{"id":415,"date":"2019-02-12T19:23:09","date_gmt":"2019-02-12T18:23:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=415"},"modified":"2019-02-12T19:23:14","modified_gmt":"2019-02-12T18:23:14","slug":"gernsheim-trio-nr-2-4-h-dur-fuer-pianoforte-violine-und-violoncell-op-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/gernsheim-trio-nr-2-4-h-dur-fuer-pianoforte-violine-und-violoncell-op-37\/","title":{"rendered":"Gernsheim: Trio Nr. 2 [4] H-Dur f\u00fcr Pianoforte, Violine und Violoncell op.37"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Friedrich Gernsheim<\/h3>\n\n\n\n<p>* 17. Juli 1839<br>\u2020 10. September 1916<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Nr. 2 [4] H-Dur f\u00fcr Pianoforte, Violine und Violoncell op.37<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Rotterdam<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Helene Gernsheim, geb. Hernsheim<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Rieter &amp; Biedermann, Leipzig, 1879<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Der Name Friedrich Gernsheims ist zwar in allen Musiklexika, kaum je \naber auf Konzertprogrammen zu finden. Der Komponist, dessen erste \nSymphonie &#8211; 1874, also zwei Jahre vor Brahms&#8217; op. 68, uraufgef\u00fchrt &#8211; \nnoch 1897 das lebhafte Interesse Gustav Mahlers fand, ist heute nur mehr\n ganz wenigen Musikfreunden ein Begriff. Als 1997\/98 eine erste \nGesamtaufnahme der vier Symphonien Gernsheims erschien, war die \n\u00dcberraschung &#8211; wenn auch in kleinem Kreise &#8211; dementsprechend gro\u00df: Hier \nwar ein Komponist am Werk, der trotz eklektischer Grundhaltung seine \neigene Pers\u00f6nlichkeit auf ebenso unaufdringliche wie handwerklich \nsouver\u00e4ne Art zu behaupten wu\u00dfte, der, ohne gerade ein \u201eOriginalgenie\u201c \nzu sein, durchaus seinen ureigenen Ton erkennen l\u00e4\u00dft: Kurz, ein \nKomponist den man ganz sicher kennen w\u00fcrde &#8211; wenn er das Gl\u00fcck gehabt \nh\u00e4tte, Schwede, Engl\u00e4nder oder Belgier zu sein. Denn ohne Zweifel ist \ndie einzigartige Dichte der musikalischen Produktion Deutschlands in der\n zweiten H\u00e4lfte des XIX. Jahrhunderts der Hauptgrund daf\u00fcr, da\u00df ein Werk\n wie das Gernsheims dem kollektiven Bewu\u00dftsein so spurlos entschwinden \nkonnte; da\u00df der Rassenwahn der nationalsozialistischen Machthaber die \nAuff\u00fchrung der Kompositionen Gernsheims zwischen 1933 und 1945 \nverunm\u00f6glichte, hat freilich das Vergessen ganz erheblich beschleunigt. <br>\n<br>\nEin Blick auf den Werdegang des Komponisten mag verdeutlichen, welch \ngediegene und solide Ausbildung man in Deutschland um 1850 erhalten \nkonnte &#8211; im Vergleich dazu nimmt sich der Bildungsweg etwa von Johannes \nBrahms fast bescheiden aus. Da\u00df nahezu alle genannten Lehrer Juden \nwaren, hat sicherlich mit Gernsheims Elternhaus zu tun, widerspiegelt \naber gleichzeitig eine musikhistorische Realit\u00e4t, an der auch die \nrabiatesten Geschichtsf\u00e4lschungen des \u201eDritten Reiches\u201c nichts zu \u00e4ndern\n vermochten. <br>\nFriedrich Gernsheim wurde als Sohn eines Arztes und einer musikalisch \nausgebildeten Mutter in eine Wormser Patrizierfamilie geboren. Seine \nMutter wurde auch seine allererste Lehrerin, bevor sich der Spohrsch\u00fcler\n Louis Liebe (1819-1900) des au\u00dfergew\u00f6hnlich talentierten Knaben annahm.\n Das Revolutionsjahr 1848\/49 verbrachte der kleine Friedrich mit seiner \nMutter in Mainz, wo ihn der junge Wiener Ernst Pauer (1826-1905), selbst\n ein Sch\u00fcler Sirnon Sechters und Franz Lachners, unterrichtete. Ab 1849,\n als sich die Familie in Frankfurt am Main niederlie\u00df, geno\u00df Friedrich \nGernsheim dann eine ebenso breit wie profund angelegte Ausbildung: Der \nbekannte Virtuose Eduard Rosenhain (1818-1861) wurde sein Klavierlehrer,\n der Baillot-Sch\u00fcler Eduard Eliason (*1811), ein angesehener \nQuartettist, und der Frankfurter Konzertmeister Heinrich Wolff \n(1813-1898) unterrichteten ihn auf der Geige, w\u00e4hrend ihm Johann \nChristian Hauff (1811-1891), Komponist und Autor einer f\u00fcnfb\u00e4ndigen \nTheorie der Tonsetzkunst, die Welt der Musiktheorie und des Tonsatzes \nerschlo\u00df. Schon am Ende des ersten Unterrichtsjahres produzierte sich \nder Elfj\u00e4hrige mit gro\u00dfem Erfolg in einem Frankfurter Theaterkonzert als\n Pianist, Geiger und Komponist (mit der Urauff\u00fchrung einer \nOrchesterouvert\u00fcre); im Jahr darauf besuchte er mit seiner Mutter seinen\n ehemaligen Lehrer Louis Liebe, der jetzt in Stra\u00dfburg wirkte. (Hier \nsollte bald darauf die kleine Marie Trautmann[-JaeII] Liebes ber\u00fchmteste\n Sch\u00fclerin werden.) Von 1852 bis 1854 studierte Gernsheim dann am \nLeipziger Konservatorium bei den Koryph\u00e4en dieses Institutes: Moritz \nHauptmann (1792-1868, Komposition), Ignaz Moscheles (1794-1870, Klavier)\n und Ferdinand David (1810-1873, Violine), letzterer wie Gernsheims \nerster Lehrer ein Sch\u00fcler von Louis Spohr. <br>\n<br>\n1855 \u00fcbersiedelte Friedrich Gernsheim nach Paris. Den Ansto\u00df f\u00fcr diesen \nSchritt gab sein Wunsch, die Klavierstudien bei An toine Francois \nMarmontel (1816-1898) fortzusetzen. Dieser hatte 1848 eine Klasse am \nConservatoire \u00fcbernommen, die bald legend\u00e4ren Ruf genie\u00dfen sollte: In \nden nahezu vierzig Jahren, die Marmontel hier unterrichtete, begr\u00fcndete \ner &#8211; nicht zuletzt durch seine didaktischen Kompositionen und \ntheoretischen Schriften &#8211; eine sehr spezifische, p\u00e4dagogische und \ninterpretatorische Tradition, die in mancher Hinsicht bis heute \nnachwirkt. Bizet, Wieniawski, Debussy und d&#8217;Indy waren ebenso seine \nSch\u00fcler wie Marguerite Long und Isaac Albeniz. Der Unterricht, den \nGernsheim bei Marmontel geno\u00df, brachte ihn bald in Kontakt mit der \nParjser Musikwelt: mit dem gleichaltrigen Els\u00e4sser Pianisten Franz \nStockhausen (Bruder von Brahms&#8217; Lieblingss\u00e4nger Julius), der bald darauf\n den umgekehrten Weg von Paris nach Leipzig nehmen sollte, ebenso wie \nmit dem um nur vier Jahre \u00e4lteren Camille Saint-Saens, mit Edouard Lalo,\n mit Stephen Heller, der schon seit 1838 in Paris lebte und schlie\u00dflich \nmit einer lebenden Legende, die gerade im Jahr 1855 endg\u00fcltig nach Paris\n zur\u00fcck- gekehrt war: mit Gioacchino Rossini. In Rossinis ber\u00fchmtem \nSaIon in der Chauss\u00e9e d&#8217;Antin fand Gernsheim dann Anschlu\u00df an viele \nandere Pers\u00f6nlichkeiten des Pariser Geistes- und Gesellschaftslebens. Im\n letzten Jahr seines immer wieder aufs neue ausgedehnten \nParisaufenthaltes &#8211; die hoffnungslose Liebe zu Aline de Pommayrac mag zu\n der Anh\u00e4nglichkeit an die Stadt das Ihre beigetragen haben &#8211; wurde er \nnoch Zeuge des Skandals um die drei Auff\u00fchrungen des Tannh\u00e4user (M\u00e4rz \n1861), in denen P\u00f6bel und Claque in wenigen Stunden das Ergebnis von 164\n Proben zunichte machten; von diesem Erlebnis bewahrte er sich \nzeitlebens eine mitf\u00fchlende Hochachtung f\u00fcr die Person Richard Wagners \n(dem er umgehend einen Sympathiebesuch abstattete), freilich ohne da\u00df er\n sich deswegen den Wagnerschen Kunstidealen angen\u00e4hert h\u00e4tte. <br>\n<br>\nIm selben Jahr folgte Gernsheim einer Einladung nach Saarbr\u00fccken, wo er \nals Musikdirektor in der Nachfolge seines Kindheitsfreundes Hermann Levi\n (1839-1900) die Leitung eines Kammerorchesters und zweier Ch\u00f6re \n\u00fcbernahm. In dieser Zeit intensivierte er auch seinen Kontakt zu \nFerdinand Hiller (1811-1885), einer Zentralfigur des deutschen \nMusiklebens, in dessen K\u00f6lner Heim er im Juni 1862 w\u00e4hrend des \nNiederrheinischen Musikfestes die f\u00fcr sein weiteres Leben pr\u00e4gende erste\n Begegnung mit Johannes Brahms hatte. 1865 berief Hiller seinen jungen \nFreund als Klavier- und Kompositionslehrer an das K\u00f6lner Konservatorium,\n wo bald darauf Engelbert Humperdinck sein Sch\u00fcler wurde. Hier \nentfaltete Gernsheim in der Folge auch als Interpret und Organisator \neine umfangreiche T\u00e4tigkeit, in der er seine Vorliebe f\u00fcr Brahms und \nBruch nach Kr\u00e4ften auslebte. Mit beiden Komponisten stand er in \ndauerndem freundschaftlichen Verkehr. <br>\n<br>\nMit Gernsheims Berufung als Direktor der Maatschappij tot bevordering \nder toonkunst in Rotterdam er\u00f6ffnete sich ihm 1874 ein neues und weites \nWirkungsfeld. Die in den letzten Jahren seines K\u00f6lner Wirkens nicht eben\n spannungsfreie Beziehung zu Hiller hatte wahrscheinlich Anteil an \nseiner Entscheidung f\u00fcr Rotterdam. In den sechzehn Jahren seiner \ndortigen T\u00e4tigkeit gab Gernsheim dem holl\u00e4ndischen Musikleben wichtige \nImpulse; vor allem an Brahms&#8217; fr\u00fchem und nachhaltigem Erfolg in den \nNiederlanden hat er ganz wesentlichen Anteil. Auch der zentrale Teil \nseines eigenen Schaffens, darunter alle vier Symphonien, entstand in den\n Rotterdamer Jahren. Erst 1890 kehrte Gernsheim nach Deutschland zur\u00fcck,\n um in Berlin die Leitung einer Kompositionsklasse am Sternschen \nKonservatorium und die Direktion des Sternschen Gesangvereines zu \n\u00fcbernehmen. 1897 wurde er hier in den Senat der Akademie der K\u00fcnste \ngew\u00e4hlt, die ihm 1901 auch die Leitung einer Meisterklasse f\u00fcr \nKomposition \u00fcbertrug. Daneben war Gernsheim bis an sein Lebensende als \nPianist und Dirigent (unter anderem der Meininger Hofkapelle) \nerfolgreich t\u00e4tig. F\u00fcr die Hochsch\u00e4tzung, die Gernsheim zu Lebzeiten \ngeno\u00df, mag der Umstand sprechen, da\u00df man etwa in Dortmund aus Anla\u00df \nseines 75. Geburtstages noch wenige Wochen vor Ausbruch des Ersten \nWeltkrieges ein zweit\u00e4giges Gernsheim-Fest veranstaltete. <br>\n<br>\nDas Bild des hochdekorierten und geehrten Senators Friedrich Gernsheim \nist wohl auch mitverantwortlich daf\u00fcr, da\u00df der Komponist sehr bald schon\n als eine epigonale Erscheinung aus dem Kreis der Berliner Akademiker \nabgetan wurde. So lange man nicht Gelegenheit hat, eine solche \nPauschalklassifizierung am klingenden Werk zu \u00fcberpr\u00fcfen, ist es \nunm\u00f6glich, ihr entgegenzutreten oder sie zu best\u00e4tigen. In den \nSymphonien findet sich jedenfalls eine Reihe von Z\u00fcgen, die Gernsheim \nals einen der experimentierfreudigeren Vertreter seiner Generation \nerscheinen lassen. In seinen sp\u00e4teren Werken l\u00e4\u00dft sich sogar eine \nBefruchtung durch die Tonsprache der nachfolgenden Generation &#8211; Richard \nStrauss, Hans Pfitzner und Max Reger &#8211; feststellen. Wilhelm Altmann hat \nin seinen zahlreichen Publikationen ebenso beredt wie resonanzlos auf \ndie Qualit\u00e4ten des Komponisten hingewiesen, zuletzt noch (und das mag \nals ein Ruhmesblatt einer wie immer auch kleinlauten Zivilcourage \ngelten) 1934 in seinem Handbuch f\u00fcr Klaviertriospieler. <br>\n<br>\nVon seinen insgesamt vier Klaviertrios hat Gernsheim nur die letzten \nbeiden ver\u00f6ffentlicht: 1873 das F-Dur- Trio op. 28 und 1879 als &#8220;Nr. 2&#8221; \nunser H-Dur- Trio; ein Jugendwerk in Es-Dur und das Trio in B-Dur op. 23\n blieben Manuskript und werden in der Berliner Staatsbibliothek \naufbewahrt. <br>\n<br>\nDas H-Dur-Trio entstand 1877 in Rotterdam; im selben Jahr heiratete \nGernsheim die aus Karlsruhe stammende Helene Hernsheim, und ihr ist das \nWerk auch qewidmet. <br>\n<br>\nDie z\u00e4rtliche Leidenschaft des ersten Satzes (Allegro moderato) gibt \nberedtes Zeugnis von dem Enstehungsanla\u00df des Trios. Das von langer Hand \nvorbereitete Seitenthema (in As-Dur) erinnert in seiner hymnischen \nAchtelbewegung an das Schlu\u00dfgruppenthema aus dem Kopfsatz von Brahms&#8217; \nKlavierquartett op. 25, eines der ersten Werke seines Vorbildes, das \nGernsheim kennenlernte. (Der Eindruck, den dieses Werk auf den jungen \nKomponisten gemacht haben mu\u00df, spiegelt sich unter anderem auch darin \nwieder, da\u00df er sein eigenes Opus 25, das erste seiner f\u00fcnf \nStreichquartette, mit einem un\u00fcberh\u00f6rbar von Brahms angeregten Rondo \nall&#8217;ongarese beschlie\u00dft.) Die Reprise folgt minuti\u00f6s und &#8211; von der \nunumg\u00e4nglichen Transposition des Seitensatzes einmal abgesehen &#8211; ohne \njede \u00c4nderung der Exposition. Dieses Detail scheint in einigem \nWiderspruch zu dem schw\u00e4rmerischen, ja \u00fcberschw\u00e4nglichen Ton des Satzes \nzu stehen. Bei n\u00e4herer Betrachtung ergibt sich freilich, da\u00df der \nKomponist wohl einen au\u00dfermusikalischen Grund f\u00fcr diese Regelhaftigkeit \nhatte: Exposition und Reprise weisen n\u00e4mlich dank dieses Vorgehens je 77\n Takte auf &#8211; eine gut versteckte Anspielung auf das Hochzeitsiahr des \nPaares. <br>\n<br>\nEiner sp\u00e4ter auch Max Reger heiligen Tradition gem\u00e4\u00df steht das Scherzo \n(Vivace, D-Dur) an zweiter Stelle; bei Brahms ist diese Satzfolge eher \ndie Ausnahme &#8211;  und bezeichnenderweise z\u00e4hlt wieder auch das Opus 25 \n(wie die Opera 8, 36, 40, 60 und 101) zu diesen Ausnahmen -, w\u00e4hrend sie\n bei Gernsheim recht h\u00e4ufig anzutreffen ist (Streichquintett op. 9, 1. \nund 3. Klavierquartett, 3. bis 5. Streichquartett, Klaviertrio op. 28 u.\n a. m.). Einen so ungetr\u00fcbt gutgelaunten, ausgelassenen und geradezu \nleichtsinnigen Satz wird man bei Brahms jedenfalls vergeblich suchen. \nRaffinement w\u00fcrde zum \u00dcbermut dieses St\u00fcckes schlecht passen, und \nGernsheim verzichtet leichten Herzens darauf. Der einzige Kunstgriff, \nden der Komponist sich gestattet ist die Verwebung des \u00fcber einer \nfortlaufenden Dreiviertel-Begleitung sich irn Zweivierteltakt bewegenden\n Trios in die Coda des Hauptteiles. <br>\n<br>\nIn denkbar gr\u00f6\u00dftem Gegensatz zum aufger\u00e4umten Charme dieses leutseligen \nScherzos steht der dritte Satz (Lento e mesto, fis-Moll\/Dur). Es ist ein\n Klagelied von schlichter Elndringlichkeit und ber\u00fchrender Innigkeit und\n sicher einer der wertvollsten S\u00e4tze in Gernsheims Kammermusik. Der \nMaggiore-Mittelteil (Un pochino pi\u00f9 lento) schl\u00e4gt religi\u00f6se T\u00f6ne an und\n kehrt als Coda des Satzes wieder. Das Ganze wirkt wie ein \nkammermusikalisches De profundis &#8211; eine im Hinblick auf den \nEntstehungsanla\u00df des Werkes doch eher unerwartete Nuance. Vielleicht \nfindet sich in der Grundhaltung dieses Satzes auch ein ferner Nachklang \njener Stimmung, die Brahms im Adagio mesto seines (1868 \nver\u00f6ffentlichten) Horntrios beschworen hat. <br>\n<br>\nIm Finale (Allegro non troppo, ma energico) herrschen dann wieder \n&#8220;stolzes Kraftgef\u00fchl und Lebenslust&#8221; (Altmann). Der Ton, den Gernsheim \nhier anschl\u00e4gt, hat ein wenig von der B\u00e4rbei\u00dfigkeit, die man recht \nh\u00e4ufig bei Reger, gelegentlich auch beim jungen Pfitzner antrifft; auch \ndie Harmonik des Satzes weist an einigen Stellen (vor allem in der recht\n knappen Durchf\u00fchrung und der originellen Coda) auf die Musik der \nStrauss-Generation voraus. Wie im ersten Satz folgt der Komponist auch \nhier ganz ohne Extravaganzen den etablierten formalen Schemata, und die \nReprise ist wieder &#8211; und diesmal ganz ohne hermeneutischen Hintersinn &#8211; \neine taktgetreue Wiedergabe der Exposition mit nur marginalen \n\u00c4nderungen. Da\u00df diese Treue gegen\u00fcber den erprobten Modellen Hand in \nHand mit einer urw\u00fcchsigen Vitalit\u00e4t geht und ihr durchaus nichts \nSch\u00fclerm\u00e4\u00dfiges oder Akademisches anhaftet, ist ein weiterer Zug, den \nGernsheim mit Reger gemeinsam hat. <br>\n<br>\nNur ein Teil &#8211; wenn auch der bedeutendste &#8211; der nahezu 250 Kompositionen\n Gernsheims liegt gedruckt vor; gr\u00f6\u00dfere Manuskriptbest\u00e4nde befinden sich\n in Berlin und Jerusalem, wohin sie als Nachla\u00df von Gernsheims Tochter \nClara gelangten. Wie Brahms und eine ganze Reihe von Komponisten des \nBrahmskreises hat Gernsheim in seinem OEuvre eigentlich nur die Oper \nbewu\u00dft ausgespart, alle anderen Gattungen sind mit zum Teil bedeutenden \nWerkreihen vertreten. Die Kammermusik, die zusammen mit der Symphonik \nden wohl gewichtigsten Teil seines Schaffens darstellt, macht etwa ein \nZehntel seiner Produktion aus. <br>\nWie immer man sein Schaffen auch beurteilen mag: Sein k\u00fcnstlerisches \nEthos, das sich in rigider Selbstkritik ebenso niederschl\u00e4gt wie in \nseinem hingebungsvollem Einsatz f\u00fcr das Werk seiner Freunde, macht \nFriedrich Gernsheim zu einer ebenso beeindruckenden wie gewinnenden \nGestalt der deutschen Musikgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Gernsheim * 17. Juli 1839\u2020 10. 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