{"id":469,"date":"2019-02-13T16:27:54","date_gmt":"2019-02-13T15:27:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=469"},"modified":"2019-02-13T16:28:01","modified_gmt":"2019-02-13T15:28:01","slug":"haydnsonata-per-il-clavicembalo-o-forte-piano-con-un-violino-e-violoncello-opera-57-nr-2-e-moll-hob-xv12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/haydnsonata-per-il-clavicembalo-o-forte-piano-con-un-violino-e-violoncello-opera-57-nr-2-e-moll-hob-xv12\/","title":{"rendered":"Haydn:Sonata per il clavicembalo o forte-piano con un violino e violoncello . Opera 57 [Nr.2, e-moll, Hob. XV:12]"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Joseph Haydn<\/h3>\n\n\n\n<p>* 31. M\u00e4rz 1732<br>\u2020 31. Mai 1809<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sonata per il clavicembalo o forte-piano con un violino e violoncello . Opera 57 [Nr.2, e-moll, Hob. XV:12]<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Eszterh\u00e1za und Wien, August 1788 &#8211; M\u00e4rz 1789<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Die Vor- und Entstehungsgeschichte jener hochbedeutenden Triogruppe,  deren Mittelst\u00fcck unser E-Moll-Trio ist, und deren Erscheinen den  Haydnschen Kontrapunkt zum 14. Juli 1789 darstellt, ist voll von  pittoresken Details. Sie illustrieren einerseits einige Charakterz\u00fcge  Haydns, die auf erfrischende Weise mit der Kunstfigur des biederen \u201ePapa  Haydn\u201c disharmonieren. Daneben bezeugen sie aber auch ganz  unmi\u00dfverst\u00e4ndlich, da\u00df Schaffensproze\u00df und \u2013bedingungen bei Haydn  durchaus nicht jener Komplikationen entbehren, welche die  Musikhagiographie erst als Leidensattribute Beethovens und seiner  Nachfolger kennt.<br> <br> 1781 hatte der britische Gesandte in Wien, General Charles Jerningham,  ein Freund der Familie Esterh\u00e1zy, dem Londoner Verleger William Forster  einen Kontakt zu Haydn vermittelt. Nachdem Forster bei Haydn ein  (traditionsgem\u00e4\u00df aus drei Werken bestehendes) Trio-Opus bestellt hatte,  hatte dieser neben einer eigenen Komposition (Hob. XV:5) zwei Sonaten  f\u00fcr Klavier und Violine seines Lieblingssch\u00fclers Ignaz Pleyel  (1757-1831) abgeliefert; die Pleyelschen Werken hatte entweder Haydn  selbst oder aber einer seiner Sch\u00fcler bei dieser Gelegenheit um eine  Cellostimme erg\u00e4nzt, und in dieser Form war die ganze Werkgruppe 1785  von Forster unter Haydns Namen ver\u00f6ffentlicht worden. Da die Pleyelschen  Originale aber ausgerechnet vom Londoner Verleger Longman &amp;  Broderip vertrieben wurden, der als Gesch\u00e4ftspartner von Haydns Wiener  Hauptverlag Artaria f\u00fcr alles, was Haydn betraf, einen besonders  aufmerksamen Blick hatte, und England damals das einzige Land war, in  dem musikalisches Urheberrecht auch einklagbar war, wuchs sich die  Angelegenheit, die in Haydns Augen wohl nicht einmal ein Kavaliersdelikt  dargestellt hatte, alsbald zu einem ebenso langwierigen wie peinlichen  Rechtsstreit aus, der erst w\u00e4hrend Haydns zweiten England-Aufenthaltes  au\u00dfergerichtlich beigelegt werden konnte. <br> <br> Zum Gl\u00fcck war die daraus resultierende Verstimmung zwischen Haydn und  Artaria nicht von langer Dauer. Zwar hatte Haydn noch am 28. Februar  1788 an Forster geschrieben:<br> <br> \u201eSo Vil versichere ich Sie, da\u00df, so lang ich leben werde, weder Artaria,  noch Langmann von, oder durch mich etwas erhalten sollen. ich bin zu  Ehrlich, und Rechtschaffen, als da\u00df ich Sie kr\u00e4ncken, oder Ihnen  sch\u00e4dlich seyn solle.\u201c<br> <br> Aber schon unter dem Datum des 10. August 1788 lesen wir in einem Brief an Artaria:<br> <br> \u201eWohl gebohrner Sonders Hochzu verEhrender Herr! [&#8230;] Ich widerhole es,  da\u00df ich mir jederzeit ein vergn\u00fcgen daraus machen werde, Ihnen mit  meinen Arbeithen dienen zu k\u00f6nen!\u201c<br> <br> Die Art, wie diese Vers\u00f6hnung besiegelt werden soll, ist durchaus  naheliegend \u2013 und Haydn wie immer von entwaffnender Treuherzigkeit:<br> <br> \u201eDa ich nun in einer Lage bin, wo ich etwas geld gebrauche, so erbiethe  ich mich, da\u00df ich Ihnen bis Ende Decembris entweder 3 neue Quartetten,  oder 3 neue mit einer Violin, und Violoncello begleite[te] Clavier  Sonaten verfertigen wolle, bitte hingegen mir diesen k\u00fcnfftigen Mittwoch  mit unseren abgehenden Husaren 25 Species Ducaten a conto zu  \u00fcbersch\u00fccken.\u201c<br> <br> Da\u00df Artaria sich f\u00fcr die Trios entscheidet, mag wohl mit der  Vorgeschichte der Verstimmung zu tun haben \u2013 f\u00fcr die Geschichte des  Klaviertrios ist es jedenfalls eine segensreiche Wahl: Mit diesen drei  Werken und dem nachfolgenden As-Dur-Trio (Hob. XV:14) bereitet sich  Haydn in idealer Weise auf jenes gro\u00dfe Abenteuer vor, als welches das  Ensemble seiner letzten f\u00fcnfzehn Klaviertrios (1794-97) in die  Gattungsgeschichte eingehen wird.<br> <br> \u201eMein Flei\u00df \u00fcber die 3 anverlangte[n] Clavier Sonaten mit begleitung  einer Violin, und Violoncello \u2013 wird b\u00fcrge seyn Ihre freundschaft  fernerhin zu erhalten.\u201c<br> <br> verspricht Haydn Artaria am 17. August 1788 feierlich; und in der Tat  scheint er sich diesmal mit ganz besonderer Gr\u00fcndlichkeit an die Arbeit  zu machen. Sein bevorzugter Klavierbauer, Wenzel Schanz, mu\u00df ihm eigens  daf\u00fcr ein neues Instrument liefern \u2013 eine Anschaffung, die f\u00fcr den  F\u00fcrstlich Esterh\u00e1zyschen Hofkapellmeister offenbar alles andere als eine  Lappalie ist:<br> <br> \u201eUm Ihre 3 Clavier Sonaten besonders gut zu componiren, ware ich  gezwungen ein neues Forte-piano zu kaufen. nun da es Ihnen schon l\u00e4ngst  bekant seyn wird, da\u00df auch denen gelehrten zu zeiten das geld mangelt,  unter welchen es auch jezo mich betrifft, so habe ich Euer wohlgebohren  h\u00f6flichst ersuchen wollen, dem Herrn orgl und Instrument Macher Wenzl  schanz wohnhafft auf der leimgruben bey den blauen schif No.22. 31  Species Ducaten zu bezahlen, welche 31# ich bis Ende Jenner k\u00fcnftiges  Jahr 1789 mit Dank zur\u00fcckbezahlen werde. [&#8230;] Die Interesse[n] werd ich  mit Notten ersetzen.\u201c<br> (Brief an Artaria vom 26. Oktober 1788)<br> <br> F\u00fcr Artarias bereitwilliges Eingehen auf seine Bitte \u2013 wie sehr w\u00fcrde  man sich w\u00fcnschen, da\u00df solche Abmachungen \u00f6fter getroffen w\u00fcrden! \u2013  bedankt sich Haydn drei Wochen sp\u00e4ter (16. November) mit dem erneuten  Versprechen:<br> <br> \u201eich werde nicht allein mit der zur\u00fcckbezahlung, sondern auch mit den 3  neuen Sonaten, wovon schon anderthalb verfertigt, zur bestimten Zeit  wort halten.\u201c<br> <br> Es ist, nach Haydns Zeugnis, die Willk\u00fcr seines f\u00fcrstlichen Brotherren,  die ihn an der p\u00fcnktlichen Einhaltung des Liefertermines hindert.  Nikolaus I. hatte den traditionellen Wienaufenthalt fr\u00fcher als gewohnt  und v\u00f6llig abrupt abgebrochen; und Haydn, dem das Leben auf Eszterh\u00e1za  inzwischen schon ebenso verha\u00dft ist wie dem F\u00fcrsten dasjenige in Wien,  reagiert mit Symptomen, die nicht mehr der Welt eines gottergebenen  Domestiken entstammen. Am 8. M\u00e4rz 1789 schickt er aus Eszterh\u00e1za die  ersten zwei der drei Trios (Es-Dur und e-moll) an Artaria mit der  Erkl\u00e4rung: <br> <br> \u201eDie g\u00e4he entschliessung Meines F\u00fcrsten sich von d. verhasten Wienn zu  entfernen, verursachte meine schleunige Reise nach Estoras, und  hinderte, mich von dem gr\u00f6sten Theil meiner Freunden nicht beurlauben zu  k\u00f6nnen, derohalben werden auch Sie mich hierinfals Excusiren. an den  Tag meiner Abreise \u00fcberfiel mich ein so heftiger Cathar, da\u00df ich ganze 3  Wochen unbrauchbahr ware, nun aber Gott sey Dank befinde ich mich  besser. verspreche auch die 3te Sonate heut \u00fcber 8 T\u00e4g einzusch\u00fccken.\u201c<br> <br> Der schlie\u00dflich am 29. M\u00e4rz 1789 fertiggestellte Zyklus wird Haydns  Wunsch gem\u00e4\u00df \u2013 \u201eBitte alle 3 bald m\u00f6glichst zum Stich zu bef\u00f6rdern. weil  schon viele mit Schmerz darauf warten.\u201c \u2013 gleich zur Herausgabe  vorbereitet. Zwar bittet Haydn eine Woche sp\u00e4ter, das Dr\u00e4ngen des  vorangehenden Schreibens relativierend, noch ausdr\u00fccklich darum, die  Sonaten m\u00f6gen \u201esauber und leserlich gestochen\u201c werden; nach dem  Eintreffen der ersten gedruckten Exemplare in Eszterh\u00e1za mu\u00df er aber in  seinem Brief an Artaria vom 5. Juli dann doch klagen:<br> <br> \u201e[&#8230;] nur bedaure ich, da\u00df hie und dort einige fehler mit  eingeschliechen sind, welche nunmehro nicht mehr abge\u00e4ndert werden  k\u00f6nen, weil Sie schon versch\u00fcckt, und zum Verckauf hindan gegeben  worden. es ist immer schmerzlich f\u00fcr mich, da\u00df noch kein einziges Werck  unter Ihrer auf sicht fehler frey ist [&#8230;]\u201c<br> <br> Nicht erst dieses Lamento, schon die ganze ungew\u00f6hnlich gut belegte  Entstehungsgeschichte l\u00e4\u00dft erahnen, da\u00df Haydn an seinem Opus 57 in  besonderer Weise gelegen sein mu\u00df, und er diesen Werken eine nicht  allt\u00e4gliche Bedeutung beima\u00df. (In sch\u00e4rfstem Kontrast dazu steht der  Umstand, da\u00df diese Werkgruppe in der Konzertpraxis noch weit mehr  vernachl\u00e4ssigt wird als die sp\u00e4teren Trios.) In der Entwicklung von  Haydns Triostil markieren die drei St\u00fccke ohne Zweifel einen kritischen  Punkt: R\u00fcckbezug und Vorgriff stehen hier in einem besonders subtilen  Mischungsverh\u00e4ltnis, und es ist wohl dieser \u201e\u00dcbergangscharakter\u201c, der  diesen Werken einen ganz besonderen Zauber verleiht. <br> Rein \u00e4u\u00dferlich gleicht der Aufbau der Gruppe recht genau derjenigen der  vorangegangenen Triade (Hob.XV:6-8) \u2013 auch dort hat Haydn ein  dreis\u00e4tziges Zentralwerk zwischen zwei zweis\u00e4tzige St\u00fccke gestellt, und  hier wie dort  steht das Mittelst\u00fcck in einem besonderen tonalen  Spannungsverh\u00e4ltnis zu den beiden umgebenden Trios. Doch ist diese  Spannung hier noch sehr deutlich gesch\u00e4rft: Ein erstes Mal begegnen wir  hier dem charakteristischen Halbtonschritt, der f\u00fcr die Tonartenfolge  der Haydnschen Triogruppen (mit Ausnahme von op.70 \/ Hob. XV:18-20)  unentbehrlich werden wird. Hier ist es \u2013 im Gegensatz zu dem Verfahren  in den sp\u00e4teren Trios \u2013 ein Halbtonschritt aufw\u00e4rts, und es ist eben  dieser Schritt, der im Kopfsatz unseres E-moll-Trios (Allegro moderato)  die Atmosph\u00e4re empfindsamer Leidenschaft nachhaltig betont. (Der Effekt  mu\u00df bei der zyklischen Auff\u00fchrung der ganzen Werkgruppe nach dem  willk\u00fcrlich verz\u00f6gerten Es-Dur-Schlu\u00dfakkord des Er\u00f6ffnungswerkes von  geradezu caravaggesker Wucht sein; \u00fcberhaupt lie\u00dfe sich in einer solchen  unmittelbaren Gegen\u00fcberstellung das ganze Incipit als eine  kontrastierende Paraphrase des Anfangs des Es-Dur-St\u00fcckes lesen.) <br> Im Mittelsatz (Andante, E-Dur) ist das Wunder von Hob. XV:28 schon  vorweggenommen: die selbe Tonart wird mit den selben  instrumentatorischen Mitteln beschworen \u2013 auch wenn die zugrundeliegende  Klangfarbe hier deutlich heller, \u201ekindlicher\u201c erscheint. Der  unerwartete R\u00fcckgriff auf das E-moll des Kopfsatzes schenkt der Reprise  noch zus\u00e4tzlichen Reichtum; diese R\u00fcckbesinnung ist aber nicht nur  poetisch, sondern auch dramaturgisch gut motiviert, denn das  abschlie\u00dfende Rondo (Presto), beh\u00e4lt das wiedergewonnene E-Dur als  Haupttonart bei und verweist die Ausgangstonart in das enge Verlies der  ersten Episode, wo sie denn auch recht grimmig mit den Ketten rasselt.  Die Mittelepisode (cis-moll) m\u00fcndet hingegen in einen  schwindelerregenden Wirbel, in der nur der Auftakt des Ritornells  unerm\u00fcdlich wiederholt wird \u2013 von hier scheint ein direkter Weg zu der  ber\u00fchmten \u201eAnap\u00e4st-Epidemie\u201c im Finale von Beethovens  E-moll-Streichquartett (op. 59 Nr.2) zu f\u00fchren. (Nr f\u00fcr Statistiker:  Haydn bringt es hier auf gez\u00e4hlte 23 Anap\u00e4ste in zwei- und dreistimmigem  Satz, w\u00e4hrend Beethoven im Razumovskij-Finale mit 34 alternierenden  aufwartet.) Doch w\u00e4hrend sich bei Beethoven die Verwirrung in best\u00e4rkte  Sicherheit aufl\u00f6st, l\u00e4\u00dft Haydn die Instrumente in unvers\u00f6hnlicher  Engf\u00fchrung aufeinanderprallen, bis die Stimmen sich wie die Geweihe  erbittert k\u00e4mpfender B\u00f6cke ineinander verkeilen. Diese Eskapade kostet  das Rondo denn auch ein ganzes Ritornell \u2013 was aber den Komponisten  durchaus nicht daran hindert, das Werk in bester Laune zu beschlie\u00dfen.<br> Es ist diese unnachahmliche Mischung von lyrischen Eingebungen und  ingeni\u00f6sen \u201eKniffen\u201c, von rhetorischer Eindringlichkeit und gel\u00f6ster  Weite, welche den Trios dieser \u201e\u00dcbergangsperiode\u201c ihren singul\u00e4ren Rang  sichert und sie ebenso bemerkenswert macht wie ihre (ein wenig)  bekannteren j\u00fcngeren Geschwister.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Haydn * 31. M\u00e4rz 1732\u2020 31. Mai 1809 Sonata per il clavicembalo o forte-piano con un violino e violoncello . Opera 57 [Nr.2, e-moll, Hob. 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