{"id":376,"date":"2019-02-12T18:56:22","date_gmt":"2019-02-12T17:56:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=376"},"modified":"2019-02-12T18:56:41","modified_gmt":"2019-02-12T17:56:41","slug":"brahms-trio-nr-3-c-moll-op-101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/brahms-trio-nr-3-c-moll-op-101\/","title":{"rendered":"Brahms: Trio Nr.3, c-moll, op.101"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Johannes Brahms<\/h3>\n\n\n\n<p>* 7. Mai 1833<br>\u2020 3. April 1897<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Nr.3, c-moll, op.101<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Thun, Sommer, 1886<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Budapest, 20. Dezember 1886<br>\nJohannes Brahms, Klavier <br>\nJen\u00f6 Hubay (1858-1937), Violine <br>\nDavid Popper (1843-1913), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Simrock, Berlin, April 1887<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Mit Brahms&#8217; drittem Klaviertrio ist in der Entwicklung des Genres ein  kritischer Punkt erreicht. Die \u00e4u\u00dferste Konzentration und Verdichtung,  die hier verwirklicht ist, war nicht mehr zu \u00fcberbieten. Die Nachfolger  konnten, sofern sie das Brahmssche Paradigma \u00fcberhaupt vor Augen hatten,  nur den Weg zum episch-symphonischen Klaviertrio gehen, wie ihn etwa  Pfitzner und Reger beschritten, oder aber sich, wie Ives und Ravel, auf  die Suche nach Neuland machen. <br> <br> &#8220;Es ist besser als alle Photographien und so das eigentliche Bild von  Ihnen.&#8221; schw\u00e4rmt Elisabet von Herzogenberg (9.\/10. J\u00e4nner 1887), w\u00e4hrend  sie schweren Herzens die Partitur einpacken l\u00e4\u00dft, um sie an Brahms  zur\u00fcckzuschicken. Zu Silvester hatte sie das St\u00fcck mit Joseph Joachim  und Robert Hausmann ein erstes Mal durchspielen k\u00f6nnen (wobei man sich  mit einer Partitur behelfen mu\u00dfte, da Brahms keine Stimmen mitgesendet  hatte). Ihre erste Reaktion in dem oben zitierten Brief ist so schlicht  und ersch\u00f6pfend, da\u00df sie uns eigentlich der M\u00fche weiterer  &#8220;Erl\u00e4uterungen&#8221; entheben sollte: <br> <br> &#8220;&#8230;Diesen neuen St\u00fccken gegen\u00fcber k\u00e4me es mir noch l\u00e4cherlicher als  gew\u00f6hnlich vor, wenn ich armer Floh mich hinsetzen wollte, meine  Eindr\u00fccke zu &#8220;motivieren&#8221; und Ihnen sagen zu wollen, warum, was Sie  gemacht haben, so sch\u00f6n ist! Und ich k\u00f6nnte es nicht mit \u00dcberzeugung  tun; denn ich glaube und bekenne, da\u00df es nicht an diesem und nicht an  jenem liegt, warum diese Musik so besonders geraten ist, sondern weil  der heilige Geist es eben besonders gut mit Ihnen meinte. Etwas, wie  dieses Trio, in allen Teilen so vollendet, so leidenschaftlich und so  ma\u00dfvoll, so gro\u00df und so lieblich, so knapp und so beredt, ist \u00fcberhaupt  wohl selten geschrieben worden, und mich d\u00fcnkt: Sie selber m\u00fcssen ein  Gef\u00fchl gehabt haben, als Sie den letzten Takt schrieben, wie etwa  Heinrich der Vogler, wenn er betet: \u00bbDu gabst mir einen guten Fang,  Herrgott, ich danke Dir!\u00ab&#8230;&#8221; Auch Clara Schumann schreibt nach der  ersten Bekanntschaft mit dem &#8220;wunderbar ergreifenden&#8221; neuen Werk: &#8220;Noch  kein Werk von Johannes hat mich so ganz und gar hingerissen.&#8221; <br> <br> Ganz \u00e4hnlich mu\u00df der Dichter J. V. Widmann empfunden haben, in dessen  Berner Haus das Werk noch im Sommer 1886, unmittelbar nach seiner  Fertigstellung, zum allerersten Mal erklang &#8211; Brahms spielte es dort mit  den Br\u00fcdern Friedrich und Julius Hegar. Bei dieser Leseprobe scheint es  jedenfalls friedlicher zugegangen zu sein als bei jener, die der Wiener  Erstauff\u00fchrung (26. Februar 1887) vorausging und \u00fcber die Max Kalbeck  berichtet: <br> <br> &#8220;&#8230;Obwohl Geiger (Robert Heckmann) und Violoncellist (R. Bellmann) ihre  Stimmen vorher durchgesehen hatten, wurden sie doch von Brahms und der  genialen Ungebundenheit seines Spiels so au\u00dfer Fassung gebracht, da\u00df sie  ihm nur m\u00fchsam nachkamen und kaum selbst\u00e4ndig hervortraten. Das Werk  blieb ihnen fremd, und sie begriffen es um so weniger, als Brahms nicht  die geringste R\u00fccksicht auf sie nahm. Er schien die Bekanntschaft mit  der Novit\u00e4t vorauszusetzen und \u00e4rgerte sich, da\u00df die \u00fcberraschten und  verbl\u00fcfften Mitspieler fast v\u00f6llig versagten. Nach dem ersten Satz  beging Heckmann die Unvorsichtigkeit, zu fragen, ob der Meister  zufrieden sei oder es anders w\u00fcnsche. Er erwiderte h\u00f6hnend in gereiztem  Tone: \u00bbJa, sehr!\u00ab und fing sofort den n\u00e4chsten Satz an. Im f-moll-Teile  stolperten Violine und Violoncell, die den Einsatz verpa\u00dften, und die  Pizzicati mi\u00dfgl\u00fcckten bei dem rasenden Tempo, das Brahms genommen hatte,  jedesmal. Seine Ungeduld steigerte sich immer mehr, und man sah ihm an,  wie es in ihm kochte. Nach dem letzten Akkord sprang er auf,  schleuderte dem Konzertmeister ein paar heftige Worte zu: \u00bbSo kommt man  nicht zur Probe!\u00ab, war durch nichts zum Dableiben zu bewegen, sagte  meiner Frau und mir Adieu, w\u00fcrdigte seine niedergedonnerten Mitspieler  keines Blickes mehr und st\u00fcrmte fort&#8230;&#8221; <br> <br> Wenn man sich diese Szene vergegenw\u00e4rtigt und dabei daran denkt, da\u00df  dieses Trio Brahms besser portr\u00e4tiert als alle Photographien, so wird  man beginnen, auch die grimmigeren T\u00f6ne des Werkes zu verstehen. <br> <br> Sicher hat Elisabet von Herzogenberg den Nagel auf den Kopf getroffen,  wenn sie feststellt, da\u00df &#8220;es nicht an diesem und nicht an jenem liegt,  warum diese Musik so besonders geraten ist.&#8221; Es ist daher, so verlockend  und lohnend es auch erscheint, gar nicht unbedingt notwendig, den  motivischen und gedanklichen Querbez\u00fcgen nachzusp\u00fcren, die aus den vier  S\u00e4tzen dieses Werkes ein so zwingendes Ganzes machen. \u00dcberall wird man  die gleiche Kraft der Verdichtung finden, unter deren Druck alle Ideen  sich in ihrer reinsten Form kristallisieren &#8211; der Gedanke an  gebirgsbildenden Naturgewalten wird in den Au\u00dfens\u00e4tzen, Allegro energico  und Allegro molto, schon durch das Klang- und Notenbild nahegelegt. Nur  im Schutz dieser m\u00e4chtigen Ecks\u00e4tze kann das Mysterium der beiden  Innens\u00e4tze &#8211; des phantomhaften Presto non assai und des unschuldigen  Andante grazioso &#8211; unversehrt bewahrt werden. <br> <br> Es gibt gar keinen Zweifel: Dieses k\u00fcrzeste aller gro\u00dfen Klaviertrios  des XIX. Jahrhunderts, &#8220;bei dem man&#8221; &#8211; um wieder Elisabet von  Herzogenberg sprechen zu lassen &#8211; &#8220;am Schlu\u00df nur einmal Mangel  empfindet, weil es da aus ist und man noch mehr davon haben wollte&#8221;,  braucht und duldet keine Einf\u00fchrung. <br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Brahms * 7. Mai 1833\u2020 3. April 1897 Trio Nr.3, c-moll, op.101 Komponiert: Thun, Sommer, 1886 Urauff\u00fchrung: Budapest, 20. 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