{"id":393,"date":"2019-02-12T19:14:05","date_gmt":"2019-02-12T18:14:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=393"},"modified":"2019-02-12T19:14:11","modified_gmt":"2019-02-12T18:14:11","slug":"castillon-premier-trio-pour-piano-violon-et-violoncelle-si-bemol-majeur-op-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/castillon-premier-trio-pour-piano-violon-et-violoncelle-si-bemol-majeur-op-4\/","title":{"rendered":"Castillon: [Premier] Trio pour Piano, Violon et Violoncelle, Si b\u00e9mol Majeur, op. 4"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alexis de Castillon<\/h3>\n\n\n\n<p>* 13. Dezember 1838<br>\u2020 05. M\u00e4rz 1873<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">[Premier] Trio pour Piano, Violon et Violoncelle, Si b\u00e9mol Majeur, op. 4<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Pau (Ch\u00e2teu des Forges), 1865?<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Vicomtesse de Truchi n\u00e9e de Castillon<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>erste dokumentierte private Auff\u00fchrung: Paris, J\u00e4nner 1868<br>\nAlexis de Castillon, Klavier <br>\nFriedrich Wilhelm Langhans (1832-1892), Violine<br>\n?, Violoncello <br>\nerste dokumentierte \u00f6ffentliche Auff\u00fchrung: <br>\nParis, Salle Pleyel 14. J\u00e4nner 1893 <br>\nVincent d\u00b4Indy (1851-1931), Klavier <br>\nAlberto Geloso (1863-?), Violine <br>\nFrederic (Frits) Schneklud (1859-1930), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Flaxland, Paris 1866<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Unter den (abseits der von Castillons Lehrer Victor Mass\u00e9 geforderten  Pflicht\u00fcbungen) in der Mitte der 1860er Jahre entstandenen  Kompositionen nimmt die Kammermusik in Alexis de Castillons Schaffen den  ersten Platz ein, was sowohl mit seiner ureigensten Berufung als auch  mit der praktischen Anregung durch den <em>Cercle de l&#8217;Union artistique<\/em>  zu tun hat. Schon im Dezember 1863 beendet Castillon ein allererstes  (unver\u00f6ffentlicht gebliebenes) Klaviertrio in D-Dur; zur selben Zeit  arbeitet er an seinem Opus 1, einem ganz im Banne Schumanns  geschriebenen Klavierquintett in Es-Dur. Dieses f\u00fcr Castillons Schaffen  emblematische Werk ist der Marquise Francoise d&#8217; Angosse gewidmet, auf  deren Schlo\u00df bei Pau (Ch\u00e2teau des Forges) sich der Komponist meistens  den Winter \u00fcber aufhielt. Diesem 1864 abgeschlossenen und im n\u00e4chsten  Jahr im Pariser Verlag von Gustav Alexander Flaxland ver\u00f6ffentlichten  Werk folgen 1865 mit dem Streichquartett a-Moll op. 3 Nr. 1 und unserem  B-Dur-Klaviertrio op. 4 zwei weitere ambitionierte Kammermusikwerke, die  gleichfalls bald nach ihrem Entstehen von Flaxland gedruckt werden. <br> Das Klaviertrio widmete Castillon seiner inzwischen mit dem Vicomte de  Truchi verheirateten Schwester. Dem durchaus nicht auf konzertanten  Effekt gerichteten, intimen und ungezwungenen Ton des Werkes, scheint  diese Widmung gut zu entsprechen; und obwohl es eine Reihe  kompositiorischer &#8220;Unarten&#8221; aufweist, die in Castillons letztem Trio,  dem im Todesjahr des Komponisten vollendeten und posthum  ver\u00f6ffentlichten D-Moll-Trio op. 17, weitgehend \u00fcberwunden erscheinen,  offenbart es in vielleicht noch reinerer und unschuldigerer Form die  M\u00f6glichkeiten und Besonderheiten von Castillons nicht allt\u00e4glichem  Talent.<br>  <br> Der erste Satz ist mit <strong>Pr\u00e9lude et Andante<\/strong> \u00fcberschrieben: einer  den Organisten Castillon erraten lassenden rhapsodischen Introduktion  folgt ein von rezitativischen Z\u00fcgen gepr\u00e4gtes und keinem festgef\u00fcgten  Formschema verpflichtetes Andante, das nahtlos in den zweiten Satz <strong>Scherzo. Allegro<\/strong>,  d-Moll) \u00fcberleitet. Hier wird der t\u00e4nzerische Topos der traditionellen  Gigue- und Tarantella-Vorbilder auf originelle Weise unterlaufen:  unerwartete Synkopierungen und Tempor\u00fcckungen brechen den Flu\u00df, und als  &#8220;Trio&#8221; begegnet uns gar ein veritables Fugato im Zweivierteltakt  (D-Dur). Die gem\u00e4\u00df den Beethovenschen Modellen voll ausgef\u00fchrte  f\u00fcnfteilige Form endet in einer hymnischen Vergr\u00f6\u00dferung einer  Durvariante des Scherzothemas &#8211; und wenn zuletzt ein Mollschatten die  Euphorie in Frage stellt, so scheint auch ein ber\u00fchrender Selbstzweifel  des Komponisten mitzuklingen. <br> Die folgende <strong>Romance<\/strong> (g-Moll), in der ein ganz sakral gestimmtes  Klavier (hinter dem man wieder unschwer die Orgel vernehmen kann) den  elegisch-emfindsamen Streichern gegen\u00fcbergestellt wird, w\u00fcrde bei einem  H\u00f6rtest mit einiger Sicherheit einem russischen Komponisten zugeordnet  werden &#8211; bis hin in die melismatischen Ver\u00e4stelungen der dekorativen  Nebenstimmen l\u00e4\u00dft sich diese Wahlverwandtschaft ausmachen, und der Satz  k\u00f6nnte recht gut als Bilderbuchillustration der musikhistorisch so gut  dokumentierten Affinit\u00e4t zwischen russischer und franz\u00f6sischer Musik  dienen. Das Dur-Moll-Spiel vom Ende des Scherzos wiederholt sich auch  hier in analoger Weise, bevor das unmittelbar anschlie\u00dfende Finale (<strong>Allegro lusingando<\/strong>)  die Szene verwandelt. Dieser kaprizi\u00f6se und widerspr\u00fcchliche Satz mu\u00df  mit seinen harmonischen und formalen Extravaganzen einen dogmatischen  Lehrer wie Victor Mass\u00e9 zur Verzweiflung gebracht haben. In der Tat  entspr\u00e4che die hier von Castillon gew\u00e4hlte Form weit eher einem Scherzo  als einem Finalsatz &#8211; ein Umstand, den der Komponist mit der f\u00fcr die  beiden Episoden gew\u00e4hlten Bezeichnung &#8220;Quasi Trio primo&#8221; und &#8220;Quasi Trio  secondo&#8221; noch mutwillig unterstreicht. Da\u00df sich in diesem Schlu\u00dfsatz  Elemente aus allen vorangegangenen S\u00e4tzen amalgamiert finden, k\u00f6nnte ein  Indiz f\u00fcr Castillons Bekanntschaft mit den Formexperimenten der  Neudeutschen Schule sein; umgekehrt scheint manches in der Harmonik des  Satzes schon Max Reger vorwegzunehmen &#8211; eine auch f\u00fcr die avancierteste  franz\u00f6sische Musik dieser Zeit nicht eben naheliegende Assoziation. Den  leichtsinnigen \u00dcbermut des Ritornells unterbricht die erste der Episoden  mit einem bukolisch-burlesken Interludium &#8211; tonartlich aber mit einem  R\u00fcckgriff auf das D-Dur aus dem Trio des zweiten Satzes. (Die  unaufl\u00f6sliche Ehe zwischen B-Dur und D-Dur ist nur eine der unz\u00e4hligen  Spuren, die das hingebungsvolle Studium Beethovens im Werk Castillons  hinterlassen hat!) Die zweite Episode nimmt hingegen das schlichte  thematische Material des dritten Satzes wieder auf, das nun in  phantasievoller Weise und in eigenwilliger Textur weitergesponnen wird.  Dieser zun\u00e4chst verschleierte R\u00fcckgriff wird ganz am Ende des Satzes mit  einem w\u00f6rtlichen Zitat offengelegt, bevor das kecke Ritornell den Satz  lakonisch beschlie\u00dft. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexis de Castillon * 13. Dezember 1838\u2020 05. M\u00e4rz 1873 [Premier] Trio pour Piano, Violon et Violoncelle, Si b\u00e9mol Majeur, op. 4 Komponiert: Pau (Ch\u00e2teu des Forges), 1865? 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