{"id":325,"date":"2019-02-12T18:11:04","date_gmt":"2019-02-12T17:11:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=325"},"modified":"2019-02-12T18:11:08","modified_gmt":"2019-02-12T17:11:08","slug":"schibler-die-hochzeit-kantate-nach-einem-prosaabschnitt-aus-uli-der-knecht-von-jeremias-gotthelf-fuer-alt-oder-bass-violine-cello-und-klavier-op-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/schibler-die-hochzeit-kantate-nach-einem-prosaabschnitt-aus-uli-der-knecht-von-jeremias-gotthelf-fuer-alt-oder-bass-violine-cello-und-klavier-op-15\/","title":{"rendered":"Schibler: Die Hochzeit. Kantate nach einem Prosaabschnitt aus &#8220;Uli der Knecht&#8221; von Jeremias Gotthelf f\u00fcr Alt oder Ba\u00df, Violine, Cello und Klavier. Op.15"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Armin Schibler<\/h3>\n\n\n\n<p>* 20. September 1920<br>\u2020 07. September 1986<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die\n Hochzeit. Kantate nach einem Prosaabschnitt aus &#8220;Uli der Knecht&#8221; von \nJeremias Gotthelf f\u00fcr Alt oder Ba\u00df, Violine, Cello und Klavier. Op.15<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>London, Februar &#8211; Juni 1946<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>Tatjana Berger(-Schibler)<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>nicht dokumentiert<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>nicht ver\u00f6ffentlicht<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Als Willy Burkhard im Herbst 1942 seine Lehrstelle am Z\u00fcrcher \nKonservatorium antrat, war unter seinen ersten Sch\u00fclern auch der junge \nArmin Schibler, der erst kurz davor die Kontrapunktklasse von Paul \nM\u00fcller-Z\u00fcrich (1898-1993) brillant abgeschlossen hatte. <br>\nSchibler, der Sohn eines an der schweizerisch-deutschen Bodenseegrenze \ndiensthabenden Zollbeamten, hatte schon w\u00e4hrend seiner Aarauer \nGymnasialjahre (1936-40) als Komponist debutiert: Unter Aufopferung all \nseiner Ersparnisse hatte er dort eine 1938 enstandene Sonate f\u00fcr Violine\n und Klavier drucken lassen, die sogar von einem Leipziger Verlag in \nKommission \u00fcbernommen worden war. Nach einigem Schwanken \u2013 auch ein \nChemiestudium und die Journalistenlaufbahn hatte er in Erw\u00e4gung gezogen \u2013\n war er 1940 in das Z\u00fcrcher Konservatorium eingetreten, das er 1945 als \nSch\u00fcler Willy Burkhards absolvieren sollte. Schon vor Beendigung seines \nStudiums ergriff Schibler aber jenen Brotberuf, dem er bis an sein \nLebensende treu bleiben sollte: er wirkte als Musiklehrer an einem \nGymnasium in Z\u00fcrich. <br>\nKurz nach Beendigung seiner Studien trat Schibler im Oktober 1945 in der\n Z\u00fcrcher Peterskirche mit der Urauff\u00fchrung zweier gro\u00dfformatiger \nKompositionen (Wessobrunner Kantate, op.10, und Erstes Streichquartett, \nop.14) ein erstes Mal vor eine breitere \u00d6ffentlichkeit. Anfang 1946 trat\n der junge Komponist dann einen f\u00fcnfmonatigen Studienaufenthalt in \nLondon an, wo er mit Benjamin Britten, Edmund Rubbra und Michael Tippett\n zusammentraf. <br>\nSchibler hatte wohl auch der Urauff\u00fchrung von Burkhards Gotthelf-Kantate\n beigewohnt, bei der sein Klavierlehrer Walter Frey den Klavierpart \n\u00fcbernommen hatte. Offenbar hatten die skeptischen und kritischen \nReaktionen, denen dieses Werk begegnet war, ihren Eindruck auf ihn ganz \nverfehlt, denn als er sich nun, nach Abschlu\u00df seiner Ausbildung, \nanschickte, seine Studienkollegin Tatjana Berger, eine Geigerin, die er \n\u00fcbrigens im Jahr der Burkhardschen Urauff\u00fchrung kennengelernt hatte, zu \nheiraten, beschlo\u00df er, f\u00fcr sie als Morgengabe ein Pendant zu Burkhards \nSonntag zu schreiben. Ganz den Spuren seines Lehrers folgend, blieb er \nbei Gotthelfs Uli der Knecht  &#8211; und was lag n\u00e4her, als f\u00fcr diesen Anla\u00df \ndie im Zentrum des letzten Kapitels stehende Hochzeitsepisode zu w\u00e4hlen?\n <br>\nIn den wenigen Jahren, die seit dem Experiment Burkhards verflossen \nwaren, hatten auch andere Komponisten \u00e4hnliche Versuche unternommen \u2013 \nerst 1945 hatte Giorgio Federico Ghedini (1892-1965) in seinem \noriginellen Concerto dell\u00b4Albatro (f\u00fcr Klaviertrio, Orchester und \nRezitator) eine Passage aus Hermann Melvilles Moby Dick vertont. Die \neinem solchen Unterfangen innewohnenden Schwierigkeiten waren dadurch \naber kaum geringer geworden. Schiblers Eingriffe in die literarische \nVorlage beschr\u00e4nken sich auf Auslassungen, sind aber \u2013 entsprechend dem \nweniger lyrischen Charakter der Stelle \u2013 wesentlich einschneidender. \nAnders als Burkhard verzichtet Schibler auf die Gliederung des Textes in\n autonome S\u00e4tze; das entspricht auch der im Vergleich zum Werk des \nLehrers merklich geschw\u00e4chten Position des tonalen Zentrums \u2013 das Ende \nder Kantate auf E scheint eine ganz bewu\u00dfte Reverenz an das Burkhardsche\n Vorbild zu sein. Die Strukturierung der Textvorlage wird durch \nausgedehnte instrumentale Zwischenspiele erzielt, die den Erz\u00e4hlflu\u00df in \nvier dramatische \u201eSzenen\u201c oder \u201eBilder\u201c gliedern. <br>\n<br>\nJeremias Gotthelf:<br>\nWie Uli der Knecht gl\u00fccklich wird<br>\n26. Kapitel: Wie Vreneli und Uli auf hochzeitlichen Wegen gehen und endlich Hochzeit halten<br>\n<br>\n[&#8230;] Uli fa\u00dfte sein Vreneli bei der Hand und wanderte mit ihm der \nKirche zu; feierlich t\u00f6nten die feierlichen Kl\u00e4nge im Herzen wieder, \ndenn der Siegrist l\u00e4utete ordentlich die Glocken, da\u00df sie an beiden \nOrten anschlugen, und nicht wie wenn sie lahm w\u00e4ren, nur bald an diesem,\n bald an jenem Orte. <br>\n<br>\nWie sie auf den Kirchhof kamen, schaufelte eben der Totenmann an einem \nGrabe, und stille wars um ihn: [kein Schaf, keine Ziege kam und \nverrichtete ihre Notdurft in des Menschen letzte Ruhest\u00e4tte, denn da war\n der Kirchhof kein Weideplatz f\u00fcr ungeistliche Tiere.] Es ergriff \nVreneli [pl\u00f6tzlich] eine unwiderstehliche Wehmut. Der [ehrw\u00fcrdige] \nAnblick der Gr\u00e4ber, das Schaufeln eines Grabes weckten d\u00fcstere Gedanken.\n \u201eDas bedeutet nichts Gutes,\u201c [fl\u00fcsterte es,] \u201eeinem von uns schaufelt \nman sein Grab.\u201c [Vor der Kirche stunden Gevatterleute, eine Gotte mit \neinem Kinde auf dem Arme. \u201eDas bedeutet einem von uns eine Kindbett\u201c, \nfl\u00fcsterte Uli, um Vreneli zu tr\u00f6sten. \u201eJa, da\u00df ich in einer solchen \nsterbe,\u201c antwortete es, \u201eda\u00df ich aus meinem Gl\u00fcck weg mu\u00df ins kalte \nGrab.\u201c] \u201eDenk doch,\u201c sagte Uli, \u201eda\u00df der liebe Gott ja alles macht und \nda\u00df wir nicht abergl\u00e4ubisch, sondern gl\u00e4ubig sein sollen. Da\u00df einmal \nunser Grab geschaufelt werden wird, ist gewi\u00df, aber da\u00df das Grabgraben \nSterben bedeute denen, die dazukommen, habe ich noch nie geh\u00f6rt. [Denke \ndoch, wie Viele ein Grab graben sehen; wenn es die alle nachz\u00f6ge, denk \nauch, wie gro\u00df der Sterbet sein m\u00fc\u00dfte.\u201c \u201eAch, verzeih mir,\u201c sagte \nVreneli, \u201eaber je wichtiger ein Gang ist, um so \u00e4ngstlicher wird die \narme Seele und m\u00f6chte gar zu gerne wissen, wie es zu Ende geht, und \nnimmt daher jede Bewegung als ein Zeichen auf, ein gutes oder ein b\u00f6ses;\n wei\u00dft du, was du von den Tauben sagtest, als wir ins Dorf fuhren?\u201c Da \ndr\u00fcckte Uli seiner Braut die Hand und sagte ihr: \u201eDu hast recht;] la\u00df du\n uns unser Vertrauen auf Gott stellen und nicht kummern. [Was er uns \ntun, nehmen oder geben wird, das ist wohl getan.]\u00bb<br>\n <br>\nSie traten in die Kirche, leise, zagend, teilten sich zur Linken und zur\n Rechten, [sahen ein Kindlein aufnehmen in den Bund des Herrn, dachten, \nwie sch\u00f6n es doch sei, so ein zart und hinf\u00e4llig Kind der besondern \nObhut seines Heilands mit Leib und Seele anempfehlen zu d\u00fcrfen, und wie \neine gro\u00dfe Last es von der Eltern Brust w\u00e4lzen m\u00fcsse, wenn sie in der \nTaufe das Bewu\u00dftsein erhielten, der Herr wolle mit ihnen sein und mit \nseinem Geiste sie das Kind n\u00e4hren lassen, wie die Mutter es s\u00e4ttige mit \nihrer Milch. Sie] beteten [recht] and\u00e4chtig mit [und dachten, wie \nernsthaft sie es nehmen wollten, wenn sie als Taufzeugen es geloben \nm\u00fc\u00dften, darauf zu achten, da\u00df das Kind dem Herrn zugef\u00fchrt werde. Das \ngew\u00f6hnliche Wochengebet verhallte ihnen] in der Wichtigkeit des ernsten \nAugenblicks, der n\u00e4her und n\u00e4her kam. Als der Pfarrer hinter dem \nTaufsteine hervortrat, als Uli Vreneli geholt hatte und Beide ans \nB\u00e4nkchen traten, sanken Beide auf die Knie, [der Zeremonie weit \nvorgreifend,] hielten die H\u00e4nde inbr\u00fcnstig verschlungen, und von ganzer \nSeele, ganzem Gem\u00fcte und allen Kr\u00e4ften [beteten und] gelobten sie, was \ndie Worte sie hie\u00dfen[, ja noch viel mehr, was aus treuen Herzen \nsprudelte]. <br>\n<br>\nUnd als sie aufstunden, f\u00fchlten sie sich so recht fest und wohlgemut; es\n war einem jeden, als h\u00e4tte es einen gro\u00dfen Schatz gewonnen f\u00fcrs ganze \nLeben, der ihns gl\u00fccklich machen m\u00fcsse, den ihm niemand entrei\u00dfen, \nniemand abgewinnen k\u00f6nne, mit dem es vereint bleibe[n m\u00fcsse] in alle \nEwigkeit. <br>\n<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armin Schibler * 20. September 1920\u2020 07. September 1986 Die Hochzeit. Kantate nach einem Prosaabschnitt aus &#8220;Uli der Knecht&#8221; von Jeremias Gotthelf f\u00fcr Alt oder Ba\u00df, Violine, Cello und Klavier. 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