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Max Reger


* 19. März 1873
† 11. Mai 1916

Sonate [Nr.4] (a moll) für Violoncello und Klavier. Op. 116.


Komponiert:    Oberaudorf, August - Anfang September 1910
Widmung:    Julius Klengel (1859-1933)
Uraufführung:    Hamburg, 18. Jänner 1911
Jakob Sakom (1877-?), Violoncello
James Kwast (1852-1927), Klavier
Erstausgabe:    Peters, Leipzig, 1911

Die am 23. September 1910 in Leipzig beendete vierte und letzte Cellosonate Max Regers ist heute nur recht selten zu hören. Doch in den Jahren nach ihrer Entstehung galt sie geradezu als ein emblematisches Werk der musikalischen Avantgarde. So gehörte sie etwa in Arnold Schönbergs Wiener „Verein für musikalische Privataufführungen“ (1918-1921) zu den meistgespielten Stücken. Das Interesse der Interpreten für das anspruchsvolle und kühne Werk war so groß, daß Julius Klengel, dem es gewidmet ist, die Uraufführung einem Konkurrenten überlassen mußte: Am 18. Jänner 1911 hoben Jakob Sakom (Violoncello) und James Kwast (Klavier) die Sonate in Hamburg aus der Taufe. Die spätere Vernachlässigung des Werkes (und von Regers Schaffen im allgemeinen) hat wohl mit der Entwicklung eines noch „radikaleren“ neuen musikalischen Idioms zu tun, vor dem die Sprache Regers plötzlich als „spätromantisch“ erscheinen konnte. Während also die Verfechter der Moderne sich dem jeweils Neuesten zuwandten, zog die Mehrzahl der „konservativen“ Hörer und Interpreten ihre imaginäre Demarkationslinie bei Johannes Brahms und ließ Max Reger neben diesem „Schmied“ höchstens noch als „Schmiedl“ gelten. Während man in diesem Lager die frei assoziative Harmonik des Meisters als willkürlich und gesucht kritisierte, stieß man sich in jenem an den als stereotyp empfundenen Regerschen Formschemata. Vielleicht ist jetzt, nach dem Ende dieses kontroversenreichen Jahrhunderts, doch endlich die Zeit gekommen, dieses beeindruckende Werk unbeeinflußt von ästhetischen und ideologischen Grabenkämpfen neu zu entdecken und zu würdigen.

© by Claus-Christian Schuster