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Hanns Eisler


* 06. Juli 1898
† 06. September 1962

Sonate für Violine und Klavier (Die Reisesonate, 1937)


Komponiert:    auf der Reise von Svendborg nach Prag, Oktober 1937
Erstausgabe:    Peters, Leipzig, 1959

Hanns Eisler, der seit seinem dritten Lebensjahr in Wien aufwuchs und hier 1919 Schüler von Arnold Schönberg wurde, ist vielen Lagern suspekt: den Traditionalisten als respektloser „Neutöner“, den Gralshütern der Avantgarde als ein Rebell, der die „Reinheit der Lehre“ bedenkenlos den Erfordernissen der politischen Agitation opferte. Sein „Verrat“ an Schönberg, dem er im März 1926 gestehen muß, er verstehe bis auf Äußerlichkeiten gar nichts von der 12-Ton-Technik und –Musik, geht Hand in Hand mit seinem um die selbe Zeit ganz in den Vordergrund tretenden sozialrevolutionären Engagement. 1929 beginnt er, mit Bertolt Brecht zusammenzuarbeiten; und nach der durch die nationalsozialistische Machtübernahme erzwungenen Flucht, die ihn zunächst nach Wien zurückführt, kommt er immer wieder zu Brecht nach Dänemark – so auch nach einem Besuch der spanischen Bürgerkriegsfront im Jänner 1937. Von hier reist er im Oktober nach Prag. Auf dieser ebenso beschwerlichen wie gefährlichen Reise entsteht eine Violinsonate, der Eisler selbst den Untertitel „Die Reisesonate“ gibt. Der Komponist geht hier auf so vital musikantische und gleichzeitig raffinierte Art mit dem Gestaltungsintrumentarium der Dodekaphonie um, daß ein imaginärer musikalischer Zollfahnder alle Mühe hätte, die Schmuggelware zu erkennen – Eisler ist en passant eines der luzidesten und vollendetsten Kammermusikwerke der ganzen Stilepoche geglückt. Ein Jahr vor seinem Tod wird er zu Recht sagen können: „Wenn man mich nicht spielt, ist der Musikbetrieb dumm. Das ist eine freche Behauptung, aber ich glaube, es ist eine richtige Behauptung.“

© by Claus-Christian Schuster