{"id":471,"date":"2019-02-13T16:28:47","date_gmt":"2019-02-13T15:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=471"},"modified":"2019-02-13T16:28:54","modified_gmt":"2019-02-13T15:28:54","slug":"haydn-trio-g-moll-hob-xv19-op-70-nr-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydn-trio-g-moll-hob-xv19-op-70-nr-2\/","title":{"rendered":"Haydn: Trio g-moll Hob.XV:19 (op.70 Nr.2)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio g-moll Hob.XV:19 (op.70 Nr.2)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>London, 1794 (oder Wien, 1793?)<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Maria Anna Esterh\u00e1zy, geb. Gr\u00e4fin Hohenfeld<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Longman &amp; Broderip, London, November 1794<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Im November 1794, ziemlich genau in der Mitte seines zweiten Londoner  Aufenthaltes (4. Februar 1794 bis 15. August 1795), lie\u00df Joseph Haydn  unter dem Titel &#8220;Trois sonates pour le pianoforte avec accompagnement de  violon &amp; violoncelle&#8221; und der Opusnummer 70 eine Gruppe von drei  Klaviertrios erscheinen, die in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert sind.  Es ist die erste Werkgruppe, die explizit nur mehr f\u00fcr das Klavier (und  nicht auch f\u00fcr das Cembalo) konzipiert wurde; man darf mit gutem Grund  vermuten, da\u00df Haydn bei der Komposition dieser Werke die im Vergleich zu  den \u00f6sterreichischen robusteren und klangkr\u00e4ftigeren englischen  Klaviere, etwa die von John Broadwood (1732-1812), im Sinne hatte.  Gleichzeitig ist es auch die erste Triade in unserem Genre, in der sich  nur dreis\u00e4tzige Trios finden; unter den f\u00fcnfzehn Trios der  vorangegangenen Schaffensperiode (1784-1793) war noch die Mehrzahl (neun  Werke) zweis\u00e4tzig gewesen. Und schlie\u00dflich er\u00f6ffnet Haydn mit dieser,  der jungen Witwe des F\u00fcrsten Esterh\u00e1zy gewidmeten Gruppe die Reihe der  vier gro\u00dfen, sein Trioschaffen kr\u00f6nenden Opera (opp. 70, 71, 73, 75 der  alten Z\u00e4hlung). <br> Das Mittelst\u00fcck dieses Opus steht in g-moll. Sein erster Satz (Andante &#8211;  Presto) ist urtypischster Haydn: Es ist einer jener im Sp\u00e4twerk Haydns  geh\u00e4uft anzutreffenden Variationens\u00e4tze, mit dem Haydn gleichsam  spielerisch den Nachweis erbringt, da\u00df kein anderer Komponist die  Variationenform en miniature mit \u00e4hnlichem Geschick und Ideenreichtum zu  handhaben versteht wie er. Auf die formale \u00c4hnlichkeit des Satzes mit  den ber\u00fchmten f-moll-Klaviervariationen (Hob.XVII:6) hat die  Musikwissenschaft zu Recht hingewiesen. Hier wie dort handelt es sich um  Doppelvariationen in getragen gehender Bewegung, wobei das erste Thema  in Moll und das zweite in Dur steht. W\u00e4hrend aber die Klaviervariationen  als selbst\u00e4ndiges Werk den Typus breit entwickeln k\u00f6nnen, erfordert die  Eingliederung eines solchen Satzes in einen mehrs\u00e4tzigen Werkorganismus  ganz charakteristische Modifikationen. Im Interesse der Pr\u00e4gnanz des  ganzen Werkes f\u00fchrt Haydn die Variationsidee auf ihre denkbar knappste  Spielart zur\u00fcck &#8211; Moll- und Dur-Thema werden nur je einmal variiert. Da\u00df  diese Verk\u00fcrzung nicht zur Kargheit mi\u00dfr\u00e4t, wird durch gesteigertes  Raffinement in der Beziehung der beiden Themen untereinander  gew\u00e4hrleistet. So nimmt etwa der Themenkopf des Maggiore-Teiles die  Schlu\u00dfwendung des Minores auf, wodurch sich das zweite Thema als eine  Metamorphose des ersten zu erkennen gibt. Auch in der Behandlung der  Coda manifestiert sich der dramaturgische Unterschied zwischen den  beiden verwandten Werken. Bei den in sich geschlossenen  Klaviervariationen weitet Haydn eine letzte Reprise des Minores zu einer  Art Phantasie, die das St\u00fcck kadenzartig an seinen Ausgangspunkt  zur\u00fcckf\u00fchrt und somit zu einem in keiner Weise fortsetzungsbed\u00fcrftigen  Ganzen rundet. Im Kopfsatz des Trios stellte sich im Hinblick auf das  Werkganze eine grunds\u00e4tzlich andere Aufgabe: Hier entschied sich der  Komponist daher f\u00fcr eine Coda in Form einer zus\u00e4tzlichen, frei  erweiterten Variation des Maggiore-Teiles. In Metrum, Tonart, Tempo und  Charakter nimmt diese Abschlu\u00dfvariation schon den Schlu\u00dfsatz des Trios  vorweg und schafft damit gro\u00dfr\u00e4umige Bez\u00fcge, die den Zusammenhalt der  Teile verst\u00e4rken &#8211; eine &#8220;architektonische&#8221; \u00dcberlegung, die der Gefahr  des zu gro\u00dfen Eigengewichtes der Doppelvariationen Rechnung tr\u00e4gt.  Charles Rosen, der sich in seinem &#8220;Klassiker&#8221; &#8220;The Classical Style&#8221; an  der Originalit\u00e4t dieser auf mehr als doppelte L\u00e4nge erweiterten  Schlu\u00dfvariation delektiert, kn\u00fcpft an deren Analyse die Feststellung,  da\u00df solche Momente die genetische Abstammung der Sonatenform von einer  &#8220;unendlichen&#8221; Melodie belegen (&#8220;sonata form is an immense melody&#8221;) &#8211;  eine Einsicht, deren interpretatorische Folgen man sich bei der  Besch\u00e4ftigung mit unseren Klassikern gar nicht oft genug vor Augen (und  Ohren) halten kann und soll. <br> <br> Diese &#8220;unendliche&#8221; Melodie, die sich hinter der vielfach gegliederten  und unterbrochenen Textur des Variationensatzes verborgen hatte, tritt  im folgenden Adagio ma non troppo (Es-Dur) offen zutage. Die friedlich  dahinflie\u00dfende Sextolenbewegung umrankt mit ihren bl\u00fchenden Melismen den  schlichten Bau dieses Satzes, in dem alles naturhafter Wohllaut ist.  Der ebenm\u00e4\u00dfigen Bewegung entspricht gro\u00dfe harmonische Stabilit\u00e4t, die  nur in den wenigen \u00dcberleitungstakten zur Reprise leise in Frage  gestellt wird. <br> <br> Wie sehr die Ruhe und Einfachheit dieses Satzes einem umfassenden  dramaturgischen Kalk\u00fcl dient, wird gleich zu Beginn des Finalsatzes  (Presto) klar: Das Thema &#8211; ein Tanzlied, das von romanischer Folklore  inspiriert scheint &#8211; wird von seinem ersten Erscheinen an in einen  Widerstreit zwischen Dur- und Moll-Dominante gezogen, der so lange \u00fcber  dem Satz wetterleuchtet, bis mit dem Eintritt der Reprise das Thema sein  franz\u00f6sisches Moll-Kost\u00fcm ablegt und sich uns in der ausgelassenen  Naivit\u00e4t von G-Dur zeigt, mit der das Werk ein unbeschwertes Ende  findet. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. 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