{"id":419,"date":"2019-02-12T19:24:52","date_gmt":"2019-02-12T18:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=419"},"modified":"2019-02-12T19:25:01","modified_gmt":"2019-02-12T18:25:01","slug":"halffter-cancion-callada-in-memoriam-federico-mompou-1988","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/halffter-cancion-callada-in-memoriam-federico-mompou-1988\/","title":{"rendered":"Halffter: Canci\u00f3n callada in memoriam Federico Mompou (1988)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Crist\u00f3bal Halffter<\/h3>\n\n\n\n<p>* 24. M\u00e4rz 1930<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Canci\u00f3n callada in memoriam Federico Mompou (1988)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Villafranca del Bierzo (Le\u00f3n)<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Federico Mompou y Dencausse (1893-1987)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>9.8.1988, Santander, Catedral<br>\nTrio Mompou<br>\nLuciano Gonz\u00e1lez Sarmiento, Klavier<br>\nJuan Lluis Jord\u00e0 Ayats, Violine<br>\nPilar Serrano, Violoncello<br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Universal Edition, Wien\/London\/New York, 1988 (Facsimile)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Am 30. Juni 1987 starb Federico Mompou y Dencausse im 95. Lebensjahr  in seiner Geburtsstadt Barcelona. Der scheue und stille Sohn eines  katalanischen Rechtsanwaltes und der j\u00fcngsten Vertreterin einer uralten  franz\u00f6sischen Glockengie\u00dferdynastie, der fast drei Jahrzehnte seines  Lebens in Paris verbracht hatte, war schon zu Lebzeiten zu einer Legende  geworden. Vor allem in den d\u00fcrren Jahren des \u201eDarmst\u00e4dter Diktats\u201c  hatten viele H\u00f6rer seine schlichte, klangsinnliche, unspekulative und  unspektakul\u00e4re Musik als ein nicht nur willkommenes, sondern geradezu  unentbehrliches Antidotum gegen die einsch\u00fcchternden Klangkonstruktionen  bewundernswerter Mathematiker und Logiker empfanden, von denen sich  einige wohl nur zuf\u00e4llig in das Wunderland der Musik verirrt hatten. Als  die Machtf\u00fclle jenes musikalischen Totalitarismus gerade ihrem  H\u00f6hepunkt zustrebte, hatte sich der leise Meister in den Jahren 1959 bis  1967 in die Niederschrift eines seiner pianistischen Hauptwerke  verloren \u2013 der M\u00fasica callada, einer Art Klang-Tagebuch, das, auf vier  Hefte verteilt, 28 nachdenkliche Eintr\u00e4ge enth\u00e4lt, und das der Komponist  selbst noch im Alter von achtzig Jahren auf Schallplatte einspielte.<br> Dem ersten, 1959 erschienenen Heft dieses opus summum hat Mompou einen  Kommentar beigef\u00fcgt, in dem er den Gesamttitel des Werkes auf einen Vers  im C\u00e1ntico espiritual des Juan de Yepes \u00c1lvarez (1542-1591)  zur\u00fcckf\u00fchrt, der in der katholischen Welt als San Juan de la Cruz oder  Heiliger Johannes vom Kreuz bekannt ist. Dort findet sich ziemlich zu  Beginn der er\u00f6ffnenden Canciones entre el Alma y el Esposo der Passus:<br> <br> &#8230;la noche sosegada,<br> en par de los levantes de la aurora,<br> la m\u00fasica callada,<br> la soledad sonora,<br> la cena que recrea y enamora&#8230;<br> <br> der in der weit wortreicheren und assoziations\u00e4rmeren deutschen  Nachdichtung des p\u00e4pstlichen Hauspr\u00e4laten Bernhard Panzram (1902-1998)  so lautet:<br> <br> Er gleicht der Nacht, mit stiller Ruh gekr\u00f6net,<br> Die schon entgegen geht dem Morgenlicht;<br> Er ist Musik, die nur verschwiegen t\u00f6net,<br> Ist Einsamkeit, die s\u00fc\u00df in Kl\u00e4ngen spricht,<br> Ein Abendmahl, das froh zu neuer Lieb\u2019 erfrischt.<br> <br> Die verschwiegene, also nur in der mystischen Stille wahrnehmbare Musik,  die in der Vision des Heiligen hier die Stelle Gottes vertritt, ist die  gemeinsame Quelle f\u00fcr Mompous Klangmeditationen und Crist\u00f3bal Halffters  Hommage an den \u00e4lteren Meister. Schon die der Terminologie des C\u00e1ntico  espiritual angepa\u00dfte Verwendung des Begriffs Canci\u00f3n l\u00e4\u00dft erkennen, wie  bewu\u00dft Halffters Rekurs auf Mompous Inspirationsquelle ist. Tats\u00e4chlich  ist das Werk des gro\u00dfen katholischen Mystikers das st\u00e4rkste Bindeglied  zwischen Mompou und Halffter \u2013 in beider Schaffen findet sich eine  Vielzahl von Bez\u00fcgen darauf: So hatte sich Mompou schon in seinem gro\u00dfen  Klavierzyklus Canciones y Danzas (1918-1962), als dessen Fortsetzung  man M\u00fasica callada betrachten k\u00f6nnte, aus San Juan de la Cruz bezogen \u2013  und eben dieser Umstand veranla\u00dft Halffter dazu, in seiner Canci\u00f3n  callada einen Passus aus jenem Zyklus (eine charakteristische Wendung  vom Beginn der Canci\u00f3n y danza VI ) w\u00f6rtlich zu zitieren (die Takte  29-34 von Halffters Hommage greifen ); und Crist\u00f3bal Halffter selbst  hatte schon w\u00e4hrend Mompous letztem Lebensjahrzehnt, in dem der  schwerkranke Katalane nicht mehr komponieren konnte, in seiner  akustisch-visuellen Installation La soledad sonora\/La m\u00fasica callada  (1982\/83) den ideellen Dialog mit dem spanischen Heiligen fortgesetzt.     <br>  <br> Schon kurz nach Mompous Tod begann das Centro para la Difusi\u00f3n de la  M\u00fasica Contempor\u00e1nea (CDMC) in Madrid mit den Vorbereitungen f\u00fcr ein  feierliches Gedenkkonzert, das dann am 9. August 1988 im Kreuzgang der  Kathedrale von Santander im Rahmen des XXXVII Festival Internacional de  M\u00fasica y Danza stattfand. F\u00fcr diese Gelegenheit wurde eine ganze Pleiade  spanischer Komponisten eingeladen, kurze St\u00fccke f\u00fcr Klaviertrio zu  schreiben, mit denen Mompou ein musikalisches Denkmal gesetzt werden  sollte. Der Begriff \u201ePleiade\u201c ist in diesem Fall w\u00f6rtlich zu nehmen,  denn es war wirklich ein Siebengestirn, an das der Aufruf erging: neben  Crist\u00f3bal Halffter geh\u00f6rten dieser Komponistengruppe sein  Jahrgangscollege Luis de Pablo und der um ein Jahr \u00e4ltere Carmelo Alonso  Bernaola, die etwas j\u00fcngeren Kollegen Anton Garc\u00eda Abril, Tom\u00e1s Marco  und Claudio Prieto sowie, als Vertreter der \u00e4lteren katalanischen  Generation, Xavier Montsalvatge Bassols an. Die so entstandenen Werke  wurden schlie\u00dflich von dem 1982 gegr\u00fcndeten Trio Mompou (in einem der  letzten Konzerte in seiner ersten Besetzung) uraufgef\u00fchrt.<br> <br> Da\u00df gerade Crist\u00f3bal Halffter unter den Bewunderern Mompous einer der  verst\u00e4ndnisvollsten und berufensten ist, also ein Komponist, der als  anerkannter Avantgardist 1976 und 1978 Dozent an den Darmst\u00e4dter  \u201eInternationalen Ferienkursen f\u00fcr Neue Musik\u201c war, mag auf den ersten  Blick erstaunen. Vor allem im deutschen Sprachraum hat man sich ja  sp\u00e4testens seit dem wortgewaltigen Wirken Theodor Adornos in Fragen der  Musik\u00e4sthetik an Demarkationslinien gew\u00f6hnt, die den ehemals  ber\u00fcchtigten \u201eEisernen Vorhang\u201c puncto Permeabilit\u00e4t wom\u00f6glich noch  unterbieten. Doch einengende Dogmatik war dem Denken und Schaffen  Crist\u00f3bal Halffters schon immer fremd \u2013 und ein kurzer Blick auf   Herkunft und Werdegang des Komponisten l\u00e4\u00dft erahnen, warum das so ist.<br> Crist\u00f3bal Halffters Gro\u00dfvater, der Juwelier und Goldschmied Ernst  Halffter (Ernesto Halffter Hein), entstammte einem ostpreu\u00dfischen  Junkergeschlecht \u2013 der Familienname deutet auf die Pferdezucht hin, mit  der sich seine Vorfahren \u00fcber viele Generationen auf dem Gut Adamsruhe  (Kreis Insterburg, heute \u010cernjahovsk) besch\u00e4ftigt hatten \u2013 und war, da  er als Zweitgeborener keien Aussicht hatte, das Erbe anzutreten, um 1890  aus seiner Heimatstadt K\u00f6nigsberg nach Madrid emigriert, wo er die aus  Katalonien stammende Rosario Escriche Errad\u00f3n heiratete. Ein Onkel  Rosarios, Ernesto Escriche, war ein erfolgreicher Konzertpianist, und  zwei der S\u00f6hne aus der Verbindung Rosarios mit Ernst Halffter, Rodolfo  (1900-1987) und Ernesto (1905-1989), sollten zu f\u00fchrenden Protagonisten  der musikalischen Moderne in Spanien \u2013 Rodolfo sp\u00e4ter dann auch in  seinem Emigrationsland Mexiko \u2013 werden. Crist\u00f3bals Vater Emilio  (1902-1990), zwischen den beiden Musikern geboren, hatte hingegen  praktischere Interessen: Er wurde ein erfolgreicher Gesch\u00e4ftsmann und  heiratete die musikbeflissene Feliza Jim\u00e9nez Encina. Im gastfreien Haus  des jungen Ehepaares verkehrte die geistige Elite Spaniens: Manuel de  Falla, Federico Garc\u00eda Lorca und Salvador Dal\u00ed z\u00e4hlten zu den st\u00e4ndigen  G\u00e4sten der Familie. <br> Crist\u00f3bal hat eben seine allerersten Klavierstunden hinter sich, als der  spanische B\u00fcrgerkrieg seine Eltern dazu bewegt, nach Deutschland zu  fl\u00fcchten. Seine ersten Schuljahre verbringt Crist\u00f3bal Halffter daher in  der \u201eSchl\u00fcsselstadt\u201c Velbert im Bergischen Land bei Essen, von wo die  Familie aber bei Kriegsbeginn nach Madrid zur\u00fcckkehrt. Von dort ist  Crist\u00f3bals Onkel Rodolfo, im Gegensatz zu seinen Br\u00fcdern ein unbeugsamer  Republikaner, inzwischen nach Mexiko geflohen \u2013 und hat seinem  musikbegeisterten jungen Neffen seine ganze reiche Bibliothek  hinterlassen. So kann der neugierige Knabe sich unabh\u00e4ngig vom  Kulturklima der faschistischen Diktatur ganz ohne ideologische und  \u00e4sthetische Scheuklappen informieren und entwickeln. Der fr\u00fche Tod der  Mutter, die 1941 einem Krebsleiden erliegt, ist ein erster schwerer  Schlag. 1945 wird die deutsche Schule, die Crist\u00f3bal bis dahin besucht  hat, geschlossen, und er steht vor der Notwendigkeit, den gesamten  Lehrstoff noch einmal nach den Vorgaben des spanischen  Unterrichtssystems zu bew\u00e4ltigen. Zum Gl\u00fcck erspart ihm der Vater die  Peinlichkeit, die Schulbank neben Volkssch\u00fclern dr\u00fccken zu m\u00fcssen, und  engagiert statt dessen einen wegen seiner linken Gesinnung arbeitslos  gewordenen P\u00e4dagogen als Privatlehrer \u2013 auch dadurch kommt Crist\u00f3bal  wieder in den Genu\u00df einer von den fragw\u00fcrdigen Pr\u00e4missen des  Franco-Regimes unbeeinflu\u00dften Pr\u00e4gung. Von 1947 bis 1951 wird er von  Conrado del Campo (1878-1953), dem hochangesehenen Kompositionslehrer  des K\u00f6niglichen Konservatoriums, unterrichtet und schlie\u00dft das  Regelstudium schon mit 21 Jahren erfolgreich ab. Zehn Jahre sp\u00e4ter wird  er selbst als Lehrer an das Real Conservatorio berufen und 1964 sogar  zum Direktor dieses Instituts bestellt, tritt aber nach nur zweij\u00e4hriger  Amtszeit aus Protest gegen die seiner \u00dcberzeugung nach unzeitgem\u00e4\u00dfen  Unterrichtsmethoden zur\u00fcck. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat  Crist\u00f3bal Halffter mit stets wachsendem Erfolg weltweit als Komponist,  Dirigent und Lehrer gewirkt, ohne aber seiner Heimat den R\u00fccken zu  kehren. Mit seiner Frau, der Pianistin Mar\u00eda Manuela Caro y Carvajal,  lebt er auf dem Stammsitz von deren Familie in Villafranca del Bierzo  (Le\u00f3n). <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Crist\u00f3bal Halffter * 24. M\u00e4rz 1930 Canci\u00f3n callada in memoriam Federico Mompou (1988) Komponiert: Villafranca del Bierzo (Le\u00f3n) Widmung: Federico Mompou y Dencausse (1893-1987) Urauff\u00fchrung: 9.8.1988, Santander, Catedral Trio Mompou Luciano Gonz\u00e1lez Sarmiento, Klavier Juan Lluis Jord\u00e0 Ayats, Violine Pilar Serrano, Violoncello Erstausgabe: Universal Edition, Wien\/London\/New York, 1988 (Facsimile) Am 30. 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