{"id":350,"date":"2019-02-12T18:44:26","date_gmt":"2019-02-12T17:44:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=350"},"modified":"2019-02-12T18:44:31","modified_gmt":"2019-02-12T17:44:31","slug":"beethovenvariationen-es-dur-op-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/beethovenvariationen-es-dur-op-44\/","title":{"rendered":"Beethoven:Variationen Es-Dur op.44"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ludwig van Beethoven<\/h3>\n\n\n\n<p>* 16. Dezember 1770<br>\u2020 26. M\u00e4rz 1827<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Variationen Es-Dur op.44<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, etwa 1793, beendet um 1800<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Hoffmeister &amp; K\u00fchnel, Leipzig, 1804<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Entstehungsgeschichte dieses Werkes wissen wir nahezu  nichts; auf der R\u00fcckseite des Autographs der Lieder &#8220;Feuerfarb'&#8221; (op.52  Nr.2) und &#8220;An Minna&#8221; (WoO 115), die auf die Jahreswende 1792\/93 datiert  werden, scheint das Thema neben einigen Skizzen zum Klaviertrio op.1  Nr.1 das erste Mal auf. Dieses im Archiv der Gesellschaft der  Musikfreunde aufbewahrte Blatt ist der einzige autographe Beleg f\u00fcr die  Komposition. Das fertige Werk wurde erst im J\u00e4nner 1804 ver\u00f6ffentlicht;  stilistische Merkmale legen eine Entstehungszeit nicht nach 1800 nahe.  Das Thema der Variationen wurde bis vor kurzem Beethoven selbst  zugeschrieben. Erst 1991 hat es Sieghard Brandenburg als das der Arie  &#8220;Ja, ich mu\u00df mich von ihr scheiden&#8221; aus der komischen Operette &#8220;Das  rothe K\u00e4ppchen&#8221; von Carl Ditters von Dittersdorf identifizieren k\u00f6nnen.  Dieses Werk war 1788 in Wien uraufgef\u00fchrt und 1792 bei Schott in Mainz  gedruckt worden. <br> <br> Petra Weber-Bockholdt hat in einer dem Werk gewidmeten Studie darauf  hingewiesen, da\u00df von den zw\u00f6lf originalen und vollendeten Werken  Beethovens f\u00fcr Klavier, Violine und Violoncello gleich f\u00fcnf in Es-Dur  stehen, und also eine gewisse Affinit\u00e4t zwischen dieser Besetzung und  dieser Tonart zu bestehen scheint: &#8220;In Opus 44 kulminiert diese  Affinit\u00e4t gleichsam dergestalt, da\u00df hier&#8230; der Es-Dur-Dreiklang selber  den Gegenstand der Variationen bildet. Er tut dies in provokant nackter  Beschaffenheit: auch bei Beethoven selbst sind einfache, bisweilen  plakative thematische Gestalten ja keine Seltenheit, aber die ersten  vier Takte von op.44 unterbieten an Kargheit alles, was wir an einfachen  musikalischen Gestalten kennen: Alle drei Instrumente tragen den  Es-Dur-Dreiklang gebrochen, unisono und oktaviert vor.&#8221; <br> <br> Die nachfolgenden vierzehn Variationen sind ein Wunderwerk an subtiler  Charakterisierung und raffiniertem Spiel mit vieldeutigen Details. Auch  die Dramaturgie des Ablaufes ist \u00fcberaus sorgf\u00e4ltig durchdacht. Die  erste Variation hebt die metrische und harmonische Unbestimmtheit des  Themas auf und etabliert den leichtf\u00fc\u00dfigen, aber im Tempo verhaltenen  Alla-breve-Takt mit hingetupften Akkorden, \u00fcber denen die rechte Hand  des Klaviers das Thema zierlich zerst\u00e4ubt; nach dieser charakterlichen  Interpretation des Themas stellen die Variationen II bis IV einem  traditionellen Ablaufmuster folgend die drei Instrumente der Reihe nach  solistisch vor. Die folgenden beiden Variationen durchbrechen dann das  dynamische und metrische Ebenma\u00df der bisherigen Entwicklung auf  wirkungsvolle Weise mit ins Leere gehenden Crescendi und mutwilligen  Akzentversetzungen. Mit den Variationen VII und VIII haben wir die  formale und gedankliche Mitte des Werks erreicht: auf ein elegisches und  inniges Zwiegespr\u00e4ch zwischen den Streichern (Largo, es-moll) folgt ein  origineller Dialog zwischen den beiden H\u00e4nden des Klaviers (Un poco  adagio, Es-Dur), wobei der Ba\u00df das Thema in seiner nackten Urgestalt  festh\u00e4lt; der hier erreichte Schwebezustand zwischen den eleganten  Figurationen des Diskants und diesem naiv-plumpen Cantus firmus unter  den pochenden Streichertriolen macht diese Variation schon f\u00fcr sich  genommen zu einem Musterbeispiel der Beethovenschen Kunst  vielschichtiger Charakterisierung mit sparsamsten Mitteln. Mit der  folgenden Variationengruppe (IX &#8211; XII) kehren wir wieder ins  Ausgangstempo und zu dem Nuancierungsspiel der Variationen V &#8211; VI  zur\u00fcck, denen sie spiegelbildlich entsprechen. Die vorletzte Variation  (Adagio, es-moll) nimmt noch einmal die Stimmung der ersten  Minore-Variation (VII) auf, wobei diesmal das Klavier Soloinstrument ist  und in einer ergreifenden chromatische Umdeutung der Schlu\u00dftakte (mit  einem wundervollen Trugschlu\u00df nach Ces-Dur) den Punkt der gr\u00f6\u00dften  Entfernung von der Harmlosigkeit des Themas erreicht. Auch die  anschlie\u00dfende Finalvariation (Allegro) bezieht sich, diesmal aber nicht  intensivierend sondern antagonistisch, auf die erste Minore-Variation,  indem sie deren Metrum (6\/8) mit v\u00f6llig ver\u00e4ndertem Charakter  wiederaufgreift. Diese gemeinsame Beziehung der letzten beiden  Variationen auf die Werkmitte wird noch durch die Coda unterstrichen, in  der auf den der vorletzten Variation entlehnten Trugschlu\u00df ein  w\u00f6rtliches Zitat derselben folgt. Den Schlu\u00df bildet wieder der  schmucklose Es-Dur-Dreiklang des Themenkopfes, diesmal im Kanon zwischen  den Instrumenten, der endlich in eine k\u00f6stlichen Miniaturstretta  m\u00fcndet.  <br> <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig van Beethoven * 16. Dezember 1770\u2020 26. 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