{"id":413,"date":"2019-02-12T19:22:28","date_gmt":"2019-02-12T18:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=413"},"modified":"2019-02-12T19:22:32","modified_gmt":"2019-02-12T18:22:32","slug":"gal-variationen-ueber-eine-alt-wiener-heurigenmelodie-op-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/gal-variationen-ueber-eine-alt-wiener-heurigenmelodie-op-9\/","title":{"rendered":"G\u00e1l: Variationen \u00fcber eine Alt-Wiener Heurigenmelodie op.9"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hans G\u00e1l<\/h3>\n\n\n\n<p>* 05. August 1890<br>\u2020 04. Oktober 1987<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Variationen \u00fcber eine Alt-Wiener Heurigenmelodie op.9<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, Fr\u00fchsommer 1914<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>&#8220;Dem Tr\u00f6n in Grinzing zugeeignet&#8221;<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Simrock, Berlin, 1921<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Nach dem Abschlu\u00df des Maximiliangymnasiums in der Wasagasse, wo sein  \u201eZwillingsbruder\u201c Erich Kleiber sein Sitznachbar und bester Freund  gewesen war, wurde der Arztsohn Hans G\u00e1l Kompositionssch\u00fcler von  Eusebius Mandyczewski. 1913 promovierte er mit einer Dissertation \u00fcber  &#8220;Die Stileigent\u00fcmlichkeiten des jungen Beethoven&#8221; unter den Auspizien  von Guido Adler. In den bangen Wochen vor Ausbruch des Ersten  Weltkrieges schrieb er Variationen f\u00fcr Klaviertrio \u00fcber ein in Grinzing  geh\u00f6rtes Heurigenlied, die nach dem Kriege ver\u00f6ffentlicht wurden und  seither, im Gegensatz zu den meisten anderen Werken G\u00e1ls, eine  ganzeReihe von Neuauflagen erlebt haben. <br> Das Thema ist, ganz wie der Weiglsche &#8220;Gassenhauer&#8221; des Beethoven-Trios  op.11, ein unscheinbares und \u00fcberaus simples Gebilde: ein Achttakter im  Zweivierteltakt, der viermal das gleiche metrische Modell wiederholt &#8211;  ein st\u00e4dtischer Nachfahre eines unverw\u00fcstlichen &#8220;Schnaderh\u00fcpflers&#8221;.  Nichts an diesem Einfall scheint irgendeine Entwicklungsm\u00f6glichkeit zu  bieten; trotzdem ist von Anfang an zu sp\u00fcren, da\u00df G\u00e1l dieses  anspruchslose Material mit einer gewissen liebevollen Sorgfalt und ganz  ohne \u00dcberheblichkeit behandelt. Nachdem alle drei Instrumente der Reihe  nach das Thema vorgestellt haben, beginnt eine ununterbrochene Folge von  24, meist paarweise zusammengeh\u00f6renden Variationen, in deren Verlauf  nur zweimal das achttaktige Schema um kurze \u00dcberleitungen erweitert  wird: nach dem Variationenpaar 11\/12 (das im 7\/8-Takt dahinstolpert)  moduliert eine Codetta nach G-Dur, wo nun eine Gruppe von sechs  Variationen (13-18) im Dreivierteltakt beginnt, in deren Verlauf in  allm\u00e4hlich sich steigerndem Tempo das Lied vom lieben Augustin unser  Variationenthema \u00fcberlagert. Auch hier folgt dann eine knappe  \u00dcberleitung, nach der die Geradtaktigkeit wiederhergestellt wird. Nach  der letzten Variation wird das Thema wieder, analog dem Anfang, von den  drei Instrumenten der Reihe nach rekapituliert, wobei aber diesmal die  Eins\u00e4tze \u201eenggef\u00fchrt\u201c  werden. Diese erste Coda m\u00fcndet in eine \u00fcber  einer chromatischen Ba\u00dflinie viermal wiederholte sch\u00fcchterne Frage. In  die hierauf folgende Stille (ideales Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr musikalische  Huster!) \u201ebricht mit einem Male \/ los der volle, kr\u00e4ft&#8217;ge Chor\u201c. Aber  weil eine Heurigenpartie doch nicht mit Pathos enden soll und darf, auch  wenn es nur ein ausgelassenes ist, gibt es noch ein allerletztes Thema,  das die Geige fast alleine vortr\u00e4gt: das Cello spielt nur die  jeweiligen Abschlu\u00dfnoten (quasi mit herausgestreckter Zunge), und das  Klavier mu\u00df nat\u00fcrlich zw\u00f6lf Glockenschl\u00e4ge vernehmen lassen. Doch nicht  einmal hierin waltet in Grinzing Disziplin &#8211; die letzten beiden  Glockenschl\u00e4ge verlassen das ostinate B und l\u00f6sen schlie\u00dflich jene  chromatische Schlu\u00dfverwirrung aus, die das Werk zu einem nicht eben  nachdenklichen Ende bringt. <br> Grinzing und der liebe Aug:ustin, in den letzten, schon \u00fcberschatteten  Friedenstagen noch einmal wehm\u00fctig und doch auch leichtsinnig beschworen  &#8211; dieses kleine musikalische Apercu ist, in all seiner Bescheidenheit,  doch auch ein privates programmatisches Postskriptum zu einer Epoche,  deren qualvolles und \u00fcber Jahrzehnte prolongiertes Dahinsterben in immer  nacktere Barbarei schlie\u00dflich auch den Komponisten zu einem Heimatlosen  und Enterbten machen sollte. G\u00e1l, einst Mitarbeiter Eusebius  Mandyczewskis im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, fand  nach einem Intermezzo als Direktor der Musikhochschule in Mainz  (1929-1933) nach 1938 Zuflucht in Edinburgh, wo er 1987 gestorben ist<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans G\u00e1l * 05. August 1890\u2020 04. Oktober 1987 Variationen \u00fcber eine Alt-Wiener Heurigenmelodie op.9 Komponiert: Wien, Fr\u00fchsommer 1914 Widmung: &#8220;Dem Tr\u00f6n in Grinzing zugeeignet&#8221; Erstausgabe: Simrock, Berlin, 1921 Nach dem Abschlu\u00df des Maximiliangymnasiums in der Wasagasse, wo sein \u201eZwillingsbruder\u201c Erich Kleiber sein Sitznachbar und bester Freund gewesen war, wurde der Arztsohn Hans G\u00e1l Kompositionssch\u00fcler [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-413","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=413"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":414,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413\/revisions\/414"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}