{"id":391,"date":"2019-02-12T19:13:07","date_gmt":"2019-02-12T18:13:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=391"},"modified":"2019-02-12T19:13:19","modified_gmt":"2019-02-12T18:13:19","slug":"bruell-trio-es-dur-op-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/bruell-trio-es-dur-op-14\/","title":{"rendered":"Br\u00fcll: Trio Es-Dur op.14"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ignaz Br\u00fcll<\/h3>\n\n\n\n<p>* 7. November 1846<br>\u2020 17. September 1907<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Es-Dur op.14<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, 1863<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Franz Ries (Geiger, sp\u00e4ter Verleger, 1846-1932)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Wien, Musikvereinssaal (Tuchlauben 12), 24. J\u00e4nner 1864 <br>\nIgnaz Br\u00fcll, Klavier <br>\nJoseph Hellmesberger sen. (1828-1893), Violine <br>\nCarl Schlesinger, Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Leuckart, Leipzig, 1876<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/bruell_414x600.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-F2ZeaTMs\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/bruell_138x200.jpg\" alt=\"Ignaz Br\u00fcll\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als\n Ignaz Br\u00fcll noch nicht ganz vier Jahre alt war, \u00fcbersiedelten seine \nEltern aus der kleinen m\u00e4hrischen Provinzstadt Prosenice (Pro\u00dfnitz) nach\n Wien. Mit zehn wurde er hier Klaviersch\u00fcler von Julius Epstein, der \nsp\u00e4ter genauso wie Br\u00fcll zum engsten Freundeskreis von Johannes Brahms \nz\u00e4hlen und auch Gustav Mahler unterrichten sollte. Als Ignaz mit elf zu \nkomponieren begann, verhalf ihm Epstein zu geregeltem \nKompositionsunterricht (bei Johann Rufinatscha und Otto Dessoff). Seine \nFortschritte waren so beachtlich, da\u00df Joseph Hellmesberger eine Sonate \ndes gerade dreizehnj\u00e4hrigen &#8220;Nazi&#8221; in ein Konzertprogramm aufnahm. Ein \nJahr darauf spielte der Knabe Anton Rubinstein vor, dessen \nenthusiastisches Urteil den Ausschlag f\u00fcr die Entscheidung zur \nMusikerlaufbahn gab. In die gleiche Zeit f\u00e4llt der Beginn seiner \nFreundschaft mit Carl Goldmark. Bei einem Sommeraufenthalt in \nFranzensbad lernt Ignaz den nur wenig \u00e4lteren David Popper kennen und \nschreibt eine Cellosonate f\u00fcr ihn. <br>\n<br>\nIn den Erinnerungen der Schwester an die Zeit der Entstehung des Klaviertrios entsteht ein gr\u00fcnderzeitliches Idyll:<br>\n&#8220;In der Stadt wohnten wir ungef\u00e4hr zehn Jahre in der Domgasse. Ignaz \nhatte dort am anderen Ende der Wohnung ein stilles, freundliches \nArbeitszimmer. Vor dem einen, dicht mit Musselin verh\u00e4ngten Fenster \nstand das Klavier, daneben ein Diwan und Tisch, in der Ecke die Venus \nvon Milo, und in der anderen Ecke beim zweiten Fenster stand sein \nSchreibtisch, setw\u00e4rts davon eine Etagere mit Noten und B\u00fcchern. Da \narbeitete er den ganzen Tag; kam aber die D\u00e4mmerstunde, so schlich ich \nmich hinein, um die brausenden Tonwellen \u00fcber mich ergehen zu lassen. Da\n spielte er Beethoven, Bach, Schumann, Schubert, Liszt, Chopin &#8211; alle \nlernte ich dadurch kennen und lieben. Nie war ich so stolz, aber auch so\n \u00e4ngstlich, als wenn er rief: &#8220;Minni, komm, ich geb dir rasch eine \nStunde!&#8221; (ich nannte es eine 10-Minuten-Stunde), und nie so gekr\u00e4nkt, \nals wenn er meine Schwester \u00f6fter als mich vornahm&#8230;&#8221; <br>\n<br>\nIn diesem Ambiente komponierte der Siebzehnj\u00e4hrige sein Klaviertrio, das\n Hellmesberger in einer seiner Quartett-Soireen im Musikverein \nurauff\u00fchrte &#8211; und das sp\u00e4ter auch von Joesph Joachim und Arnold Ros\u00e9 ins\n Repertoire aufgenommen wurde, ehe es um die Jahrhundertwende allm\u00e4hlich\n in Vergessenheit geriet. <br>\n<br>\nDas Werk ist eine erstaunliche Talentprobe: es ist klar formuliert, gut \ninstrumentiert und hat eine ganze Reihe wirklich sch\u00f6ner Momente \naufzuweisen, denen zu liebe man gerne \u00fcber die wenigen unbestreitbaren \nSchw\u00e4chen (etwa in der Dramaturgie des Finales oder dem etwas \nstereotypen Umgang mit der Sonatenhauptsatzform) hinwegsieht. <br>\n<br>\nDer erste Satz (Allegro moderato, Es-Dur) ist ganz durchpulst von der \n\u00fcber einer chromatisch fallenden Linie und fernem Tremolo feierlich und \nstolz dahinschreitenden Gestik des Hauptthemas, dessen \u00dcbergewicht die \nZuhilfenahme von gleich drei (sehr knapp gehaltenen) Seitenthemen \nrechtfertigt. An die kurze Durchf\u00fchrung schlie\u00dft sich eine ganz dem \nExpositionsablauf folgende Reprise an, die in eine konzise Coda mit der \nsieghaften Best\u00e4tigung des Hauptmotivs m\u00fcndet. <br>\n<br>\nIm zweiten Satz (Andante, b-moll) finden sich einige an Dvorak \ngemahnende Z\u00fcge; einem elegischen Liedthema werden zwei Nebengedanken \ngegen\u00fcbergestellt &#8211; ein trotzig dr\u00e4ngender und ein beschwingt \nschwebender. Die ersten Takte der Reprise f\u00fchren zu einer ganz kurzen, \nkadenzartigen Abschweifung, die die Stelle einer Durchf\u00fchrung vertritt. \nIn der Coda wird das Liedthema ein letztes Mal mit schmerzlicher \nBetonung und Ausweitung der Schlu\u00dfwendung rekapituliert. <br>\n<br>\nGlanzst\u00fcck des Werkes ist wohl der dritte Satz (Scherzo. Allegro, \nb-moll), der auf sehr wirkungsvolle, aber ungek\u00fcnstelte Weise mit dem \n\u00fcberm\u00e4\u00dfigen Sekundschritt der harmonischen Molltonleiter spielt. Das \nTrio greift eine Schubertsche Instrumentationsidee auf (Thema im \nKlavierdiskant, begleitendes Pizzicato der Streicher). <br>\n<br>\nWie nicht selten bei Jugendwerken ist auch hier das Finale (Allegro, \nEs-Dur) am wenigsten ausgegoren. Das marschartige Hauptmotiv ist aus dem\n Hauptthema des ersten Satzes entwickelt, auch hier sind ihm wieder \nmehrere Seitenthemen gegen\u00fcbergestellt. Die Mitte des Satzes nimmt ein \nkurz angedeutetes Fugato ein, an das sich wieder eine getreue Reprise \nund eine effektvoll inszenierte Coda schlie\u00dft. <br>\n<br>\nBr\u00fcll bewahrte &#8220;Vater&#8221; Hellmesberger, der das Werk aus der Taufe hob, \nimmer die Freundschaft &#8211; auch wenn dieser seiner spitzen Zunge dem \n&#8220;Nazl&#8221; gegen\u00fcber freien Lauf lie\u00df. Ber\u00fchmt wurde der Satz, mit dem \nHellmesberger die Herren Ignaz Br\u00fcll und Anton Door Camille Saint-Saens \nvorstellte: <br>\n<br>\n&#8220;C&#8217;est Monsieur Br\u00fcll, qui dort toujours.<br>\nC&#8217;est Monsieur Door, qui brille jamais.&#8221; <br>\n<br>\nDas von der Schwester in ihrem Erinnerungsbuch beschworene harmonische \nZusammenleben der Familie provozierte Hellmesberger zu der Behauptung, \nBr\u00fclls langgehegter Plan, eine Modulation von C-Dur nach Ges-Dur zu \nwagen, sei nicht zur Ausf\u00fchrung gelangt, weil der Familienrat sich \ndagegen gestellt habe. Nach dem gro\u00dfen Erfolg von Br\u00fclls erster Oper \n(&#8220;Das goldene Kreuz&#8221;, 1875) bezeichnete Hellmesberger den Komponisten \ngar als &#8220;Nationalgenie&#8221; &#8211; wollte das aber als &#8220;Nazi ohn&#8217; all&#8217; Genie&#8221; \ngeschrieben haben. Doch Br\u00fcll, der ein ebenso gutm\u00fctiger wie \nbescheidener Mensch war, konnte solchen Scherz sehr wohl vertragen. \nDiese Qualit\u00e4t machte ihn Brahms ganz besonders angenehm; denn auch in \nBrahms&#8217; N\u00e4he mu\u00dfte man mit manchen Derbheiten rechnen. Als Brahms die \nerste private Auff\u00fchrung des Klaviertrios op.87 (25. August 1882 in der \nVilla von Prof. Ladislaus Wagner in Alt-Aussee) vorbereitete, lie\u00df er \nBr\u00fcll aus dem Manuskript vortragen und gab den gespannt Zuh\u00f6renden das \nneue Opus als Werk Br\u00fclls aus &#8211; nur um sich am ungl\u00e4ubigen Staunen der \nAnwesenden zu weiden. Da\u00df Brahms Br\u00fcll als Musiker aber wirklich \nsch\u00e4tzte, steht au\u00dfer Zweifel: er vertraute ihm die Urauff\u00fchrung der \nKlavierst\u00fccke op.76, op.116\/1-3 und op.119\/2 an, und es war ihm immer \nein &#8220;rechtschaffenes Pl\u00e4isir&#8221; mit Br\u00fcll die vierh\u00e4ndigen Fassungen \nseiner Orchesterwerke zu spielen. <br>\n<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ignaz Br\u00fcll * 7. November 1846\u2020 17. September 1907 Trio Es-Dur op.14 Komponiert: Wien, 1863 Widmung: Franz Ries (Geiger, sp\u00e4ter Verleger, 1846-1932) Urauff\u00fchrung: Wien, Musikvereinssaal (Tuchlauben 12), 24. J\u00e4nner 1864 Ignaz Br\u00fcll, Klavier Joseph Hellmesberger sen. 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