{"id":320,"date":"2019-02-12T18:09:24","date_gmt":"2019-02-12T17:09:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=320"},"modified":"2019-02-12T18:09:30","modified_gmt":"2019-02-12T17:09:30","slug":"banlaky-2-liedfantasie-fuer-bariton-violine-cello-und-klavier-nach-gedichten-von-francesco-petrarca-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/banlaky-2-liedfantasie-fuer-bariton-violine-cello-und-klavier-nach-gedichten-von-francesco-petrarca-2001\/","title":{"rendered":"Banlaky:  2. Liedfantasie f\u00fcr Bariton, Violine, Cello und Klavier nach Gedichten von Francesco Petrarca (2001)"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Akos Banlaky<\/h3>\n\n\n\n<p>* 29. J\u00e4nner 1966<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Liedfantasie f\u00fcr Bariton, Violine, Cello und Klavier nach Gedichten von Francesco Petrarca (2001)<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien, 2001<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Wien, Musikverein (Brahms-Saal), 25. M\u00e4rz 2003<br>\nWolfgang Holzmair, Bariton<br>\nAltenberg Trio Wien<br>\nClaus-Christian Schuster, Klavier<br>\nAmiram Ganz, Violine<br>\nMartin Hornstein, Violoncello<br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Manuskript<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Der 2. Liedfantasie war schon 1997 ein analoges Werk auf Texte von \nMaria Zampieri f\u00fcr Sopran, Violoncello und Klavier vorangegangen; in der\n Zwischenzeit ist eine 3. Liedfantasie auf Gedichte von A. A. von \nHaugwitz und G. R. Weckherlin f\u00fcr Sopran, Fl\u00f6te und Klavier entstanden. \nBei der Wahl der Texte gilt Banlakys ganz besondere und obsessive Z\u00fcge \nannehmende Vorliebe der lyrischen Form des Sonetts: Einem ersten \nabendf\u00fcllenden \u201eSonettenbuch\u201c nach 28 Gedichten von Petrarca, \nMichelangelo, Rilke, Nerval, Verlaine und Baudelaire, folgte vor kurzem \nein 30 Sonette umfassender zweiter Band auf eigene Texte. Neben seiner \nkompositorischen T\u00e4tigkeit verfolgt Banlaky zur Zeit ein \nDoktoratsstudium an der Universit\u00e4t Wien und unternimmt regelm\u00e4\u00dfig \nausgedehnte ethnomusikologische Forschungsreisen, die ihn bisher in eine\n Reihe asiatischer, afrikanischer und s\u00fcdamerikanischer L\u00e4nder gef\u00fchrt \nhaben, und auf denen er auch seinen ornithologischen Interessen \nnachgeht. Dieses letzte Detail ruft nat\u00fcrlich die Erinnerung an Olivier \nMessiaen (1908-1992) wach, dessen Werk in der Tat nicht ohne Einflu\u00df auf\n die idiomatischen Pr\u00e4ferenzen Banlakys war, ein Einflu\u00df, der sich unter\n anderem in der modalen Organisation des Tonmaterials widerspiegelt. F\u00fcr\n die vorliegende 2. Liedfantasie, die sich im \u00fcbrigen in aller \nDeutlichkeit zur Bewahrung der Tonalit\u00e4t bekennt, hat Banlaky f\u00fcnf der \ndunklen, sp\u00e4ten Sonette Petrarcas ausgew\u00e4hlt, die unseres Wissens bisher\n \u00fcberhaupt noch nie vertont wurden. Die besondere Faszination, die das \nWerk Francesco Petrarcas (1304-1374) auf Banlaky aus\u00fcbt, stellt ihn \nandererseits in eine ebenso lange wie Respekt gebietende Ahnenreihe von \nKomponisten, die mit Guillaume Dufay, Orlando di Lasso und Luca Marenzio\n beginnt und \u00fcber Schubert und Liszt bis hin zu Sch\u00f6nberg f\u00fchrt.      <br>\n<br>\nCCXCII<br>\nGli occhi di ch\u2019io parlai s\u00ed caldamente<br>\n<br>\nGli occhi di ch\u2019io parlai s\u00ed caldamente,<br>\ne le braccia, e le mani, e i piedi, e \u2019l viso,<br>\nche m\u2019avean s\u00ed da me stesso diviso,<br>\ne fatto singular da l\u2019altra gente;<br>\n<br>\nle crespe chiome d\u2019\u00f2r puro lucente,<br>\ne \u2019l lampeggiar de l\u2019angelico riso<br>\nche solean fare in terra un paradiso,<br>\npoca polvere son, che nulla sente.<br>\n<br>\nEt io pur vivo; onde mi doglio e sdegno,<br>\nrimaso senza \u2019l lume ch\u2019amai tanto,<br>\nin gran fortuna, e \u2019n disarmato legno.<br>\n<br>\nOr sia qui fine al mio amoroso canto:<br>\nsecca \u00e8 la vena de l\u2019usato ingegno,<br>\ne la cetera mia rivolta in pianto.<br>\n<br>\n<br>\nDas Aug, von dem ich sprach so lieb-entz\u00fcndet,<br>\ndie Arme, H\u00e4nde, F\u00fc\u00dfe und die Z\u00fcge,<br>\ndie mich von mir getrennt und vom Gef\u00fcge<br>\nder Menschenwelt, die mich nicht l\u00e4nger bindet.<br>\n<br>\nDas Haar, das sich zu Locken Goldes r\u00fcndet;<br>\ndes Lachens Blitz, als ob ein Engel fliege,<br>\nals ob der Erd ein Paradies entstiege,<br>\nsind eine Handvoll Staub, die nichts empfindet.<br>\n<br>\nUnd doch, ich lebe weiter, was mich bitter<br>\nerz\u00fcrnt, entbl\u00f6\u00dft des so geliebten Lichtes<br>\nauf steuerlosem Holz im Ungewitter.<br>\n<br>\nSei dies das Ende schw\u00e4rmenden Gedichtes;<br>\ndie Ader ist versiegt und meine Zither<br>\nverwandelt in Wehklagen des Verzichtes.<br>\n<br>\nCCXCIV<br>\nSoleasi nel mio cor star bella e viva<br>\n<br>\nSoleasi nel mio cor star bella e viva,<br>\ncom\u2019alta donna in loco umile e basso;<br>\nor son fatto io per l\u2019ultimo suo passo,<br>\nnon pur mortal, ma morto, et ella \u00e8 diva.<br>\n<br>\nL\u2019alma d\u2019ogni suo ben spogliata e priva, <br>\nAmor de la sua luce ignudo e casso<br>\ndevria de la piet\u00e0 romper un sasso;<br>\nma non \u00e8 chi lor duol riconti, o scriva:<br>\n<br>\nch\u00e9 piangon dentro, ov\u2019ogni orecchia \u00e8 sorda,<br>\nse non la mia, cui tanta doglia ingombra,<br>\nch\u2019altro che sospirar nulla m\u2019avanza.<br>\n<br>\nVeramente siam noi polvere et ombra;<br>\nveramente la voglia cieca e \u2019ngorda;<br>\nveramente fallace \u00e8 la speranza.<br>\n<br>\n<br>\nSch\u00f6n und lebendig mir im Herzen wohnt\u2018 sie<br>\nwie eine Herrin in bescheidenem Orte;<br>\nnun bin ich hinter ihrer letzten Pforte<br>\ntot und gestorben, und als G\u00f6ttin thront sie.<br>\n<br>\nDie Seele, jedes Guts entschleiert front sie;<br>\ndes Lichts beraubt ist Amor \u2013 Laub verdorrte<br>\nvor Mitleid; Felsen br\u00e4chen; doch der Worte<br>\nert\u00f6nt nicht eins, und keine Schrift belohnt sie.<br>\n<br>\nSie weinen innen, wo die Ohren taub sind;<br>\nnur meine nicht, den Schmerz so \u00fcberm\u00e4\u00dfig<br>\nbefrachtet, da\u00df nur Seufzer mir entfliegen.<br>\n<br>\nWahr ist: das Wollen, ach, ist blind-gefr\u00e4\u00dfig.<br>\nWahr ist es, da\u00df wir Schattenspiel und Staub sind.<br>\nWahr ist, da\u00df uns Hoffnungen betr\u00fcgen.<br>\n<br>\nCCXCIII<br>\nS\u2019io avesse pensato che s\u00ed care<br>\n<br>\nS\u2019io avesse pensato che s\u00ed care<br>\nfossin le voci de\u2019 sospir miei in rima,<br>\nfatte l\u2019avrei, dal sospirar mio prima, <br>\nin numero pi\u00f9 spesse, in stil pi\u00f9 rare.<br>\n<br>\nMorta colei che mi facea parlare,<br>\ne che si stava de\u2019 pensier miei in cima,<br>\nnon posso, e non ho pi\u00f9 s\u00ed dolce lima,<br>\nrime aspre e fosche far soavi e chiare.<br>\n<br>\nE certo ogni mio studio in quel tempo era<br>\npur di sfogare il doloroso core<br>\nin qualche modo, non d\u2019acquistar fama.<br>\n<br>\nPianger cercai, non gi\u00e0 del pianto onore:<br>\nor vorrei ben piacer; ma quella alt\u00e8ra,<br>\ntacito, stanco, dopo s\u00e9 mi chiama.<br>\n<br>\n<br>\nH\u00e4tt ich gedacht, da\u00df man so teuer achte<br>\ndie T\u00f6ne meiner Seufzer in den Reimen,<br>\nso h\u00e4tte ich ab meines Seufzens Keimen<br>\nnach h\u00f6h\u2019rer Zahl und reicherm Stil getrachtet.<br>\n<br>\nDa jene tot ist, die mich reden machte,<br>\ndie auf dem Gipfel stand von allen Tr\u00e4umen,<br>\nvermag ich wilde Reime nicht zu z\u00e4umen<br>\nnoch aufzuhellen, was in ihnen nachtet.<br>\n<br>\nUnd sicher war zu jener Zeit mein Sinnen<br>\nallein, da\u00df sich mein Herz der Qual erwehre<br>\nauf irgendeine Art: nicht Ruhm zu horten.<br>\n<br>\nDas Weinen sucht ich; nicht vom Weinen Ehre.<br>\nNun m\u00f6cht ich gern gefallen, doch von hinnen<br>\nruft jene Stolze mich: ersch\u00f6pft an Worten.<br>\n<br>\nCCCXLIX<br>\nE\u2019 mi par d\u2019or in ora udire il messo<br>\n<br>\nE\u2019 mi par d\u2019or in ora udire il messo<br>\nche madonna mi mande a s\u00e9 chiamando:<br>\ncos\u00ed dentro e di f\u00f2r mi vo cangiando,<br>\ne sono in molt\u2019anni s\u00ed dimesso,<br>\n<br>\nch\u2019a pena riconosco omai me stesso!<br>\nTutto \u2019l viver usato ho messo in bando:<br>\nsarei contento di sapere il quando,<br>\nma pur devrebbe il tempo esser da presso.<br>\n<br>\nO felice quel d\u00ed, che, del terreno<br>\ncarcere uscendo, lasci rotta e sparta<br>\nquesta mia grave e frale e mortal gonna,<br>\n<br>\ne da s\u00ed folte tenebre mi parta,<br>\nvolando tanto su nel bel sereno,<br>\nch\u2019i\u2019 veggia, il mio Signore, e la mia donna.<br>\n<br>\n<br>\nVon Stund zu Stunde w\u00e4hne ich, vernommen<br>\nh\u00e4tt ich den Boten, den die Herrin sendet.<br>\nSo sehr ist all mein Innres umgewendet,<br>\nin wenig Jahren bin ich so verkommen,<br>\n<br>\nda\u00df ich mich kaum erkenne so verschwommen<br>\nund dem gewohnten Leben ganz entwendet.<br>\nIch w\u00e4re froh zu wissen, wann es endet:<br>\nder Zeitpunkt ist doch wohl schon fast gekommen.<br>\n<br>\nO gl\u00fccklich jener Tag, da ich die Gr\u00fcfte<br>\nder Erde lassen darf, da ich der Schwere<br>\ndes schwachen sterblichen Gewands entwehe<br>\n<br>\nund aus so dichtem Dunkel heimw\u00e4rts kehre,<br>\nso hoch entfliegend in die sch\u00f6nen L\u00fcfte,<br>\nda\u00df ich den Herrn und meine Herrin sehe.<br>\n<br>\nCCCL<br>\nQuesto nostro caduco e fragil bene<br>\n<br>\nQuesto nostro caduco e fragil bene,<br>\nch\u2019\u00e8 vento et ombra, et ha nome beltate,<br>\nnon fu gi\u00e0 mai se non in questa etate<br>\ntutto in un corpo; e ci\u00f2 fu per mie pene.<br>\n<br>\nCh\u00e9 natura non v\u00f2l, n\u00e9 si convene,<br>\nper far ricco un, por li altri in povertate:<br>\nor vers\u00f2 in una ogni sua largitate;<br>\nperdonimi qual \u00e8 bella, o si t\u00e8ne.<br>\n<br>\nNon fu simil bellezza antica o nova,<br>\nn\u00e9 sar\u00e0, credo; ma fu s\u00ed coverta,<br>\nch\u2019a pena se n\u2019accorse il mondo errante.<br>\n<br>\nTosto disparve; onde \u2019l cangiar mi giova<br>\nla poca vista a me dal ciel offerta<br>\nsol per piacer a le sue luci sante.<br>\n<br>\n<br>\nDies unser Gut, das so zerbrechlich feine<br>\n\u2013 Wind ist\u2019s und Schatten \u2013 \u201cSch\u00f6nheit\u201d hei\u00dft die Habe \u2013,<br>\nward keiner Zeit als unsrer so zur Gabe<br>\nin einem Leib \u2013 und das, damit ich weine.<br>\n<br>\nNicht g\u00f6nnt ja die Natur, auf da\u00df der eine<br>\nverw\u00f6hnt sei, andern nur die leere Wabe;<br>\ndoch ihr ergo\u00df sie ihre ganze Labe \u2013<br>\nverzeih mir, welche sch\u00f6n sei oder scheine!<br>\n<br>\nNie war dergleichen Sch\u00f6nheit je und heute,<br>\nnoch wird sie sein; doch fiel sie dem Get\u00fcmmel<br>\nder Welt nicht auf und die Verirrten allen.<br>\n<br>\nBald ging sie hin \u2013 weshalb der Tausch mich freute<br>\ndes kurzen Blicks, mir zubestimmt vom Himmel,<br>\nnur, um den heiligen Lichtern zu gefallen.<br>\n<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Akos Banlaky * 29. J\u00e4nner 1966 2. Liedfantasie f\u00fcr Bariton, Violine, Cello und Klavier nach Gedichten von Francesco Petrarca (2001) Komponiert: Wien, 2001 Urauff\u00fchrung: Wien, Musikverein (Brahms-Saal), 25. M\u00e4rz 2003 Wolfgang Holzmair, Bariton Altenberg Trio Wien Claus-Christian Schuster, Klavier Amiram Ganz, Violine Martin Hornstein, Violoncello Erstausgabe: Manuskript Der 2. 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