: nicht dokumentiert Erstausgabe: Longman &amp; Broderip, London, November 1794 Dieses Trio beschlie\u00dft den ersten der vier Londoner Zyklen, den Haydn der eben jung verwitweten F\u00fcrstin Esterh\u00e1zy (und sp\u00e4teren F\u00fcrstin Schwarzenberg) [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-473","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/473","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=473"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/473\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":474,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/473\/revisions\/474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}