{"id":348,"date":"2019-02-12T18:43:33","date_gmt":"2019-02-12T17:43:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=348"},"modified":"2019-02-12T18:43:39","modified_gmt":"2019-02-12T17:43:39","slug":"beethoven-grand-trio-pour-le-piano-forte-avec-un-clarinette-ou-violon-et-violoncelle-oeuvre-xi-me-gassenhauer-trio-b-dur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/beethoven-grand-trio-pour-le-piano-forte-avec-un-clarinette-ou-violon-et-violoncelle-oeuvre-xi-me-gassenhauer-trio-b-dur\/","title":{"rendered":"Beethoven:  Grand Trio pour le Piano-Forte avec un Clarinette ou Violon, et Violoncelle&#8230; Oeuvre XI.me (&#8220;Gassenhauer-Trio&#8221;, B-Dur)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ludwig van Beethoven<\/h3>\n\n\n\n<p>* 16. Dezember 1770<br>\u2020 26. M\u00e4rz 1827<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Grand Trio pour le Piano-Forte avec un Clarinette ou Violon, et Violoncelle&#8230; Oeuvre XI.me (&#8220;Gassenhauer-Trio&#8221;, B-Dur)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, erste H\u00e4lfte 1798<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Gr\u00e4fin Maria Wilhelmine von Thun und Hohenstein, geb. von Uhlefeld (1744-1800)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert.<br>\nDie fr\u00fcheste belegte Auff\u00fchrung fand um 1800 im Palais des Reichsgrafen \nMoritz von Fries (Josefsplatz 5, heute Palais Pallavicini) statt; \nPianist dieser Auff\u00fchrung war Daniel Gottlieb Steibelt (1765-1823).<br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Mollo &amp; Co., Wien, Oktober 1798<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Mit diesem Werk hat Beethoven ein Genre begr\u00fcndet, das sich bis in  die Gegenwart als legitime Seitenlinie des \u201eklassischen\u201c Klaviertrios  behauptet und bew\u00e4hrt hat. Die aparte Besetzungsidee tr\u00e4gt der in der  Entstehungszeit des Werkes stetig wachsenden kammermusikalischen  Bedeutung der Klarinette Rechnung, die sich ja auch im Mozartschen  Sp\u00e4twerk niederschl\u00e4gt (Quintett KV 452, Trio KV 498, Quintett KV 581).  Es besteht einiger Grund zu der Annahme, da\u00df auch Beethoven \u2013 \u00e4hnlich  wie Mozart, Weber und Brahms \u2013 erst durch die Bekanntschaft mit einem  Klarinettisten zur Komposition jener drei Kammermusikwerke angeregt  wurde, in denen er mithalf, diesem Instrument den Weg aus der Orchester-  und Blasmusik in die Klavier- und Streicherkammermusik zu bahnen:  Jedenfalls f\u00e4llt im Zusammenhang mit den fr\u00fchesten dokumentierten  Auff\u00fchrungen dieser Werke \u2013 des 1797 beendeten Quintetts op.16, unseres  Trios und des Septetts op.20 (1799\/1800) \u2013 immer wieder der Name des  Klarinettisten Joseph Beer. Hierbei handelt es sich aber nicht, wie oft  angenommen, um den in Paris, St.Petersburg und Berlin erfolgreichen  b\u00f6hmischen Virtuosen Johann Joseph Beer (1744-1812), der 1791 auf der  Durchreise in Wien mit Mozart musiziert hatte, sondern um dessen  j\u00fcngeren (Beinahe-) Namensvetter, der, im selben Jahr wie Beethoven  geboren, vielleicht bis 1794 in Wallerstein und danach als Mitglied der  F\u00fcrstlich Liechtensteinschen Hofkapelle in Wien wirkte (wo er 1819  starb).<br> <br>In kaum einer Besprechung des Beethovenschen Opus 11, dem der  anbiedernde Beinamen \u201eGassenhauer-Trio\u201c anhaftet, wird auf Worte wie  \u201eGelegenheitskomposition\u201c oder \u201eGebrauchsmusik\u201c verzichtet. Es scheint,  als w\u00fcrden viele Zuh\u00f6rer schon allein aus Beethovens Abweichen von der  Instrumentationsnorm des Klaviertrios einen \u2013 gegen\u00fcber der  programmatischen Emblematik der Trios op.1 \u2013 reduzierten Anspruch  ableiten. In Wahrheit bezeichnet aber dieses Werk einen weiteren Schritt  auf Beethovens singul\u00e4rem Entwicklungsweg und verdient nicht nur wegen  seiner auch nach mehr als zweihundert Jahren noch immer ungebrochen  andauernden Popularit\u00e4t (die vielleicht die Zur\u00fcckhaltung der  Musikwissenschaft herausfordert) besondere Beachtung.<br> <br>Am Kopfsatz (Allegro con brio) l\u00e4\u00dft sich beispielhaft verfolgen, mit  welcher Akribie und Pr\u00e4zision Beethoven die H\u00f6rgewohnheiten und  Erwartungen seines Publikums zu irritieren und so die Aufmerksamkeit  best\u00e4ndig wachzuhalten versteht. Die Kritik des anonymen Rezensenten der  Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung, Beethoven \u201ew\u00fcrde&#8230; viel  Gutes liefern&#8230;, wenn er immer mehr nat\u00fcrlich als gesucht schreiben  wollte\u201c, zielt genau auf diesen Umstand ab. Da\u00df sie den meisten heutigen  H\u00f6rern nur schwer nachvollziehbar sein wird, hat wohl in erster Linie  mit der Patina einer zweihundertj\u00e4hrigen Rezeptions- und  Interpretationsgeschichte zu tun. Aber \u201ew\u00f6rtlich genommen\u201c hat  Beethovens Text auch heute nichts von seiner pointierten und von den  Zeitgenossen ger\u00fcgten \u201eGesuchtheit\u201c eingeb\u00fc\u00dft. Da\u00df wir uns dabei nicht  mehr auf das (verschollene) Autograph berufen k\u00f6nnen, sondern uns mit  dem sicher fehlerhaften Erstdruck begn\u00fcgen m\u00fcssen, ist in diesem Falle  besonders schmerzlich; denn eine solche H\u00e4ufung \u201eunnat\u00fcrlicher\u201c und  \u201eunmusikalischer\u201c, also dem liebgewordenen Herkommen entgegenlaufender  Details ist selbst bei Beethoven nicht allt\u00e4glich, und man kann fast  sicher sein, da\u00df manches kostbare Detail der Routine des Stechers zum  Opfer gefallen ist. (Man sollte vielleicht daran erinnern, da\u00df die  Erstausgabe in der Offizin jenes Tranquillo Mollo entstand, \u00fcber dessen  Arbeit Beethoven anl\u00e4\u00dflich des Erscheinens der Streichquartette op.18  klagen wird: \u201edas hei\u00df ich stechen, in Wahrheit meine Haut ist ganz  voller Stiche und Rize \u2013 von dieser sch\u00f6nen Auflage&#8230;\u201c [an Hoffmeister  &amp; K\u00fchnel, 8. April 1802].)<br> <br>Das folgende Adagio con espressione (Es-Dur) mutet wie eine seelenvolle  und gedankentiefe Schwester des leutseligen Es-Dur-Menuetts aus  Beethovens Septett op.20 an \u2013 das diesem zugrundeliegende  G-Dur-Klavierst\u00fcck, das 1805 als Schlu\u00dfsatz der Sonate facile op.49 Nr.2  erschien, ist jedenfalls vor unserem Trio entstanden. Der in schlichter  dreiteiliger Liedform gehaltene  Satz entf\u00fchrt uns mit den wenigen  Takten seines Mittelteils in eine zutiefst romantische Klangwelt: Die  durchaus nicht unerh\u00f6rte \u201eneapolitanische\u201c Wendung (\u00fcber Es-moll nach  E-Dur) bildet nur die harmonische Folie f\u00fcr einen Moment prophetischer  Poesie, deren Zauber auch noch in die reich umspielte Reprise nachwirkt.<br> <br>Namengebendes Glanz- und Kabinettst\u00fcck des Werkes sind die  abschlie\u00dfenden Variationen (Tema con variazioni. Allegretto) \u00fcber die  Arie Pria ch\u00b4io l\u00b4impegno aus Joseph Weigls Oper L\u00b4amor marinaro, die am  15. Oktober 1797 in Wien uraufgef\u00fchrt worden war. Beethoven macht das  Thema, das in jenen Monaten wirklich ein omnipr\u00e4senter Gassenhauer in  Wiens Stra\u00dfen war, zum Ausgangspunkt einer kompakten, \u00fcberaus  kunstvollen und in seinem \u0152uvre einzigartigen Variationenfolge. Denn wie  sich bei n\u00e4herer Betrachtung herausstellt, hat der Komponist hier das  uns von Haydn her so wohlvertraute Prinzip der klassischen  Doppelvariation um eine monothematische Variante bereichert \u2013 auf den  ersten Blick ein wahres Paradoxon. Beethoven l\u00e4\u00dft hier in regelm\u00e4\u00dfiger  Folge jeweils eine lyrisch-besinnliche auf eine dramatisch-zupackende  Variation folgen, ein Verfahren, da\u00df logischerweise auch die \u2013 innerhalb  der Beethovenschen Klaviertrios sonst nur in den  Dittersdorf-Variationen op.44 anzutreffende \u2013 Verdoppelung der  traditionellen Minore-Variation zur Folge hat: die erste (Variation IV)  entlockt dem biederen Thema v\u00f6llig unerwartete elegische, ja tragische  T\u00f6ne, w\u00e4hrend in der zweiten (Variation VII) das Motiv des punktierten  Rhythmus, das in der Vorlage nur eine v\u00f6llig untergeordnete und  ornamentale Rolle spielt, seine Krallen zeigt \u2013 es wird hier zum  uneingeschr\u00e4nkten Alleinherrscher, dessen wildentschlossene Drohgeb\u00e4rden   auf keiner italienischen Opernb\u00fchne ihre Wirkung verfehlen w\u00fcrden. Das  dualistische Bauprinzip des Satzes bedingt auch den Verzicht auf das  sonst (z.B. in op.44 und op.121a) mit gutem Effekt eingesetzte Mittel  der drei \u201eSolovariationen\u201c; Beethoven ersetzt es hier durch die  er\u00f6ffnende Gegen\u00fcberstellung des Klaviers (Variation I), das sich mit  komischer Ungeduld \u2013 n\u00e4mlich ein ganzes Viertel zu fr\u00fch! \u2013 auf das Thema  st\u00fcrzt, und der beiden Melodieinstrumente, die in Variation II ein von  solchem Tatendrang v\u00f6llig unber\u00fchrtes, still-vertr\u00e4umtes Zwiegespr\u00e4ch  halten. Das folgende Variationenpaar \u00fcbersteigert diesen Kontrast noch,  indem hier auf den tatendurstigen Optimismus der Variation III der  entsagungsvolle Weltschmerz der schon erw\u00e4hnten ersten Mollvariation  folgt. Erst im dritten Anlauf gelingt es dem gipfelst\u00fcrmenden \u00dcbermut  Florestans (Variation V) Eusebius wenigstens ein L\u00e4cheln zu entlocken \u2013  mit der verspielten  Variation VI scheint sich der Konflikt zwischen den  beiden Welten zu entsch\u00e4rfen, eine Illusion, die das zweite Minore  (Variation VII) mit monomanischer Radikalit\u00e4t zerst\u00f6rt. Die Antwort  darauf ist ein Musterbeispiel Beethovenschen Humors und gleichzeitig der  Wendepunkt des Satzes: Im nachfolgenden Maggiore (Variation VIII)  erscheinen die beiden antagonistischen Charaktere das erste Mal  gleichzeitig, wenn auch durchaus nicht vereint \u2013 der schw\u00e4rmerische  Belcanto wird von einem dynamisch v\u00f6llig disproportionierten Klavierba\u00df  (sempre forte)  \u201ebegleitet\u201c, und man h\u00f6rt f\u00f6rmlich das ob solcher  skandal\u00f6sen Messalliance indignierte Getuschel des P.T. Publikums. Die  letzte Variation (IX) greift ein erstes und einziges Mal das Weiglsche  Thema selbst auf, dem Beethoven bisher ja nur das harmonische und  formale Ger\u00fcst entlehnt hatte; und ganz so, als wollte uns der Komponist  nachtr\u00e4glich noch auf die Janusk\u00f6pfigkeit des Satzes hinweisen, handelt  es sich dabei um einen zweistimmigen Kanon. Den \u00dcbergang zum Finale  bildet einer jener urkomischen und \u00fcberlangen Diskanttriller, die der  junge Beethoven mit Vorliebe zur Verbl\u00fcffung seiner Zuh\u00f6rer einsetzt  (und die noch nichts davon erahnen lassen, in welche Regionen er uns  ganz zuletzt, im Schlu\u00dfsatz der Klaviersonate op.111, mit \u00e4u\u00dferlich ganz  gleichen Mitteln entf\u00fchren wird). Die kurze Verirrung des Klaviers in  das entfernte G-Dur wird von den beiden Partnern souver\u00e4n korrigiert,  und dem traditionellen Sechsachtel-Schlu\u00df, dessen pikante Synkopen an  das Finale des (gleichzeitig abgeschlossenen) Klavierkonzertes op.19  denken lassen, scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Aber mit einer  virtuosen Geste auftrumpfender Bescheidenheit holt Beethoven f\u00fcr die  allerletzten vier Takte noch einmal den braven Joseph Weigl und sein  tapferes Vierviertel-Thema vor den Vorhang.<br> <br>Dieser Schlu\u00dfsatz ist Gegenstand einer ganzen Reihe von Erz\u00e4hlungen,  deren Wahrheitsgehalt nur mehr schwer nachzupr\u00fcfen ist. Philip Cipriani  Potter (1792-1871), der ab 1818 in Wien studierte und mit Beethoven  Kontakt hatte, will vom Verleger Artaria geh\u00f6rt haben, dieser selbst  habe Beethoven das Thema mit der Bitte um Verwendung in einem Trio  \u00fcbergeben; Beethoven habe nicht gewu\u00dft, da\u00df es sich um eine Komposition  Weigls handle, und sei sehr ungehalten gewesen, als er es sp\u00e4ter  erfahren habe. Wie wahrscheinlich das angesichts der ganz  au\u00dferordentlichen Popularit\u00e4t des Liedes ist, das von Johann Nepomuk  Hummel, Joseph Eybler, Abt Josef Jel\u00ednek,  Friedrich Wilhelm Berner,  sowie von Beethovens Konkurrenten Joseph W\u00f6lfl und Daniel Steibelt, ja  zuletzt sogar noch im Jahre 1828 von Niccol\u00f2 Paganini variiert wurde,  sei dahingestellt. Da\u00df aber Beethoven wirklich die Absicht gehabt hat,  den Variationensatz durch ein anderes Finale zu ersetzen, wird uns auch  von Carl Czerny best\u00e4tigt, der wiederum berichtet, Joseph Beer habe um  die Verwendung des Themas gebeten. Diese Absicht l\u00e4\u00dft aber durchaus  nicht den Schlu\u00df zu, Beethoven habe den Satz geringgesch\u00e4tzt \u2013 Czerny  betont ausdr\u00fccklich, der Komponist habe vielmehr daran gedacht, ihn als  separates Werk erscheinen zu lassen. In der Tat ist das Auftreten so  eigengewichtiger und selbst\u00e4ndiger Variationen in der Funktion eines  Finales ungew\u00f6hnlich; in Beethovens Klavierkammermusik finden wir  \u00fcberhaupt nur noch in zwei anderen F\u00e4llen Variationss\u00e4tze an den Schlu\u00df  gestellt, und beide Male (in den Violinsonaten op.30 Nr.1 und op.96)  handelt es sich um wesentlich \u201ehomogenere\u201c und \u201elinearere\u201c, also den  tektonischen Anforderungen eines Schlu\u00dfsatzes eher entsprechende St\u00fccke.<br> Der fr\u00fchesten dokumentierten Auff\u00fchrung des St\u00fcckes anl\u00e4\u00dflich eines der  damals so beliebten \u201eWettspiele\u201c, bei dem Beethoven auf Einladung von  Reichsgraf Moritz von Fries mit dem \u00fcberaus beliebten und erfolgreichen  Scharlatan Daniel Steibelt konkurrieren sollte, der sich in Beethovens  Opus 11 und in einem Klavierquintett eigener Komposition produzierte,  folgte der uns von Ferdinand Ries anschaulich geschilderte Eklat  zwischen den beiden Kontrahenten:<br> <br>\u201eAcht Tage sp\u00e4ter war wieder Concert beim Grafen Fries. Steibelt spielte  abermals ein Quintett mit vielem Erfolg, hatte \u00fcberdies (was man f\u00fchlen  konnte) sich eine brillante Phantasie einstudiert und sich das n\u00e4mliche  Thema gew\u00e4hlt, wor\u00fcber die Variationen in Beethovens Trio geschrieben  sind, dieses emp\u00f6rte die Verehrer Beethovens und ihn selbst; er mu\u00dfte  nun ans Clavier, um zu phantasieren. Er ging auf seine gew\u00f6hnliche, ich  m\u00f6chte sagen, ungezogene Art ans Instrument wie halb hingesto\u00dfen, nahm  im Vorbeigehen die Violoncellstimme von Steibelts Quintett mit, legte  sie (absichtlich?) verkehrt aufs Pult und trommelte sich mit einem  Finger von den ersten Takten ein Thema heraus. Allein, nun einmal  beleidigt und gereizt, phantasierte er so, da\u00df Steibelt den Saal  verlie\u00df, ehe Beethoven aufgeh\u00f6rt hatte, nie mehr mit ihm zusammenkommen  wollte, ja es sogar zur Bedingung machte, da\u00df Beethoven nicht eingeladen  werde, wenn man ihn haben wolle.\u201c<br> <br>Da dieser letzte Bericht geeignet sein k\u00f6nnte, die verbreitete  Vorstellung zu untermauern, Beethoven habe die Variationenform mit  Vorliebe dazu ben\u00fctzt, seine Verachtung des vorgegebenen Themas  auszudr\u00fccken, so mu\u00df dieser These an dieser Stelle noch einmal  nachdr\u00fccklich widersprochen werden: Wer sich auch nur einmal in ein  Beethovensches Skizzenbuch vertieft hat, wei\u00df, welch lapidare, ja banale  Gestalt Beethovens eigene Gedanken bei ihrem ersten Auftreten zu haben  pflegen. Niemand war daher berufener als Beethoven, die unausgesch\u00f6pften  M\u00f6glichkeiten auch des allerbiedersten Themas zu erkennen und sie  variierend zu entwickeln. Das Bild des Titanen, der sich am Entsetzen  des ihm zwischen die Finger geratenen Zwerges weidet, pa\u00dft zwar gut zum  Mythos Beethoven (der sich gerne auf Ausbr\u00fcche von J\u00e4hzorn und Hochmut  wie den oben geschilderten beruft), ist aber kaum mehr als eine  Karikatur. Ein Komponist, der es nicht verschm\u00e4hte, eines seiner  bedeutendsten und gedankentiefsten Werke mit einem Finale zu kr\u00f6nen,  dessen Thema dem Kinderlied \u201eHopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf\u00b4 Galopp\u201c  zum Verwechseln \u00e4hnlich sieht (V. Symphonie, op.67), hat gewi\u00df auch noch  das geringste der ihm in den Weg laufenden Themen geachtet. Was er mit  Joseph Weigls Pria ch\u00b4io l\u00b4impegno schon bei der Vorstellung des Themas  durch die Hinzuf\u00fcgung der frechen synkopischen Akzente anstellte, ist  also nicht notwendigerweise als selbstbewu\u00dfte Verspottung der Vorlage zu  werten, denn Beethoven wu\u00dfte sehr wohl, da\u00df das Weiglsche Thema in all  seiner Einfalt den dramaturgischen Anforderungen des Originals (eines  Terzetts \u00fcber den Text \u201ePria chi\u00b4io l\u00b4impegno magistral prenda, far vu\u00f3  merenda\u201c, also etwa: \u201eBevor ich mich ans gro\u00dfe Werk mache, will ich noch  t\u00fcchtig essen\u201c) hervorragend entsprach. Man t\u00e4te als gut daran, die  Bewunderung f\u00fcr die Beethovenschen Variationsk\u00fcnste nicht untrennbar mit  der Ver\u00e4chtlichmachung seiner Vorlagen zu verbinden; und da\u00df auch der  heute so gr\u00fcndlich vergessene Joseph Weigl \u00fcber mehr Nuancen gebot als  nur den Ton t\u00f6lpelhafter Biederkeit, darf als gesichert gelten \u2013  immerhin hat kein geringerer als Joseph Haydn, Weigls Taufpate, in einem  Brief an sein Patenkind bekannt: \u201eSchon seit langer Zeit habe ich keine  Musik mit solchem Enthusiasmus empfunden, als Ihre&#8230; Sie ist  gedankenneu, erhaben, ausdrucksvoll, kurz ein Meisterst\u00fcck.\u201c (11. J\u00e4nner  1794)<br> <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig van Beethoven * 16. Dezember 1770\u2020 26. 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