{"id":385,"date":"2019-02-12T19:10:45","date_gmt":"2019-02-12T18:10:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=385"},"modified":"2019-02-12T19:10:53","modified_gmt":"2019-02-12T18:10:53","slug":"breit-schibboleth-trio-fuer-violine-violoncello-und-klavier-1996","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/breit-schibboleth-trio-fuer-violine-violoncello-und-klavier-1996\/","title":{"rendered":"Breit: Schibboleth. Trio f\u00fcr Violine, Violoncello und Klavier (1996)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bert Breit<\/h3>\n\n\n\n<p>* 27. Juli 1927<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schibboleth. Trio f\u00fcr Violine, Violoncello und Klavier (1996)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Salzburg, 1996<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>F\u00fcr Wolfgang Tschernutter, obdachlos, der von Jugendlichen erschlagen wurde<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Schwaz, St. Martin, 24. September 1997<br>\nAltenberg Trio Wien<br>\nClaus-Christian Schuster, Klavier<br>\nAmiram Ganz, Violine<br>\nMartin Hornstein, Violoncello<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Manuskript<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>In der Sonderbeilage &#8220;Klangspuren 1996&#8221; der Tiroler Tageszeitung \n(Nr.211, Mittwoch, 11. September 1996) erschien anl\u00e4\u00dflich der f\u00fcr den \n13. September 1996 geplanten Urauff\u00fchrung des Werkes folgender Text des \nKomponisten:<br>\n<br>\n&#8220;Das Klaviertrio, das ich f\u00fcr die Klangspuren 1996 geschrieben habe, \ntr\u00e4gt den Titel &#8220;Schibboleth&#8221;. Schibboleth ist ein hebr\u00e4isches Wort und \nbedeutet soviel wie Erkennungszeichen oder Codewort.<br>\nErkl\u00e4rungen zu Stil, Form und Aufbau des Trios scheinen mir nicht notwendig, nicht wichtig zu sein.<br>\nWichtig f\u00fcr mich hingegen ist, da\u00df diese Musik einem Mann gewidmet ist, \nder vor zwei Jahren in Innsbruck von einem Jugendlichen erschlagen \nwurde.<br>\nWolfgang Tschernutter war ein Obdachloser, der sich mit geringsten \nmitteln durchs Leben brachte. Seine Friedfertigkeit und seine \nAggressionslosigkeit waren bekannt. Sogar B\u00fcrger, die um Sandler und \nObdachlose normalerweise einen Bogen machen, fanden ihn sympathisch.<br>\nAls der Mord an Wolfgang Tschernutter bekannt wurde, stellten engagierte\n B\u00fcrger ein Denkmal, gestaltet von dem Bildhauer Alois Schild, in der \nMaria-Theresien-Stra\u00dfe auf. Dieses Denkmal wurde auf Anordnung der \nStadtverwaltung entfernt und beim ehemaligen Nazi-Arbeitslager in der \nReichenau &#8220;entsorgt&#8221;. Nach langem beh\u00f6rdlichen Hin und Her fand sich ein\n Platz f\u00fcr das Denkmal auf dem Gel\u00e4nde der Innsbrucker Universit\u00e4t. Eine\n Gedenktafel beim H\u00f6ttinger Hallenbad &#8211; dem Ort des Mordes &#8211; wurde von \nunbekannter Hand entfernt.<br>\nOffenbar wollen Leute, die bei uns das Sagen haben, wollen gewisse \nPolitiker nicht, da\u00df an den Mord erinnert wird. Wohl deshlab, weil \ndieser Mord nicht die &#8220;unbegreifliche&#8221; private Tat von Psychopathen war,\n sondern eine Tat, die in einem Klima m\u00f6glich war, das gepr\u00e4gt ist vom \nHa\u00df auf Au\u00dfenseiter, vom Ha\u00df auf Schw\u00e4chere und schwach Gemachte; in \neinem Klima, das gepr\u00e4gt ist von jodelnder Selbstgef\u00e4lligkeit, \nTrachtenjanker-Jargon und lebfrischer Holladrio-Heuchelei.<br>\nWer an diesen Mord erinnert wird, wird auch an die skandal\u00f6se Lage der \nanderen Obdachlosen Innsbrucks erinnert; denkende B\u00fcrger wissen, da\u00df \ndiese Lage nicht zu \u00e4ndern ist mit Mildt\u00e4tigkeit und Almosen-Geben. Eher\n mit l\u00e4ngst f\u00e4lligen \u00f6ffentlichen Ma\u00dfnahmen, die zu fordern sind.<br>\nDie Widmung, die ich dem Trio vorangestellt habe lautet:<br>\n<br>\nF\u00fcr Wolfgang Tschernutter<br>\n   obdachlos<br>\n   der von Jugendlichen<br>\n   erschlagen wurde<br>\n<br>\nIch hoffe, da\u00df diese Widmung ein kleiner Beitrag ist gegen das Vergessen\n und zum Nachdenken \u00fcber Zusammenh\u00e4nge anregt zwischen Armut, \nWohnungsmieten, Arbeitslosigkeit, Verelendung und restriktiven \nSozialhilfen.<br>\n<br>\nBert Breit (1996)<br>\n<br>\nDie wegen Erkrankung eines Ensemblemitglieds verschobene Urauff\u00fchrung \ndes zweis\u00e4tzigen Werkes wurde in den Klangspuren 1997 am 24. September \n1997 nachgeholt.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bert Breit * 27. Juli 1927 Schibboleth. 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