{"id":409,"date":"2019-02-12T19:20:48","date_gmt":"2019-02-12T18:20:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=409"},"modified":"2019-02-12T19:20:54","modified_gmt":"2019-02-12T18:20:54","slug":"faure-trio-d-moll-op-120","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/faure-trio-d-moll-op-120\/","title":{"rendered":"Faur\u00e9: Trio d-moll op.120"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gabriel Faur\u00e9<\/h3>\n\n\n\n<p>* 12. Mai 1845<br>\u2020 03. November 1924<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio d-moll op.120<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Paris, Mai 1922 &#8211; Februar 1923<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Mme. Maurice Rouvier<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Paris, Soci\u00e9t\u00e9 Nationale de Musique, 12. Mai 1923 <br>\nTatiana Sanz\u00e9vitch, Klavier <br>\nRobert Krettly (1891-), Violine <br>\nJacques Patt\u00e9, Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Durand, Paris, 1923<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/fau01_450x600.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-V9QB88Xz\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/fau01_150x200.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/fau02_600x463.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-V9QB88Xz\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/fau02_200x154.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenige Wochen nach seinem 75. Geburtstag war Faur\u00e9 nach  f\u00fcnfzehnj\u00e4hriger Amtszeit als Direktor des Pariser Conservatoire  pensioniert worden. Die ihn schon seit 1903 qu\u00e4lende Erkrankung des  inneren Ohres hatte im Laufe der Jahre zu fast v\u00f6lliger Taubheit  gef\u00fchrt, zu der sich nun ein fortschreitendes Nachlassen der Sehkraft  gesellte. &#8220;So nimmt man Abschied, St\u00fcck um St\u00fcck&#8230;&#8221; schreibt er seinem  Sohn. Die meiste Zeit verbringt er jetzt bei Freunden in Savoyen und an  der C\u00f4te-d&#8217;Azur. Er leidet unter seiner eigenen Unt\u00e4tigkeit, die immer  seltener von den erl\u00f6senden Momenten wiederaufflammender Schaffenskraft  unterbrochen wird. <br> <br> In Nizza erreicht ihn im J\u00e4nner 1922 ein Brief seines Verlegers Durand,  in dem ihn dieser um die Komposition eines Klaviertrios bittet. Faur\u00e9  macht sich an die Arbeit, aber etliche Wochen sp\u00e4ter mu\u00df er resignierend  feststellen: <br> <br> &#8220;Ich habe in all der Zeit hier noch keine zwei brauchbaren Noten  geschrieben&#8230; ich tue nichts als ein wenig lesen, Besuche empfangen &#8211;  und von fr\u00fch bis sp\u00e4t meine sch\u00f6ne Nachbarin, das Mittelmeer  betrachten.&#8221; <br> <br> Erst im Mai, schon wieder in Paris, beginnt der Kopfsatz des Trios  Gestalt anzunehmen; doch bald ger\u00e4t die Arbeit wieder ins Stocken. Um  der bedr\u00fcckenden Lethargie zu entfliehen, fa\u00dft Faur\u00e9 den Entschlu\u00df, noch  einmal in das Land seiner Kindheit zu reisen. Aus  Gesundheitsr\u00fccksichten kann er zwar nicht nach Pamiers fahren, aber in  Argel\u00e8s, s\u00fcdlich von Lourdes, wo er den ganzen Juli verbringt, hat er  auch Tag f\u00fcr Tag die geliebten Pyren\u00e4en vor Augen. Und wirklich: hier  endlich l\u00f6st sich der Bann. Als er im August zu seinen Freunden nach  Savoyen abreist, hat er schon einen Teil des Andantino im Kopf  konzipiert. In Annecy-le-Vieux, in der Villa &#8220;Charmilles&#8221;, die er  zusammen mit seinen Freunden Fernand und Louise Maillot bewohnt,  schreibt er dann innerhalb weniger Tage dieses Herzst\u00fcck des Werkes  nieder, das zu diesem Zeitpunkt \u00fcbrigens noch als Trio f\u00fcr Klarinette,  Violoncello und Klavier konzipiert war und die Violine nur als  Alternativbesetzung vorsah. <br> <br> Aus  Furcht, an der C\u00f4te-d&#8217;Azur wieder in Unt\u00e4tigkeit zu versinken,  entschlie\u00dft sich Faur\u00e9, den Winter diesmal in Paris zu verbringen. In  der Einsamkeit seiner Wohnung, 32, rue des Vignes, schreibt der taube  und halbblinde Meister in diesen Wintermonaten die Ecks\u00e4tze des Trios,  das schlie\u00dflich im Februar 1923 vollendet wird. An Faur\u00e9s 78. Geburtstag  wird das Trio in einem Konzert der Soci\u00e9t\u00e9 Nationale de Musique  uraufgef\u00fchrt; doch die eigentliche Wirkungsgeschichte des Werkes beginnt  erst einige Wochen sp\u00e4ter, am 19. Juni 1923: an diesem Tag findet in  der Salle Pleyel ein denkw\u00fcrdiges Konzert statt, in dessen Mittelpunkt  das neue Trio steht. Alfred Cortot, Jacques Thibaud und Pablo Casals  sind diesmal die Interpreten. <br> <br> Das er\u00f6ffnende Allegro ma non troppo ist ein klassisch gebauter  Sonatensatz, dessen Wirkung (wie im Kopfsatz des Trios von Ravel, das  Faur\u00e9 sehr bewunderte) auf der subtilen Balance von formgebend-  &#8220;bildhauerischen&#8221; und stimmungsbildenden, &#8220;malerischen&#8221; Mitteln beruht:  w\u00e4hrend die \u00d6konomie und Koh\u00e4renz des motivischen Materials das Gef\u00fchl  gr\u00f6\u00dfter Geschlossenheit vermittelt, erweckt die Harmonik und  melodisch-rhythmische Gestik des Satzes den Eindruck schwebender und  unbegrenzter Freiheit. <br> <br> Das Andantino (F-Dur) ist einer der gl\u00fccklichsten Momente der  franz\u00f6sischen Kammermusik \u00fcberhaupt; die durchf\u00fchrungslose zweiteilige  Form bietet Raum f\u00fcr zwei sehr gegens\u00e4tzliche Gedanken, die aber  schlie\u00dflich in der Coda m\u00fchelos ineinander aufgehen. In harmonischer  Hinsicht h\u00e4lt der Satz einige der kostbarsten Trouvaillen bereit, und  man ist Faur\u00e9 daf\u00fcr dankbar, da\u00df er uns durch die gro\u00dfz\u00fcgige Verwendung  von Sequenzen erm\u00f6glicht, einigen dieser unfa\u00dfbaren Schritte mehr als  einmal folgen zu d\u00fcrfen. <br> <br> Das Kopfmotiv des Finalsatzes (Allegro vivo) erinnert oberfl\u00e4chliche  H\u00f6rer immer nur an eine Allerweltswendung aus Leoncavallos &#8220;Pagliacci&#8221;,  einer Musik, mit deren \u00e4u\u00dferlich-effektvollem Pathos Faur\u00e9s Idiom nun  wirklich gar nichts zu schaffen hat. Die Allure ist die eines von  rhapsodischen und rezitativischen Momenten unterbrochenen franz\u00f6sischen  Tanzes mit seinen typisch gallischen Dreitaktgruppen. Die Endfassung  unterstreicht diese Herkunft durch die Verwendung des im franz\u00f6sischen  Volkstanz beliebten Dreiachteltaktes ( &#8211; in der Urfassung, deren  Autograph sich heute in Chicago befindet, stand der Satz noch im  &#8220;klassischen&#8221; Dreivierteltakt.). An einigen Stellen scheint sich der  Tanz in recht be\u00e4ngstigendes harmonisches Gestr\u00fcpp zu verirren oder in  unberechenbare rhythmische Stromschnellen zu geraten, aber all diese  Hindernisse k\u00f6nnen die strahlende D-Dur-Apotheose nicht gef\u00e4hrden. <br> <br> \u00dcber alle Ma\u00dfen bewundernswert ist, wie Faur\u00e9 es versteht, weder die  Cellostimme noch den Klavierba\u00df mit den \u00fcblichen Ba\u00dffunktionen zu  belasten, ohne deswegen die traditionelle Klaviertriotextur in Unordnung  zu bringen; das sich daraus ergebende feine Wechselspiel zwischen  weiten, &#8220;ba\u00dflosen&#8221;, also sozusagen schwerelosen Teilen einerseits und  den sorgf\u00e4ltig plazierten Momenten, wo Funktionsb\u00e4sse den entscheidenden  Punkten Tiefe und Gewicht geben, geh\u00f6rt zu den unnachahmlichen  Eigenheiten von Faur\u00e9s Sp\u00e4tstil. <br> <br> Am  20. Juni 1923, gerade einen Tag nach der zweiten &#8220;Urauff\u00fchrung&#8221; des  Trios durch Cortot\/Thibaud\/Casals, findet in der Sorbonne ein  feierlicher nationaler Festakt unter dem Motto &#8220;Hommage \u00e0 Faur\u00e9&#8221; statt.  Doch dieses Bild des schon zu Lebzeiten kanonisierten Nationalheiligen  der franz\u00f6sischen Musik ist tr\u00fcgerisch. Es gibt unter den wirklich  gro\u00dfen Meistern der Musik vielleicht keinen zweiten, dessen Musik so  beharrlich verkannt und so wenig wirklich gekannt wird. Ganz ohne Groll  und etwas belustigt berichtet Faur\u00e9 1922, man habe ihn in der  \u00d6ffentlichkeit zur Auff\u00fchrung seiner &#8220;neuen&#8221; Ballade f\u00fcr Klavier und  Orchester herzlich begl\u00fcckw\u00fcnscht &#8211; Entstehung und Urauff\u00fchrung dieses  Werkes lagen damals immerhin schon rund vierzig Jahre zur\u00fcck. Ein  Jahrzehnt nach Faur\u00e9s Tod schreibt Wilhelm Altmann \u00fcber das Trio, es sei  d\u00fcrftig, langweilig und weitschweifig. Wenn das nun nicht gerade jener  selbe (durch seine sorgf\u00e4ltigen Bibliographien im \u00fcbrigen sehr  verdienstvolle) Wilhelm Altmann, langj\u00e4hriger Direktor der Musiksammlung  der Preu\u00dfischen Staatsbibliothek in Berlin, w\u00e4re, der im gleichen  Atemzug harmlose Epigonen gro\u00dfz\u00fcgig zu &#8220;Meistern&#8221; ernennt, der aber  gleichwohl nicht mutig genug ist, um eine recht wohlwollende Beurteilung  der Klaviertrios Anton Rubinsteins stehen zu lassen, ohne sich durch  die k\u00fchne Behauptung abzusichern, Rubinstein sei &#8220;arischer Sibirier&#8221;  gewesen, k\u00f6nnte man sich die M\u00fche machen, ihm das Urteil zur\u00fcckzugeben;  das Werk selbst verteidigt sich aber wohl am besten. <br> <br> Und heute? Seit Jahren sind wichtige Werke Faur\u00e9s im Notenhandel  vergriffen. Nur einige wenige &#8220;Schlager&#8221; der fr\u00fchen und mittleren  Schaffensperiode haben es zu unangefochtener Popularit\u00e4t gebracht. Die  harmonisch und kontrapunktisch viel kompliziertere und spr\u00f6dere Sprache  der Sp\u00e4twerke hat dagegen nur wenige Freunde gefunden; und doch ist es  gerade dieser Faur\u00e9, \u00fcber den ein Kritiker nach der Urauff\u00fchrung des  Trios halb bewundernd, halb besorgt meinte: &#8220;Wohin wird er wohl noch  gehen, wenn er hundert Jahre alt wird?&#8221; <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriel Faur\u00e9 * 12. Mai 1845\u2020 03. November 1924 Trio d-moll op.120 Komponiert: Paris, Mai 1922 &#8211; Februar 1923 Widmung: Mme. Maurice Rouvier Urauff\u00fchrung: Paris, Soci\u00e9t\u00e9 Nationale de Musique, 12. Mai 1923 Tatiana Sanz\u00e9vitch, Klavier Robert Krettly (1891-), Violine Jacques Patt\u00e9, Violoncello Erstausgabe: Durand, Paris, 1923 Wenige Wochen nach seinem 75. 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