{"id":372,"date":"2019-02-12T18:54:33","date_gmt":"2019-02-12T17:54:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=372"},"modified":"2019-02-12T18:54:38","modified_gmt":"2019-02-12T17:54:38","slug":"brahms-trio-nr-1-h-dur-op-8-fassung-1889","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/brahms-trio-nr-1-h-dur-op-8-fassung-1889\/","title":{"rendered":"Brahms: Trio Nr.1, H-Dur, op.8 (Fassung 1889)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Johannes Brahms<\/h3>\n\n\n\n<p>* 7. Mai 1833<br>\u2020 3. April 1897<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Nr.1, H-Dur, op.8 (Fassung 1889)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Hannover, J\u00e4nner 1854 \/ Bad Ischl, Mai &#8211; August 1889<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Budapest, 10. J\u00e4nner 1890 <br>\nJohannes Brahms, Klavier <br>\nJen\u00f6 Hubay (1858-1937), Violine <br>\nDavid Popper (1843-1913), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Simrock, Berlin, Februar 1891<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>\u201eKunstwerke lernt man nicht kennen, wenn sie fertig sind; man mu\u00df sie  im Entstehen aufhaschen,  um sie einigerma\u00dfen zu begreifen.\u201c Wie gerne  w\u00fcrde man dem Rate Goethes folgen, und wie selten bietet sich dem  nichtsch\u00f6pferischen Menschen dazu eine Gelegenheit! Was Brahms betrifft,  gibt es jedenfalls keinen Punkt, wo wir der Erf\u00fcllung dieses Wunsches  n\u00e4her w\u00e4ren als bei seinem Klaviertrio op.8. Es ist zwar nicht die  eigentliche Geburt des Kunstwerkes, der wir hier beiwohnen k\u00f6nnen,  sondern nur eine Metamorphose, aber die ist so umfassend und  tiefgreifend, da\u00df sie uns die faszinierendsten Einblicke in die  Werkstatt des Komponisten bietet, die er uns je gestattet hat. Zwar ist  es vorlaut, hier von \u201egestatten\u201c zu sprechen, denn da\u00df Brahms uns diese  Einblicke nur wider Willen gew\u00e4hrt, steht au\u00dfer Frage. W\u00e4re die  Erstfassung dieses Werkes nicht seit November 1854 gedruckt vorgelegen,  so w\u00e4re sie wohl dem unerbittlichen Meister zum Opfer gefallen und in  eben jenem Ischler Sommer, der uns die \u201eNeufassung\u201c bescherte, genauso  der Traun \u00fcberantwortet worden, wie viel \u201ezerrissenes Notenpapier\u201c vor  und nach ihr. So aber k\u00f6nnen wir in aller Ruhe die beiden Fassungen  dieses Werkes vergleichen, die recht eigentlich zwei unabh\u00e4ngige, nur  dem selben Keim entsprungene Werke darstellen. Wer sich die Zeit nimmt,  diesen Vergleich anzustellen, dem wird sich ein ganzer Kosmos  r\u00e4tselhafter und wunderbarer Verwandlungen er\u00f6ffnen.<br> <br> Es ist hier selbstverst\u00e4ndlich nicht der Platz, auf die Beziehungen  zwischen den beiden Werken n\u00e4her einzugehen. Ein kurzer \u00dcberblick \u00fcber  die Art der Umformung und Neusch\u00f6pfung mag gen\u00fcgen. Hier ist an erster  Stelle die Eliminierung der beiden beziehungsreichen Liedzitate im  dritten und vierten Satz der Urfassung zu nennen: Schuberts \u201eDas Meer  ergl\u00e4nzte weit hinaus\u201c (Am Meer (Heine) \/ \u201eSchwanengesang\u201c, D 957 Nr.12)  und Beethovens \u201eNimm sie hin denn, diese Lieder\u201c (An die ferne Geliebte  (Jeitteles), op.98 Nr.6) waren in der urspr\u00fcnglichen Komposition  Kristallisationskerne von Momenten besonderer lyrischer Dichte. Die  Tilgung dieser beiden Bezugspunkte hatte einschneidende Folgen f\u00fcr  Dramaturgie und Aussage dieser beiden S\u00e4tze. Als wom\u00f6glich noch  radikaler erwiesen sich die Eingriffe bei der Neukomposition des  Kopfsatzes. Hier behielt Brahms \u00fcberhaupt nur den Hauptsatz bei, w\u00e4hrend  Seitensatz und Durchf\u00fchrung zur G\u00e4nze ersetzt wurden. Die  neukomponierten Teile traten hier an die Stelle von Passagen, die  Klangwelt und Gestik der Musik von Janacek, Mahler und Pfitzner  vorweggenommen hatten. Weitere Umformungen zielen auf Verknappung und  Formteilverschmelzung. Alles in allem erscheint der Text in seinen  \u00e4u\u00dferen Dimensionen um etwa zwei F\u00fcnftel gek\u00fcrzt,  wobei aber vom  urspr\u00fcnglichen Material der Ecks\u00e4tze nur etwa ein Achtel, von dem des  Adagios nur rund ein Drittel \u00fcbernommen wurde. Lediglich das Scherzo  beider Fassungen kann als inhaltlich ident bezeichnet werden, obwohl  auch hier zahlreiche instrumentatorische \u00c4nderungen vorgenommen wurden  und der Satz eine v\u00f6llig neue Coda erhielt. Die neukomponierten Teile  weisen durchwegs eine kr\u00e4ftigere und dichtere Textur als die  ausgeschiedenen auf, so da\u00df die Neukomposition ganz allgemein gedr\u00e4ngter  und \u201esolider\u201c auftritt als die Erstfassung. Die Aussage beider Werke  ist nicht nur verschieden, sie erscheint in manchen und nicht eben den  unwesentlichsten Punkten geradezu als diametral entgegengesetzt.  Instrumentation und Tektonik der zweiten Komposition bezeichnen einen  der H\u00f6hepunkte der Brahmsschen Meisterschaft. Die B\u00e4ndigung der  Zentrifugalkr\u00e4fte des Materials, die bei der ersten Komposition wohl gar  nicht versucht worden war, kann als in h\u00f6chster Vollendung gegl\u00fcckt  bezeichnet werden. Da\u00df diesem Sieg einige der anr\u00fchrendsten Momente der  Brahmsschen Musik geopfert werden mu\u00dften, zeigt ein Grunddilemma des  menschlichen Schaffens schlechthin auf.<br> <br> Brahms, den man vielleicht den kritischsten Komponisten der bisherigen  Musikgeschichte nennen k\u00f6nnte, hat dieses Dilemma  ganz bewu\u00dft erlebt  und durchlitten. Ich glaube daher, da\u00df die \u00c4u\u00dferungen des Komponisten  selbst uns dichter an den Kern der Fragen heranf\u00fchren, die diese  einzigartigen Schwesterwerke aufwerfen, als alle wertenden und  beschreibenden Vergleiche. Beim Lesen dieser Zeugnisse wird man hinter  der Selbstironie und dem Sarkasmus des Autors immer wieder auch jenen  nicht l\u00e4hmenden, sondern l\u00e4uternden Selbstzweifel  anklingen h\u00f6ren, der  das Adelspr\u00e4dikat des wahren Genies ist. <br> <br>  <br> Schon wenige Tage, nachdem Breitkopf &amp; H\u00e4rtel die Erstfassung des  Werkes zur Herausgabe angenommen hat, schreibt Brahms, von  Gewissensbissen geplagt, aus D\u00fcsseldorf an Joseph Joachim (19. Juni  1854):<br> <br> \u201e&#8230;Das Trio h\u00e4tte ich auch gern noch behalten, da ich jedenfalls sp\u00e4ter darin ge\u00e4ndert h\u00e4tte&#8230;\u201c<br> <br> Doch das Werk ist eben schon unwiderruflich \u201evom Stapel\u201c und kommt im  November 1854 in seiner unver\u00e4ndert frischen und urw\u00fcchsigen Gestalt in  den Handel. Am 22. November 1854 stellt Brahms selbst das Werk in einem  Hauskonzert bei Joseph Joachim in Hannover vor. Clara notiert:<br> <br> \u201eSp\u00e4ter spielte Johannes noch sein Trio, dem ich nichts w\u00fcnschte als  einen anderen ersten Satz, denn ich kann mich mit diesem nicht  befreunden.\u201c<br> <br> Louis K\u00f6hler (1820-1886) meldet aus K\u00f6nigsberg in seiner im M\u00e4rz 1855 in  den \u201eSignalen f\u00fcr die musikalische Welt\u201c erschienenen Rezension etwas  mildere Bedenken \u00e4hnlicher Art an:<br> <br> \u201e &#8230;Der erste Satz ist \u00fcberhaupt reich von sch\u00f6ner Wirkung; doch st\u00f6rte  uns die Fughette etwas. Vielleicht erfreut sie andere um so mehr&#8230;\u201c<br> <br> Die ersten \u00f6ffentlichen Auff\u00fchrungen des Trios finden kurz  hintereinander in Danzig (13. Oktober 1855), New York (27. November  1855) und Breslau (18. Dezember 1855) statt. Einige Wochen sp\u00e4ter kann  man in Kiel die Novit\u00e4t mit Brahms selbst, Carl Georg Peter Gr\u00e4dener und  John B\u00f6ie h\u00f6ren (20. J\u00e4nner 1856). Doch als kurz darauf, im M\u00e4rz 1856,  Joachim Brahms vorschl\u00e4gt, das Werk mit ihm in einer Kammermusiksoiree  in Hannover zu spielen, zeigt der junge Meister wenig Lust. Ist Brahms\u00b4  Absage (die er schlicht damit begr\u00fcndet, in D\u00fcsseldorf sei gerade \u201eder  sch\u00f6nste Fr\u00fchling\u201c) schon ein Anzeichen wachsender Distanz gegen\u00fcber  seinem Kammermusikerstling? Jedenfalls ist uns aus den folgenden Jahren  keine einzige Auff\u00fchrung des H-Dur-Trios durch Brahms bekannt geworden. <br> <br> 1869 kehrt der Pianist Anton Door (1833-1916) aus Moskau in seine  Heimatstadt Wien zur\u00fcck. Door hat sich in Ru\u00dfland, wo er zum engeren  Freundeskreis von Nikolaj Rubinstein und Tschaikovskij geh\u00f6rt, einen  Namen als hervorragender Kammermusiker gemacht. Ihm bleibt es  vorbehalten, dem ersten (und bis dahin einzigen) Brahmsschen Klaviertrio  zu seiner Wiener Erstauff\u00fchrung zu verhelfen &#8211; man schreibt inzwischen  das Jahr 1871, und seit der Komposition des Werkes sind nicht weniger  als siebzehn Jahre vergangen. Doch auf ausdr\u00fccklichen Wunsch des  Komponisten bekommen die Wiener nicht die gedruckte Fassung, sondern  eine um eben jene von Clara Schumann und Louis K\u00f6hler beanstandeten  Durchf\u00fchrungsteile des ersten Satzes gek\u00fcrzte Version zu h\u00f6ren.<br> <br> Wieder vergehen siebzehn Jahre, da bietet sich Brahms schlie\u00dflich ein  Anla\u00df zur Neukomposition des Werkes &#8211; denn nicht anders kann man die  Umarbeitung nennen. 1888 hat Fritz Simrock dem Verlag Breitkopf &amp;  H\u00e4rtel alle dort erschienenen Brahms-Werke abgekauft und will sie nun  neu herausgeben. Diese Gelegenheit zu einer gr\u00fcndlichen Ausmerzung aller  erkannten Schw\u00e4chen seines Jugendwerkes will  sich der Meister nicht  entgehen lassen. Er durchforstet das Werk mit unbestechlichem Auge und  findet \u201eviel H\u00e4\u00dfliches\u201c und \u201eviele unn\u00fctze Schwierigkeiten drin\u201c. Da\u00df er  zun\u00e4chst wohl wirklich nur an eine Korrektur und nicht an eine so  tiefgreifende Neukomposition denkt, erscheint aufgrund der  Bleistifteintragungen im Handexemplar der Erstausgabe wahrscheinlich.  Doch w\u00e4hrend seines Bad Ischler Sommeraufenthaltes 1889 arbeitet er sich  immer tiefer in das Werk hinein, und kurz vor seiner Abreise nach Wien  kann er Clara Schumann nach Baden-Baden berichten:<br> <br> \u201e&#8230;Mit welcher Kinderei ich sch\u00f6ne Sommertage verbrachte, r\u00e4tst Du  nicht. Ich habe mein H-Dur-Trio noch einmal geschrieben und kann es  Op.108 statt Op.8 nennen. So w\u00fcst wird es nicht mehr sein wie fr\u00fcher &#8211;  ob aber besser?<br> Wenn sich\u00b4s tr\u00e4fe, da\u00df dort kleine Joachims und Hausmanns tummelten, k\u00f6nnten wir\u2019s immer einmal versuchen&#8230;\u201c<br> (3. September 1889)<br> <br> Schon zwei Tage zuvor hat er bei seinem Verleger Fritz Simrock angefragt:<br> <br> \u201eAuch mu\u00df ich z.B. jetzt doch Sie fragen wegen des Trios op.8, ob Sie  davon eine neue Ausgabe machen und einige neue Platten daran wenden  m\u00f6gen. Es wird k\u00fcrzer, hoffentlich besser und jedenfalls teurer &#8211; in  welcher frohen Aussicht bestens gr\u00fc\u00dft Ihr <br> J. B.\u201c<br> <br> Doch Brahms hat es beileibe nicht eilig mit der Drucklegung seiner  Neukomposition. Nach Wien zur\u00fcckgekehrt feilt er weiter an dem Werk, bis  er es schlie\u00dflich am 10. J\u00e4nner 1890 in Budapest der \u00d6ffentlichkeit  pr\u00e4sentiert.<br> <br> Am 22. Februar 1890 kann auch das Wiener Publikum das neue Werk  kennenlernen: Brahms stellte es in einer Soir\u00e9e des Ros\u00e9-Quartetts im  B\u00f6sendorfer-Saal mit Arnold Ros\u00e9, Violine, und Reinhard Hummer,  Violoncello, vor. Am n\u00e4chsten Tag schreibt er an Clara:<br> <br> \u201e&#8230;Ich hatte das St\u00fcck schon zu den Toten geworfen und wollte es nicht  spielen. Da\u00df es mir selbst nicht gen\u00fcgen und gefallen wollte hei\u00dft  wenig, aber wenn darauf die Rede kam, war niemand neugierig darauf, und  jeder, auch Joachim, W\u00fcllner z.B., fing dann davon an, wie er erst  neulich mit so vielem Vergn\u00fcgen das alte St\u00fcck gespielt habe, und fand  es schw\u00e4rmerisch, romantisch und was alles.<br> Nun ist mir lieb, da\u00df ich\u00b4s doch gespielt habe, es war ein sehr vergn\u00fcgter Tag.\u201c<br> <br> Und Brahms hat offensichtlich Lust bekommen, sich noch mehrere solche  vergn\u00fcgte Tage zu verschaffen, denn am selben Tag schreibt er an seinen  Freund Franz W\u00fcllner, st\u00e4dtischer Kapellmeister und  Konservatoriumsdirektor in K\u00f6ln:<br> <br> \u201e&#8230;Gestern erst habe ich denn das verneuerte Trio hier gespielt und bin wirklich in Versuchung es Dich h\u00f6ren zu lassen&#8230;\u201c<br> <br> Diese Anregung wird dankbar aufgegriffen, und Brahms kann auf diese  Weise seinen Freunden aus D\u00fcsseldorfer Tagen sein erwachsen gewordenes  Jugendwerk vorf\u00fchren. Zu dem auf den 13. M\u00e4rz 1890 in K\u00f6ln angesetzten  Konzert (ein von  W\u00fcllner dirigiertes Chorkonzert, in dessen Mitte  Brahms sein \u201everneuertes\u201c Trio mit Gustav Holl\u00e4nder, Violine, und Louis  Hegyesi, Violoncello spielen wird) l\u00e4dt er seinen Jugendfreund Julius  Otto Grimm (\u201eIsegrimm\u201c) und dessen Frau Philippine (\u201ePine Gur\u201c) ein:<br> <br> \u201e&#8230;es w\u00e4re ganz ausnahmsweise sch\u00f6n und lieblich, wenn Du und gar Pine  Gur dabei w\u00e4ren. Du h\u00f6rst allerlei w\u00fcrdige Chormusik, einen Haufen  Motetten von mir und ein St\u00fcck, das Dich notwendig interessieren mu\u00df.<br> Kennst Du etwa noch ein H-Dur-Trio aus unserer Jugendzeit, und w\u00e4rst Du  nicht begierig, es jetzt zu h\u00f6ren, da ich ihm &#8211; (keine Perr\u00fccke  aufgesetzt &#8211; !) aber die Haare ein wenig gek\u00e4mmt und geordnet&#8230;\u201c<br> (Anfang M\u00e4rz 1890)<br> <br> Gleich nach dem K\u00f6lner Konzert setzt Brahms seine Reise in die  Vergangenheit fort und besucht Clara in Frankfurt am Main, wo er am 23.  M\u00e4rz auch noch einmal das Trio auff\u00fchrt. Damit ist die Reihe der  Probekonzerte, in denen sich das neue Werk bew\u00e4hren mu\u00df, zu Ende.<br> Aus Bad Ischl kann Brahms am Ende seines Sommeraufenthaltes 1890 an  Elisabeth und Heinrich von Herzogenberg die nun ausgereifte  Neukomposition zusammen mit dem ganz neuen zweiten Streichquintett  (G-Dur, op.111) schicken. Kurz davor hat er an Heinrich von Herzogenberg  noch geschrieben:<br> <br> \u201e&#8230;mit Buchstaben geht mir\u00b4s noch schlimmer als mit den Noten &#8211; diese  gefallen mir doch erst morgen nicht, wenn ich sie heute geschrieben&#8230;\u201c<br> (14. Juni 1890)<br> <br> Elisabeths Antwortschreiben enth\u00e4lt die wohl herzlichste und g\u00fcltigste  Anmerkung zu dem  \u201eProblem\u201c des doppelten Op.8, das eben viel mehr ein  Geschenk als ein Problem ist &#8211; soviele Fragen es auch aufwirft:<br> <br> \u201e&#8230;Bei dem  alt-neuen Trio ging mir\u00b4s eigen. Im Stillen protestierte  etwas in mir gegen die Umarbeitung &#8211; es war mir, als h\u00e4tten Sie kein  Recht dazu, in die Jugendz\u00fcge, die lieblichen, wenn auch ab und zu  verschwommenen, mit Ihrer Meisterhand jetzt hineinzukomponieren, und ich  dachte, das kann nimmermehr werden, weil niemand derselbe ist nach so  langer Zeit &#8211; und ob man nicht wehm\u00fctig singen w\u00fcrde: Es war ein Duft,  es war ein Glanz. &#8211; <br> Absichtlich sah ich das \u201ealte\u201c Trio deshalb nicht vorher wieder an, da  vieles mir davon entfallen war, und ich wu\u00dfte nicht, wo der neue Brahms  angesetzt hatte, da ich Kritiken mir nie merke! Im ersten Satz erkannte  ich sofort die Stelle, wo Sie eingegriffen, aber ich wurde trotz aller  Bedenken fortgerissen und spielte hingerissen weiter! &#8211; Es ist sch\u00f6n,  wie es ist, und das Rechten mit Ihnen \u00fcberlasse ich gern den Philologen  unter den Musikern, die das Datum an dem Ding mehr interessiert als das  Ding&#8230; Das Adagio ist durch die Zusammenziehung wunderbar rund  geworden, und wie von neuem bezaubert das herrlich feierliche Schreiten  des Hauptmotivs. Im Scherzo, wo ja scheinbar die wenigsten Ver\u00e4nderungen  vorgenommen wurden, bewundern wir die riesig klare Akzentuierung der  fr\u00fcheren Intentionen. Genug, wer wollte sich nicht freuen, das Werk mit  dem J\u00fcnglingsgesicht und mit dem Meisterantlitz &#8211;<br> \u201eNun kann man\u00b4s zweimal lesen,<br> Wie gut ist das gewesen!\u201c     &#8230;..\u201c<br> (9. Oktober 1890)<br> <br> Am 13. Dezember 1890 endlich schickt Brahms die beiden neuen Opera (8  und 111) zur Drucklegung nach Berlin. Wenige Tage sp\u00e4ter hei\u00dft es in  einem Brief an Fritz Simrock:<br> <br> \u201e&#8230;Ich dachte alles ganz gut korrigiert zu haben!? Und nun stimmt\u2019s  nicht!? Und Sie schwindeln einen Takt mehr heraus, als ich f\u00fcrs Geld  geben will!? Ja, Geld &#8211; was habe ich denn f\u00fcr das erste Quintett  gekriegt? Und wie rechnet man das Kastrieren eines Trios?\u201c<br> (22. Dezember 1890)<br> <br> Eine Woche sp\u00e4ter kommt hier dann auch das weitere Schicksal der Erstfassung zur Sprache:<br> <br> \u201e&#8230;Ich meine, es brauchte bei op.8 nichts weiter zu stehen als: Neue  Ausgabe. In Ank\u00fcndigungen k\u00f6nnen Sie ja beisetzen: vollst\u00e4ndig  umgearbeitete und ver\u00e4nderte und was Sie wollen. Was mit der alten  Ausgabe geschehen soll: es ist wirklich unn\u00fctz, dar\u00fcber zu reden und zu  beschlie\u00dfen &#8211; nur meine ich, man kann sie nicht wohl jetzt mit der neuen  Ausgabe zugleich anzeigen. Wird sie verlangt, so schicken Sie sie, und  scheint es Ihnen eines Tags n\u00f6tig oder w\u00fcnschenswert, so drucken Sie sie  neu (lassen ja auch m\u00f6glicherweise die neue Ausgabe eingehen!) Ein  Vorsatz aber ist \u00fcberfl\u00fcssig. Ich denke selbstverst\u00e4ndlich dabei nicht  an das Honorar und wei\u00df wirklich nicht, was ich f\u00fcrs Kastrieren  verlangen soll&#8230;.<br> F\u00fcr das verb\u00f6serte Trio h\u00e4tte ich nichts verlangt und erwartet, aber Sie  schreiben ganz klar, kurz und grob, da\u00df Sie es nicht umsonst nehmen! So  kaufe ich mir noch Kuchen zu Ihrem Champagner &#8211; wird alles den armen  Leibeigenen abgezapft!&#8230;\u201c<br> (An Fritz Simrock, 29. Dezember 1890)<br> <br> Die fast kaltbl\u00fctig zu nennende Objektivit\u00e4t, mit der Brahms sein  Jugendwerk noch einmal auf die Welt gebracht hatte, verstellte ihm nicht  die Sicht auf das Lebensrecht des Erstgeborenen. Da\u00df uns auf diese  Weise J\u00fcnglingsgesicht und Meisterantlitz erhalten blieben, z\u00e4hlt zu den  sch\u00f6nsten Geschenken der Musikgeschichte. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Brahms * 7. Mai 1833\u2020 3. April 1897 Trio Nr.1, H-Dur, op.8 (Fassung 1889) Komponiert: Hannover, J\u00e4nner 1854 \/ Bad Ischl, Mai &#8211; August 1889 Urauff\u00fchrung: Budapest, 10. J\u00e4nner 1890 Johannes Brahms, Klavier Jen\u00f6 Hubay (1858-1937), Violine David Popper (1843-1913), Violoncello Erstausgabe: Simrock, Berlin, Februar 1891 \u201eKunstwerke lernt man nicht kennen, wenn sie fertig [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-372","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-klaviertrios-klavier-violine-und-violoncello","7":"entry"},"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=372"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":373,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372\/revisions\/373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}