{"id":407,"date":"2019-02-12T19:19:58","date_gmt":"2019-02-12T18:19:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=407"},"modified":"2019-02-12T19:20:03","modified_gmt":"2019-02-12T18:20:03","slug":"dvorak-dumky-trio-nr-4-e-moll-op-90-b-166","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/dvorak-dumky-trio-nr-4-e-moll-op-90-b-166\/","title":{"rendered":"Dvo\u0159\u00e1k: Dumky (Trio Nr.4), e-moll, op.90 [B 166]"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k<\/h3>\n\n\n\n<p>* 08. September 1841<br>\u2020 01. Mai 1904<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Dumky (Trio Nr.4), e-moll, op.90 [B 166]<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Prag, November 1890 &#8211; 12. Februar 1891<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Prag, Mestansk\u00e1 beseda, 11. April 1891<br>\nAnton\u00edn Dvor\u00e1k, Klavier<br>\nFerdinand Lachner (1856-1910), Violine<br>\nHanus Wihan (1855-1920), Violoncello<br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Simrock, Berlin, 1894<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Schon eine Woche nach Beendigung des zweiten Klavierquartetts (op.87)  finden wir Dvor\u00e1k in Vysok\u00e1 \u00fcber der VIII. Symphonie (G-Dur, op.88).  Die Prager Urauff\u00fchrung dieses Werkes (2. Februar 1890), die der  Komponist selbst leitete, markiert den Ausgangspunkt eines ausgedehnten  und unerfreulichen Briefwechsels mit Fritz Simrock, an dessen Ende der  vorl\u00e4ufige Abbruch der Beziehungen steht (11. Oktober 1890). In der  furiosen Stretta dieser Auseinandersetzung schreibt Dvor\u00e1k:<br> <br> \u201eNachdem Sie also f\u00fcr gut befunden haben, meine Sinfonie abermals  abzulehnen, werde ich Ihnen k\u00fcnftig keine gro\u00dfen kostspieligen Werke  anbieten, weil ich von vorne wei\u00df, da\u00df Sie solche Werke, wie Sie sagen,  nicht edieren k\u00f6nnen.<br> Sie raten mir, ich soll kleine Werke schreiben; das ist recht schwer,  denn was kann ich daf\u00fcr, da\u00df mir gerade nicht ein Motiv f\u00fcr ein Lied  oder sonst f\u00fcr ein Klavierst\u00fcck einf\u00e4llt? Und ich habe gerade jetzt  lauter gro\u00dfe Ideen im Kopfe, ich werde tun, was mir der liebe Gott  beschert. Das wird wohl das Beste sein.\u201e<br> (9. Oktober 1890)<br> <br> Mit den \u201egro\u00dfen Ideen\u201e \u00fcbertrieb Dvor\u00e1k wirklich nicht: Seit  Jahresbeginn besch\u00e4ftigte ihn ein Werk, das den Gipfel der 1876 mit dem  Stabat Mater begonnenen  Reihe geistlicher Chor-Orchesterwerke bilden  wird &#8211; das Requiem (op.89\/B 165), eine Komposition von  ehrfurchtgebietender Tiefe und Ausdehnung. Dvor\u00e1k mu\u00dfte nach den  Erfahrungen, die er mit Simrock in den vorangegangenen Jahren gemacht  hatte, recht genau wissen, da\u00df dieser ein derart anspruchsvolles und  aufwendiges Werk niemals akzeptieren w\u00fcrde, und es ist wahrscheinlich,  da\u00df dieses Bewu\u00dftsein Dvor\u00e1ks Entschlu\u00df, die f\u00fcr ihn zunehmend  unerquickliche Gesch\u00e4ftsbeziehung mit Simrock zu beenden, beschleunigte.   Ein neuer Verleger f\u00fcr Symphonie und Requiem stand schon bereit: Der  traditionsreiche Londoner Verlag Novello, der 1887 schon Dvor\u00e1ks f\u00fcr  England komponiertes Oratorium Svat\u00e1 Ludmila \u00fcbernommen hatte, ergriff  entschlossen die sich ihm hier bietende Gelegenheit. Auch wenn der  Komponist sich schon in den n\u00e4chsten Wochen davon \u00fcberzeugen konnte, da\u00df  man auch mit Alfred Littleton, dem gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Leiter des  englischen Verlagshauses, um jedes Pfund feilschen mu\u00dfte, f\u00fchlte er sich  nach dem kl\u00e4renden Gewitter, das einen so lange schwelenden Konflikt  beendet hatte, befreit und erleichtert. <br> Dvor\u00e1k ist nicht nur im Zenit seines Ruhmes (1891 werden ihm in Prag und  Cambridge Ehrendoktorate verliehen), er ist auch in Aufbruchsstimmung:  Er revidiert alte Entscheidungen &#8211; im J\u00e4nner 1891, w\u00e4hrend der  Komposition der Dumky, beginnt er am Prager Konservatorium zu  unterrichten, eine T\u00e4tigkeit, gegen die er sich lange gestr\u00e4ubt hat; und  er fa\u00dft ganz neue und unerwartete Entschl\u00fcsse &#8211; im Dezember 1891 wird  er einen Vertrag unterzeichnen, der ihn zun\u00e4chst auf zwei Jahre an New  York bindet, wo er als Direktor des National Conservatory wirken soll.  Es ist, ganz im Sinne jenes Briefes an Simrock &#8211; \u201eIch werde tun, was mir  der liebe Gott beschert\u201e -, ein befl\u00fcgelndes Gef\u00fchl neugewonnener oder  neuerkannter Freiheit, das sich in diesen \u00e4u\u00dferen Vorg\u00e4ngen, noch viel  mehr aber in Dvor\u00e1ks kompositorischem Werk manifestiert. Das Bewu\u00dftsein,  ohne bange Seitenblicke auf die Erwartungen von Verlegern und die  Gewohnheiten des Publikums einfach nur die \u201eBahnen, welche uns zum  h\u00f6chsten Ziele der herrlichen Kunst f\u00fchren\u201e (Brief an Hans Richter, 16.  Oktober 1890) gehen zu d\u00fcrfen (und zu k\u00f6nnen!), ist jedenfalls eine der  Quellen, aus denen das n\u00e4chste Werk Dvor\u00e1ks seine \u00fcberw\u00e4ltigende  Lebenskraft bezieht: die Dumky. <br> <br> Dumka ist das seit dem XIX. Jahrhundert weitere Verbreitung findende  Diminutiv des uns heute in ganz anderem Zusammenhang wieder gel\u00e4ufig  gewordenen Wortes Duma. Dieses steht mit dem fast allen slavischen  Sprachen gemeinsamen Verb dumati (denken, nachdenken, sinnen) in  Zusammenhang. Sp\u00e4testens seit dem XVI. Jahrhundert wird in Polen und der  Ukraine mit Duma eine besondere Form des erz\u00e4hlenden Volksliedes  bezeichnet. Die Systematiker unter den Folkloristen haben lange  versucht, die &#8211; offensichtlich immer wieder synonym gebrauchten &#8211;  Termini Duma und Dumka s\u00e4uberlich voneinander zu scheiden. Demnach w\u00e4re  die Duma ein episches Lied von rezitativischer, h\u00e4ufig auch  orientalisierender Melodik und mit ungleich langen Verszeilen, das meist  von blinden, umherziehenden Rhapsoden vorgetragen wurde, wobei sich der  S\u00e4nger mit Kobza oder Bandura (einer zw\u00f6lfsaitige Laute) selbst  begleitete. Mit Dumka w\u00fcrde hingegen ein elegisches Lied von  schlichterer und ruhiger Melodik und mit regelm\u00e4\u00dfigerem Strophenbau  bezeichnet, das \u00fcblicherweise von Frauen und M\u00e4dchen im Chor gesungen  wurde.<br> Dvor\u00e1k, von dem die Fama wissen will, er habe sich eines Tages, nachdem  er die Bezeichnung Dumka schon etliche Male in seinem Werk verwendet  hatte, im Kaffeehaus bei einem Spezialisten ganz nebenbei nach der  eigentlichen Bedeutung des Wortes erkundigt, hat jedenfalls dem Begriff  einen neuen, gleichzeitig weiteren und spezifischeren Inhalt gegeben: Er  warf in genialer Unbek\u00fcmmertheit all diese sorgf\u00e4ltig konstruierten  Unterscheidungen \u00fcber den Haufen, erfa\u00dfte dabei aber das eigentliche  Wesen der hier zusammenflie\u00dfenden musikalischen Formen und Traditionen  so pr\u00e4gnant, da\u00df sich erst durch seine Neusch\u00f6pfung der urspr\u00fcngliche  Zauber des volkst\u00fcmlichen Urbildes auch in der Kunstmusik entfalten  konnte. Dvor\u00e1ks Rolle gleicht hierin der eines eigensch\u00f6pferischen  \u00dcbersetzers, der f\u00fcr ein schwer verst\u00e4ndliches Dialektwort eine  hochsprachliche Entsprechung von kristalliner Klarheit findet, in der  alle Poesie des Originals lebendig bleibt.<br> Das hei\u00dft aber nun durchaus nicht, erst Dvor\u00e1k habe das Genre  \u201esalonf\u00e4hig\u201e und f\u00fcr die Kunstmusik verwendbar gemacht: Schon die  Komponisten der polnischen Renaissance haben stilisierte Dumy  geschaffen, und seit man in ganz Europa den unverbrauchten Reiz  nationalen Kolorits zu sch\u00e4tzen beginnt, finden nat\u00fcrlich auch Dumy und  Dumky in die gesamteurop\u00e4ische Kunstmusik Eingang. Die beiden   popul\u00e4rsten Dumky (die im deutschen Sprachraum mit dem Text \u201eSch\u00f6ne  Minka, ich mu\u00df scheiden\u201e bekannt gewordene und Hrycio) kamen so schon  bald zu internationalem Ruhm:  Die erstere hat schon Beethoven in seinem  Variationenzyklus op.107 (1817\/18), sp\u00e4ter dann auch Henryk Wieniawski  (1853) verwendet, w\u00e4hrend Hrycio in Liszt (1847) einen dankbaren und  geschickten Verwerter fand &#8211; die Reihe lie\u00dfe sich beliebig lange  fortsetzen. In unserem Zusammenhang ist vielleicht noch erw\u00e4hnenswert,  da\u00df auch Tschaikovskij eine Dumka (f\u00fcr Klavier solo, op.59, 1886)  geschrieben hat, die sich in Bau und Eigenart von den Dvor\u00e1kschen Dumkas  ganz deutlich unterscheidet.<br> Dvor\u00e1ks Neusch\u00f6pfung der Dumka setzt mit einem einzeln als Klavierst\u00fcck  enstandenen Werk ein (op.35\/B 64, 1876) &#8211; hier findet man schon die f\u00fcr  die sp\u00e4teren Dumky charakteristische tonartliche Bipolarit\u00e4t, aber noch  nicht das Wechselspiel zwischen ruhigen und bewegten Abschnitten, ein  Wesenszug, der in der ukrainischen Volksmusik als Folge von elegischer  Dumka und t\u00e4nzerischer Sumka pr\u00e4formiert ist. In der zwei Jahre sp\u00e4ter  entstandenen n\u00e4chsten Dvor\u00e1kschen Dumka, dem zweiten Satz des  A-Dur-Streichsextetts (op.48\/B 80) liegen die Dinge \u00e4hnlich &#8211; die tonale  Dramaturgie ist noch entfalteter, die Bewegung freier (Poco allegretto &#8211;  Andante &#8211; Adagio), aber nicht bipolar; daf\u00fcr folgt dieser Dumka  (sozusagen als Sumka-Ersatz) ein Furiant. Erst mit der im Folgejahr als  zweiter Satz des Streichquartetts Es-Dur (op.51\/B 92) komponierten Dumka  etabliert Dvor\u00e1k jenen paradigmatischen Typus, der zum Ausgangspunkt  f\u00fcr die Dumky-Metamorphosen unseres Klaviertrios werden sollte: hier  findet sich die tonartliche (G-moll\/B-Dur\/G-Dur) und charakterliche  (Andante con moto &#8211; Vivace\/Presto) Mehrschichtigkeit in einem Satz  vereint. <br> Es ist bezeichnend, da\u00df auf diesen entscheidenden Entwicklungsschritt  eine Z\u00e4sur folgt: Mehr als f\u00fcnf Jahre vergehen, bis Dvor\u00e1k wieder auf  die Dumka zur\u00fcckkommt. 1884 schreibt er ein unter der irref\u00fchrenden  Opusnummer 12 ver\u00f6ffentlichtes Diptychon (Dumka &#8211; Furiant, B 136\/137).  Dieses schon im Streichsextett op.48 erprobte Schema greift er dann 1887  in den Mittels\u00e4tzen des Klavierquintetts op.81 noch einmal auf, wobei  er aber dem \u201eentwickelten\u201e, durchg\u00e4ngig bipolaren Typus der Dumka treu  bleibt.<br> Wie man sieht, hat Dvor\u00e1k die dramaturgischen und formalen M\u00f6glichkeiten  dieses seinem Naturell sehr entgegenkommenden Genres zielstrebig  entwickelt und in den verschiedensten instrumentalen Kombinationen  angewendet &#8211; mit Ausnahme der beiden Klavierdumky op.35 und op.12  erscheint jede Instrumentationsvariante auch nur ein einziges Mal. Die  Idee, ein kompositorisches Konzept, das ihn \u00fcber einen so langen  Zeitraum hinweg  immer wieder inspiriert hat, nun in einem zyklischen  Werk nicht eben systematisch, aber doch umfassender und tiefer  auszuloten, ist ein mit aller Selbstsicherheit und Ungebundenheit  unternommenes Experiment, wie es gar nicht besser zur Aufbruchsstimmung  Dvor\u00e1ks passen h\u00e4tte k\u00f6nnen.<br> <br> Wie immer, wenn ein lang vertrautes Schema durchbrochen wird, liegt auch  bei Dvor\u00e1ks Dumky die Versuchung nahe, die Neusch\u00f6pfung mit den  altgewohnten Modellen zu vergleichen und, wenn irgend m\u00f6glich, in  Verbindung zu bringen. Dvor\u00e1k legt diesem allzu menschlichen Bed\u00fcrfnis  keine gro\u00dfen Hindernisse in den Weg &#8211; er ist frei genug, sich nicht als  Revolution\u00e4r geb\u00e4rden zu m\u00fcssen. Da die ersten drei S\u00e4tze des Werkes  schon durch die Spielanweisung attacca subito, mehr aber noch aufgrund  ihrer tonartlichen Verwandtschaft (E-moll\/Dur &#8211; Cis-moll &#8211; A-Dur) eine  untrennbare Einheit bilden, ist es ein leichtes, in ihnen gewisserma\u00dfen  einen gro\u00dffl\u00e4chigen Kopfsatz zu sehen. Dann wird der vierte Satz  (D-moll) mit seinem toposhaften Violoncello-Solo zu einem ganz typischen  \u201elangsamen Satz\u201e; der f\u00fcnfte (Es-Dur\/moll), der als einziger die  Tempoabfolge Rasch-Langsamer aufweist und noch dazu im Sechsachteltakt  steht, nimmt ganz ohne Str\u00e4uben die Stelle eines \u201eScherzos\u201e ein, und der  letzte Satz (C-moll\/Dur) kann dann unser liebgewordenes viers\u00e4tziges  Schema vervollst\u00e4ndigen.<br> So verlockend diese Sichtweise auch sein mag, so geht sie doch, f\u00fcr sich  allein genommen, v\u00f6llig an der Eigenart dieses Werkes vorbei. Nat\u00fcrlich  ist es kein Zufall, da\u00df sich diese Deutung gewisserma\u00dfen von selbst  anbietet: aber es ist eben nur eine, und wahrscheinlich die am wenigsten  erhellende Lesart der Gro\u00dfform dieses Werkes.<br> Der Reiz der Dumky liegt ja unter anderem darin, da\u00df Dvor\u00e1k das Modell  der Dumka, so wie er es zwischen 1876 und 1887 neugepr\u00e4gt hatte,  gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen variiert: je nachdem, welchen  Aspekt der Dramaturgie &#8211; formaler Ablauf, Tonarten- oder Tempoabfolge &#8211;  man in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt, ergibt sich beim Blick  auf das Werkganze ein jeweils anderes und neues Bild. Der spielerische  R\u00fcckbezug auf das traditionelle viers\u00e4tzige Modell wirkt nur im  Hintergrund dieser kaleidoskopartig synchronen Vielgesichtigkeit, als  verborgene, zus\u00e4tzliche Dimension. Die Hierarchie zwischen diesen Ebenen  ergibt sich aus einem simplen empirischen Umstand: R\u00fcckt man die  epimetheische Perspektive der Viers\u00e4tzigkeit in den Mittelpunkt, so wird  das subtilere Wechselspiel der anderen Parameter \u00fcbert\u00f6nt; geht man  aber von diesem aus, so bleibt jener robustere Aspekt immer noch  erhalten.<br> Aus dem Blickwinkel des formalen Ablaufs betrachtet, stellen sich die  sechs S\u00e4tze des Werkes als eine Abfolge von drei Satzpaaren dar. Dvor\u00e1k  verwendet dabei zwei formale Grundmodelle: ein lineares (AB) und ein  zyklisches (ABA). Die beiden Satzpaare I &amp; II und V &amp; VI  repr\u00e4sentieren verschiedene Varianten des linearen Typs, w\u00e4hrend das  zentrale Satzpaar III &amp; IV zwei Spielarten des zyklischen Verlaufs  realisiert. Dabei f\u00fchrt der Weg immer von den einfacheren zu den  verwickelteren Formen: W\u00e4hrend die S\u00e4tze I und II das Grundschema  einfach verdoppeln (AB\/AB), erscheint es in den S\u00e4tzen V und VI in  erweiterter Form (ABC\/ABC, bzw. ABC\/AB Coda). Analog dazu verl\u00e4uft die  formale Entfaltung im zyklisch gebauten mittleren Satzpaar: III  exponiert das einfache Ausgangsmodell (ABA), w\u00e4hrend IV diese Form zu  einem vollst\u00e4ndigen vierstrophigen Lied mit Zwischenstrophen (ABABACA  Coda) erweitert. Bei all diesen Varianten ist anzumerken, da\u00df die  Formglieder jedes Satzes immer auf einem einzigen Motiv basieren,  wodurch Dvor\u00e1k in all dieser Vielfalt ein H\u00f6chstma\u00df an innerem  Zusammenhalt erreicht. <br> Die innere tonartliche Dramaturgie der S\u00e4tze zeigt uns ein v\u00f6llig  anderes Bild: auch hier sind drei Satzpaare erkennbar, durch die das  Werk aber in ganz anderer Weise gegliedert wird (II &amp; VI: eine  Tonart, I &amp; III: eine Tonart mit ihrer Moll- bzw. Durvariante; IV  &amp; V: durchgehend modulierend). Der \u00e4u\u00dfere tonartliche Verlauf bindet  hingegen die S\u00e4tze I-IV (mit dem A-Dur der dritten Dumka als  \u201eZentraltonart\u201c) und V-VI (Es-Dur\/C-moll) enger aneinander.<br> Bei der Tempoabfolge innerhalb der S\u00e4tze war der vorgegebene Spielraum  enger: Wie wir gesehen haben, geh\u00f6rte die Kontrastierung der Tempi seit  op.51 ja zu den unverzichtbaren Pr\u00e4missen der Dvor\u00e1kschen Dumka.  Folgerichtig weisen alle S\u00e4tze des Werkes diesen Kontrast auf. Nur der  f\u00fcnfte Satz, der auch durch seine ganz besonders ausgepr\u00e4gte motivische  Koh\u00e4renz und modulatorische Mobilit\u00e4t heraussticht, kehrt die f\u00fcr die  Dumka bei Dvor\u00e1k sonst a priori geltende Tempoabfolge Langsam-Rasch in  ihr Gegenteil um, minimiert dabei aber gleichzeitig das Ausma\u00df des  Kontrastes. <br> Die Bipolarit\u00e4t, die sich in der Abfolge kontrastierender Tempi am  sinnf\u00e4lligsten manifestiert, ist auch &#8211; ganz unabh\u00e4ngig von der von  jedem Zuh\u00f6rer frei zu w\u00e4hlenden Perspektive &#8211; die alle S\u00e4tze einigende  Konstante des Werkes. Und es ist daher kein Zufall, da\u00df diese  Doppelgesichtigkeit im rhapsodischen Schlu\u00dfsatz in eindruchsvoller Weise  \u00fcbersteigert wird: Dvor\u00e1k verabschiedet sich vom Genre des  Klaviertrios, dem er einige seiner inspiriertesten Momente geschenkt  hat, mit einem gro\u00dfartigen Gem\u00e4lde aus heroischer Trauer und \u00fcberm\u00fctigem  Trotz, in das wie aus der Ferne T\u00f6ne einer kindlich-reinen Erinnerung  her\u00fcberklingen.<br> <br> Nachdem es \u00fcber ein Jahr lang keinen brieflichen Kontakt mehr zwischen  Dvor\u00e1k und Simrock gegeben hatte, sind es eben die Dumky, um die zur  Jahreswende 1891\/92 ein z\u00f6gernder und von beiden Seiten mit  distanzierter Vorsicht betriebener Neubeginn der Korrespondenz kreist.  Da aber keiner der beiden Eile hatte, die alten Beziehungen  wiederherzustellen, bleibt dieser Kontakt Episode, und Dvor\u00e1k verhandelt  noch Anfang 1893 auch mit Alfred Littleton \u00fcber die Herausgabe des  neuen Trios. Von seinem halbtschechischen Sommerdomizil Spillville  (Iowa) aus beantwortet der Meister dann einen etwas entschlosseneren  Vorsto\u00df seines ehemaligen Verlegers in behaglich-selbstsicherem Ton:<br> <br> \u201eMein lieber Freund, ich komponiere, Gott sei Dank, nur mehr zu meinem  Vergn\u00fcgen, und bin ziemlich unabh\u00e4ngig. Ich habe hier 15 000 Dollars  (oder 60 000 Mark) salary &#8211; und so bin ich in der Lage, meine  Mu\u00dfestunden der Komposition zu widmen und bin gl\u00fccklich. Ich kann also  mit der Ver\u00f6ffentlichung meiner Werke warten.\u201e<br> (um den 2. Juli 1893)<br> <br> Da sich Simrock diesmal aber als etwas diplomatischer und gro\u00dfz\u00fcgiger  als drei Jahre zuvor erweist, wird man im Herbst 1893 schlie\u00dflich doch  handelseins, und so kehrt Dvor\u00e1k mit den Dumky nach vierj\u00e4hriger  Abwesenheit 1894 wieder in den Verlag Simrock zur\u00fcck. Auch Brahms, der  1877 die erste Verbindung zwischen Dvor\u00e1k und Simrock angebahnt hat,  wirkt im Hintergrund  an dieser Vers\u00f6hnung mit &#8211; da Dvor\u00e1k noch immer in  Amerika ist, \u00fcbernimmt er zuletzt auch das m\u00fchsame und undankbare  Gesch\u00e4ft der Korrekturarbeit (und hinterl\u00e4\u00dft in der vierten Dumka en  passant ein diskretes, aber un\u00fcberh\u00f6rbares Unterpfand seines Wirkens).  Die Freiheit, die Dvor\u00e1k sich in der Zwischenzeit erk\u00e4mpft hat, kann ihm  jedenfalls kein Verleger der Welt mehr nehmen &#8211; und in den Dumky ist  diese Freiheit Musik geworden.<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k * 08. September 1841\u2020 01. Mai 1904 Dumky (Trio Nr.4), e-moll, op.90 [B 166] Komponiert: Prag, November 1890 &#8211; 12. Februar 1891 Urauff\u00fchrung: Prag, Mestansk\u00e1 beseda, 11. April 1891 Anton\u00edn Dvor\u00e1k, Klavier Ferdinand Lachner (1856-1910), Violine Hanus Wihan (1855-1920), Violoncello Erstausgabe: Simrock, Berlin, 1894 Schon eine Woche nach Beendigung des zweiten Klavierquartetts (op.87) [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-407","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=407"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/407\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":408,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/407\/revisions\/408"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}