{"id":387,"date":"2019-02-12T19:11:37","date_gmt":"2019-02-12T18:11:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=387"},"modified":"2019-02-12T19:11:42","modified_gmt":"2019-02-12T18:11:42","slug":"bridge-trio-nr-2-h-178-1929","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/bridge-trio-nr-2-h-178-1929\/","title":{"rendered":"Bridge: Trio Nr.2, H.178 (1929)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Frank Bridge<\/h3>\n\n\n\n<p>* 25. Februar 1879<br>\u2020 10. J\u00e4nner 1941<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Nr.2, H.178 (1929)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Friston Field &#8211; London, Oktober 1928 &#8211; 31. J\u00e4nner 1929<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Elizabeth Sprague Coolidge<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>London, Langham Hotel, 4. November 1929 <br>\nHarriet Cohen (1895-1967), Klavier <br>\nAntonio Brosa (1894-1979), Violine <br>\nAnthony Pino, Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Augener, London, 1930<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Wie sein j\u00fcngerer Zeitgenosse Paul Hindemith war auch Frank Bridge  Quartettbratschist, und wie bei Hindemith kann man an der Textur seiner  Kammermusikwerke die intime Kenntnis der instrumentalen M\u00f6glichkeiten  und klanglichen Realit\u00e4ten bewundern. Leider teilt Bridge mit Hindemith  auch das Schicksal konsequenter Vernachl\u00e4ssigung im Konzertsaal &#8211;  zumindest au\u00dferhalb Englands. <br> <br> Frank Bridge wurde als drittes Kind der dritten Ehe eines Geigenlehrers  und Kapellmeisters in Brighton geboren. Nach etlichen Jahren intensiver  hausmusikalischer Vorbereitung kam er als Geigenstudent an das Royal  College of Music nach London, wo er mit zwanzig Jahren ein Stipendium  gewann und in die Kompositionsklasse von Charles Villiers Stanford  (1852-1924) aufgenommen wurde. <br> <br> Stanford war, mehr noch als der gerne in einem Atemzug mit ihm genannte  Hubert Parry (1848-1918), die Schl\u00fcsselfigur der englischen  musikalischen Renaissance im letzten Viertel des XIX. Jahrhunderts, die  schon mit dem Werk von Edward Elgar (1857-1934) und Ralph Vaughan  Williams (1872-1958) das absurde Schlagwort vom \u201eLand ohne Musik&#8221;  unwiderruflich in die d\u00fcsterste Rumpelkammer bornierter Dummheiten  verbannen sollte. (Das K\u00f6nigreich hat dieses Verdienst auch geb\u00fchrend  anerkannt: Sir Charles Stanford ist neben seinem Sch\u00fcler Sir Ralph  Vaughan Williams und Sir Edward Elgar nur einige Schritte von Purcell  entfernt in der Westminster Abbey begraben&#8230;) <br> <br> Schon w\u00e4hrend seiner Studienzeit wechselte Bridge von der Geige zur  Bratsche. 1904 wurde er Mitglied des Grimson Quartetts, mit dem er noch  im selben Jahr die englische Erstauff\u00fchrung von Debussys Streichquartett  spielte. Als w\u00e4hrend der letzten Englandtournee des legend\u00e4ren  Joachim-Quartetts (1906) Emanuel Wirth erkrankte, holte Joseph Joachim  den jungen Bratscher als Ersatz. Von 1907 bis 1915 geh\u00f6rte Bridge dann  dem Englisch String Quartet an. In der Zwischenzeit hatte er sich aber  auch als Dirigent einen so guten Namen gemacht, da\u00df er etliche Male  Henry Wood bei den ber\u00fchmten Promenade Concerts vertreten durfte; 1907  war in diesem Rahmen auch sein erstes gro\u00dfes Orchesterwerk, die  Tondichtung Isabella nach Keats uraufgef\u00fchrt worden. <br> <br> Trotz der Orchesterpraxis, die sich Bridge in den folgenden Jahren  erwerben konnte &#8211; 1923 dirigierte er zum Beispiel auf einer USA-Tournee  die Orchester von New York, Boston und Cleveland &#8211; nahm in seinem  eigenen Schaffen die Kammermusik ganz unstreitig den ersten Platz ein.  Bis zu seinem Ausscheiden aus dem English String Quartet (1915) hatte er  schon sechs Werke f\u00fcr Streichquartett, ein Streichsextett, ein  Klaviertrio, ein Klavierquartett und ein Klavierquintett komponiert;  etliche dieser Werke hatten den Cobbett Prize gewonnen und waren im  Begriff, sich einen festen Platz im englischen Kammermusikrepertoire zu  erobern. <br> <br> Der Weltkrieg war die gro\u00dfe Wasserscheide in Bridges Entwicklung. Hatte  er bis dahin, ohne jemals einfach gef\u00e4llig zu sein, doch auch den auf  das Dekorative und Ornamentale gerichteten Geschmack der Zeit getroffen,  so ver\u00e4nderte sich seine Sprache w\u00e4hrend der Kriegsjahre radikal: Der  Pazifist Bridge wurde durch das Trauma des Krieges zum ersten (und  eigentlich einzigen) Expressionisten der englischen Musik. Man hat  diesen Wandel oft als eine \u201eVerd\u00fcsterung&#8221; beschrieben, aber der  beunruhigende und tragische Unterton, der von nun an Bridges Werke  durchzieht, ist durchaus nicht Farbverlust, sondern Kraftgewinn. Die  Metamorphose l\u00e4\u00dft sich besonders gut an der zwischen 1913 und 1917  geschriebenen Sonate f\u00fcr Violoncello und Klavier (H.125) beobachten, in  der Bridges beide Idiome eine eigenwillige und spannungsreiche  Koexistenz eingehen. In den folgenden Jahren erkundet Bridge mit der f\u00fcr  ihn typischen handwerklichen Akribie, aber auch mit vision\u00e4rem Mut die  Ausdrucksm\u00f6glichkeiten seines neuen Stils; die von Myra Hess  uraufgef\u00fchrte Klaviersonate (1921-24) ist das beeindruckende und  ersch\u00fctternde Zeugnis dieser Suche. <br> <br> Wie nicht anders zu erwarten, war das Publikum durchaus nicht bereit,  dem K\u00fcnstler auf seinem Weg zu folgen. Die Zerstreuung und Ablenkung,  die es suchte, waren hier nicht zu finden; aber auch der Reiz des  provokanten Epatismus, der viele \u201eavantgardistische&#8221; Werke der Zwanziger  Jahre dem Publikum wenigstens unterhaltend erscheinen lie\u00df, lag dieser  Musik fern. Die Verst\u00e4ndnislosigkeit, mit der Bridges Werke von nun an  aufgenommen wurden, schmerzte den Komponisten, aber sie konnte seinen  Schaffensdrang nicht hemmen. Im Gegenteil: die Jahre 1925 bis 1932 sind  nach Umfang und Gewicht der entstandenen Werke der produktivste  Abschnitt im Leben des Meisters. Vier bedeutende Kammermusikwerke, zwei  Solokonzerte und zwei Orchesterwerke sind neben einer Reihe Lieder und  kleinerer Klavierwerke die Ernte dieser Jahre. Es ist bezeichnend, da\u00df  etliche dieser Werke erst Jahrzehnte nach ihrem Entstehen aufgef\u00fchrt und  ver\u00f6ffentlicht wurden. <br> <br> Unter den vier Kammermusikwerken dieser Jahre ist das im Auftrag von  Elizabeth Sprague Coolidge geschriebene Zweite Klaviertrio vielleicht  das gro\u00dfartigste &#8211; auf jeden Fall aber das zu seiner Zeit am wenigsten  verstandene. Auch die \u201eFachleute&#8221;, die sich beeilten ihre Vertrautheit  mit dem neuen Idiom zu beteuern, um ihrer Ablehnung mehr Gewicht zu  geben, wu\u00dften mit dem St\u00fcck nichts anzufangen. So schrieb etwa der  Kritiker des Daily Telegraph, der (zu Recht vergessene) irische  Komponist Herbert Hughes (1882-1937): <br> <br> \u201eThis was patently 1929 music &#8211; owing a great deal to Scriabin and more  to Schoenberg. As it proceeded one wondered whether Mr Bridge had not  somewhat forced upon himself this style of writing, whether the great  part of this trio had any real meaning, even superficial, to the  composer himself. We are, or so it seems to me, faced today, in this  present international vogue of atonalism, with a new species of  Kapellmeistermusik. Mr Bridge is not the only instance of a composer on  this side of the Channel having suddenly adopted a manner (as he did in  his recent piano sonata) that bears no recognisable relationship to his  own natural development. [&#8230;] It was not at all clear what the composer  was trying to convey. The idiom is no longer strange, and it should not  be hard for a good craftsman to make himself understood.&#8221; <br> <br> Die saloppe Pr\u00e4potenz, mit der hier an einen Meister Zensuren verteilt  werden, ist typisch f\u00fcr das Dilemma, in das eine mehrfach \u00fcberforderte  \u201eMusikkritik&#8221; in unserem Jahrhundert geraten ist: Zwischen Komponisten,  die alle ihre eigenen und nicht leicht ergr\u00fcndlichen Wege gehen, und  einem Lesepublikum, das sich am liebsten und leichtesten durch  lausb\u00fcbische Platit\u00fcden unterhalten l\u00e4\u00dft, mu\u00df auch ein \u201ekompetenter&#8221;  Kritiker den Geist aufgeben. Musikkritik und Musikwissenschaft teilen  das Bed\u00fcrfnis, &#8211; wenn auch auf recht unterschiedliche Weise &#8211; mit  kompositorischen Ph\u00e4nomenen \u201efertig zu werden&#8221;. Ein suchender und selbst  nie \u201efertig&#8221; werdender Komponist wird dabei leicht zu einem unbequemen  \u00c4rgernis, das Angriffe provoziert. In der Hitze des Gefechts entbl\u00f6\u00dft  sich dann aber meist nur der Angreifer selbst: So schrieb etwa der  englische Musikologe Gerald Abraham, dem 1952 die reizvolle Aufgabe  zufiel, das Werk Bridges f\u00fcr die monumentale Enzyklop\u00e4die Die Musik in  Geschichte und Gegenwart in einem eineinhalbspaltigen Artikel zu  charakterisieren: \u201eMan sp\u00fcrt in seinem ganzen Schaffen den Mangel eines  eigentlichen sch\u00f6pferischen Dranges.&#8221; &#8211; ein mutiges und originelles  Verdikt \u00fcber ein rund zweihundert Werke umfassendes \u0152uvre. (Als dringend  n\u00f6tige Entspannung nach einer so tiefsch\u00fcrfenden Analyse verfa\u00dfte Herr  Abraham f\u00fcr dieselbe Enzyklop\u00e4die dann auch gleich seine eigene  Biographie &#8211; sicher unentbehrlich f\u00fcr ein editorisches Unternehmen, das  es sich zur Regel gemacht hatte, \u201enur Pers\u00f6nlichkeiten von einer  gewissen Rangstufe aufw\u00e4rts eigene Artikel zu geben&#8221;; und so besehen ist  es eigentlich wiederum erstaunlich, da\u00df Frank Bridge von der Redaktion  dieses Jahrhundertwerkes \u00fcberhaupt eines eigenen Artikels gew\u00fcrdigt  wurde.) <br> <br> Da sich auch die den Mond anbellenden Hunde gerne zusammenrotten,  erstaunt es nicht, auch noch ein Vierteljahrhundert nach Bridges Tod  \u00e4hnlich subtile Einblicke geboten zu bekommen. 1966 dringt Abrahams  \u00e4lterer Zunftgenosse Frank Howes (auch er selbstredend, das hei\u00dft: in  einem selbstverfa\u00dften Artikel, zu MGG-Ehren gelangt) zu folgender  verbl\u00fcffenden und Bridges Stilwandel nun wirklich hintergr\u00fcndig  motivierenden Einsicht vor: \u201eHe began to uglify his music to keep it up  to date.&#8221; H\u00e4tte William Cobbett auch einen Preis f\u00fcr die d\u00fcmmsten  Anma\u00dfungen der Kritik gestiftet, h\u00e4tte er wohl die Qual der Wahl gehabt.  <br> <br> Benjamin Britten, der zur Zeit der Entstehung des Klaviertrios gerade  f\u00fcnfzehn Jahre alt und Bridges Privatsch\u00fcler war, erinnerte sich an die  Kr\u00e4nkung, die dem Komponisten folgende Bemerkung anl\u00e4\u00dflich der zweiten  Londoner Auff\u00fchrung des Werkes zuf\u00fcgte: <br> <br> \u201eIt seems evident that he has made common cause with the advocates of  modernity and put technical interest before aesthetic pleasure. [&#8230;] My  impression is that he is bartering a noble birthright for less than a  mess of pottage.&#8221; <br> <br> (Musical Times, London, April 1930)<br> <br> Seiner M\u00e4zenin Elizabeth Coolidge versucht Bridge vergeblich den Schmerz  zu verhehlen, den ihm dieses Ausma\u00df an Feindseligkeit und Unverst\u00e4ndnis  bereitet: <br> <br> \u201eI see quite clearly that it is going to be increasingly difficult for  people who have standardised their ideas as to what music is when they  compare my work at twenty-seven (Bridge meint sein erstes Klaviertrio)  and that at fifty, but that there can be any compromise between what is  expected by others and what my instinct insists upon is utter  impossibility. The last few years have strengthened my mental powers &#8211;  such as they are &#8211; to a degree that leaves them untouched by any outward  manifestation. You will admit that it is a difficult moment when one  reads the kind of personal slight that Hughes finds pleasure in doling  out ad infinitum ,but the effect is a momentary one. A kind of  superficial sting in the flesh, but no more, and so on with the next  work.&#8221; <br> <br> Elizabeth Coolidge, der das Werk (wie auch das unmittelbar davor  entstandene Dritte Streichquartett) gewidmet ist, hatte die Urauff\u00fchrung  des Klaviertrios als festlichen Abschlu\u00df ihrer ausgedehnten Europareise  (Juni bis November 1929) arrangiert. Am 4. November 1929 traten im  noblen Londoner Langham Hotel Harriet Cohen, Antonio Brosa und Anthony  Pino vor ein geladenes Publikum, um das Werk aus der Taufe zu heben. <br> <br> Die befremdete Reaktion von Publikum und Presse in London bewog Mrs  Coolidge dazu, das Trio im Herbst 1930 auf Tournee in die Vereinigten  Staaten einzuladen, wo das Werk zum Trost f\u00fcr den Komponisten gr\u00f6\u00dferes  Verst\u00e4ndnis &#8211; oder zumindest weniger offene Ablehnung &#8211; fand. <br> <br> Seither ist immer klarer geworden, da\u00df Bridges zweites Klaviertrio zu  den ganz gro\u00dfen Leistungen des Genres in unserem Jahrhundert zu z\u00e4hlen  ist. Diese Erkenntnis setzt sich seit einigen Jahren auch in den  Konzerts\u00e4len und Aufnahmestudios durch, und so ist das Werk &#8211; obwohl es  in \u00d6sterreich sicher noch nicht oft zu h\u00f6ren war &#8211; inzwischen schon  l\u00e4ngst keine Trouvaille mehr. <br> <br> <br> Der Vergleich mit Bridges erstem Klaviertrio, der Phantasie (c-moll,  H.79) von 1907, liegt allzu nahe &#8211; wie ja der Komponist selbst in dem  oben zitierten Brief an seine M\u00e4zenin beklagt. Aber nur in formaler  Hinsicht l\u00e4\u00dft sich ein loser Bezug zwischen den beiden Werken erkennen:  Hier wie dort handelt es sich nicht um einen Zyklus von autonomen  S\u00e4tzen, sondern um eine subtil gewobene Einheit aus mehreren  musikalischen Schichten. Denn obwohl unser Klaviertrio (im Gegensatz zur  eins\u00e4tzigen Phantasie) nominal vier S\u00e4tze umfa\u00dft, besteht es eigentlich  aus zwei Satzpaaren, die untereinander auf vielf\u00e4ltige Weise verkn\u00fcpft  sind. <br> <br> Das erste Satzpaar beginnt mit einem Allegretto ben moderato. Es ist  schwer vorstellbar, da\u00df ein Geiger, der Bridge ja seiner Ausbildung nach  war, diese Tempobezeichnung an dieser Stelle des Werkes niederschreiben  konnte, ohne an den ebenso bezeichneten Er\u00f6ffnungssatz der Violinsonate  von C\u00e9sar Franck zu denken. Die lineare Entwicklung des Satzes aus zwei  Keimzellen und der Dreiachtel-Puls ( &#8211; sogar die original Franckschen  Neunachteltakte schleichen sich mitunter ein &#8211; ) w\u00fcrden diese  philologische Parallele noch unterstreichen, wenn nicht das fahle  Winterlicht, das \u00fcber dem Ganzen liegt, den denkbar gr\u00f6\u00dften Kontrast zur  fr\u00fchlingsselig-br\u00e4utlichen Stimmung des imagin\u00e4ren \u201eModells&#8221; bildete.  Die Stelle einer Durchf\u00fchrung wird von einer Art \u201einvertierter  Passacaglia&#8221; eingenommen, bei der das ostinate Thema t\u00e4nzerisch bewegt  ist, w\u00e4hrend die variativen Stimmen sich nur m\u00fchsam und z\u00f6gernd aus  ihrer Erstarrung l\u00f6sen. Die Reprise ist radikal und dramatisch  verdichtet; sie m\u00fcndet \u00fcber eine d\u00fcstere Stretta in eine rezitativische  Klage, in der die unerl\u00f6ste Sehnsucht des Satzes ( &#8211; vielleicht die nach  der serenit\u00e1 des Franckschen Pendants? -) noch einmal zu Wort kommt. <br> <br> Diese ganze Szene kreist um den fast allgegenw\u00e4rtigen Zentralton Cis,  der jetzt auch den Ausgangspunkt f\u00fcr den \u00fcbergangslos anschlie\u00dfenden  Folgesatz (Molto allegro) bildet. Hier ist die beklommene und bange  Sehnsucht in grotesken Spuk zerst\u00e4ubt. Bridge unterstreicht den extremen  Kontrast zwischen den beiden Gliedern des Satzpaares raffiniert und  konsequent durch instrumentatorische und klangfarbliche Kunstgriffe: an  die Stelle der vollgriffigen pianistischen Textur und der weitr\u00e4umigen  Streicherkantilenen des Er\u00f6ffnungssatzes sind hier silbrig-d\u00fcnne  Diskantgespinste und nerv\u00f6se Pizzicati getreten. Der Satz wird fast zur  G\u00e4nze von Nonintervallen (und ihren Septimumkehrungen) beherrscht, was  die gespenstische Unruhe noch erh\u00f6ht. Ein sarkastischer Ton scheint in  der Luft zu liegen, aber unter der makabren Oberfl\u00e4che des Geschehens  erahnt man bitteren und grimmigen Ernst. <br> <br> Das zweite Paar des Diptychons ist zwar \u00e4u\u00dferlich (in Metrik und  Disposition der Tempi) dem ersten parallel, erf\u00fcllt aber diese analogen  Gegebenheiten mit v\u00f6llig neuen Inhalten. Den Anfang bildet hier ein  Andante molto moderato im Sechsachteltakt, ein schleppender Traumtanz,  in dem Bridges harmonische Extravaganzen besonders eindrucksvoll zur  Geltung kommen. Trotz der offensichtlichen motivischen Beziehungen zum  ersten Satz ist die Sehnsuchtsklage hier ganz verstummt; die Musik  scheint in hypnotischer Trance gefangen, aus der sie erst der  unvermittelte Einbruch des Finales (Allegro ma non troppo) befreit.  Dieser Satz fa\u00dft das gesamte Material des Werkes in einer beeindruckend  dichten Synthese zusammen. Die Folie daf\u00fcr bietet die klassische  Sonatenform mit den auch schon f\u00fcr die \u201ePhantasien&#8221; des jungen Bridge  charakteristischen Erweiterungen und R\u00fcckgriffen. Das thematische  Material erinnert in seiner Gestik vielleicht entfernt an den Sch\u00f6nberg  der Kammersymphonie, eine Parallele, die freilich vor allem aus rein  biographischen Gr\u00fcnden durch die Kritik geistert. (Bridge war einer der  ersten und sicher der bedeutendste Apologet der Zweiten Wiener Schule in  England &#8211; vor allem ein Bewunderer Alban Bergs -, und da\u00df er die  Urauff\u00fchrung seines Dritten Streichquartetts, das als die erste  englische Antwort auf Sch\u00f6nberg gilt, gerade dem Wiener Kolisch-Quartett  anvertraute, hatte sicher programmatische Bedeutung.) Die Fortspinnung  des lyrischen Seitenthemas m\u00fcndet am Ende der Durchf\u00fchrung in ein  w\u00f6rtliches Zitat des Werkanfangs. Aber die kriegerischen Untert\u00f6ne, die  schon im Hauptthema zu vernehmen waren, gewinnen immer mehr an Kontur.  Am H\u00f6hepunkt dieser Entwicklung \u00fcbernimmt das \u201ePassacagliathema&#8221; des  Kopfsatzes mit hymnischer Geste die Herrschaft. Doch auch diese  Scheinl\u00f6sung kann sich nur wenige Takte lang behaupten, und das Werk  verstummt wie es begonnen hat: mit einer unaussprechlichen Frage auf den  Lippen.  <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frank Bridge * 25. Februar 1879\u2020 10. J\u00e4nner 1941 Trio Nr.2, H.178 (1929) Komponiert: Friston Field &#8211; London, Oktober 1928 &#8211; 31. J\u00e4nner 1929 Widmung: Elizabeth Sprague Coolidge Urauff\u00fchrung: London, Langham Hotel, 4. November 1929 Harriet Cohen (1895-1967), Klavier Antonio Brosa (1894-1979), Violine Anthony Pino, Violoncello Erstausgabe: Augener, London, 1930 Wie sein j\u00fcngerer Zeitgenosse Paul [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-387","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=387"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":388,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions\/388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}