{"id":293,"date":"2019-02-12T14:23:57","date_gmt":"2019-02-12T13:23:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.altenbergtrio.at\/?p=293"},"modified":"2019-02-12T14:24:02","modified_gmt":"2019-02-12T13:24:02","slug":"beethoven-trio-g-dur-op-1-nr-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/en\/beethoven-trio-g-dur-op-1-nr-2\/","title":{"rendered":"Beethoven: Trio G-Dur op.1 Nr.2"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ludwig van Beethoven<\/h3>\n\n\n\n<p>* 16. Dezember 1770<br>\u2020 26. M\u00e4rz 1827<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trio G-Dur op.1 Nr.2<\/h3>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>Komponiert:<\/td><td>Wien<\/td><\/tr><tr><td>Widmung:<\/td><td>F\u00fcrst Carl von Lichnowsky<\/td><\/tr><tr><td>Urauff\u00fchrung:<\/td><td>Wien, bei F\u00fcrst Carl von Lichnowsky (Schauflergasse 6) <br>\nvor dem 19. J\u00e4nner 1794 (wahrscheinlich Ende 1793) <br>\nLudwig van Beethoven, Klavier <br>\nIgnaz Schuppanzigh (?), Violine <br>\nAnton Kraft (?), Violoncello <br>\n<\/td><\/tr><tr><td>Erstausgabe:<\/td><td>Artaria, Wien, 1795<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth02_600x447.jpg\" data-rel=\"lightbox-gallery-a6UL3izn\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.altenbergtrio.at\/resmedia\/img\/up200708\/beeth02_200x149.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Unter  den drei Werken von Beethovens Opus 1 nimmt das G-Dur-Trio nicht nur  formal die zentrale Stellung ein: es ist das Herzst\u00fcck des ganzen  Zyklus. Das schl\u00e4gt sich rein \u00e4u\u00dferlich darin nieder, da\u00df es l\u00e4nger ist  als seine beiden Schwesterwerke, und da\u00df <br> Beethoven hier das einzige Mal die epische Er\u00f6ffnungsform der langsamen  Einleitung w\u00e4hlt. Dar\u00fcber hinaus aber spiegelt sich die Zentralstellung  dieses Werkes auch in der dramaturgischen und stilistischen Gesamtanlage  des Opus: wenn man in Nr.1 (Es-Dur) die transzendierende  Zusammenfassung der Erfahrungen Haydns und in Nr.3 (c-moll) die  Quintessenz der Charakteristika <br> des fr\u00fchen Beethoven sehen kann, so mutet einen das G-Dur-Trio wie ein  tr\u00e4umerisches Spiel mit den M\u00f6glichkeiten der Zukunft an. Nicht zuf\u00e4llig  geh\u00f6ren zu den Assoziationen, die sich beim Anh\u00f6ren dieses Werkes fast  zwangsl\u00e4ufig einstellen, so weit auseinanderliegende <br> Ph\u00e4nomene wie Schubert und Rossini &#8211; beides Komponisten, die zur Zeit  der Niederschrift dieses Trios entweder noch nicht geboren waren oder  gerade erst in den Windeln lagen, und deren Werk exemplarisch die ganze  Amplitude der Musik des ersten Drittels des XIX. Jahrhunderts  repr\u00e4sentiert.<br>Der Beginn des ersten Satzes (<em><strong>Adagio<\/strong><\/em>, G-Dur) ist nichts anderes als eine Metamorphose des Inzipits von op.1 Nr.1  (die ersten beiden Takte sind, transponiert und rhythmisch modifiziert,  notenident mit der analogen Stelle des Es-Dur-Trios). Es ist eine  Metamorphose ins traumhaft Spielerische, versonnen Grazi\u00f6se. Das Motto  des folgenden Hauptteils (<em>Allegro vivace<\/em>) durchzieht diese  Einleitung ebenso wie dessen charakteristische Verzierungen, soda\u00df trotz  des gro\u00dfen Stimmungs- und Tempokontrastes die Einheit zwischen den  beiden <br> Teilen niemals gef\u00e4hrdet ist. Der Hauptteil selbst ist ein sehr  ausgedehntes und vielgliedriges Sonaten-Allegro, das die Sph\u00e4re des  \u00fcberm\u00fctig Neckischen und spielerisch Anmutigen ganz auskostet und fast  nie verl\u00e4\u00dft. Es ist, als w\u00fcrde &#8211; mit einem Unterton romantischer Ironie &#8211;  aller galanter Zauber des vorrevolution\u00e4ren XVIII. Jahrhunderts noch  ein letztes Mal zusammenfassend und beschlie\u00dfend aufgeboten.<br>Doch schon der zweite Satz (<em><strong>Largo con espressione<\/strong><\/em>, E-Dur)  entf\u00fchrt uns in eine v\u00f6llig andere Welt: Es ist sicher kein Zufall, da\u00df  Beethoven hier das einzige Mal in seinem Opus 1 das &#8220;klassische&#8221; Muster  der Tonartenbeziehungen in mehrs\u00e4tzigen Werken aufgibt und eine  fernliegende, &#8220;romantische&#8221;, &#8220;schubertische&#8221; Tonart aufsucht. <br> Wenn man wei\u00df, wie bewu\u00dft Beethoven mit Tonartencharakteristik umgeht,  und welche klangsinnliche Realit\u00e4t vor der Etablierung der &#8220;modernen&#8221;,  gleichschwebenden Temperatur (deren erkl\u00e4rter Gegner Beethoven  zeitlebens geblieben ist) mit dieser Charakteristik verbunden war, so  wird man diesem Detail mehr Gewicht geben m\u00fcssen, als es gemeinhin  geschieht. <br> Jedenfalls ist dieser Satz auch in dem an H\u00f6hepunkten nicht eben armen  Oeuvre Beethovens eine Sternstunde: was hier an Innigkeit, Tiefe und  Sammlung erreicht ist, entzieht sich weit \u00fcber das normale Ma\u00df hinaus  der Be- und Umschreibung.<br> Das <em><strong>Scherzo <\/strong><\/em> (<em><strong>Allegro<\/strong><\/em>, G-Dur) geh\u00f6rt zu  einem Satztypus, den der fr\u00fche Beethoven besonders liebte und um immer  neue Varianten bereicherte: das Scherzo von op.1 Nr.1  geh\u00f6rt ebenso hierher wie etwa das Scherzo der Klaviersonate C-Dur op. 2  Nr. 3. Gemeinsam ist all diesen S\u00e4tzen die Entwicklung aus einem  pr\u00e4gnanten, einstimmigen Motto, das Anla\u00df und Ausgangspunkt f\u00fcr  kontrapunktische <br> Kabinettst\u00fccke ist, wobei sich der gute Humor, der all diesen S\u00e4tzen  eigen ist, oft in derben und eigensinnigen Akzentuierungen  niederschl\u00e4gt; die &#8220;Fl\u00e4chigkeit&#8221; der Trios geh\u00f6rt ebenso zum  Erscheinungsbild dieses Satztypus wie die in die Stille zur\u00fcckf\u00fchrende,  das Motto &#8220;r\u00fcckentwickelnde&#8221; Coda, die oft (so auch hier) mit einer  R\u00fccknahme des Tempos verbunden ist.<br>Das <em><strong>Finale<\/strong><\/em> (<em><strong>Presto<\/strong><\/em>, G-Dur) greift die  ersterbenden Schlu\u00dfakkorde dieser Coda mit mutwilligem Elan auf: Dieser  Satz h\u00e4tte mit seinem leutseligen \u00dcbermut und seiner ansteckenden  Gutgelauntheit auch f\u00fcr den Buffo-Gro\u00dfmeister Rossini ein inspirierendes  Vorbild sein k\u00f6nnen, und es ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, da\u00df der  volkst\u00fcmliche und absichtsvoll naive (aber nie primitive) Witz dieser <br>Musik auch noch in manchen Geschwindm\u00e4rschen der Strau\u00df-Dynastie  nachklingt. Wieviele solcher S\u00e4tze h\u00e4tte Beethoven eigentlich schreiben  m\u00fcssen, um das monochrome Devotionalienbild des finster  dahinschreitenden Titanen als verflachende Fiktion blo\u00dfzustellen?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">\u00a9 by Claus-Christian Schuster\ufeff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig van Beethoven * 16. Dezember 1770\u2020 26. M\u00e4rz 1827 Trio G-Dur op.1 Nr.2 Komponiert: Wien Widmung: F\u00fcrst Carl von Lichnowsky Urauff\u00fchrung: Wien, bei F\u00fcrst Carl von Lichnowsky (Schauflergasse 6) vor dem 19. 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