{"id":354,"date":"2019-02-12T18:46:21","date_gmt":"2019-02-12T17:46:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=354"},"modified":"2019-02-12T18:46:28","modified_gmt":"2019-02-12T17:46:28","slug":"beethoven-trio-es-dur-op-70-nr-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/beethoven-trio-es-dur-op-70-nr-2\/","title":{"rendered":"Beethoven: Trio Es-Dur op.70 Nr.2"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ludwig van Beethoven<\/h3>\n\n\n\n<p>* 16. Dezember 1770<br>\u2020 26. M\u00e4rz 1827<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio Es-Dur op.70 Nr.2<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, 1808<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Anna Maria von Erd\u00f6dy<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert, privat wahrscheinlich Anfang 1809, <br>\nbei Gr\u00e4fin Erd\u00f6dy (Wien, Krugerstra\u00dfe 10) <br>\nLudwig van Beethoven, Klavier <br>\nIgnaz Schuppanzigh, Violine <br>\nAnton Kraft, Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Leipzig, August 1809<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth07_500x341.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-qziLQ5qF\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth07_200x136.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von  den beiden 1808 komponierten Klaviertrios hat das erste sich die  besondere Gunst des &#8220;breiten&#8221; Publikums erworben; unter dem auf eine  Rezension E. T. A. Hoffmanns zur\u00fcckgehenden Namen &#8220;Geister-Trio&#8221; ist es  mit Abstand das meistgespielte der Beethovenschen Klaviertrios &#8211; ein  eindrucksvolles Beispiel unter anderem f\u00fcr die auch vor der Musik nicht  haltmachende Faszination von Marke und Etikett ( &#8211; was ist schon ein  Trio ohne Namen?&#8230;). Das zweite hingegen ist namenlos geblieben und nie  so recht popul\u00e4r geworden, obwohl es nicht wenige Kammermusikfreunde  gibt, die gerade in ihm das meisterlichste aller Beethoven-Trios sehen.  Beethoven selbst hat, wenn wir dem Zeugnis seiner Gespr\u00e4chspartner  glauben d\u00fcrfen, das Es-Dur Trio immer dem &#8220;Geister-Trio&#8221; vorgezogen. Die  ungew\u00f6hnliche Zweizahl des Opus 70 ( &#8211; Standard waren in der  Kammermusikproduktion damals Opera zu drei oder sechs Werken &#8211; ) f\u00fchrte  \u00fcbrigens bei der Drucklegung zu einem bemerkenswerten Zwischenfall. Auf  eine Anfrage des Verlegers bez\u00fcglich der Drucklegung von &#8220;drei&#8221; neuen  Trios antwortet Beethoven verbl\u00fcfft: <br> <br> <br> &#8220;Soviel ich wei\u00df, habe ich nur zwei Trios geschickt. Es mu\u00df hierbei ein  Irrtum obwalten. Sollte vielleicht Wagener den Spa\u00df gemacht haben und  ein drittes von seiner Erfindung oder von einem anderen hinzugef\u00fcgt  haben? Um allen Irrtum zu vermeiden, setze ich die Themas der St\u00fccke  her&#8230;&#8221;<br> <br> (Wien, 28. M\u00e4rz 1809) <br> <br> Sollte wirklich, wie Beethoven vermutet, Breitkopf &amp; H\u00e4rtels Wiener  Verlagskommission\u00e4r Wagener versucht haben, ein eigenes Elaborat unter  die ihm zur Weitersendung anvertrauten Manuskripte zu schmuggeln und  durch diese Hintert\u00fcre zu erschlichenem Komponistenruhm zu gelangen,  w\u00e4re das wirklich eine Eulenspiegeliade, f\u00fcr deren naive Unverfrorenheit  allein dem guten Mann schlie\u00dflich doch ein kleines St\u00fcck  Unsterblichkeit geb\u00fchren w\u00fcrde. <br> <br> Auch die Widmung des Opus 70 war nicht frei von Komplikationen.  Beethoven hatte die beiden Werke wahrscheinlich gerade beendet, als er  im Herbst 1808 aus seinem langj\u00e4hrigen Quartier im Pasqualati-Haus auf  der M\u00f6lker-Bastei in die Stadtwohnung seiner G\u00f6nnerin und Freundin, der  Gr\u00e4fin Marie von Erd\u00f6dy, in dier Krugerstra\u00dfe \u00fcbersiedelte. Als eine Art  Einstandsgeschenk hatte er ihr offenbar die neuen Trios zugedacht. Als  es jedoch zwischen den beiden bald darauf (wahrscheinlich im M\u00e4rz 1809)  wegen Beethovens \u00fcbersteigerter Reizbarkeit zu einem kurzfristigen  Zerw\u00fcrfnis kam, und der gekr\u00e4nkte Meister das Quartier wechselte,  versuchte er beim Verleger noch in letzter Minute eine \u00c4nderung der  Dedikation zugunsten von Erzherzog Rudolph zu erreichen, wozu es aber  offensichtlich schon zu sp\u00e4t war. Wahrscheinlich hatte Beethoven  Erzherzog Rudolph von dieser Absicht unterrichtet, und mithin k\u00f6nnte  diese Episode der unmittelbare Anla\u00df f\u00fcr die Widmung von Beethovens  letztem Klaviertrio op.97 an Erzherzog Rudolph sein ( &#8211; wodurch wieder  einmal ein Trio zu einem publikumswirksamen Markennamen gekommen  w\u00e4re&#8230;). <br> <br> Wahrscheinlich spiegeln diese mannigfaltigen Verwirrungen ein wenig auch  die gereizte und hektische Atmosph\u00e4re der napoleonischen Kriege wieder.  Von all dem ist aber im Werk selbst nichts zu h\u00f6ren &#8211; die reife  Sammlung und \u00fcberlegene Ausgewogenheit des Es-Dur-Trios sind wahrlich  bewundernswert. <br> <br> Das Poco sostenuto des Beginns verwendet ein kanonisch durchgef\u00fchrtes  Motiv zur Er\u00f6ffnung. Diesem improvisatorisch wirkendem Anfang liegt die  harmonische Fortschreitung des sp\u00e4teren Hauptthemas (Allegro ma non  troppo, Es-Dur) zugrunde. Daher w\u00e4re es nicht richtig, in diesem  er\u00f6ffnenden Abschnitt einfach eine langsame Einleitung zu sehen &#8211; zu eng  sind seine Bindungen an das folgende Geschehen: es dient sowohl in der  Exposition als auch in der Reprise als Bindeglied zwischen Haupt- und  Seitensatz und kehrt zudem noch als Coda in seiner urspr\u00fcnglichen  Gestalt wieder. Der edle Schwung des eigentlichen Hauptthemas wirkt  wom\u00f6glich noch faszinierender, wenn man es mit seiner infantilen  Urgestalt, dem Kopfthema des letzten Satzes aus Beethovens fr\u00fchem  Es-Dur-Trio (WoO 38, 1790\/91), vergleicht. Solche \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume  sich erstreckende allm\u00e4hliche Metamorphosen vom Gew\u00f6hnlich-Banalen zum  Einmalig-Genialen, die bei Beethoven ja keine Seltenheit darstellen,  sind vielleicht geeignet, unsere Vorstellungen von &#8220;Einfall&#8221; und  &#8220;Eingebung&#8221; etwas zu relativieren. &#8211; Das Kronjuwel des Satzes ist wohl  der Wiedereintritt der Reprise, die wie aus Versehen in Des-Dur beginnt  und innerhalb eines einzigen Taktes in die &#8220;richtige&#8221; Tonart Es-Dur  zur\u00fcckfindet &#8211; ganz ohne Gewaltt\u00e4tigkeit, aber auch ohne &#8220;Gelehrtheit&#8221;:  einfach traumwandlerisch. <br> <br> Mit den beiden Mittels\u00e4tzen beschreitet Beethoven einen Weg, auf dem  Brahms ihm sp\u00e4ter mit Vorliebe folgen sollte: die Abfolge von langsamem  Satz und Scherzo wird ersetzt durch ein Diptychon aus zwei S\u00e4tzen nahezu  identischen Tempos, aber komplement\u00e4ren Charakters. Hier handelt es  sich um ein Allegretto (C-Dur\/c-moll) in Form von Doppelvariationen, die  um die beiden Pole zierliche Anmut und grimmige Entschlossenheit  kreisen, und um ein liedhaftes Allegretto ma non troppo (As-dur), das  uns vor allem in seinem Trio ganz auf Schubertsches Terrain f\u00fchrt. Die  traumhafte und z\u00e4rtliche Verhaltenheit dieses Satzes l\u00e4\u00dft den  \u00fcberbordenden Elan des Finales (Allegro, Es-Dur) umso wirkungsvoller  hereinbrechen. Czerny will wissen, da\u00df Beethoven f\u00fcr das  G-Dur-Seitenthema dieses Satzes ebenso wie f\u00fcr den Durteil des zweiten  Satzes auf Anregungen durch in Ungarn geh\u00f6rte kroatische Volkslieder  zur\u00fcckgegriffen habe. Diese Feststellung kann sich wohl nur auf den  rhythmischen Gestus der beiden in Frage stehenden Themen beziehen &#8211;  alles andere an ihnen ist &#8211; im besten Sinne des Wortes &#8211; pure Kunst.  Besonders bewundernswert ist die Subtilit\u00e4t, mit der Beethoven sich die  Dynamik der f\u00fcr das Seitenthema gew\u00e4hlten Mediante als  Konstruktionsprinzip zunutze macht: weil dem ausgedehnten G-Dur-Passus  der Exposition in der Reprise ein ebenso gro\u00dffl\u00e4chiger C-Dur-Abschnitt  entspricht, ergibt sich die dramaturgische Notwendigkeit einer Art  &#8220;zweiter Reprise&#8221; des Seitenthemas auf der Tonika, in der nun bisher  ausgesparte M\u00f6glichkeiten der Instrumentation und Charakterisierung  eingesetzt werden. Diese hier wie an Dutzenden anderer Stellen  erkennbare raffinierte Balance zwischen unmittelbarer Vitalit\u00e4t und  meisterlichem Kalk\u00fcl machen diesen Satz zu einem der H\u00f6hepunkte der  gesamten Klaviertrioliteratur. <br>  <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig van Beethoven * 16. Dezember 1770\u2020 26. 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